Kleine Betrachtung zum diesjährigen Meerforellenaufstieg

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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Wolfgang

Kleine Betrachtung zum diesjährigen Meerforellenaufstieg

Beitrag von Wolfgang »

Ich weiß nun nicht genau, ob das hier sehr interessant ist, da ja nun die Schweiz nicht gerade sehr bekannt für ein sonderlich großes Vorkommen der Meerforelle ist........ :wink:



Ich beobachte hier seit Jahren im Auftrage des Verbandes an meinem Hausbach das Aufstiegsgeschehen bei den Meerforellen, sowie auch das Ablaichen von Meerforellen und stationären Forellen, den Begriff Bachforelle will ich im Zusammenhang mit diesem Gewässersystem nicht verwenden, da es sich um einen teilwandernden Bestand handelt.

Bei dieser Monitoringmaßnahme werden die Laichplätze erfasst, ihre Lage dokumentiert, das bevorzugte Sediment(Korngröße) festgestellt, sowie natürlich die Fischsichtungen festgehalten.



Die Sache ist recht zeitaufwändig, ich laufe dabei einen Bereich von rund 15km abschnittsweise einige Wochen regelmäßig ab, die speziellen Hotspots nahezu täglich.



Am letzten Novemberwochenende findet eine generelle Kartierung und Zählung der Laichgruben statt.



Der "lange Marsch" über 15km Laichstrecke am Gewässer liegt nun hinter uns, er fand wie geplant am letzten Sonntag statt.

Ich habe mir allerdings die meisten Kilometer erspart, da ich sie in den letzten Wochen, abschnittsweise fast täglich belaufen habe.

Das Ergebnis war, wie schon im Vorjahr, welches den bisherigen Aufstiegsrekord darstellte sehr positiv, die Zahl der Laichgruben war nahezu identisch, wobei allerdings zu beobachten war, daß sich das Hauptlaichgeschäft geringfügig weiter nach oben im Flußlauf verlagert hat.

Die Fische nahmen auch bisher nur selten genutzte Bereiche sehr intensiv an.

Diese 15km-Strecke hat zwei Hauptlaichzonen, praktisch jeweils an den Enden, also eine im unteren Bereich und eine Oben.

Der Flußlauf ist in dem Bereich durchschnittlich 6m breit, um eine Dimension anzugeben.

Gezählt werden 2 Abschnitte festgelegter Länge um einen einigermaßen statistischen Vergleichswert zu erreichen, die dazwischen liegenden kleineren Laichzonen werden natürlich auch gesondert erfasst.



Die Zählstrecken sind addiert etwa 1,2km lang, wobei auf die obere nur ca. 300m entfallen, die untere länge Strecke ist völlig anders gegliedert als die obere und weist geeigneten Bodengrund auf kurz hintereinander liegenden Schwellen auf, die obere kürzere ist nahezu durchgängig für die Fische nutzbar.

Die Gesamtlaichgrubenzahl in beiden Bereichen zusammen beträgt 160(163), wobei 78(69) auf den oberen Bereicht entfallen.

(Vorjahreswert in Klammern).

Wobei auch hier wieder große "Laichflächen" oft 3x3 oder 4x3m, eine auch 8x5m angetroffen wurden, die nicht mehr in einzelne Aufschläge unterteilt werden konnten, somit als 1 gezählt wurden.



Die ersten Aufschläge waren nach 2 Regentagen am Morgen des 1.11. zu finden, die Hauptaktivität lag zwischen dem 5. und 7.11., somit alles 1 Woche früher als im Vorjahr.

Fischsichtungen am 6.11. gegen 11:30 auf 300m am oberen Hotspot 110 Fische, davon jedoch nur 36 auf den Laichgruben, der Rest rastend und aufwärts ziehend.



Die Masse der aufgestiegenen Meerforellen ist zwischen 55 und 70cm lang, etliche Fische gehen über die 80cm(meist Milchner), ganz wenige erreichen auch Längen über einen Meter.

Unter den aufsteigenden Fischen befinden sich auch einige wenige Lachse, im Gegensatz zum Vorjahr konnte ich jedoch diesen Herbst keinen durch bloße Sichtung finden, im Vorjahr fand ich zumindest 3 Milchner, Rogner sind eh nicht durch bloße Sichtung von Meerforellen unterscheidbar, die Milchner fallen jedoch sofort durch ihre Färbung auf(bläulich-grünlicher Rücken, sehr viele Rotanteile an den Flanken im vorderen Drittel).



Es befinden sich jedoch noch aktive Fische im Gewässer, sowohl aufsteigende als auch momentan laichende, das geht meist bis in den Dezember hinein.

Die im Gewässer lebenden stationären Forellen beginnen ca. 1-2 Wochen früher meist an Bereichen, die etwas unterhalb der besagten Zonen liegen und etwas feineres Sediment aufweisen(10-40mm), jedoch auch teilweise in sich deckenden Bereichen.

Die Meerforellen scheinen gröberes Sediment zu bevorzugen(30-60mm, teilweise bis 100mm).

Fischräubereien waren dieses Jahr, im Gegensatz zu den Vorjahren, zumindest in diesem Abschnitt nicht zu beobachten.



Mein Hausbach ist in jeder Beziehung ein sehr frühes Gewässer, sei es die Maifliegenzeit und auch die Laichzeit, in anderen Gewässern haben wir jetzt gerade den Höhepunkt der Laichzeit, in anderen erst den Beginn, besonders die ganz kurzen Küstenfließe sind meist sehr spät.



Ich denke mal für ein Gewässer, daß keinerlei stützenden Besatz erhält garnicht so schlecht, zumal es im Flußlauf auch weiter unterhalb noch etliche verteilte Laichzonen gibt, ob es auch weiter oben, oberhalb eines durchflossenen Sees Laichplätze gibt, weiß ich nicht, sämtliche Begehungen waren bisher erfolglos, jedoch berichtet der dort tätige Fischer von vereinzelten Fängen im See selbst, also möglich wäre es.

Einen stationären Bestand gibt es dort oben allerdings nicht.





Hier noch paar Fotos von der Begehung.



Ich habe nicht viele gemacht, da ich nicht die ganze Strecke mitgelaufen bin, weil ich momentan etwas "gehbehindert" bin und außerdem die ganze Strecke abschnittsweise schon wochenlang nahezu täglich allein begangen habe.





Wie gesagt das Ganze hatte auch eine Art Schulungscharakter, hier ein Teil der Schulungs-Truppe bei genauerer Betrachtung einer im offenen Gelände liegenden größeren Laichgrube unter fachlicher Anleitung...........



.....ob es was genutzt hat???



..........einer aus Niedersachsen war der Meinung, fangfähig besetzen sei weniger mühevoll.........







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So sieht so eine Laichgrube aus, es ist eine einzelne kleinere Grube von knapp 2m Länge



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Hier eine große Grube, die allerdings von vielen Fischen aufgeschlagen wurde, Ausmaße ca. 5x 8m.



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Hier noch 2 weitere Gruben, die etwas unzugänglicher und weniger sichtig in einem größeren Feld vieler Gruben lagen.



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Hier noch ein paar Einzelgruben, die besser sichtbar sind, an der ersten ist neben der Grube das ausgeschlagene Feinsediment, daß sich hier neben der Grube abgesetzt hat, zu sehen



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Zwei Aufschläge dicht nebeneinander, der untere liegt in etwas tieferem Wasser

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Schemenhaft ist hier mittig des Aufschlages noch ein Fisch erahnbar

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Das ist der hintere Abschnitt einer Grube unter einer Straßenbrücke, die etwa 5m lang ist und sich unter gesamten Brücke entlang zieht, hier ist das sehr grobe Sediment recht gut erkennbar.



Es ist immer wieder erstaunlich, was an sich ja recht "weiche" Fischkörper für Geröll bewegen können und das in erheblichen Mengen.



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Fische waren zwar auch noch zu finden, zum Teil recht gigantische Exemplare, jedoch entzogen sie sich immer sehr schnell dem fotographischen Zugriff.
simon_gambler

Beitrag von simon_gambler »

Hey Wolfgang,



danke für diesen Hammerbericht. Coole Geschichte und tolle Bilder. Da steckt viel Aufwand dahinter, von solchen Berichten lebt dieses Forum.........merci....... :up: :up: :up: :up:



Gruess Simon
petrijünger79

Beitrag von petrijünger79 »

WOW :shock:



Hammerbericht; einfach nur genial.



Many :thanks:
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zuma
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Beitrag von zuma »

Lieber Wolfgang

Vielen Dank für den sehr interessanten und aufschlussreichen Bericht. Auch mich erstaunt es immer wieder, was unsere Laichfische (bei uns Seeforellen) im Stande sind, für Laichgruben "auszuheben".

Ich wünsche Euch viel Erfolg in Deinem Hausbach und denke schon, dass sich Eure Arbeit lohnt!
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)
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Uwe
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Beitrag von Uwe »

Hallo Wolfgang,



erstmal vielen Dank den tollen Bericht :!: :!:

Du hast Recht, es gibt hier in der Schweiz relativ weniger Meerforellen, aber dafür einige andere wunderschöne Fischarten, denen ein Anstieg der Laichaktivitäten sicherlich gut tun würden. :wink:



Ich finde es super. dass es Menschen gibt, die sich trotz dem grossen Aufwand solche Aktionen beobachten, protokollieren und auch anderen Fischern nahebringen.

Und zu der Äusserung des Kollegen aus Niedersachsen sag ich lieber mal nichts.

Also nochmals Merci :!: :!:
Gruss Uwe
Eine Seeforelle zu fangen ist wie ein wunderschöner Sonnenuntergang. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.
Helmut

Beitrag von Helmut »

@ Wolfgang

Danke für den sehr informativen und lehrreichen Bericht :!:

Und das das Meerforellen waren spielt keine Rolle, da es bei der Seeforelle im Grunde genauso ist und man das vergleichen kann.

Nochmals Danke :up:
Chrigel

Beitrag von Chrigel »

Super Bericht und tolle Pics, danke 8)



Bei uns kann man im moment ähnliches beobachten, statt Meer- eben Bach- und auch Seeforellen.



Ich finde Wer sich wirklich stark für die Fischerei interessiert, der befasst sich auch mit solchen Themen :up:
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Rolf
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Beitrag von Rolf »

Danke Wolfgang,



super Input :up:
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!
fariofreak

Beitrag von fariofreak »

ja, super Bericht, Wolfgang!
Andal

Beitrag von Andal »

Super Wolfgang!



@ all: Das ist wirklich nur eine kleine Betrachtung... normalerweise sind Wolfgang's Betrachtung immer eine kleine Abendlektüre. :wink:
fishersam

Beitrag von fishersam »

Danke Wolfgang für den super Bericht und deinen Einsatz! Immer wieder eindrücklich die Spuren vom Forellenlaichgeschäft!



Wie hat sich den der Bestand in den letzten Jahren entwickelt? Habt ihr die Meerforellen in diesem Bach wieder angesiedelt oder gab es immer welche dort? Wenn ja, woher hattet ihr das Besatzmaterial?

Wie regelt ihr das mit dem Fischerdruck? Ist der ganze Bach für die Fischerei gesperrt oder nur während dem Winter?

Habt ihr noch andere Probleme z.B. mit fischfressenden Vögeln? Und wenn ja wie löst ihr diese?



mit bestem Gruss aus Finnland!
Wolfgang

Beitrag von Wolfgang »

Hallo fishersam,



ich beobachte und befische besagten Fluß seit ca. 1970.



Damals galt die Meerforelle in der ehemaligen DDR als nahezu ausgestorben, das gleiche galt auch für den Lachs.



Aus der damaligen Literatur konnte man aber immer wieder von einem geringen Meerforellenaufstieg in dieses Gewässer lesen, man betrachtete die wenigen Fische jedoch als eine Art Irrläufer, die sich zufällig in dieses Gewässersystem verirrt hatten und machte sich, zumindest offiziell keine weitergehenden Gedanken über eine Bestandssicherung u.s.w..



Der Flußlauf war damals in zwei grobe Bereiche gegliedert, einen schiffbaren Unterlauf und in einen mehr naturbelassenen Oberlauf.



Die Grenze bildete damals ein unüberwindliches Wehr in einer Kreisstadt.

In dem Bereich war seinerzeit ein Fischereibetrieb tätig, dem regelmäßig vor diesem Wehr einige wenige Fische ins Netz gingen.



Was damals niemand ahnte war, daß durch ein kleines Grabensystem in dieser Stadt, welches auch noch zum großen Teil verrorhrt war, einige wenige Fische es tatsächlich regelmäßig schafften aufzusteigen.



Mitte der 70er Jahre machte ich insbesondere zum Ende der Saison im Herbst mehrfach Fänge von "Bachforellen", die jenseits der 70cm-Marke lagen, übrigends alles Milchner.



Aus einem weiter unterhalb im Flußlauf liegenden Nebengewässer wurden damals regelmäßig Fangmeldungen von "Rekordbachforellen" gemeldet, alles Fische jenseits 80cm.



Im gleichen Zeitraum führte das damalige Bewirtschaftungsteam des Verbandes im Frühjahr eine Bestandskontrolle per Elektrogerät durch, dabei wurden 2 Fische gefangen, die man damals ebenfalls ernsthaft als "Bachforellen" einstufte, sie waren jeweils 83 und 89cm lang.



Ich sah die Fische erst Jahre später auf einem schlechten s/w-Foto, sie waren eindeutig "blank", also frisch aufgestiegen.



Meine damaligen Einwürfe beim Verband, daß es sich um Meerforellen handeln könnte, wurden damals mit den Worten: "Unsinn, wo sollen die denn herkommen?" abgetan.



Um Missverständnissen vor zu beugen, andere Angler machten die gleichen Beobachtungen wie ich.



Ich fing darauf hin an, mir das Gewässer auch mal in der Schonzeit im Herbst genauer anzusehen und fand an bestimmten Zonen, unterhalb der Laichplätze eine Konzentration sehr großer Forellen vor, nicht viele aber doch dem aufmerksamen Betrachter auffällig.

Auch fand ich auf den mir bekannten Laichplätzen später einzelne, für Bachforellen extrem große Laichgruben vor.



Im Frühjahr zu Saisonbeginn häuften sich die Fänge auffällig silberner Jungfische, ohne Zweifel Smolts beim Abwandern.



Zwischenzeitlich war man aber auch von fachlich berufener wissenschaftlicher Seite aufmerksam geworden, das mussten dann auch die "Unsinn-Sager" akzeptieren.



Die "Rekord-Bachforellen" verschwanden aus den Fanglisten.

Meerforellen gab es nicht in den Fanglisten, da diese in Binnengewässern ganzjährig geschont waren.



Ende der 70er-Jahre begann man dann mit dem Einbau der ersten Fischaufstiegshilfen in die damals noch zahlreichen Querverbauungen.



In der Fachpresse wurde das Gewässer dann als einziges Gewässer der DDR mit gesichertem Meerforellenaufstieg geführt.



Die Fischaufstiegshilfen wurden nach und nach verbessert, sowie etliche Querverbauungen entschärft.

Ende der 80ger- Jahre war der Fluß dann schon halbwegs durchlässig, zumindest für schwimmstarke Fische.



Anfang der 90er- Jahre begannen auch hier gezielte Meerforellenprogramme, dabei konzentrierte man sich jedoch mehr auf küstennahe Gewässer und auf einige untere Nebengewässer des Flußlaufs, der Oberlauf selbst wurde jedoch nicht mit einbezogen.



Die durchgeführten Maßnahmen waren teilweise sehr erfolgreich, beinhalteten aber auch Rückschläge.



Bis Mitte der 90er-Jahre wurden nahezu sämtliche Querverbauungen aus dem Gewässer entfernt und durch Sohlgleitensysteme ersetzt oder wo dies nicht möglich war durch sehr großzügige Rampen umgangen.



Die Auswirkungen waren enorm, es setzte ein zunehmend starker Aufstieg ein.



Die Sohlgleitensysteme und Rampen wurden in den letzten Jahren nochmals im Rahmen der "Wasserrahmenrichtlinie der EU" überarbeitet und weiter verbessert, so daß man seit etwa 4 Jahren von einer Volldurchlässigkeit von Quelle bis Mündung sprechen kann.



Inzwischen sind die Meerforellen auch in viele, vorher von ihnen nicht genutze Nebengewässer vorgedrungen, da auch hier die Aufstiegshindernisse fielen.



Eine Bestandsstützung durch Besatz findet im Gewässersystem nicht statt.



Auch andere Gewässer besitzen inzwischen einen Grad der Selbstverlaichung, der eine zusätzliche Stützung nicht mehr notwendig macht.



Natürlich wird aber weiterhin Stützungsbesatz in die verschiedensten anderen Gewässer durchgeführt, so im Frühjahr diesen Jahres insgesamt 557.000 Stk..



Das Besatzmaterial stammt von "einheimischen" Fischen", die in ausgewählten Gewässern entnommen werden.

Das galt sich für die Anfangsphase.



Man muß auch dabei berücksichtigen, daß man hier auch von der Arbeit in anderen Bundesländern und Skandinavien profitiert hat, da die Gesamtpopulation der Meerforelle dadurch so gesteigert wurde, daß sich hier die Zahl der aufsteigenden Fische zwangsläufig auch erhöhte.





Zum Gewässer selber, es handelt sich um ein Quellgewässer, daß aber schon nach sehr kurzem Lauf einen größeren See durchläuft, in den noch andere kleine Bäche münden, ab da ein für Mecklenburg typischer Seenablauf, wie fast alle Fließgewässer hier.

Der kurze oberste Lauf ist auf den ersten Blick nicht sehr salmonidentauglich, auf den Zweiten Blick könnte er aber zumindest einige kleine Laichzonen hergeben, besitzt aber momentan keinerlei nachweisbaren Salmonidenbestand.



Die eigentlichen Salmonidenzonen liegen ein Stück unterhalb des Seenablaufs, nachdem einige kaltwasserführende Torfwiesenbereiche durchflossen wurden, die Laichzonen liegen sämtlichst an kleinen Endmoränendurchbrüchen, die für das nötige Interstitial und Strömung sorgen.

Diese Durchbrüche ziehen sich über die gesamte Länge des Gewässers, bis zum schiffbaren Unterlauf des selben.



Die von mir beschriebene Zone, ist die im Flußlauf am höchsten liegende und bedeutenste Laichzone des Gewässers, etwa 120km von der Mündung entfernt.



Die Strecke zieht sich über etwas mehr als 21 km und über 3 Endmoränenrücken.

Sie ist als Salmonidenstrecke klassifiziert, wobei von der beangelbaren Strecke ca. 80% als Fly-only-Strecke ausgewiesen sind.

Die Laichzonen selbst sind sogenannte Schonstrecken, also Totalreservate, die nicht befischt werden dürfen.

Die Strecke bedarf einer gesonderten Erlaubniskarte, deren Anzahl einer gewissen Reglementierung unterliegt.



Der Rest des Gewässers bis in den Mündungsbereich ist allgemeines Angelgewässer, in dem alle Methoden erlaubt sind, dazwischen liegen aber noch einige kurze Bereiche, die für sämtliches Angeln gesperrt sind, einige kleine Seen die noch durchflossen werden, sowie ein kurzes Stück Flußlauf werden von Berufsfischern bewirtschaftet.



Die Schonzeiten und Mindestmaße gelten für den gesamten Flußlauf und im Falle der Wandersalmoniden auch für die Berufsfischer.



Bachforelle 1.Oktober bis 31.März Mindestmaß 30cm



Meerforelle 1.September bis 31.März Mindestmaß 45cm



Da die Bestände Bachforelle/Meerforelle nicht mehr trennbar sind, man also von einem teilwandernden Forellenbestand ausgehen muß, ist man zumindest unter den Anglern in der Salmonidenstrecke dazu übergegangen alle Fische unter 45cm zu schonen und die Entnahme generell sehr stark einzuschränken, ein Rücksetzen aus hegerischen Gründen ist hier nicht verboten und wird gern gesehen!

Den Begriff C & R sollte man aber dabei vermeiden.



Zum Kormoran und anderen Fressfeinden, es gibt zwar in M/V die größte Kormoranpopulation Deutschlands(50%), jedoch sind deren Aktivitäten in kleineren Fließgewässern meist recht überschaubar und gering bis nichtig.

Hier spielt die große Gewässerläche und die Nähe der Küste eine große Rolle, kritisch wird es nur in sehr kalten und langen Wintern mit langer Eisbedeckung, insbesondere wenn auch noch die Küstengewässer zufrieren. Dann kann es zumindest die offenen Wiesenbereiche der Fließgewässer schwer treffen, große Teile der Gewässer sind aber sehr urwüchsig und hindernisreich in Waldlagen gelegen, die von den Vögeln nicht angeflogen werden.

Reiher gibt es twar auch in großer Zahl, die gehen auch in die Walbereiche, aber sie konzentrieren sich nicht in unnatürlichem Maße an den Bächen.



Zu den Fressfeinden gehören natürlich auch Eisvogel und und zunehmend Fischotter aber mit denen kann man , so denke ich ganz gut leben.



Der Schaden, den manche menschliche Fischräuber anrichten dürfte viel gravierender sein.





so mal ganz kurz dazu...



mfg

Wolfgang
Salmoniformes

Beitrag von Salmoniformes »

ich habe da mal eine frage zu deinen lachsen. sind das so richdige lachse die oben dann sterben???

und was ich immer mal wissen wollte: kann man die dann noch essen?
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Alet
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Beitrag von Alet »

Vielen Dank Wolfgang, Super Bericht


Bis Mitte der 90er-Jahre wurden nahezu sämtliche Querverbauungen aus dem Gewässer entfernt und durch Sohlgleitensysteme ersetzt oder wo dies nicht möglich war durch sehr großzügige Rampen umgangen.


Das könnten sich die schweizerischen Behörden als Vorbild nehmen! Bei uns ist ein solches Projekt unmöglich :evil: .
Wolfgang

Beitrag von Wolfgang »

Salmoniformes hat geschrieben:ich habe da mal eine frage zu deinen lachsen. sind das so richdige lachse die oben dann sterben???

und was ich immer mal wissen wollte: kann man die dann noch essen?


Es ging bei den Beiträgen um Meerforellen(Salmo trutta rutta), der antlantische Lachs (Salmo salar) ist bei uns im westlichen Mecklenburg sehr selten, es gab wahrscheinlich auch historisch nie autochthone Bestände in diesem Raum.

Daher gibt es auch kein Lachsprogramm für die Gewässer des westlichen Mecklenburgs.



Es steigen allerdings geringe Mengen an Lachsen auf, die stammen zum größten Teil aus dänischen Besatzmaßnahmen, bei denen ungeprägte Jungfische direkt in die Ostsee besetzt werden, da diese, wie schon gesagt nicht auf ein Gewässer geprägt sind, besitzen sie auch kein sogenanntes Homing und steigen willkürlich, meist zusammen mit Meerforellen in alle möglichen Gewässer auf.





Meerforellen sterben nach dem Laichen nicht ab, sie wandern zurück in Meer und laichen so oft etliche Jahre hintereinander.

Es gibt jedoch eine gewisse Mortalitätsrate, die stark von der Länge des Laichaufstiegs abhängt.

Dabei haben insbesondere große Milchner eine recht hohe Sterblichkeitsquote, das ergibt sich aus den oft stattfindenden Kämpfen der Milchner untereinander um Laichplatz und Weibchen.

Zumal die Milchner oft wesentlich länger an den Laichplätzen verharren als die Rogner, die nach dem Laichen sofort wieder absteigen, da ein Milchner etliche Rogner befruchten kann.(Verweildauer der Rogner um 4 Tage, Milchner bis zu mehreren Wochen).



Abweichend dazu kann es, gerade bei Neuansiedlungen von Meerforellen auch zu starken Rognerverlusten kommen, wenn, wie hier bei uns an einem Bach zu beobachten, falsches, scharfkantiges Substrat(Bruchschotter) auf den Laichplätzen vorhanden ist, dann verletzen sich die Fische beim Schlagen der Gruben recht stark und dürften nachfolgend zu hohen Anteilen an Verpilzungen zu Grunde gehen.



Auch antlantische Lachse sterben im Gegensatz zu den meisten Pazifiklachsen nicht zwingend ab, allerdings ist die Mortalitätsrate wesentlich höher als bei Meerforellen, auch hier ist die Aufstiegslänge und - dauer von großer Bedeutung, Fische die lange Distanzen wandern sterben zum großen Teil, auch bei den Lachsen sind die Milchner davon stärker betroffen als die Rogner.





Ob man verendete Fische essen sollte...................... :?: :?: :?:





Abgelaichte Meerforellen und Lachse gelten nicht gerade als der absolute Hit in Pfanne und Räucherofen, die Fische sind ziemlich ausgemergelt.

Außerdem sollte man sie in Ruhe lassen.
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