Fang unerwünschter Krebsarten

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
Antworten
Benutzeravatar
Luki
Beiträge: 52
Registriert: Do 24. Dez 2009, 15:17
Meine Gewässer: Aare Solothurn
Has thanked: 2 times
Been thanked: 5 times
Switzerland

Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Luki »

Für den Einstieg in die Thematik ein kleines Video:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=4 ... 73d2e53d54


In der Aare, sowie wie in vielen anderen Gewässern der Schweiz finden sich unter den Krebsen verschiedenste Neozoa (Signalkrebs, Kamberkrebs, etc.), die vom Bund vor geraumer Zeit als "nicht erwünschte Tierart" eingestuft wurden. Da ich auf meinen Touren an der Aare Solothurn sehr regelmässig auf Signalkrebse treffe, ist mir der Gedanke gekommen, die einheimischen Krebse etwas zu unterstützen, indem ich mich für das nächste Jahr um eine Bewilligung zum Krebsfang bemühe :chef:

Auf meine Anfrage beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei hiess es dann folgendes:

"Für den Fang von Krebsen braucht es eine Bewilligung des Kantons.
Solche Bewilligungen stellt der Kanton momentan keine oder nur für
gewisse Forschungszwecke aus.
Da die einheimischen Krebse generell sehr selten geworden sind und lokal
vom Aussterben bedroht sind, werden auch in naher Zukunft keine
Bewilligungen zum Fang von Krebsen ausgestellt.

Für nicht einheimische Krebse, die in letzter Zeit insbesondere in der
Aare stark zugenommen haben, werden ebenfalls keine Fang-Bewilligungen
erteilt. Dies aufgrund der Tatsache, dass diese Krebse eine Krankheit
(Krebspest) verbreiten können, die für die einheimischen Krebse tödlich
verläuft."

Wird also nichts aus einem Signalkrebsshrimpcocktaill :( Auf die einheimischen Krebse hatte ich es ja so oder so nicht abgesehen - ich habe mich ja explizit nach der Möglichkeit einer Bewilligung für unerwünschte Neozoa erkundigt. Nach weiteren Recherchen im Internet bin ich auf den nationalen Aktionsplan für Flusskrebse der Schweiz von 2006 gestossen:

http://www.bafu.admin.ch/tiere/09262/09 ... bNoKSn6A--

Begründet wird die Empfehlung für ein Verbot des Krebsfanges für Privatpersonen wiefolgt:

"Auf der anderen Seite wird den Kantonen empfohlen, in ihre Gesetzgebung ein Verbot für die Nutzung
nicht-einheimischer Arten durch Freizeitangler/innen einzuführen sowie den Transport und die Haltung
fremder Arten zu verbieten. Dies rechtfertigt sich dadurch, dass es keine effiziente und vor Ort praktizierbare
Tötungsmethode für diese Tiere gibt sowie durch die Risiken beim Transport (Entweichen und
Besiedlung neuer Habitate). Interessierte Kreise sollen nicht ermuntert werden, fremde Arten absichtlich
zu verbreiten und in neue Gewässer einzusetzen, um sie dann nutzen zu können. Eine koordinierte
Abfischungskampagne gemäss BM2 ist jedoch möglich."

Hmmm. Ist mir schon klar: Es treiben sich einige rücksichtslose oder zumindest gedankenlose Leute am Wasser rum, die sich über die Folgen der Verschleppung einer Tierart nicht im klaren sind (meines Wissens stammen die Signalkrebse in der Aare auch ursprünglich aus einem Privatweiher in der Gegend von Solothurn, und sind nach heftigen Regenfällen über die Verenaschlucht in die Aare gespült worden, von wo aus sie sich munter vermehrt haben).
Laut dem Aktionsplan sind jedoch Abfischungskampagnen möglich:

"Prinzip: Ausführen aller möglichen realistischen Massnahmen für eine massive Reduktion resp. völlige
Ausrottung nicht-einheimischer Populationen eines Abschnittes durch die zuständigen Behörden.

Die vorgeschlagenen Eliminationsmassnahmen müssen zwingend von der zuständigen Behörde koordiniert
werden. Gleichzeitig muss eine Überwachung durchgeführt werden, damit gesichert werden
kann, dass die Auswirkungen auf die einheimische Flora und Fauna in einem vertretbaren Rahmen
bleiben. Die Massnahmen müssen von einem Kommunikationskonzept begleitet werden, damit die Öffentlichkeit
über das Vorgehen orientiert wird.

Verschiedene koordinierte Massnahmen können vorgeschlagen werden:
• Massive und wiederholte Abfischungen durch Fischereivereinigungen (Fänge, Tötung und Verzehr
vor Ort), überwacht von der zuständigen kantonalen Behörde.
• Systematisches Fallenstellen mit Hilfe von Reusen mit Ködern oder mittels Pheromonen1.
• Einsetzen von Raubfischen (Aal, Hecht).
• Temporäres Trockenlegen eines Gewässers."

Aus meiner Sicht ist dies ein Massnahmenpaket mit Auflagen in einer Breite, dass es (wenn überhaupt) zu vereinzelten Aktionen kommen kann. Und solche nur sporadisch angesetzten Massnahmen werden wohl kaum einen Einfluss auf die Population haben. Ob andererseits eine (beispielsweise mit einer Schulung im Bereich der Neozoaproblematik verbundenen) Lizenzvergabe an Privatpersonen die Population beeinflussen kann, bin ich mir auch nicht sicher. Ich denke jedoch, dass auf diese Weise eher ein "permanenter Druck" auf solche Populationen ausgeübt werden könnten.

Falls ihr der Textmenge zum Trotz bis hier die Stange gehalten habt :lol: : Habt ihr informationen, wie es in euren Kantonen mit der Krebsentnahme aussieht? Was haltet ihr von einem Verbot, respektive von einer Erlaubnis des Krebsfanges mit welcher aber zwingend eine Sensibilisierung für den korrekten Umgang mit Neozoa einhergehen sollte? Und besteht von der "Freizeitfischerseite" her überhaupt ein Interesse für den Fang dieser Tierchen?

Ich bin gespannt auf eure Meinung :!:

Mfg

Ps: Ich wusste echt nicht, wo ich diesen Beitrag sonst einstellen sollte...falls die Mods eine bessere Idee haben, bitte ich um Verschiebung und Verzeihung.
Benutzeravatar
grosserböserfish
Beiträge: 289
Registriert: So 20. Jul 2008, 12:19
Meine Gewässer: Vater Rhein, Schluchsee,Luganer,ISLAND,MEER!
Wohnort: Rheinfelden
Has thanked: 16 times
Been thanked: 1 time
Iceland

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von grosserböserfish »

Habe letzten Sommer 09 mal nachts um 12 mit der Lampe Kamberkrebse gejagt. etwa 50 Stück in einer Stunde... etwa 20 kleinere haben meine Haustiere verspeist, aus dem Rest hat es einen Krevettencocktail gegeben. Leecker!!! Doch auch viel Arbeit für die paar Schwänzli...Doch hab ich eigentlich gedacht, das sei erwünscht und auch erlaubt :oops:. Einen Signalkrebs hab ich im Rhein auch schon gesehen. Edelkrebse leider wenige und schon lang nicht mehr gesehen...
Chuck Norris kann Fische ertränken!
astacus

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von astacus »

hallo luki

danke für den thread, dieses thema liegt mir natürlich sehr am herzen :mrgreen:

Luki hat geschrieben:Auf meine Anfrage beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei hiess es dann folgendes:

"Für den Fang von Krebsen braucht es eine Bewilligung des Kantons.
Solche Bewilligungen stellt der Kanton momentan keine oder nur für
gewisse Forschungszwecke aus.
Da die einheimischen Krebse generell sehr selten geworden sind und lokal
vom Aussterben bedroht sind, werden auch in naher Zukunft keine
Bewilligungen zum Fang von Krebsen ausgestellt.

Für nicht einheimische Krebse, die in letzter Zeit insbesondere in der
Aare stark zugenommen haben, werden ebenfalls keine Fang-Bewilligungen
erteilt. Dies aufgrund der Tatsache, dass diese Krebse eine Krankheit
(Krebspest) verbreiten können, die für die einheimischen Krebse tödlich
verläuft."
es gibt im kanton solothurn momentan zwei personen, die eine bewilligung für den einsatz von reusen zum krebsfang haben, eine davon ist meine wenigkeit. wie im mail des kantons (ich nehme an, es kam von stefan gerster) dargelegt wird, werden die bewilligungen nur unter klaren, strengen auflagen und nur zu wissenschaftlichen zwecken vergeben. die bewilligung beinhaltet zwar die auflage, dass fremde krebse in jedem fall zu töten sind (eine verwertung dieser ist natürlich zugelassen) und einheimische in jedem fall zurückzusetzen. es sind aber keine bewilligungen zur dezimierung, sondern eben mit dem primären ziel eines monitorings.

übrigens handhaben verschiedene kantone dies gleich, namentlich der kanton aargau, welcher bezüglich krebsmanagement in der schweiz mit grossem abstand am vorbildlichsten ist. den grund für die äusserst strenge vergabe der bewilligungen bzw. des faktischen fangverbotes für privatpersonen hast du ja korrekt aufgeführt.

Luki hat geschrieben:meines Wissens stammen die Signalkrebse in der Aare auch ursprünglich aus einem Privatweiher in der Gegend von Solothurn, und sind nach heftigen Regenfällen über die Verenaschlucht in die Aare gespült worden, von wo aus sie sich munter vermehrt haben
genau so wars. und heute haben sie sich ausgehend von der stadt solothurn flussabwärts bereits mindestens bis nach aarau ausgebreitet.

Luki hat geschrieben:Laut dem Aktionsplan sind jedoch Abfischungskampagnen möglich:

"Prinzip: Ausführen aller möglichen realistischen Massnahmen für eine massive Reduktion resp. völlige
Ausrottung nicht-einheimischer Populationen eines Abschnittes durch die zuständigen Behörden.

Die vorgeschlagenen Eliminationsmassnahmen müssen zwingend von der zuständigen Behörde koordiniert
werden. Gleichzeitig muss eine Überwachung durchgeführt werden, damit gesichert werden
kann, dass die Auswirkungen auf die einheimische Flora und Fauna in einem vertretbaren Rahmen
bleiben. Die Massnahmen müssen von einem Kommunikationskonzept begleitet werden, damit die Öffentlichkeit
über das Vorgehen orientiert wird.

Verschiedene koordinierte Massnahmen können vorgeschlagen werden:
• Massive und wiederholte Abfischungen durch Fischereivereinigungen (Fänge, Tötung und Verzehr
vor Ort), überwacht von der zuständigen kantonalen Behörde.
• Systematisches Fallenstellen mit Hilfe von Reusen mit Ködern oder mittels Pheromonen1.
• Einsetzen von Raubfischen (Aal, Hecht).
• Temporäres Trockenlegen eines Gewässers."
das alles ist im prinzip ja richtig. nur wird es nach übereinstimmender meinung aller lokalen und schweizer experten als faktisch unmöglich bezeichnet, den signalkrebs jemals wieder aus der aare raus zu bringen oder ernsthaft zu dezimieren. der andere bewilligungsinhaber hatte diesen sommer während mehreren monaten durchgehen reusen in der aare gesetzt und signalkrebse gefangen. dieser versuch wird dann wiederholt werden und auch mit früheren resultaten abgeglichen. daraus wird sich dann ablesen lassen, ob diese einsätze wirklich einen effekt hatten oder nicht. wenn sich ein signifikanter effekt der reusen auf die population nachweisen lässt, werden vielleicht in zukunft mehr reuseneinsätze bewilligt. ich persönlich glaube jedoch nicht so recht daran...

Luki hat geschrieben:Aus meiner Sicht ist dies ein Massnahmenpaket mit Auflagen in einer Breite, dass es (wenn überhaupt) zu vereinzelten Aktionen kommen kann. Und solche nur sporadisch angesetzten Massnahmen werden wohl kaum einen Einfluss auf die Population haben. Ob andererseits eine (beispielsweise mit einer Schulung im Bereich der Neozoaproblematik verbundenen) Lizenzvergabe an Privatpersonen die Population beeinflussen kann, bin ich mir auch nicht sicher. Ich denke jedoch, dass auf diese Weise eher ein "permanenter Druck" auf solche Populationen ausgeübt werden könnten.
daran arbeiten wir noch. ich habe dem kanton bereits mehrfach vorgeschlagen, mittels kursen spezialisierte "krebsfänger" auszubilden. dies wurde zwar abgelehnt, aber für mich ist diese idee sicher noch nicht gestorben. mal schauen, wenn wir ein gutes konzept vorlegen und der bedarf danach vorhanden ist, ist da sicher was machbar.
Arts

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Arts »

Hallo,
astacus hat geschrieben:wenn sich ein signifikanter effekt der reusen auf die population nachweisen lässt, werden vielleicht in zukunft mehr reuseneinsätze bewilligt. ich persönlich glaube jedoch nicht so recht daran...
Ja, wenn ihr sagt das die unerwünschten Arten kaum mehr zu eliminieren sind, und es nichts bringt, finde ich es persönlich schade das man diese Krebse nicht im Minimum wirtschaftlich nutzt.... Berufs, Hobbyfischerei.... Immer noch Besser als nichts zu tun, oder die Antibiotikagarnelen aus Übersee.. Und das es nichts bringt? Der Mensch hat es noch immer geschaft eine Tierart gefährlich zu dezimieren oder gar auszurotten. Das ein par Testreussen nichts bringen, sehe ich auch so...

Wenn die Population nicht zurückgeht, das wäre ja erst recht ein Grund kommerziell Patente zu verkaufen.

Flusskrebse sind eine Delikatesse.... da sabere ich aus den Mundwinkeln beim Gedanken daran.... ein leckeres lokales Produkt, da lass ich die Crevetten links liegen :chef:

Ich erinnere mich, als Jugendlicher, hatte ich einige mal in einem Landgasthof eine Ferienjob in der Küche, war im Jahre 82' ,83', in Fraubrunnen. Der hatte noch Flusskrebse im Angebot, frisch. in einem Brunnen hinter dem Gasthof gehältert. Ich habe dazumal noch geholfen diese zu "kastrieren", entdarmen. Das erfolgte am Lebenden Tier, die mittlere Schwanzflosse wurde herausgezogen, danach ab ins Kochende Wasser. Das verarbeitete Produkt, köstlich. Heute findet man es kaum noch, und wenn doch, dann als Importprodukt verarbeitet, gekocht, pasteurisiert eingelegt.......

Es ist einfacher Bärenkrebsschwänzen zu bekommen. Zwar tiefgekühlt aber ungekocht, ungeschält ;)

Tom
Zuletzt geändert von Arts am Sa 11. Dez 2010, 23:25, insgesamt 2-mal geändert.
astacus

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von astacus »

Arts hat geschrieben:Ja, wenn ihr sagt das die unerwünschten Arten kaum mehr zu eliminieren sind, und es nichts bringt, finde ich es persönlich schade das man diese Krebse nicht im Minimum wirtschaftlich nutzt.... Berufs, Hobbyfischerei.... Immer noch Besser als nichts zu tun, oder die Antibiotikagarnelen aus Übersee..
grundsätzlich gebe ich dir recht: arten, die sich hier etabliert haben, soll man auch nutzen können.

der punkt bei den krebsen ist aber, dass amerikanische und europäische arten nicht koexistieren können und daher zum schutz der verbliebenen einheimischen restbestände alles unternommen werden muss. dazu ist ein generelles fangverbot ein mittel, weil es nämlich oft krebsfänger sind, die die arten ausbreiten. krebse sind absolute ausbrechermeister, die sich aus jedem teich und acuh fast jedem aquarium oder brunnen befreien können. deshalb verbietet sich eine lebendhälterung schon mal generell. hinzu kommt, dass durch reusen und anderes material auch die krebspest (für europäische arten zu 100% tödlich) verbreitet werden kann. genau deshalb kann auch eine nutzung der etbalierten fremden arten einheimische noch immer gefährden.

die lösung, die ich dafür vorgeschlagen habe, ist eben jene, nur für ausgebildete personen krebspatente auszustellen. diese personen müssen sich voll und ganz im klaren sein, was die problematik der ganzen geschichte ist und wie man diese minimiert. der grösste teil der heutigen fischer sind sich dessen nämlich nicht mal ansatzweise bewusst.

Arts hat geschrieben:Und das es nichts bringt? Der Mensch hat es noch immer geschaft eine Tierart gefährlich zu dezimieren oder gar auszurotten. Das ein par Testreussen nichts bringen, sehe ich auch so...
deiner kritik, dass mit den testfängen nichts festgestellt wird, muss ich übrigens deutlich widersprechen. es wurden nicht wahllos einfach mal ein paar reusen eingesetzt. sondern es wurden auf einem klar definierten abschnitt (2km) - übrigens schon seit jahren im gleichen, damit die resultate wirklich vergleichbar sind - während monaten sehr viele reusen eingesetzt, die täglich kontrolliert wurden. das ist nicht einfach nichts. möchte man das selbe auf dem ganzen inzwischen besiedelten abschnitt machen, bräuchte man hunderte helfer, die ausnahmslos jeden tag die reusen kontrollieren.

mit dem ausrotten ist es übrigens nicht so einfach. ein krebswissenschaftlich meinte dazu sinngemäss mal folgendes:
wenn man will, bringt man krebse nicht weg, nicht mal einheimische. und wenn man sie da haben will, bringt man sie kaum dazu, auch zu bleiben.
Arts

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Arts »

Hoy,

Ja das mit dem Verschleppen der Krebspest durch die Reusen ist ein Problem, habe ich mir so nicht überlegt.

Krebspest ist ja eine Pilzerkrankung, gibt es dafür ein antimykotikum?

Es stellt sich mir nun die Frage, muss ich in direktem Kontakt mit dem Krebs sein oder reicht es wenn Mykosen im Wasser sind. Wenn diese im Wasser sind kann ich die Krebspest sogar über meine Schuhe in ander Gewässer tragen oder sogar über meine "vollgesogene" geflochtene Schnur?

Man müsste die Reussen nach jedem Einsatz sterilisieren bevor man in ein anderes Gewässer geht, gebe dir recht, soviel Disziplin ist wohl schwer durchzusetzen, und nicht kontrollierbar... und wenn der kommerzielle Fang dazu kommt ist es schnell mal ein Kostenpunkt der gerne mal vernachlässigt wird.

Schade.... ich sehe es, wir werden wohl nicht mehr in den Genuss feiner Flusskrebse kommen ;)...

Wie sieht es schweizweit eigentlich aus? Ist diese Problematik in allen Gewässern, gibt es noch Gewässer wo die einheimischen Krebse konkurenzlos leben?

Oder ist es bereits ein verlorener Kampf?

Nicht koexistieren, nicht nur wegen der Krebspest? Du sprichst hier Lebensraum, Nahrung, Konkurent, Verdrängung an? Das würde ja wiederum für einen Fang sprechen.

Tom
astacus

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von astacus »

Arts hat geschrieben:Krebspest ist ja eine Pilzerkrankung, gibt es dafür ein antimykotikum?
meines wissens keines, das sich in gewässern einsetzen lässt.

Arts hat geschrieben:Es stellt sich mir nun die Frage, muss ich in direktem Kontakt mit dem Krebs sein oder reicht es wenn Mykosen im Wasser sind. Wenn diese im Wasser sind kann ich die Krebspest sogar über meine Schuhe in ander Gewässer tragen oder sogar über meine "vollgesogene" geflochtene Schnur?
es ist tatsächlich so, die sporen der krebspest sind auch durch wasser übertragbar. nasse stiefel, nasse kescher, etc. sind deshalb u.u. problematisch, wenn man etwa vom bielersee direkt an einen jurabach geht. bei begehungen von gewässern mit beständen einheimischer krebse (fürs monitoring) reinige ich die stiefel und das fanggerät (kescher) immer erst gründlich mit javel-wasser, um jedes risiko auszuschliessen.

Arts hat geschrieben:Wie sieht es schweizweit eigentlich aus? Ist diese Problematik in allen Gewässern, gibt es noch Gewässer wo die einheimischen Krebse konkurenzlos leben?

Oder ist es bereits ein verlorener Kampf?
die grossen gewässer des mittellandes sind in der tat auf absehbare zeit für einheimische krebsarten verloren. der kamberkrebs besiedelt bereits praktisch alle grossen flüsse (rhein, aare, etc.) und grossen seen (jurarandseen, genfersee, bodensee, etc.). der signalkrebs ist weit weniger verbreitet, befindet sich jedoch noch stark in der ausbreitungsphase.

einheimische krebse haben aber durchaus noch chancen. dohlen- und steinkrebse leben noch in manchen bächen, meistens in den oberläufen. hier hat die gewässerverbauung manchmal sogar gute seiten, etwa wenn ein kraftwerk beispielsweise einen bach von einem see abtrennt. dies kann dann auch ein hinderniss sein für fremde krebse. edelkrebse überleben recht gut in weihern und kleinseen, wo sie auch langfristige überlebenschancen haben. je isolierter und abgelegener ein gewässer ist, desto mehr potential hat es für einheimische krebse. je grösser und besser vernetzt es ist, desto grösser ist die wahrscheinlichkeit, dass schon amerikaner drin sind oder noch kommen werden.

Arts hat geschrieben:Nicht koexistieren, nicht nur wegen der Krebspest? Du sprichst hier Lebensraum, Nahrung, Konkurent, Verdrängung an? Das würde ja wiederum für einen Fang sprechen.
die direkte konkurrenz um nahrung und lebensraum ist für die verdrängung weniger entscheidend. der grösste aller 7 krebsarten in der schweiz (total 3 heimische und 4 eingeführte) ist der heimische edelkrebs. rein körperlich ist er allen anderen arten überlegen, auch dem eher grossen signalkrebs. auch punkto wasserqualität stellt der edelkrebs keine so hohen ansprüche an seinen lebensraum und er gilt etwa als toleranter gegenüber warmen wassertemperaturen als der signalkrebs. dies gilt jedoch nicht für die heimischen stein- und dohlenkrebse, diese sind auf kühle und sauerstoffreiche gewässer angewiesen (sie leben typischerweise in der forellenregion).

eine direkte konkurrenz zwischen einheimischen und fremden arten kann also vorkommen, die einheimischen würden jedoch nicht in jedem fall unterliegen - wenn sie nicht an der krebspest zugrunde gehen würden.
Arts

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Arts »

Ja,

Das ist eine traurige Entwicklung, schade

Fragt sich nur was für Auswirkungen dies langfristig auf unser Ökosystem hat. Ich meinem dem Egli ist es wohl egal welchen Krebs es frisst, aber im Mikrokosmos, kann dies Auswirkungen haben. Frisst der Kamber oder Signalkrebas dasselbe wie der Edelkrebs, Steinkrebs usw?

Diese Entwicklung hat doch sicher Auswirkungen auf die gesammte Nahrungskette, auf unseren Makrokosmos, eventuell sogar positiv?

Weis man dazu schon was? Oder kann man sagen ist schade aber egal, Unsere einheimischen Krebse haben halt die "menschlich beeinflusste" Evolution nicht überstanden ... ein Rückschlag für unsere Biodiversität, das ist aber auch schon alles..

Interessant wäre noch zu wissen, wie weit verbreitet die Krebspest ist. Ich gehe mal davon aus das nicht jeder Kamber, Signalkrebs die Krebspest mit sich trägt.... Macht man diesbezüglich bei den Fängen Tests? Oder auch Gewässeranalysen um Sporen nachzuweisen?

Tom
astacus

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von astacus »

Arts hat geschrieben:Fragt sich nur was für Auswirkungen dies langfristig auf unser Ökosystem hat. Ich meinem dem Egli ist es wohl egal welchen Krebs es frisst, aber im Mikrokosmos, kann dies Auswirkungen haben. Frisst der Kamber oder Signalkrebas dasselbe wie der Edelkrebs, Steinkrebs usw?

Diese Entwicklung hat doch sicher Auswirkungen auf die gesammte Nahrungskette, auf unseren Makrokosmos, eventuell sogar positiv?
grundsätzlich besetzen die fremden krebsarten ähnliche ökologische nischen wie die heimischen arten. wie bei den heimischen gibt es auch bei den fremden solche, die eher in stehenden, wärmeren und nährstoffreicheren gewässern vorkommen und solche, die eher in fliessenden, kühleren, sauberern gewässern leben. für das gesamtökosystem ist es deshalb meines erachtens eher weniger entscheiden, welche krebsart nun vorkommt. hauptsache ist, dass überhaupt krebse vorkommen. die ökologische funktion des krebses kann nicht hoch genug eingestuft werden. die für uns offensichtlichste ist, dass fische krebse fressen und dadurch von ihnen profitieren. krebse gelten aber auch als gesundheitspolizei der gewässern, weil sie tote und kranke tiere beseitigen und so der ausbreitung von krankheiten und erreger alles art vorbeugen, womit widerum die fischbestände gesünder bleiben.

eine weitere absolute eigenheit der krese ist, dass praktisch als einzige grössere tierart im gewässer nicht nur konsumenten, sondern auch destruenten sind - diese rolle haben sonst nur pilze und bakterien. krebse bauen also detritus im gewässer ab, was der eutrophierung vorbeugen kann.

krebse sind also absolut zentral in der nahrungskette von gewässern. für den nahrungskreislauf ist es aber weitgehend unerheblich, ob es sich nun um fremde oder einheimische arten handelt.

Arts hat geschrieben:Interessant wäre noch zu wissen, wie weit verbreitet die Krebspest ist. Ich gehe mal davon aus das nicht jeder Kamber, Signalkrebs die Krebspest mit sich trägt.... Macht man diesbezüglich bei den Fängen Tests? Oder auch Gewässeranalysen um Sporen nachzuweisen?
sporen lassen sich im gewässer praktisch nicht nachweisen, da sie dort viel zu stark verdünnt vorkommen und nur wenige wochen ohne wirt überleben. untersucht werden daher direkt die krebse, bei denen man den erreger recht gut nachweisen kann (in spezialisierten labors). testfänge für krebspestanalysen gab es in der schon diverse. bei kamberkrebsen wurde die krebspest z.b. bei büren a.a. und bei wangen a.a. nachgewiesen, bei signalkrebsen in der region solothurn. das seeland und die darunter liegende aare gelten also durchwegs als verseucht.

ich habe hier auf der festplatte einige karten und berichte von untersuchungen aus der schweiz, finde diese im moment aber gerade nicht online. falls ich noch fündig werde, kann ich die dann noch verlinken.
Arts

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Arts »

Danke für die Info,

Nach deinen Aussagen, und der Situation, bin ich geneigt zu sagen.

Macht es noch sinn die einheimischen Krebse so extrem zu schützen, oder überlassen wir das Feld den Amerikanern, dem gesamten Okosystem schadet es ja anscheinend nicht...

Es wäre somit "nur" der Verlust einer Art, der Lauf der Evolution. Der stärkere überlebt.

Halten wir uns hier an einem Strohalm fest?

Gruss
Thomas
astacus

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von astacus »

ich frage mich nun ernsthaft, was du mit "extrem schützen" meinst? ich wünschte fast, das würde gemacht...

fakt ist aber, dass ein nicht unwesentlicher teil der kantone rein gar nichts zu den krebsen macht, sondern der entwicklung einfach ihren lauf lässt und diese bestenfalls interessiert mitverfolgt. viele andere kantone (u.a. bern, solothurn) treffen punktuelle massnahmen zur förderung der einheimischen arten, die aber wohl realistischerweise kaum mehr als ein tropfen auf den heissen stein sind. eine effektive und starke bekämpfung fremder arten findet aber praktisch nirgends statt. stellenweise gibt es versuche, ob mit reusen die ausbreitung der signalkrebse aufgehalten werden kann (birs in BL), andernorts werden etwa die roten amerikanischen sumpfkrebse bewirtschaftet (von freiwilligen und nicht vom staat!), um immerhin einen verminderten abwanderungsdruck zu erreichen.

der aufwand, der für die krebse betrieben wird, ist also im allgemeinen sehr gering. ausnahme ist hier nur der schon erwähnte kanton aargau, die immer mal wieder neue dinge versuchen (z.b. signalkrebsfang bzw. -tötung mit wechselstrom, einsatz von gülle gegen krebse). und dass solche versuche getätigt werden, ist ja nicht verkehrt, denn mehr zu wissen und allenfalls neue methoden zu entwickeln, kann nicht schaden.

Arts hat geschrieben:Es wäre somit "nur" der Verlust einer Art, der Lauf der Evolution. Der stärkere überlebt.

Halten wir uns hier an einem Strohalm fest?
mit dieser argumentation kann man sich im prinzip bei den meisten umeltproblem zurücklehnen und sagen, es komme dann schon gut. die meisten tierarten sind irgendwie ersetzbar oder es funktioniert auch ohne sie (ökologische nischen können auch leer bleiben!). dies wäre ein faktisches eingeständnis, dass wir keinen artenschutz brauchen.

oder anders gesagt: äschen? für das ökosystem nicht unbedingt nötig, es gibt genügend andere arten. seeforellen? auch unnötig, sowohl in seen wie auch fliessgewässern gibts genug andere raubfische, die ihre position einnehmen. warum sollen wir uns denn an diesem strohhalm festhalten? es ist doch vielleicht der lauf der evolution, dass wir diese arten ausrotten...

aber schlussendlich muss man das existenzrecht von arten nicht mit menschlichen interessen begründen, jede art hat ein existenzrecht in ihrem angestammten gebiet.

und ganz nebenbei: es ist bei den krebsen weit mehr als ein strohhalm. es wird auch in 100 jahren noch einheimische krebse geben. die frage ist nur, ob dies dann noch kümmerlichere restbestände sein werden oder aber grosse, gesunde populationen.
Arts

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Arts »

Hoy,

Ja meine Aussage war absichtlich provokativ formuliert.
astacus hat geschrieben:ich frage mich nun ernsthaft, was du mit "extrem schützen" meinst? ich wünschte fast, das würde gemacht...
Das ist der Eindruck den ich habe, aber dann ist dies nur im Kt. Bern, Solothurn so.

Ich habe dies gesagt, weil ich sehe was alles getan wird um die Krebspest zu verhindern. Opportunistisch betrachte könnte man sagen, warum darf der nicht gefangen, genutzt werden, Und die Argumente dagegen sind klar und kosenquent. Es werden nur Erlaubnisse für wissenschaftliche Zwecke vergeben.... Das ist es was ich als extrem Schützen herauslese.
astacus hat geschrieben:schlussendlich muss man das existenzrecht von arten nicht mit menschlichen interessen begründen
Sicher bin ich mit dir einig. Aber leider ist der Mensch opportunist (spätestens wenn es um Geld geht)... und wenn man es nicht ist wird man als extremist betitelt :)

Kommt dazu das die Krebse eher eine verstekte Lebensart haben, und die meisten nicht fischer kaum einen zu Gesicht bekommen, das heisst das öffentrliche Interesse ist gering, das erschwert den Geldfluss, und desshalb basiert wohl das meiste auf freiwilligenbasis....
astacus hat geschrieben:oder anders gesagt: äschen? für das ökosystem nicht unbedingt nötig, es gibt genügend andere arten. seeforellen? auch unnötig, sowohl in seen wie auch fliessgewässern gibts genug andere raubfische, die ihre position einnehmen.
Gutes Beispiel, was aber auch wieder zeigt, das Interesse an einer Äsche ist halt grösser als das für einen Flusskrebs... selbst bei uns Fischer

Halt auch wieder geprägt durch den Opportunismus... Wer interessiert sich schon am Krebsfang... Und wegen dieser geringen aufmerksamkeit, hatte ich den Eindruck wird doch viel getan für unsere Krebse

Ich finde unsere Flusskrebse als interessante Genossen, ich freu mich jedesmal wenn ich einen sehe :v:

Gruss
Tom
Benutzeravatar
Luki
Beiträge: 52
Registriert: Do 24. Dez 2009, 15:17
Meine Gewässer: Aare Solothurn
Has thanked: 2 times
Been thanked: 5 times
Switzerland

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von Luki »

Da ist ja schon recht was gelaufen in der Zwischenzeit!
astacus hat geschrieben: der andere bewilligungsinhaber hatte diesen sommer während mehreren monaten durchgehen reusen in der aare gesetzt und signalkrebse gefangen. dieser versuch wird dann wiederholt werden und auch mit früheren resultaten abgeglichen. daraus wird sich dann ablesen lassen, ob diese einsätze wirklich einen effekt hatten oder nicht. wenn sich ein signifikanter effekt der reusen auf die population nachweisen lässt, werden vielleicht in zukunft mehr reuseneinsätze bewilligt. ich persönlich glaube jedoch nicht so recht daran...
Gibt es denn vergleichbare Projekte (z.B. das aus dem SF-Movie), die bereits Resultate der Reuseneinsätze ausweisen können? Ich habe dazu keine Informationen gefunden.
astacus hat geschrieben:(ich nehme an, es kam von stefan gerster)
Genau der was`s.
astacus hat geschrieben:daran arbeiten wir noch. ich habe dem kanton bereits mehrfach vorgeschlagen, mittels kursen spezialisierte "krebsfänger" auszubilden. dies wurde zwar abgelehnt, aber für mich ist diese idee sicher noch nicht gestorben. mal schauen, wenn wir ein gutes konzept vorlegen und der bedarf danach vorhanden ist, ist da sicher was machbar.
Wer ist "wir"? Anhand deiner Beiträge hab ich schon irgendwie vermutet, dass du "vom Fach" bist, aber wo arbeitest du genau?
astacus hat geschrieben: während monaten sehr viele reusen eingesetzt, die täglich kontrolliert wurden. das ist nicht einfach nichts. möchte man das selbe auf dem ganzen inzwischen besiedelten abschnitt machen, bräuchte man hunderte helfer, die ausnahmslos jeden tag die reusen kontrollieren.

Versuchts mal mit Zivildienstlern:) Ne, im Ernst - in der Schweiz gibts ja auch Naturvereine (z.B. Naturwerk, Kt. Aargau), die Neophyten bekämpfen (oder dies zumindest versuchen), und dafür finanzielle Hilfe vom Kanton erhalten. Ist ein solches Projekt von deiner Organisation aus undenkbar?
Arts hat geschrieben: astacus hat geschrieben:
schlussendlich muss man das existenzrecht von arten nicht mit menschlichen interessen begründen

Sicher bin ich mit dir einig. Aber leider ist der Mensch opportunist (spätestens wenn es um Geld geht)... und wenn man es nicht ist wird man als extremist betitelt
Arts hat geschrieben:Wenn die Population nicht zurückgeht, das wäre ja erst recht ein Grund kommerziell Patente zu verkaufen.
Zu dieser Thematik: Es gibt bereits Denkansätze in Dokumenten des BAFU, die in diese Richtung gehen, aber anders rum: Eventuell könnte man mit der kommerziellen Nutzung von einheimischen Krebsarten auch den Bestand stützen: Wenn eine Krebsart zu einem fischereitechnisch interessanten Faktor würde, wäre mit Sicherheit auch die Förderung der Bestände vermehrt ein Thema. Das könnte auch in die Richtung gehen, dass vermehrt gut isolierte Gebiete zu Zuchtzwecken dienen.
astacus

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von astacus »

Luki hat geschrieben:Gibt es denn vergleichbare Projekte (z.B. das aus dem SF-Movie), die bereits Resultate der Reuseneinsätze ausweisen können? Ich habe dazu keine Informationen gefunden.
mir sind aus der schweiz keine veröffentlichungen dazu bekannt, mit der ausnahme des schübelweihers im kanton zürich vielleicht. der schübelweiher, wo der rote amerikanische sumpfkrebs vorkommt, war ja in den 90ern mal fast ein nationales politikum, da die krebse dort mit einem starken insektizid ausgerottet werden sollten, wogegen der WWF erfolgreich einsprache erhob.

siehe dazu folgende berichte, v.a. den zweiten und dritten, was den erfolg der massnahmen betrifft:
http://www.eawag.ch/medien/bulletin/arc ... ht1997.pdf
http://www.eawag.ch/medien/bulletin/arc ... ht1998.pdf
http://www.eawag.ch/medien/bulletin/arc ... ht2002.pdf

die situation in einem solchen abgeschlossenen, eher kleinen stillgewässer ist jedoch nicht 1 zu 1 auf einen grossen fluss übertragbar.

von den reuseneinsätzen in unserer region wurde meines wissens nie was publiziert, ebenso sind mir keine publikationen der resultate der reuseneinsätze in der birs bekannt.

Luki hat geschrieben:
astacus hat geschrieben:daran arbeiten wir noch. ich habe dem kanton bereits mehrfach vorgeschlagen, mittels kursen spezialisierte "krebsfänger" auszubilden. dies wurde zwar abgelehnt, aber für mich ist diese idee sicher noch nicht gestorben. mal schauen, wenn wir ein gutes konzept vorlegen und der bedarf danach vorhanden ist, ist da sicher was machbar.
Wer ist "wir"? Anhand deiner Beiträge hab ich schon irgendwie vermutet, dass du "vom Fach" bist, aber wo arbeitest du genau?
meine aktivitäten zu den krebsen sind nicht direkt beruflicher natur, sondern sie laufen ehrenamtlich, wenn auch im auftrag des kantons. angestellt bin ich teilzeit und als freischaffender bei einer NGO und studiere noch, bin also nicht bei einer behörde angestellt. die krebsaktivitäten laufen im namen der ASA, konkrete infos dazu finden sich hier. mit "wir" sind deshalb ich und die kollegen aus dieser organisation und aus dem FV solothurn u.u. gemeint, die sich mit dieser thematik befassen.

Luki hat geschrieben:Versuchts mal mit Zivildienstlern:) Ne, im Ernst - in der Schweiz gibts ja auch Naturvereine (z.B. Naturwerk, Kt. Aargau), die Neophyten bekämpfen (oder dies zumindest versuchen), und dafür finanzielle Hilfe vom Kanton erhalten. Ist ein solches Projekt von deiner Organisation aus undenkbar?
nein, ich würde sowas sicher nicht grundsätzlich ausschliessen. aber die entscheidung dafür liegt letztlich nicht bei mir, sondern ich bin bei all diesen tätigkeiten immer auf die zustimmung und bewilligungen des kantons angewiesen. so ein projekt müsste fachlich sehr gut begründet und dokumentiert eingereicht werden, damit es überhaupt eine chance hätte. im moment dürfte dies noch sehr schwierig sein. hinzu kommt, dass es die jagd- und fischereiverwaltung im kanton solothurn nicht gerade auf rosen gebettet ist und daher kaum viel geld locker machen würden. bei den bisherigen krebsbesätzen wurden z.b. nur die besatztiere entschädigt, nicht aber spesen und erst recht keine löhne.

Luki hat geschrieben:Zu dieser Thematik: Es gibt bereits Denkansätze in Dokumenten des BAFU, die in diese Richtung gehen, aber anders rum: Eventuell könnte man mit der kommerziellen Nutzung von einheimischen Krebsarten auch den Bestand stützen: Wenn eine Krebsart zu einem fischereitechnisch interessanten Faktor würde, wäre mit Sicherheit auch die Förderung der Bestände vermehrt ein Thema. Das könnte auch in die Richtung gehen, dass vermehrt gut isolierte Gebiete zu Zuchtzwecken dienen.
das ist das, was im kanton aargau angewendet wird. die grösseren bestände einheimischer krebse (nur edelkrebse) werden von den jeweiligen gewässerbesitzern mit sonderbewilligungen bewirtschaftet. grosse männchen werden verzehrt (eigengebrauch oder verkauf), weibchen und kleinere männchen werden für besatzmassnahmen in anderen gewässern abgegeben (von dort beziehen wir unsere tiere).

im kanton solothurn gibt es aber keinen einzigen bestand, der eine nutzung zulassen würde. du findest in den obigen links einige infos zur situation in unserem kanton, wo auch dargelegt wird, wie wenige bestände heimischer krebse es noch gibt und all diese bestände sind recht klein (zwar teilweise recht dicht, aber nur in kleinen gewässern/gewässerabschnitten).
alpfish

Re: Fang unerwünschter Krebsarten

Beitrag von alpfish »

Intressante Infos sind da zusammengekommen. vielen Dank!

Mich würde es mal interessieren, ob nicht die Chance bestehen kann, durch gezielte Besatzpflege bei ausgewählten Edelkrebsbeständen allmählich eine Resistenz gegen die Krebspest bilden zu können? Das wäre aus meiner Sicht eine Unterstützung zur erfolgreiche Evolution.
Antworten

Zurück zu „Fischbiologie“