Da leider noch Raubfischschonzeit (Hecht: bis 15.04.; Zander bis 30.04.) und am Forellenbach der interessantere Streckenteil auch noch bis 30.04. gesperrt ist, habe ich heute meinen 4-jährigen Sohn Stefan und zwei Feederruten zusammengepackt, etwas Futter angerührt und bin am Nachmittag auf - horribile dictu - KARPFEN (und was sonst noch Mais und Maden frisst) gegangen.
Den idealen Angelplatz am wind - und sonnenzugewandten Ost-Ufer haben wir schnell gefunden und auch gleich unsere beiden Feederruten aufgebaut: 0,28er Stroft auf den Freilaufrollen, Schlaufenmontage für den Futterkorb, Köder: Maiskette aus dem Futtereimer am Hair-Rig mit einem 4er Drennan Boilie-Hook.
Ruten raus und abgewartet.
Ich hatte meinen Sohn gewarnt: Hier geht es nicht so schnell wie am Forellenp***, wo er - des schnellen Erfolgs wegen - leidenschaftlich gern angeln geht. Und um ihm und mir das Warten zu versüßen hatte ich aus der Bäckerei noch schnell zwei Nussschnecken mitgenommen. Aber ich sollte meinen Kaffee aus der Thermoskanne nicht in Ruhe trinken können.
Und meine Nussschnecke sollte noch mehrmals Bodenkontakt kriegen.
Denn kaum hatte ich den ersten Schluck heißen Kaffee geschlürft, ruckelt die Feederspitze der rechten Rute wie wild, und gleich darauf rennt die Schnur im Freilauf von der Rolle.
Aufspringen, Freilauf zu, Anhieb - sitzt.
Sehr viel Kampfgeist hatten die Satzkarpfen heute noch nicht. Nach nur vier Minuten Drill hatte Stefan unseren ersten Spiegler (54cm; 5 1/2 Pfund) gekonnt gekeschert:

Ihr könnt auf dem Foto nicht erkennen, wie sehr seine Augen wirklich geleuchtet haben.
Er war nun voller Feuereifer, wollte unbedingt das Futter in den Futterkorb drücken, während ich mit der Boilienadel eine neue Maiskette aufzog.
Raus und Kaffeetasse wieder gegriffen. Doch ich war noch am Kauen meines Bissens von der Nussschnecke (es knirschte ein wenig vom Sand daran) - da ruckelt es wieder an der Feederspitze, der Freilauf setzt ein.
Aufsprung, Freilauf zu, Anhieb - sitzt.
Unser zweiter Spiegler: 51cm; 5 Pfund

Stefan war nun ganz aus dem Häuschen. Seine Nusschnecke hatte er total vergessen, halb angegessen lag sie auf seinem Stuhl, auf dem es ihn selber nicht mehr hielt.
"Papa, beißt jetzt gleich der nächste?" - "Der darf sich ruhig etwas Zeit lassen", knurrte ich, während ich die Sandkörnchen aus dem Zuckerguss der Nusschnecke schnipste, hineinbiss und beschloss, etwas großzügiger zu kauen und mit Kaffee kräftig nachzuspülen.
Ich schaffte es diesmal sogar, mir meine Pfeife zu stopfen und anzurauchen, bevor es wieder in der Spitze zuckte. Doch es rannte keine Schnur. Köderdieb. Wie sich bei der Köderkontrolle an der eingeholten Rute herausstellte, hatte ich vergessen, ein Grashalmstück als Maiskornstopper in die Haarschlaufe zu stecken.
Macht nix. Die Pfeife im Mundwickel köderte ich neu an, während Stefan den Futterkorb übernahm. Raus damit!
Doch wieder war's nix mit gemütlich im Stuhl zurücklehnen. Erneuter Ausschlag der Feederspitze - Schnur-Run. Und der Rest war Routine.
53cm und 5 1/2 Pfund hatte unser dritter Spiegler:

So schnell wird man zum Karpfenangler. Jedenfalls sagte ich zu Stefan: "Ab jetzt wird jeder Karpfen wieder schwimmen gelassen!" Der Räucherschrank wird morgen voll sein. Und meine Verwandtschaft hat auch ihren Karfreitagsfisch.
So. Ab jetzt wieder nur noch auf Raubfisch und Salmoniden.

