Die Geschichte hier von letztem Wochenende am Bergsee ist etwas anders:
Es wird Herbst. In den Bergen machen sich die kürzeren Tage deutlich bemerkbar, die Temperatur fällt in der Nacht rasch Richtung Frost, der See kühlt entsprechend ab. Tagsüber sind noch einige Insekten aktiv, doch an diesem grossen und tiefen See finden die Saiblinge anderswo genug Nahrung und bleiben unsichtbar. Mit der Spinnangel ging’s lange Zeit auf die erfolglose Suche. Am Abend wächst dann die Hoffnung, ob der eine oder andere Fisch aus der Tiefe zur Oberfläche nahe ans Ufer kommt. Dort wo der Wind die längste Zeit allerlei Schwimmendes angetrieben hat. Viel davon besteht jetzt aus Pflanzensamen den man manchmal auch im Magen der Fische findet. Natürlich sind es aber die Insekten, die manchmal kurzzeitig ein reges Steigen verursachen. Heute aber läuft vorerst nichts. Gestern noch, sagte mein Fischerfreund, hat er vereinzelt einige Fische steigen sehen. Da steh ich nun in der Kälte nach dem Sonnenuntergang und beobachte das Wasser angestrengt nach vermeintlichen Ringen. Der Wind wird nur langsam ruhig und wellt den See periodisch immer wieder auf. In dem Glitzerwerk ist es nicht einfach einen steigenden Fisch auszumachen. Von dem Warten müde wechsle ich wieder zur Spinnangel, so sehe ich wenigsten einen Ring an der Einwurfstelle. Die Suche nach dem ersehnten Steigen lässt sich auch so weiterführen und vielleicht ergibt sich ja doch noch ein Fang auf das glänzende Metall? So gehe ich an diesem Abend dem Ufer entlang stetig auf der Suche nach einem verräterischen Ring. Nach einer kleinen Ewigkeit, endlich der erste Fisch der an der Oberfläche, aber ausserhalb der Wurfweite, nahe am Ufer etwas fressbares gefunden hat. Sofort den Blinker einziehen, die Fliegenrute gepackt und rasch zur Stelle hin. Ein erster Wurf dort wo der Fisch jetzt sein könnte, dann die Umgebung mit der Fliege absuchen. Nach langer Zeit ein nächstes Steigen noch weiter weg als zuvor. Nun mache ich also den “AbendSprung“ hin zu dieser Stelle. Doch schon ist der Fisch weiter gezogen und zeigt den Fund vom dritten Insekt in der Ferne an! Also führt mich der “Sprung“ entlang dem felsigen Ufer, soweit bis ich glaube, den Fisch überholt zu haben. Nach diesem Spurt bereitet sich angenehme Wärme im Körper aus. Da! ganz nahe steigt der Fisch erneut, rasch nun ein Wurf und tüchtig die Fliege zucken lassen….
…und wie aus dem Nichts schiesst er hoch...

Der plötzliche und laute Schwall einer starken Namaycush auf eine grosse Trockenfliege ist spektakulär und erschreckt mich immer wieder von neuem! Der Fisch ist gut in Form und lässt sich erst kaum bändigen. Zeitweise mehr Über- als Unterwasser versucht er der Fliege loszuwerden. Aber bald nach den heftigen Fluchten kann ich diesen landen. Eine herrlicher Fisch liegt mir zu Füssen. Bereits wäre es wohl stockdunkel, wenn nicht der Mond sein Licht verbreiten würde. Auf dem Rückweg lässt sich ein zweiter Saibling an der Oberfläche ausmachen. Ich kann nicht widerstehen und versuche den Fisch anzuwerfen. Trotz oder gerade weil es nur wenige Insekten auf der Wasseroberfläche hat, steht die Chance gut diesen zu fangen, auch wenn er nur einmal beim Steigen zu sehen ist. Der Wurf aber misslingt, das Vorfach hat sich verhängt, das Entwirren klappt nicht, ich muss neu knüpfen, die Lampe fehlt und ich kriege den Faden nicht durchs Öhr. Zum Trost lässt sich kein Fisch mehr sehen, – mir fällt es jeweils schwer ruhig zu bleiben wenn während der kurzen Beisszeit Knüpfarbeit ansteht und die Fische im Wasser gierig steigen.
Zufrieden bei einer der zwei Chancen erfolgreich gewesen zu sein, gehe ich zu unserem Camp zurück um glühende Kohle für den Fang herzurichten. Die stattliche Namaycush wird für uns zwei genügen.



