Ich möchte euch gerne noch auf etwas hinweisen, was (mMn) grossen Einfluss auf eure Meinungsbildung hat: wenn gewisse Infos über eine gewisse Zeit in grosser Anzahl verfügbar sind bzw. in kurzer Zeit immer über das gleiche Berichtet wird, nimmt dies Einfluss auf unsere momentane Wahrnehmung und unsere Urteilsbildung.
--> Bsp. wenn man die Leute in New York fragt, ob es mehr Selbstmorde oder Morde gibt, antworten viele Leute Morde. Tatsächlich gibt es aber mehr Selbstmorde. Wieso denken die Leute, dass es mehr Morde gibt? Ganz einfach, in der Zeitung wird nur über die Morde berichtet.
Wenn jetzt die ganze Zeit über die Kormorane berichtet wird, wie sie 40 Äschen im Ganzen verschlucken und angeblich ganze Strecken leer fressen, verzerrt das unsere Wahrnehmung.
Der Fischrückgang ist kein Ereignis, das erst seit dem Erscheinen der Kormorane autrat. Wir Fischer kämpfen schon länger mit diesem "Problem", sei es jetzt wegen den Flussbegradigungen, Gewässerverschmutzungen oder Wasserkraftwerken. Wir können und dürfen nicht ein Ereignis als Ursache für das gesamtheitliche Problem manifestieren.
Es ist idiotisch zu denken, dass wir die Natur für unsere "Fehler" zur Verantwortung ziehen können. Ein anderes Bsp.(Off-Topic) mit ähnlicher Thematik: im Thurgau ist ein Luchs aufgetaucht (ist, glaube ich, von Bern her eingewandert), der nun zwei Lämmer oder Schafe gerissen hat. Nun reden schon die ersten Kommentatoren (viele Bauern) von einer Gefährdung und von einem Abschuss. Meines Erachtens zeugt so etwas einfach nur von Naivität. Zäunen 20 Lämmer ein und regen sich über den Lauf der Dinge/Natur auf. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, als ich das erste Foto dieses Tieres gesehen habe.
Zurück zum Topic: Man kann doch nicht einfach die Kormoran für das Verschwinden der Fische verantwortlich machen. Natürlich richten sie lokal grosse Schäden an und zum Schutz von gewissen Gewässern bzw. Abschnitten müssen sie vergrämt werden, dies sind aber immer Fälle, bei denen einzeln zu entscheiden ist. Über kurz oder lang müssen wir uns einfach mit den Kormoranen arrangieren, ob wir wollen oder nicht.
Und noch etwas: man kann doch nicht einfach behaupten, dass nur weil es Kormorane gibt, sie für den Fischrückgang per se verantwortlich sind. Ich möchte dies gerne mit einem Bsp. unterstreichen, dass in der Logik nicht ganz geschlossen ist, aber zum Verständnis an sich beiträgt: "An den meisten Gewässern hat es Bäume. Nun können wir ja die Bäume für den Fischrückgang verantwortlich machen und alle Bäume fällen. Die Bäume sind zwar verschwunden, das Problem an sich aber nicht.". Bitte nicht gleich verwerfen (kann sehr leicht falsifiziert werden

), sondern nachdenken, begreifen und dann kommentieren.
Ich hoffe, das hat zum Verständnis gewisser Meinungen und Positionen beigetragen.
LG Gianni