Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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helix
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Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von helix » Do 29. Dez 2011, 10:53

Moin zusammen!

Wie bereits seit längerem bekannt, wollen Politiker und Fischereiorganisationen eine künstliche Zufuhr von Phosphat in Schweizer Seen forcieren. Der Brienzersee soll als Versuchsobjekt dienen. Die Entwicklung in dieser betrüblichen "Geschichte" nimmt nun rasante Züge. Mit in meinen Augen schlechten Angstmacher-Argumenten (kursiv zitiert) wird von Politikern nun die oberste Instanz, der Bundesrat, zum Handeln aufgefordert:

Phosphatmanagement Brienzersee
Der Bundesrat wird beauftragt, einen teilweisen oder vollständigen Verzicht der
Phosphatfällung in den Abwasserreinigungsanlagen am Brienzersee im Sinne eines
Pilotversuches zu ermöglichen.
Begründung:
Eine im Auftrag des Kantons Bern durchgeführte Zustandsanalyse hat aufgezeigt, dass heu-
te kaum noch Nährstoffe in den Brienzersee gelangen, dass der wichtigste Algennährstoff
Phosphor in den letzten Jahren stark abgenommen hat und dass dadurch die Wasserflöhe
(Daphnien) fast vollständig verschwunden sind.


Das war schön früher nicht anders! Aufgrund seiner Lage in den Bergen, seiner Wasserspeisung etc. muss man den Brienzersee ganz klar unterscheiden zwischen den natürlicherweise nährstoffreicheren Mittellandseen. Erst durch die kurzzeitigen menschlichen Phosphateinträge wurde der See einst unnatürlich stark mit Nährstoffen belastet. Nun hat man durch die ARAs eine Renaturierung erreicht, die der ursprünglichen für den Brienzersee vorgesehene Wasserqualität wieder näher kommt, was grundsätzlich für die natürliche Entwicklung zu begrüssen ist.

Das Fehlen dieser für die Felchen existentiellen Futterorganismen hat insbesondere bei der
Felchenart „Brienzlig“ zu einem verlangsamten Wachstum geführt. Während vierjährige Fi-
sche früher eine Länge von rund 26 cm aufwiesen, erreichen sie jetzt noch ungefähr 18 cm.


Dieses verlangsamte Wachstum kommt den Felchen zu Gute, sie haben sich somit optimal an die Umweltbedingunen angepasst. Felchen sind nicht primär da, um die Menschen mit möglichst grossen und fetten Tieren zu dienen. Dafür gibt es Fischzuchten. Über Jahrtausende haben sich diverse Felchenformen in den Alpenrandseen entwicklet. Es ist natürlich, dass es unterschiedlich grosse Felchenformen gibt, für den Brienzersee sind kleinwüchsige das Normale.

Der Brienzersee weist heute mit 1-2 kg/ha den mit Abstand tiefsten Jahresfangertrag aller
grösseren Schweizerseen auf. In der Folge ist seit 1995 die Zahl der Berufsfischer am Brien-
zersee von 5 auf 2 gesunken, wobei auch diese nicht mehr von der Fischerei leben können.


Klar, wenn nur noch ein BF regelmässig seine Netze legt, sinken die Erträge. Der Hektarertrag ist deshalb nichts aussagend. Viel relevanter wären die Erträge pro Berufsfischer, hier würde dies ganz bestimmt wieder anders ausschauen. Ausserdem kann es durchaus sein, dass nicht jeder grössere See von Berufsfischern bewirtschaftet werden muss, sofern es die natürlichen Bedingungen nicht zulassen. Das Ökosystem See gehört nicht dem Menschen!

Hinzu kommt, dass im Brienzersee seit 2008 vermehrt Felchen ohne Geschlechtsorgane
auftreten. In den Sommermonaten 2009 und 2010 waren über die Hälfte der Brienzlig steril.
Inwieweit die Sterilität dieser Fische in einem Zusammenhang mit der zeitgleich aufgetrete-
nen Futterknappheit steht, ist unklar.


Da hier noch nichts erweisen ist, kann das gar nicht als Argument für eine künstliche Phosphatzufuhr verwendet werden. Sterilität von einzelnen Individuen kann auch eine gewollte Anpassung einer Art sein und kann m.E. nicht per se als "schlecht" betitelt werden.

Gefährdet sind somit am Brienzersee sowohl die Berufsfischerei als auch die Biodiversität.


Biodiversität ist natürlich ein Schlagwort geworden... und genau diese wird durch einen künstlichen, nicht voraussehbaren Phosphateintrag gefährdet!! Nur weil eine einzige Art nicht mehr so grosswüchsig ist, wie von einigen Menschen erwünscht, verändert sich die Biodiversität nicht. Andere Arten sind in den letzten Jahren im Brienzersee richtiggehend am aufblühen. Die Situation wird durch Medien völlig falsch dargestellt, der See ist nicht fischleer und es geht ihm gut.

Der Fisch ist eines der ältesten und beliebtesten Nahrungsmittel des Menschen. Fische sind
gesund, weil sie Fettsäuren enthalten, welche die Entstehung von Herzkreislauferkrankun-
gen vermindern. Auch aus diesem Grund ist eine langfristige Erhaltung der schweizerischen
Berufsfischerei angezeigt.


Das stimmt, aber nicht nur Felchenfilets enthalten gesunde Fette. Es gibt vielerlei Alternativen, man müsste diese halt der Bevölkerung auch mal schmackhaft machen.

Die Brienzersee-Fischerei hat zudem eine nicht zu unterschätzende touristische und kulina-
rische Bedeutung.


Ja, und wenn dem Volk immer wieder und dies völlig zu Unrecht erklärt wird, es habe bald keine Fische mehr im See, ist dies sicherlich nicht förderlich für den Tourismus!

Persönlich glaube ich, dass dieses "Experimentieren" in funktionierenden Ökosystemen kommen wird. Ich bin da aber vehement dagegen, die Pro-Argumente sind teilweise völlig haltlos und haben mit der Realität nur wenig am Hut. Auch wenn ich nicht damit rechne, dass meine Meinung irgendetwas am Entschluss ändern wird, werde ich dem Bundesrat auch ein Schreiben zukommen lassen. ( :lol: )
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Gruess helix

Chrigel

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Chrigel » Do 29. Dez 2011, 11:41

merci Petsch für deinen Einsatz FÜR den Brienzersee und seine Bewohner. :up: :thanks:

Die Gründe gegen das Phoshatprojekt sind viele, danke fürs Aufzählen von einigen Beispielen. Gründe dafür gibt es in meinen Augen nur einen und das ist die Felchenförderung, dieser wird dann in meist zusammenhangslosen Erklärungsversuchen in weitere Argumente umgewandelt.

Das Ganze zeigt halt wieder einmal auf wie die Fischer ticken, lieber viele und fette Felchen (was ja noch in den Sternen steht, nach meiner Meinung wird die Trübung den erhofften "Pump" Effekt verhindern) als naturnahe und intakte Gewässer(das Wasser bleibt ja nicht nur im Brienzersee). Nehmen wir Mal die Groppe(gefährdete Fischart), diese fühlt sich pudelwohl in diesem See, warum? Weil sie im saubersten Wasser mit viel Sauserstoff leben darf. Als wäre der Fang zu ihrer Laichzeit nicht schon genug(wann, wann bitte wird da Mal etwas unternommen?!), will man ihr jetzt noch das Wasser verdrecken mit unbekannten Auswirkungen auf deren Bestand :censored: So ähnlich geht es weiter mit Seeforelle, Bläuel, Kleinstlebewesen und und.......

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astacus
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von astacus » Do 29. Dez 2011, 11:45

:censored:

ich muss mir wirklich langsam überlegen, wie lange ich meine mitgliedschaft im SFV noch verantworten kann. nicht dass ich mit einem austritt wirklich etwas bewegen würde, zumal ich aus meinem verein austreten müsste, der mir zu stark am herzen liegt. aber mitglied in einem verband zu sein, der in wesentlichen fragen gegen anstatt für meine interessen arbeitet, kann auf dauer auch keine lösung sein.

sorry für OT, aber das musste mal raus :(
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Mvuvi

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Mvuvi » Do 29. Dez 2011, 12:36

@Helix

Danke für Deinen sachlichen Beitrag! Ich unterstütze Deine Argumentation voll und ganz.
Als ich gestern Mittwoch die entsprechende Medienmitteilung des SFV per Newsletter kommuniziert
erhielt, wollte ich zuerst meinen Augen nicht trauen. Die "Argumente" dieser äusserst sachverständigen
Herren bewegen sich gänzlich auf Stammtischniveau oder idR gar signifikant darunter ("Biodiversität...",
"nachhaltige Entwicklung der Fischfauna...", "Gastronomie und Tourismus betroffen..." :evil: ).

http://www.sfv-fsp.ch/fileadmin/user_up ... 111228.pdf

Fazit: Falls Du für Deine Briefaktion Unterstützung benötigst (zB Querlesen, zusätzliche Unterschriften usw.)
stehe ich Dir ggf. gerne zur Verfügung.

Beste Grüsse
Mvuvi

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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von helix » Do 29. Dez 2011, 16:12

Chrigel, gutes Beispiel mit der Groppe. Der Kanton Bern hat ein Artenförderungskonzept (lesenswert!)erarbeitet, wo es ganau darum geht, solche Tierarten zu fördern. Eine Phosphatzufuhr gefährdet in meinen Augen ganz klar die Biodiversität und steht im krassen Gegensatz zu diesem Konzept und zum Artenschutz generell. Es ist einfach unerhört, eine Problematik, die in meinen Augen gar keine ist, derart heraufzubeschwören und diese über die Interessen von x anderen Tier- und Pflanzenarten zu stellen!

Mvuvi, danke für dein Votum und dein Angebot, werde evtl. darauf zurückkommen. Den Präsi des SFV, Seiler Roland, kenne ich persönlich. Seine Aufgabe ist eigentlich die Vertretung unserer Anliegen gegen aussen. Die eigene Meinung sollte dabei nicht zu stark gewichtet werden. Er selbst ist nicht so der Experte in Fischereifragen. Als erfahrener Politiker kann er aber gut kommunizieren und ich bin ganz sicher, dass er eigentlich gute Absichten für die Fischerei hat. Er muss aber auch auf die Mehrheit hören, und die ist eben in dieser Frage leider klar der Meinung, es hätte keine Fische mehr im Brienzersee und man müsse nun handeln. Hierbei spielt auch das "PetriHeil"-Magazin leider einmal mehr eine äusserst fragwürdige Rolle!

Wird der Natur wirklich reingepfuscht werden (davon gehe ich aus) und sich die ganze Geschichte nicht wie erhofft entwickelt, sollte man diese Leute unbedingt zur Verantwortung ziehen können.

Woher nimmt sich der Mensch eigentlich das Recht, eine wildlebende Fischart nach seinen Wünschen zu verformen?!? :|
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Gruess helix

aspidelaps

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von aspidelaps » Do 29. Dez 2011, 18:51

bei einem gehalt von 1mikrogram pro liter wasser ist der brienzersee praktisch phosphat frei!
der wert für trinkwasser liegt bei 5mikrogram, so kommt auch unser trinkwasser aus den leitungen....

ich sehe das persöndlich nicht als verwerflich an da einzugreifen!
mindestens eine anhebung auf 5mg was zusammen mit dem stickstoff aureichend futter darstellt für felchen(wie auch andere fische).
die verhältnisse von stickstoff,magnesium wie auch diversen andere stoffen stimmen ja auch nciht!

im ganzen betrachtet gibts es absolut sinn da einzugreifen!

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Flümi
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Flümi » Do 29. Dez 2011, 19:13

helix hat geschrieben: Die Brienzersee-Fischerei hat zudem eine nicht zu unterschätzende touristische und kulina-
rische Bedeutung.
mich würde noch wundernehmen, wie gross "das Touristische" in Zahlen ausgedrückt sein soll. kann mir nicht vorstellen, dass das ein schwergewichtiges Argument darstellen soll.

vielleicht vermarktet man den Brienzersee auch einfach falsch. ich hab zwar keine Ahnung von Tourismus, Management, Werbung oder was auch immer, aber wenn man mich fragen würde, würd ich dem Brienzersee ein Bio-Label (Bio ... ohne Dünger) verpassen und damit werben, dass dies der sauberste See weit und breit ist (?). Die gefangenen Fische sind dann halt Bio.

Phosphat-Eintrag führt doch den Begriff "Renaturieren" ad absurdum?
Gruss, Stefan
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von astacus » Do 29. Dez 2011, 21:18

@aspidelaps:

und was wäre, wenn die 1 mikrogramm phosphor pro liter der natürlicherweise vorkommende wert wäre? was würde dann ernsthaft für eine düngung sprechen? ausser die profitgier und fleischelust natürlich...


@flümi:

kennst du etwa nicht den weltberühmten felchen-tourismus am brienzersee? :roll:
ohne den wäre das berner obeland schon lange entvölkert... oder zumindest die häuser der beiden letzten berufsfischer :twisted:

tsts, du banause... :)
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von helix » Fr 30. Dez 2011, 10:40

Zum Tourismus-Argument:

Dabei wird wohl nicht an den Angeltourismus gedacht. Der Brienzersee liegt in einer Region, die stark vom internationalen Tourismus lebt. Im Brienzersee gibt es Kursschiffe und rund um den See einige Restaurants. Wäre der See tatsächlich fischleer (das wird er aber nie sein!!) würde das evtl. einen negativen Einfluss bedeuten. Wer will schon an einen fischleeren, toten See in die Ferien? Aber dieses Argument ist wie viele andere reine Angstmacherei.

Für mich ist der Tourismus ganz klar ein weiters Argument, welches gegen die künstliche Zufuhr von Phosphat spricht. Als naturliebender Tourist möchte ich in meinen Ferien, wo es in die schönen Schweizer Alpen geht, einer möglichst natürlichen Umwelt begegnen mit natürlicher Flora und Fauna. Ganz sicher würde es manchen Tourist verärgern, würde er erfahren, dass dieser türkisblaue Alpensee vom Menschen künstlich verdreckt wird!

Den Tourismus als Pro-Phosphat-Zufuhr-Argument zu nennen, ist schlicht lächerlich und stellt diese ganze Kampagne in ein äusserst fragwürdiges, unprofessionelles Umfeld.
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Gruess helix

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Nicolas
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Nicolas » Fr 30. Dez 2011, 11:47

Hallo zusammen

Hier wird vom Brienzersee gesprochen, obwohl die Diskussion schlussendlich verschiedenen grössere Seen in der Schweiz betrifft, so auch den Zürichsee.
Aus diesem Grund wird auch die Phosphatthematik an unserem Anlass aufgegriffen und diskutiert werden. Deshalb kann ich allen, die sich für das Thema interessieren, nur nahlegen am 14. Januar nach Thalwil zu kommen und der Podiumsdiskussion beizuwohnen :wink: Hier nochmals der Link zur Veranstaltung: viewtopic.php?f=4&t=13809

Liebe Grüsse
Nicolas

Arts

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Arts » Fr 30. Dez 2011, 13:38

Hallo zusammen,

Bin mit euch einig... :)
Ihr kennt mich. Da kommt das ABER
woher nimmt sich der Mensch eigentlich das Recht, eine wildlebende Fischart nach seinen Wünschen zu verformen
Das ist eine höchst philisophische Frage.... Die ich nicht offtopic erläutern will

Woher nimmt sich der Mensch überhaupt das Recht zu urteilen welches Lebewesen mehr Wert hat?
Interessen der Menscheit, einzelner Gruppen vs. Praktische Ethik... Tiere als Zweck zur Nahrungsbeschaffung

Wie gesagt... Ich befürworte den Posphatanstoss nicht... Bin auch nicht der Biozentrist.... Bin schlussendluch ja Hobbyfischer, und Fleischesser :)

Denkanstoss... Nutztierhaltung, der Fisch ist schon längst eines...


Tom

aspidelaps

Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von aspidelaps » Fr 30. Dez 2011, 14:29

astacus hat geschrieben:@aspidelaps:

und was wäre, wenn die 1 mikrogramm phosphor pro liter der natürlicherweise vorkommende wert wäre? was würde dann ernsthaft für eine düngung sprechen? ausser die profitgier und fleischelust natürlich...
klar, das ist sicher ein argument!
aber, wer sich bisschen mit pflanzenzucht auskennt, dem ist bekannt das ein übermass an stoffen wie stickstoff(zuständig für wachstum) magnesium, kalzium eisen usw usw dazu führt das die pflazen krank werden.
das bedeutet, auch wen der phosphat gehalt bei rund 1mikrogram liegt, heisst da noch lange nicht das der see wieder in einem uhrzustand ist.
falsch, den durch ein übermass an den weiteren stoffen führt paradoxerweisse zu einer überdüngung der wasserpflanzen, und sie wedern je nach dem sogar absterben. dem see gehts bei weitem schlechter als vor zbs 1000jahren!
den es ensteht somit ein ungleichgewicht an verfübaren stoffen im wasser!
darunter leiden nicht nur die fische, sonder auch die wasserpflanzen, wasservögel usw usw! es leidet alles!
mit wenig phospat zugabe kann so eher wieder ein uhrzustand erreicht werden, der es auch der pflanzen welt einfacher macht!
mehr pflanzen, gibt auch wieder mehr verstecke, gitb auch wieder mehr fisch!
es sind da diverse punkte die "zusammen" ein erfolg geben.

das alles nur auf die beruffischer zu schieben, ist falsch!
die berufsfischer sehen es einfach als erstes,da sie die sind die jeden tag auf dem wasser sind und von der materie leben..

grüsse und petri

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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von Würmlibader » Fr 30. Dez 2011, 14:44

finde den einwand von aspidelaps durchaus interessant und auch berechtigt.
tatsächlich ist es so, dass ein nährelement (und davon gibts ja nen ganzen Haufen) in zu hoher konzentration so ziemlich alles andere auf den Kopf stellen kann und nichts mehr funktioniert.

nun wäre es natürlich toll zu wissen, wie genau die Wasserzusammensetzung im Urzustand war, was allerdings wohl fast unmöglich zu rekonstruieren ist, oder wenns doch geht zumindest extrem kostspielig sein wird.
ich bin der meinung, dass man ERST DANN massnahmen, oder eben nicht, treffen kann um die nachhaltigkeit zu gewährleisten.

ich will mich hier nicht pro oder contra eine seite stellen, dennoch bin ich mir sicher, dass das phosphat nur ein mosaiksteinchen vom ganzen problem ist und dir ganze thematik viel komplexer sein könnte, als die meisten hier denken.
Regel 1: nicht fischen zu gehen, ist immer die FALSCHE Entscheidung...!

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gonefishing
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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von gonefishing » Fr 30. Dez 2011, 14:56

Wenn ich mir die Fangerträge der Berufsfischer an den grossen Seen der letzten 10 Jahre anschaue dann ist der Gesamtertrag ungefähr gleichgeblieben oder sogar etwas gestiegen, und das bei einer geringeren Zahl an Berufsfischern.
Deutlich ist auch der Trend, dass in den Voralpenseen weniger und in den Seen des Mittellandes mehr gefangen wird.
Es scheint so, dass die Seen des Mittellandes eher überdüngt waren und heute in einem wesentlich besseren Zustand sind.
Düngt man nun die Voralpenseen so würde sich das auch wieder auf die Seen des Mittellandes auswirken, da es ja keine in sich geschlossenen Systeme sind.

Gut möglich dass mit relativ viel Aufwand wieder nur eine Verlagerung erreicht wird, und der Gesamtertrag gleich bleibt.
Da stellt sich die Frage ob es nicht einfacher wäre ein paar Berufsfischer von den Voralpenseen in's Mittelland zu verlagern...

Ich selbst fische viel am Thunersee, wo der Ertrag auch deutlich zurück gegangen ist. Ich schätze aber die hervorragende Qualität der Fische hier, die ich vor allem auf die Wasserqualität zurückführe.
Ich schätze mal dass nicht nur ich den Unterschied einer im Juli gefangenen Felche aus dem Thuner- und dem Bielersee bemerke. Von dem her müsste sich die bessere Qualität auch entsprechend vermarkten lassen.
Gruss, Mattu

Anstatt zu jammern dass wir nicht all das haben was wir wollen sollten wir dankbar sein dass wir nicht all das bekommen was wir verdient hätten. (Dieter Hildebrand)

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Re: Phosphat, nun soll der Bundesrat entscheiden...

Beitrag von obelix » Fr 30. Dez 2011, 17:04

Es gibt einfach Fakten, die man nicht wegdiskutieren kann. Wenn ich die Jahre mit starkem Phosphateinfall im Bezug auf den Zürichsee anschaue (60er bis mitte 80er Jahre), so war der See in diesem Zeitabschnitt um einiges Produktiver wie heute. Als kleiner Bub erlebte ich gerade noch die Schlussphase dieses Zeitabschnittes und ich kann jedem sagen, der das nicht miterlebt hat, es waren andere Zeiten......schönere, wesentlich schönere Zeiten im Bezug auf die Fischerei! Wer von euch fischt nicht gerne in Gewässern, die einen hervorragenden Bestand an Fischen hat?

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