Früher, weil es mir so beigebracht wurde, habe ich auch oft mit lebenden Elritzen und Haseln den Raubfischen nachgestellt, das hat zugegebenermassen auch Spass gemacht, zuzuschauen, wie der Zapfen sticht oder bei den Eglis langsam in die Tiefe verschwindet. Doch als zukunftsorientierter Fischer macht man auch eine Veränderung mit, man erhält andere Ansichten und geht mit der Entwicklung der Zeit. Wer diese Entwicklung nicht mitgeht, mischt sich mit leerem Köcher unter die Schützen.
Die Fischerei verändert sich oder "la peche a changé", wie es so schön heisst, da kann man nicht einfach stehen bleiben! Was früher aufgrund anderer Ansichten in der Gesellschaft noch breit akzeptiert war und sogar an Jungfischerkursen propagiert wurde (Naturköderfischen war das Nonplusultra inkl. lebender Köderfisch), wird heute zurecht in Frage gestellt.
Es wurden hier bereits viele gute und richtige Punkte (siehe z.B. Posts von Asti, Mattu und Flümi) genannt, weshalb es heute in der Schweiz (wir leben ja nicht in Afrika

) inkonsequent ist, dass man dies laut einzelnen Ausnahmen überhaupt noch darf. Tierschutzbestimmungen wie waidgerechter Umgang inkl. Kiemenschnitt/Entbluten sind trotz anfänglichen Bedenken von den Fischern akzeptiert, schonender Umgang gilt beim Gros als selbstverständlich. Es ist heute unumstritten, dass Fische nicht gefühllos sind, auch nicht im Maul, und auch Stress entwickeln können. Da passt m.E. die Fischerei mit lebenden Fischen so gar nicht ins Bild eines gegenüber Lebewesen respektvollen Fischers, insbesondere auch gegen aussen und weil es hunderte von alternativen, schonungsvolleren Fischereimethoden gibt.
Trotzdem wird diese Art Fischerei immer noch von vielen, v.a. älteren Fischern ausgeübt. Schon oft geriet ich in Konflikt, und zwar real, nicht virtuell, mit einigen meiner Fischerkollegen, die noch heute mit lebenden Butzen auf Eglis und Hechte fischen. Einige konnte ich überzeugen, andere (noch) nicht. So lange es noch erlaubt ist, gehe ich nach dem Motto "leben und leben lassen", denn eine Freundschaft durch diesen Konflikt aufs Spiel zu setzen, wäre doch gerade etwas arg.
Ich bin aber überzeugt und zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis diese Fischereimethode in der Schweiz gänzlich der Vergangenheit angehört.