Also ab der Film
Gegen Ende der sechziger Jahre,im April,Freitag Nachmittag, Schule!
Da wir in der Pause irgendwelche Kapriolen machten,fanden wir leider keine Zeit, uns über den gestrigen Fischernachmittag zu unterhalten. Deshalb mussten Ruedi und ich dies notgedrungen während dem Unterricht tun
Hinaus mit euch beiden.... Beim Abmarsch nach draussen gabs dann den damals noch erlaubten,obligaten und überaus kräftigen "Backenklatsch".
Auf der Strafbank
Da sassen wir nun,auf dem Bänkli im Gang,wo zu dieser Zeit meist reger Personenverkehr herrschte.Ich rieb mir nochmals die Backe und schon flanierte das Fräulein******** an uns vorbei,meine Lieblingslehrerin.
Krumme Beine,dicke Brille,als Frisur ein Krähennest auf dem Kopf und zudem steinalt ,sicher etwa 35-40jährig
Grausame Rachepläne
Nun hatten wir uns bereits wieder gefasst und suchten nach grausamen Racheplänen für unsere Ohrfeige.Plötzlich meinte Ruedi trocken:Anstelle der morgigen Schule gehen wir einfach fischen. Spinnst Du eigentlich, entgegnete ich.Habe noch niemals die Schule geschwänzt,meine Erziehung und mein Gewissen würden das niemals zulassen.... Oder etwa doch??? Es gab da einige Gegebenheiten die mich wirklich umstimmen könnten. Der dumme Zufall wollte es dass meine Eltern morgen in aller Frühe in die Ostschweiz fuhren. Also freie Bahn zu Hause.Dann war die versch...... Turnstunde,Barrenturnen, das hasste ich wie die Pest. In der Schule herrschte zur Zeit auch die Grippe?? Ja, man könnte natürlich auch ein kleines bisschen Grippe haben morgen.......... Zudem waren ja die Zeugnisse verteilt und ich hatte praktisch überall sehr gute Noten.
Der triftigste Grund war aber das gestrige gewitterbedingte Hochwasser der Emme,morgen würde der Wasserstand sinken und die Fische haben Hunger
Jäh wurde die Zimmertür aufgerissen und wir
Später zu Hause musste ich noch schnell die Strafaufgaben erledigen!!
50mal der Satz : Während dem Unterricht.........
2.Teil
Samstagmorgen ,
wohl einer der schönsten Jungfischertage, der mir noch heute vor Augen schwebt, als wäre es eben erst gewesen. Der gestrige arge Schulnachmittag war im Moment vergessen und was am Montag kommen sollte, lag noch in weiter Ferne! Das momentale zählte jetzt. Und dies war eben dieser heutige, schulschwänzende Fischertag .
Kurz vor Tagesanbruch waren meine Eltern bereits abgefahren.Wie ich noch die Schlusslichter des Autos verschwinden sah, überfiel mich urplötzlich eine äusserst starke Grippe, Husten, Fieber, und, und….. So konnte ich unmöglich zur Schule. Und weils noch so früh am Morgen war, würde man das erst am Montag dem Lehrer melden, vorausgesetzt man wäre wieder gesund !!
Im Eiltempo
Nun musste alles schnell gehen, denn bevor die halbe Dorfbevölkerung unterwegs war, wollte ich möglichst ungesehen ans Wasser gelangen.Alle Fischerutensilien mitsamt meiner prallgefüllten „Wurmbüchse“, waren griffbereit .Als Proviant einige Servelats zum bräteln ,Brot und Limonade.Jetzt konnte es losgehen. Des Vaters Vorstehhund schmiegte sich zu meiner linken uns so „flüchteten“ wir gemeinsam der Emme entgegen.Nach ein paar Katzensprüngen bot das Unterholz der Emme entlang bereits Deckung.Vermutlich sah mich
bis hierher niemand,nun konnte die Strecke bis zum Tatort gemütlich unter die Füsse genommen werden.
D`Goudgruebe ( Die Goldgrube )
Ja, genau so nannten wir den Ort , an dem wir uns treffen wollten.Ruedi war noch nicht dort, als ich amkam und so nahm ich erstmal einen Augenschein von der Situation.
Da ich mir zu diesem Zeitpunkt bereits recht gute Kenntnisse angeeignet hatte, und sehr gute Fangerfolge verbuchen durfte, war es für mich recht einfach die Lage zu beurteilen.
Die Emme brachte heute immer noch Hochwasser, somit staute sich beim „Goldgrübchen“ das kleine Bächlein zu einer grossen, sich fortwährend leicht drehenden Glungge (Gumpe).
Die grosse weitunterspühlte Felsplatte konnte ich bereits sehen.Der morsche,mit Moos überwachsene Sparren kam beim plätschern der „Glungge“ auch ab und zu zum Vorschein.
Das kakaobraune Emme –und das klare Wasser vom Bächlein ergaben vermischt ein „Wurmwässerchen“erster Güte. Hier das wussten wir, suchten die BaFos Zuflucht und waren
dann meist auch hungrig.
Fischerträume werden wahr
Nun war auch Ruedi eingetroffen und so gings gleich ans Werk.Ich hatte mir längst angeeignet, praktisch nur noch mit der Fühlermethode zu fischen,als Sichthilfe ein an der Schnur angeknoteter Wollfaden, welcher in beliebiger Höhe verstellt werden konnte.( Ich mache das übrigens heute noch so.)
Ruedi landete bereits nach wenigen Würfen die erste Rotgetupfte von ca.30cm. Kurz darauf
Die zweite etwas kürzer,aber massig. Ich versuchte mein Glück unter dem Sparren,oberhalb
Der Felsplatte. Ein schwieriges Unterfangen, denn dort waren die Hänger sehr zahlreich.
Und so hatte ich innert kürzester Zeit einige Abreisser zu beklagen,ohne jeglichen Biss!
Schon wieder hievte Ruedi eine aus dem Wasser, gut über 30cm.
Vielleicht 20 Minuten war nun Stille, kein Biss nichts. Jetzt zappelte es bei mir zum erstenmal, na ja, nicht ein Riese aber gut massig. So verging die Zeit und Ruedi hatte bereits
vier schöne Forellen. Ich war immer noch bei der ersten.
Nach längerer Zeit ohne einen Biss, war es an der Zeit ein Feuerchen zu machen.
Toll,wie richtige Männer kamen wir uns vor.Wie wir nun fröhlich Servelats übers Feuer hielten,prahlten und uns ob der schönen Beute freuten, kamen sie plötzlich wie aus dem Nichts, die ersten Gewissensbisse.Eigentlich wären wir ja in der Schule. Wie ich das Ruedi
antönte, meinte er trocken. „ Du bisch doch ä Jammericheib“.
Also wischen wirs erstmal von uns,es ist ja noch lange bis Montag….
Nun kamen wir plötzlich auf die glorreiche Idee, zu rauchen. Da Ruedi mit dem Fahrrad anwesend war, fuhr er also ab in Richtung Bahnhofkiosk ,mit unser beiden
Vermögen im Hosensack.( Ein Päckli Zigaretten kostete damals ca. 1,20 Fr.)
Ach Du grosser Schreck
Während Ruedi weg war, begann ich von neuem einen Wurm zu baden, aber nichts regte sich mehr in der „Glungge“. Mich wunderte auch den ganzen Morgen,warum es wohl keine Untermassigen gab heute?Sollte ich wohl wieder beim Sparren probieren.Trotz all der Abrisse
probierte ich es von neuen. Ein Superwurf schön unter die Kante.Verflucht schon wieder ein Hänger.Wie ich wieder ans abreissen dachte,begann plötzlich die Schnur zu fahren, mein Hänger bewegte sich!! Die langsame,aber sehr starke Gegenwehr liessen mich erahnen, was da los war. Die Bremse durfte ich kaum lösen, denn Platz für einen fachgerechten Drill war
nicht vorhanden, und unter die Felsplatte durfte ich ihn nicht lassen, sonst wäre er weg. So blieb mir nichts anderes übrig als vehement zu halten.Jetzt konnte ich ihn sehen, ein grosser
Schreck durchfuhr mich, das ist ja ein Riesenfisch.Aber bereits nach wenigen Sekunden hatte
Ich den Kampf verloren. Fisch samt Haken weg……
Nun klammerte ich mich vorerst an mein Allerliebstes,unseren Vorstehhund.Das gute Tierlein hatte mir so oft im Leben Trost gespendet.
Ich setzte mich zum Feuer und konnte es einfach nicht glauben, diese Chance…..
Diese Sekunden habe ich heute noch vor Augen.
Das hat uns gerade noch gefehlt
Ruedi kam zurück und meinte,stimmt etwas nicht mit Dir,Du bist ja totenbleich . Schnell ist die Geschichte erzählt und ich werde erstmal von Ruedi getröstet.
Vielleicht beisst er ja noch einmal, wenn wir zu zweit sind ,könnten wir ihn dann vielleicht
kurzerhand feumerm. Das glaube ich kaum,zudem hat er noch den Haken im Maul,dem ist
die Beisslust vergangen. Erst einmal abwarten dann werden wir sehen.
Nun hatte auch Ruedi eine herrliche Geschichte zu erzählen. Also, sagte er: wie ich am Kiosk
bezahle, die Zigaretten behändige und mich umdrehe……Grüss Gott Herr Pfarrer und und und. Das hat uns gerade noch gefehlt. Schule geschwänzt, im Beisein von Hochwürden
Zigaretten gekauft, das kann ja heiter werden.Wieder einmal ergreifen meine Gewissensbisse
die Oberhand.
Unglaublich, unglaublich
Da wir nun die Zigaretten hatten,wurde erstmal bis kurz vor dem Ko…n geraucht. Dies und jenes wurde diskutiert und so verging die Zeit wie im Fluge. Bereits war die Mittagszeit vorbei und wir machten uns wieder ans fischen. Sicher eine Stunde kein Biss. Ich riskierte
nun wieder meinen Sparrenwurf , auch nichts, noch einmal und noch einmal. Nun ein Hänger........der zu fahren begann, bevor ich überhaupt etwas sah,brüllte ich zu Ruedi,komm mit dem Feumer. Ich weiss nicht mehr wie das Ganze abgelaufen ist, da fehlen mir Momente….
Mein Kollege bis zur Brust im Wasser mit dem Fisch im Feumer. Einfach unerklärlich,
kaum möglich so etwas ,aber es hat geklappt. 52cm misst das gute Tier, zwar etwas „magersüchtig“ und mit meinem ersten Haken geschmückt. Ja,das war er, der grosse Hunger
hatte ihn zum zweiten Biss verleitet.So etwas ist mir vorher und nachher nie passiert.
Noch einmal Revue passieren lassen,lachen und ab nach Hause, Ruedi musste sich ja schliesslich seiner nassen Kleider entledigen.
Einer der wohl unvergesslichsten, erlebnisreichsten Jungfischertage neigte sich dem Ende..
Am Abend legte ich zu Hause dem Vater noch eine kurze Beichte ab. Kein Tadel, keine Rüge, nein nur eine kleine Bemerkung: „ Das musst Du dann schon selber ausfressen“.
Neeeeein !
Am Montag Schule , in der grossen Pause sassen zwei Schüler im Lehrerzimmer, angestarrt
von verschiedenen bösen Augenpaaren.Mit etwas Verspätung betrat nun noch Hochwürden
den Raum. Grüss Gott Herr Pfarrer. Und so ergab sich eins nach dem andern ,alles flog auf
und nebst riesigem Tadel,Ermahnungen und Drohungen wartete eine zur Zeit noch unbekannte Strafe auf zwei Jungfischer.
Juhui, Maibummel
Anfang Mai Schulstube,kurz vor Schulschluss.
Morgen stand der Maibummel auf dem Plan, irgendwo der Emme entlang, mit Rasthalt und so weiter.Welch grosse Freude…
Nun ertönte die Stimme des Lehrers:Parallel zum Maibummel hat morgen die Aussenbezirksklasse kirchliche Unterweisung mit dem Herr Pfarrer……
Ja,das war mir eigentlich egal dachte ich…. Jetzt verkündete der Lehrer noch beiläufig zwei
Namen aus unserer Klasse, genau diese zwei durften morgen bei der kirchlichen Unterweisung teilnehmen.Nun stand uns also die Strafe bevor.Es trifft halt immer die Fischer!!!
Glaubensbekenntnis
Ich traute meinen Augen nicht,als ich vernahm was da geleistet werden musste.Für die Konfirmation in einem Jahr, soll das Glaubensbekenntnis mehr oder weniger auswendig gelernt sein. Zwei Teilnehmer-wieder einmal die Fischer-,traf es besonders hart.Zusätzlich
das Ganze noch aufschreiben, in einer Woche musste dann die grosse Schreiberei abgegeben
werden, eine Riesenaufgabe!!
Abend für Abend kritzelte ich nun eine Woche lang an meinen Strafaufgaben herum, anstatt fischen.....
Schlussgedanken
Damals wurden noch des öftern „kirchliche“ Strafen verhängt und mit Konfirmationsverweigerung gedroht. Ich wurde aber trotzdem konfirmiert!!
Da ich den Inhalt des Glaubensbekenntnisses nicht begriff und es noch heute nicht begreife, besuche ich meine persönlichen Gottesdienste nun meist in den Wathosen….
Im übrigen hat das Hochwasser im Jahr 2005 mein „Goldgrübchen“ total weggerissen.
Zusammengezählt habe ich in dieser „Glungge“ bis Mitte der 80iger Jahre ungefähr um die
180 massige Rotgetupfte gefangen…
Ab ca. 1985 bis zum heutigen Tag kann ich die Fänge in meiner Goldgrube an einer Hand abzählen. Nun ists also vorbei mit dem fängigen Örtchen , nichts mehr zeugt an der dortigen
Stelle von der guten alten, ach so fängigen Goldgrube.
Heute fange ich in der Emme noch rund 20% der Anzahl Rotgetupften,welche ich in den 60iger- 80iger Jahren gefangen habe. Bei mir stehen aber nicht mehr die vielen Forellen im
Vordergrund, nein , bin schon zufrieden wenn ich einfach meiner Leidenschaft fröhnen kann.
Dazu kommt noch, dass ich mein persönliches Fangmass etwas höher ansetze, als es im Gesetz
vorgeschrieben ist.
Obschon an meiner Fliegenweste der Sportfischerbrevet -Sticker prangert, hier noch ein Zitat
aus meiner Jägerausbildung von 1978: „Die Jägerei und das Fischen sollst Du
niemals als Sport oder Hobby bezeichnen, beides hat viel mehr mit Passion und Leidenschaft
zu tun.“ Ist noch heute meine Gesinnung.
Ich wünsche allen FF-Mitgliedern ein kräftiges Petri-Heil für 2008
Mit freundlichen Grüßen Robert

