Gerne schreibe ich hier ein paar Worte zum vergangenen Wochenende:
Ich bin ein passionierte Angler (meine Partnerin würde wohl eher den Ausdruck "süchtig" brauchen
Ein guter Freund von mir fischte in seinem Revier oftmals auf Forellen und wollte mir dies schon oft schmackhaft machen. Ich antwortete oft mit "das ist nicht meine Fischerei, die Fische sind zu klein", "es ist doch viel zu kalt" & "ich fische lieber auf den Hecht". Da das Kribbeln in den Fingern aber letztes Jahr so gross wurde gegen Ende Februar, liess ich mich darauf ein, mir von ihm eine Einführung in die Forellenfischerei zu geben. Ich merkte schon da, dass ich zuvor wohl einiges falsch gemacht habe (gegen die Flussrichtung gefischt, zu laut, viel zu grobes Material etc.). Ich konnte also einige Tipps von ihm mitnehmen (herzlichen Dank nochmals an dieser Stelle für die Wertvollen Hinweise)!
Letztes Jahr konnten wir zwar leider keine Fario verhaften in meinem Revier aber ich nahm mir fest vor, mein neu erworbenes Wissen dieses Jahr anzuwenden und mein Glück zu probieren.
Ende Februar:
Das Kribbeln wird langsam unerträglich und ich spüre, dass ich mich zunehmend unwohl fühle und gereizt bin (ähnliche Symptome wie als ich mit dem Rauchen aufhörte - vlt. hat ja meine Freundind doch recht, wenn sie von einer Sucht spricht
Freitag: 1. März:
Da ich arbeiten musste, blieb mir nichts anderes übrig, als drinnen zu sein mit dem Wissen, dass viele Vereinkollegen gerade in diesem Moment ihre ersten Würfe der neuen Saison machen dürfen. Dieses Gefühl der Ahnungslosigkeit und all die quälenden Fragen "haben sie schon eine?", "gibt es morgen auch noch Fische? (Ich weiss, dass das eine blöde Frage ist aber sie kommt halt einfach hoch - ich denke der eint oder andere weiss genau was ich meine
Am Mittag dann die ernüchternde Meldung meines Vereinspräsidenten: "Hoi TOH, nei keini gfangä worde
Jetzt kamen alle Unsicherheiten wieder hoch: "Lohnt es sich wirklich morgen aufzustehen? Man fängt sowieso keine Forelle!", "warum sollte genau ich als Forellenneuling Erfolg haben, wenn all die erfahrenen Fischer heute keine (zumindest meines Wissens nach) fangen?"
Dennoch ging ich am Abend nach Hause und verbrachte ca. 1.5h im Keller mit Ködern sortieren, Montage fertigstellen, Vorfächer zu binden (so wie ich es im letzten Jahr gelernt habe) und auf Googlemaps geeignete Stellen zu finden. Danach stellte ich mir meine Wecker auf 07.00 Uhr und schlief mit dem Wissen ein, dass die lange Abstinenz morgen vorbei sein wird.
Samstag 2. März
Um Punkt 07.05 war mein Kaffee bereit und um 07.30 Uhr verliess ich die Wohnung warm eingepackt. Ich schaute noch kurz zu den Plastiksäcken, nahm aber mit dem Gedanken "meistens hat es mir Glück gebracht, wenn ich keinen Sack mitgenommen habe" keinen mit (was ich noch bereuen werden sollte).
08.00 Uhr: Endlich bin ich an meinem Vereinsgewässer an der Aare in der Region Brugg angekommen. Sofort werfe ich meinen Köder an der 1. besten Stelle flussaufwärts in die Strömung - was für ein Gefühl!!!
Danach arbeite ich mich immer na ca. 5 - 10 Würfen in 20m-Schritten flussaufwärts. Da es noch regnete und all die Steinklötze feucht und Mossbewachsen waren, ging es nicht lang, bis ich mit voller Wucht auf meinem Hintern landete. Das Gebüsch, welches das Ufer fast unzugänglich machte und mir in regelmässigen Abständen ins Gesicht "fitzte" entlockte mir schon nach kurzem die ersten leisen (da die Forellen sonst sofort weg sind) Flüche. Ich wollte schon meinen Kollegen anrufen, welcher in den Ferien weilt, und ihm sagen, dass ich die Schnauze voll habe von dieser Forellenfischerei und dem geklettere über Steinblöcke, umgefallene Bäume und kriechen durchs Unterholz.
Ich liess es dann aber bleiben und wechselte meinen Köder (fiiish: Powertail minow) und warf das nächste mal aus. Und was dann passierte kann ich auch heute noch nicht genau beschreiben:
Im Moment als sich der Schnurbogen langsam Senkrecht zur Fliessrichtung legte, vernahm ich einen Ruck in der Rute. "Wohl ein Stein" dachte ich mir. Trotzdem setzte ich reflexartig einen Anhieb. Und es zappelte auf der anderen Seite!!! "Tatsächlich ich habe einen Alet erwischt", naja hauptsache Fisch. Aber dann sah ich wie es silbern aufblitzte unter Wasser und ich wusste "das ist kein Alet! Das ist tatsächlich eine Forelle!" Und dann ging meine Pumpe, ich wusste doch, dass Forellen oft wieder aussteigen und das landen ebenso schwierig sei, wie überhaupt eine an den Haken zu bekommen. Doch ich schaffte es, nach etwa 3 Fluchten die Fario zu feumern.
Dann lag sie also vor mir: Meine erste "echte" Bachforelle aus der Aare und sie hatte stolze 44cm!

Ich hatte es also tatsächlich geschafft und eine der begehrten Aareforellen gefangen. Überglücklich und natürlich auch stolz, dass ich die Tipps meines Freundes umsetzen konnte ging ich nach Hause und überraschte meine Freundin, welche mir davor schon oft gesagt hat "du bist halt kein Forellenfischer". Mit einem breiten Grinsen kam ich also nach Hause und wir bereiteten die Forelle gemeinsam zu. Sie schmeckte herrvorragend und das Fleisch war richtig Lachsfarben (auch das kannte ich zuvor nicht, da meine Zuchtforellen bis jetzt immer weisses Fleisch hatten).
Sonntag 3. März
07.00 Uhr: Mein Wecker holt mich aus den Träumen und ich habe mir ernsthaft überlegt liegen zu bleiben. Ich hatte ja meine Forelle tagszuvor gefangen und darf mich zu den glücklichen zählen, welche bereits erfolgreich waren. Die ersten Sonnenstrahlen überzeugten mich dann doch und ich fuhr wieder zur gleichen Stelle wie gestern. Doch es sollte nicht sein. Ca. 2h lang warf ich meinen Köder in den Fluss und machte ganz schön Strecke. "War es gestern ein Glücksfang?", "mache ich alles richtig?" ging es mir durch den Kopf. Ich entschied mich danach den Platz zu wechseln an einen begradigten, kanalisierten Teil der Aare - ich hatte gehört dort wurden auch schon Forellen gefangen. Also alles zusammengepackt, im Auto verstaut und zum neuen Ort gefahren. Kaum angekommen und nach wenigen Würfen rief mich meine Freundin an. Sie wollte für uns einen Zopf backen, dass wenn ich nach Hause komme, wir zusammen Mittagessen konnten. Leider hatten wir keine Butter mehr zuhause und ich das Auto
Da ich nun schon den zweiten Tag in Folge am Fischen war, bot ich ihr an meine Sachen zu packen und Butter zu holen, danach so mein Plan gehe ich halt an eine nahegelegene Stelle, welche ich am Freitag bereits auf Googlemaps gesehen hatte und die mir "forellig" erschien.
11.11 Uhr: Die Butter habe ich abgeliefert und meiner Freundin herzlich gedankt für ihren Einsatz in der Küche. Ich sagte ihr ich gehe noch schnell an einen anderen Platz und sei so gegen 13.00 Uhr zuhause.
11.30 Uhr: Ich habe die Stelle entdeckt und gemerkt, dass Googlemaps gewisse Dinge verschweigt. Vom Fussweg geht es ca. 20m steil nach unten durch eine dichtbewachsene und rutschige Böschung, um an das Wasser zu gelangen. Ich rutschte praktisch auf allen dreien (in einer Hand die Rute und Feumer) den Hang hinunter und war froh unten heil angekommen zu sein. Die vorbeigegangenen Fussgänger hatten einen Blick drauf der wohl sagen wollte "spinnt der eigentlich? Es gibt hier soviel Wasser und er wählt diesen Platz!". Doch ich wollte genau diesen einen Platz, den ich ausgesucht habe.
Und es sollte sich lohnen: Ich hatte einen metallenen noname-Köder mit einem Spinnerblatt am Schwanz montiert und es hat genau 3 Würfe gedauert bis es schepperte. Die Forelle hat sich den Köder mitten in der Strömung geschnappt und sich sofort durch Sprünge bemerkbar gemacht. Da die Strömung an dieser Stelle relativ stark war und es umgefallene Bäume hatte, welche flussabwärts in Wasser ragten, geriet ich ein wenig in Panik. Ich konnte mich aber beruhigen indem ich mir sagte: "Die gestern war wichtiger! Du hast ja jetzt deine Forelle, die kann dir niemand mehr wegnehmen auch wenn du diese verlierst!"
Aber ich scheine das Glück an diesem Wochenende wohl gepachtet zu haben, denn kurze Zeit später konnte ich die Forelle mit dem Feumer in Empfang nehmen und sie war sogar noch grösser als die gestrige - und somit mein neuer Rekord! 54cm Kampflänge zog ich soeben aus dem Fluss.

11.45 Uhr: Ich rief meine Freundin an und dankte ihr von ganzem Herzen, dass sie mich gebeten hatte, Butter zu holen. Ich wäre nämlich sonst nicht mehr zu diesem Platz gefahren an diesem Wochenende... Auf dem Weg zum Auto bemerkte ich, dass ich auch heute meinen Sack vergessen habe, lächle übers ganze Gesicht und denke mir "auch wenn es Aberglaube ist, das nächste Mal gehe ich wieder ohne Sack!"
12.00 Uhr: Ich komme zuhause an und auf mich wartet frischer Zopf, Speck und ein Spiegelei.
Fazit:
Ein solches Wochenende wie dieses werde ich wohl lange nicht mehr erleben. Für mich war es das Highlight meiner jüngeren Fischerkarriere. Auch wenn es wohl Fischer gibt, welche solche Fänge belächeln oder als Zufallsfänge abtun, so war ich überglücklich und mächtig stolz!
Zudem habe ich gelernt, dass ich durch Tipps und das aufmerksame zuhören viel lernen konnte über eine Fischerei, welche mir vorher nicht so bekannt war! Mein Freund sagte mir übrigens, dass wir als nächstes die Zanderfischerei angehen und er mir auch dort ein paar Tipps geben könnte.
Ich freue mich darauf und hoffe auch dort ist das "Guiding" früher oder später von Erfolg gekrönt.
Und eins verpreche ich hier: Ich nehme alles zurück und entschuldige mich bei allen angefressenen Forellenfischern - Die Forellenfischerei ist spannend, abwechslungsreich und einfach geil!!!
Und für alle anderen: Ich hoffe euch die Forellenfischerei mit diesem Bericht ebenfalls schmackhaft gemacht zu haben und kann euch nur empfehlen es auch zu versuchen und euch vielleicht auch einmal einem erfahrenen Forellenfischer im Bekanntenkreis anzuschliessen - es kann Gold, respektive in diesem Fall SILBER, wert sein!
Liebe Grüsse und weiterhin Petri heil!
TOH

