Pinkes Equipment und weiblich geschnittene Outfits sind die Kassenschlager der Fischer-Shops: Frauen greifen immer häufiger zur Angelrute und mischen die Männerdomäne auf.
Dreckige grüne Gummistiefel, ausgebeulte Fischerhüte, alte Militärjacken und Bierbäuche sind definitiv passé. Der moderne Fischer ist heute jung, urban, ambitioniert und - weiblich. Immer mehr Frauen gehen leidenschaftlich gern fischen.
Hans Frommenwiler, der im Kanton St. Gallen Kurse anbietet und die obligatorischen Patentprüfungen koordiniert, bestätigt diesen Trend. «Wir spüren den Zuwachs an Frauen stark. Immer mehr machen nicht nur Kurse, sondern absolvieren auch die Prüfung.» In den Jahren 2010 und 2011 zählte der Instruktor 40 Absolventinnen. «Dieses Jahr sind es bereits 20.» Für Frommenwiler, der dieses Jahr bis jetzt rund 130 Lizenzen vergeben hat, ist das eine beachtliche Zahl.
Junge Frauen statt verschrobene Kerle
Auch die kantonale Statistik des Bündner Amtes für Jagd und Fischerei zeigt, dass der Anteil der Frauen in den letzten fünf Jahren klar zugenommen hat. Die Zahlen zeigen: «Die Frauen weisen eine deutlich höhere Zuwachsrate auf.»
Der Fischereiverband des Kantons Bern passt sich der Entwicklung an: Er führt seit einem Jahr reine Frauen-Fischerkurse durch und muss das Angebot jetzt bereits erweitern. Hans Thönen, Geschäftsführer des Berner Verbandes, sieht die Erklärung für den Trend in der allgemeinen Entwicklung der Fischerei. «Das Fischen geht weg vom Image der verschrobenen Kerle und Trunkenbolde, die in schlechter Militärkleidung nachts um den See schleichen», so Thönen.
Janine Bürgi vom Amt für Jagd und Fischerei Zürich ist eine Vertreterin der neuen Generation von jungen Fischerinnen. Für die ambitionierte 27-Jährige ist Angeln eine Passion. «Die Beschäftigung mit dem Fisch und den Gewässern fasziniert.» Etwa einmal in der Woche geht sie an den Zürichsee. «Manchmal sind die männlichen Fischer schon überrascht. Aber meistens reagieren sie positiv.»
Kassenschlager: Pinke Angelruten
Auch Michael Maissen vom Fischer-Shop Bernhard spürt den Trend. «Die Marken bieten immer mehr Kleidung für Frauen an, beispielsweise weiblich geschnittene Fischerhosen. Der Renner sind pinke Angelruten.» Maissen selbst geht oft mit seiner Freundin fliegenfischen. Auch er bestätigt, dass sich das Image des Fischens verändert hat. «Es geht nicht mehr ums Würmchen baden, sondern es hat mittlerweile viel mit Lifestyle zu tun. Angeln ist modern geworden.»
Viel dazu beigetragen haben die äusseren Umstände: «Das Material ist um einiges leichter, das Handling gelingt leichter», erklärt André Bleiker, der mitten in Zürich einen Fischer-Shop betreibt. «Mit der Prüfungspflicht und den ethischen Kodizes, die berücksichtigt werden müssen, hat sich das Fischen grundlegend verändert.» Er begrüsst in seinem Shop immer mehr Frauen. Die genauen Gründe für den Trend kennt er nicht. «Aber eines ist sicher: Angeln ist urban und weiblich geworden.»
Quelle: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/ ... --31552327



