Hier habe ich noch was tzum Thema Kormorane bekommen.
Diese Angaben kamen von Landesfischereiverband Baden
- Dokumentation vom Restrhein -
Bei Rheinweiler am südlichen Oberrhein befindet sich eine teilweise verlandete Buhne im
Restrhein. Durch die Buhne entstand eine Bucht einer Länge von etwa 40 m und einer Breite
von etwa 8 m. Zur Strommitte hin hat die Bucht eine Tiefe von maximal 1,5 Meter, weiter
zum Land hin ist sie bis zu 3 m tief. Der Restrhein selbst weist einen Abfluss zwischen 20
und 30 m³/s auf und ist in der näheren Umgebung der Buhne relativ wenig strukturiert.
Der Angelverein Weil e.V. hatte vor einigen Jahren Totholz in der Form eines Knickbaumes
eingebracht, um den Fischen Unterstandsmöglichkeiten zu bieten. Der Baum musste
hochwassersicher am Ufer fixiert werden. Durch den Netzfischer werden zusätzlich immer
wieder Sträucher und kleinere Bäume in die Buhne eingebracht.
Im insgesamt fast 50 Kilometer langen Restrhein existiert keine weitere vergleichbare
Struktur.
In den Wintermonaten konnte in der Folge festgestellt werden, dass sich eine große Anzahl
an Fischen im Bereich dieses Baumes aufhielt. Die Zahl der Fische kann nicht abgeschätzt
werden, da es zu viele sind. Das Bild 1 zeigt den Baum in der Buhne und als dunklen
Schatten den Schwarm der Fische. Der Ausschnitt (Bild 2) verdeutlicht, dass die dunkle
Masse tatsächlich Fische sind.
In den vergangenen beiden Wintern wurden zahlreiche Fische in diesem Schwarm mit
unregelmäßigen hellen Flecken an Flanken und Rücken beobachtet. Die Vermutung von
Verletzungen und Narben lag somit nahe.
Um die artenmäßige Zusammensetzung des Fischschwarmes und den Schweregrad sowie
die Häufigkeit der Verletzungen der Fische festzustellen wurde Ende März 2007 eine
Fischbestandsuntersuchung durch den Landesfischereiverband Baden e.V., den Angelverein
Weil am Rhein e.V., den örtlichen Netzfischer und die staatliche Fischereiaufsicht des
Regierungspräsidiums Freiburg durchgeführt.
Dazu wurde die Buhne zum Restrhein hin mit einem Netz teilweise abgesperrt, um den
Fischen die Flucht in das Hauptgewässer zu erschweren. Durch Elektrofischfang wurden
Fische entnommen und lebend in geeigneten Wannen gehältert. Die Elektrobefischung
wurde gewählt, weil diese Methode für die Fische besonders schonend ist. Den Fischen
entsteht durch den fachgerechten Einsatz der Elektrofischerei kein Schaden.
Von den gefangenen Fischen wurden Art und Größe ermittelt. Der Anteil durch
Kormoranbisse verletzter Fische wurde ermittelt, getrennt nach Fischart.
Verletzungen durch Schnabelhiebe des Kormorans unterscheiden sich von denen anderer
Ursachen. Kormorane haben an der Spitze des Oberschnabels einen hakenförmigen
Fortsatz. Der Unterschnabel ist scharfkantig. Diese Anordnung dient dazu, die zum
Nahrungserwerb verfolgten Fische sicher festzuhalten. In vielen Fällen jedoch schaffen es
die Fische, dem Biss des Kormoranschnabels gerade noch zu entfliehen. Dabei erleiden sie
aber Verletzungen. Diese sind charakteristischerweise auf beiden Seiten des Fisches an den
Flanken, am Rücken, der Rückenflosse oder vom Bauch bis zum Rücken zu erkennen.
Ergebnisse
Insgesamt 210 Fische wurden aus der Buhne entnommen, untersucht und wieder
zurückgesetzt. Es konnten vor allem Nasen, Rotaugen und Döbel nachgewiesen werden.
Die meisten Fische hatten eine Größe zwischen 20 cm und 40 cm.
Bei Nasen lag die Verletzungsrate bei 80,5 %. Die Verletzungen bestanden überwiegend aus
flächigen Verlusten der Schuppen an den Flanken und am Rücken, oft in Kombination mit
offenen Wunden.
49,1 % der untersuchten Rotaugen wiesen Verletzungen von Kormoranen auf. Teilweise
lagen hier auch tiefere Fleischwunden vor.
Döbel hatten mit nur 39,6 % Verletzungsrate vergleichsweise weniger Schäden. Auch waren
die Verletzungen nicht so gravierend, wie bei Nase und Rotauge. Gründe dafür könnten ein
besseres Fluchtverhalten in Kombination mit einem derberen Schuppenkleid sein.
Flussbarsche konnten nur 6 Stück gefangen werden. Davon wies nur einer Verletzungen
durch Kormorane auf.
Insgesamt hatten 98 der 210 gefangenen Fische Verletzungen durch Kormoranbisse. Das ist
eine Schädigungsrate von 46,5 %.
Methodisch muss berücksichtigt werden, dass sehr schwer verletzte Fische nicht gefangen
werden konnten, weil diese bei der Einwirkung des elektrischen Stromes aufgrund ihrer
Schwächung keine ausreichende Reaktion zeigten. Im Bereich der Buhne konnten 10 tote
Fische mit starken Verletzungen durch Kormorane gesehen werden.
Am 26. März untersuchte das Landratsamt Lörrach die Meldung eines Fischsterbens bei der
Buhne. Im Bericht ist zu lesen: „…Die toten Fische waren verletzt und stellenweise verpilzt.
Weitere lebende Fische in der Buhne trugen ebenfalls Verletzungen.
Aufgrund der Verletzungen ist (…) davon auszugehen, dass diese durch den Einfall eines
Kormoranschwarmes verursacht worden sind und dies Ursache des Fischsterbens war.“
Landesfischereiverband Baden e.V.
Dipl. Biol. Ingo Kramer, 04.04.07
3
Dies zeigt, dass den Kormoranen die Ansammlung von Fischen als leicht zugängliche
Nahrungsquelle bekannt war. Trotz umfangreicher Scheuchmaßnahmen durch den örtlichen
Netzfischer (unregelmäßiges Trommeln auf einem Blechfass und Klappern von Blechplatten
im Wind außerhalb der zugelassenen Vergrämungszeit sowie flatternde Folien, Tücher und
bunte Schwimmkörper auf dem Wasser) konnten die Kormorane die Zuflucht suchenden
Fische leicht erbeuten und viele von ihnen durch Schnabelhiebe stark verletzen.
Kormoranvergrämung
Die letale Vergrämung von Kormoranen im europäischen Vogelschutzgebiet Restrhein war
zwar im Winter 2006/ 2007 erlaubt, jedoch mit solch starken Einschränkungen, dass das Ziel
des Fischartenschutzes kaum erreicht werden konnte. Der Zeitraum der Vergrämungen war
nur bis zum 15. Januar 2007 zugelassen. Wie die eigenen Feststellungen bei der Erfassung
der Fischschäden in der Buhne zeigten, waren aber am 21. März immer noch über 60
Kormorane im Schwarm auf der Jagd. Außerdem wurde die Möglichkeit zur Vergrämung
räumlich beschränkt. Die hier untersuchte Buhne liegt auf der Grenze eines von der
Vergrämung ausgenommenen Abschnittes des Restrheins. Insofern war hier ein effektiver
Schutz der Fische vor dem Fraßdruck des Kormorans nicht möglich.
Zusammenfassung
Totholz in der Form eines ungestürzten Baumes mit Treibgut hat im Restrhein eine
bedeutende Funktion. Wenn das Totholz in einer strömungsberuhigten Bucht ausreichender
Tiefe liegt, ist das für Fische optimal. Derartige Strukturen werden von den Fischen
aufgesucht, um Schutz und Ruhe vor dem hohen Fraßdruck durch Kormorane zu finden.
Deshalb sind in den Wintermonaten mit hoher Kormoranpräsenz am Restrhein auch Massen
von Fischen dort zu beobachten. Allerdings wird die Wirksamkeit von Totholz als
Schutzmaßnahme für Fische derzeit sehr kontrovers diskutiert, weil die intelligenten
Kormorane schnell lernen, dass in solchen Bereichen besonders viele Fische leicht erbeutet
werden können. Allein während der Befischung der Buhne am 21. März 2007 versuchte ein
Schwarm von etwa 60 Kormoranen dort einzufliegen. Er landete etwa 300 m oberhalb.
Aus dieser Ansammlung von Fischen wurde ein Anteil durch Elektrofischfang entnommen.
Es wurde bei der Untersuchung der Fische zwischen 20 und 40 cm festgestellt, dass
insgesamt 46,5 % der Fische von Kormoranen verletzt waren. Bei den Nasen lag die
Verletzungsrate gar bei über 80 %. Zu fast 50 % waren die Rotaugen durch Kormoranbisse
verletzt und bei den Döbeln waren es fast 40 %.
Die Verletzungen waren überwiegend so stark, dass den Fischen bei zunehmender
Wassertemperatur Infektionen und Verpilzungen zu schaffen machen werden und viele
daran verenden werden.
Die massiven Schäden an den Fischen durch Kormorane und deren starker Fraßdruck
zeigen deutlich, dass die Vergrämung dieser Vögel zum Schutz der Fischbestände
wesentlich länger möglich sein muss, als es das Regierungspräsidium Freiburg im
vergangenen Winter genehmigt hat.