Zuchtegli aus der Schweiz

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Loup
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Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Loup »

Aufmerksam gemacht worden durch meinen Bruder, der in einer Migrosfiliale schweizer Eglifilet aus Zuchthaltung gesehen hat, bin ich bei Google fündig geworden. Es gibt tatsächlich einen Eglimastbetrieb mit dem Namen Valperca in Raron. Ein Riesenbetrieb der erst am Anfang seiner Produktionspläne steht. Ich möchte nun nicht eine Diskussion über Sinn oder Unsinn eines solchen Betriebes aufbauen. Ich frage mich eher -
Von wo stammt die Brut?
Ist es nun so, dass die Berufsfischer eine nue Einnahmequelle gefunden haben und sie fangen in der Laichzeit die Fische aus den Seen um deren Nachwuchs dann an Brutanstalten und Mastbetriebe zu verkaufen? Wenn ja, ist das Rechtens? Wohin führt das?
Nach einer unverbindlichen Rechnung von mir, produziert der Betrieb in Raron zur Zeit mehr als 500`000 Schlachteg im Jahr. All die Fische die es braucht um eine solche Zahl an Eglis zu produzieren fehlen dann doch für Raubfische, Fischer und Kormorane in unseren Seen.
Eine weitere Frage von mir, auf die ich keine Antwort fand. Mit was für Futter werden diese Fische gemästet?
PS Ein nachdenkliches Stirnerunzeln meinerseits. Für das neue Murtenseereglement ab 2013 wird darüber nachgedacht, ob es von Nöten sei, für die Hobbyfischer eine Eglischonzeit einzuführen.
Gruss vom Murtensee
Loup
Prinzip

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Prinzip »

Dreht sich zwar um den Hecht, trotzdem interessantes Video. Könnte mir aber vorstellen dass die Fischer dasselbe mit em Egli machen..

http://youtu.be/K7G_hVcJs1M

Solange es für Natur und Mensch ausgewogen bleibt "ok" - besser als import-Egli aus anderen Ländern.
Phuehue

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Phuehue »

@ Loup:
Deine Rechnung geht doch nur auf, wenn jedes der Egli-Eier auch tatsächlich ein grosses Egli werden würde? Oder verwechsel ich hier jetzt was?

500'000 Eier, die in der freien Natur fehlen sind eine verschwindend kleine Promille-Zahl! Und: Jedes dieser Eier wird in einer Zucht ein schlachtreifes Egli, oder sicherlich der Grossteil davon. Definitiv ein x-faches mehr, als wenn diese 500'000 Eier in der freien Wildbahn abgelaicht werden. So gesehen ist eine solche Zuchtfabrik wohl eher eine Konkurrenz für die Berufsfischer, die viel günstiger Egli-Fleisch produzieren können. Für den Egli-Bestand in den Seen macht dass doch null unterschied bzw. wird sich - wenn überhaupt - am ehesten "positiv" auswirken, da weniger Berufsfischer noch auf Egli gehen können?

Nur so ein paar rechnerische Gedanken Laien. Werde gerne vom Gegenteil oder anderen Argumenten überzeugt :)
Schweizer Angler

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Schweizer Angler »

soviel ich weiss züchtet die besagte firma die egli selber. und im gegensatz zur auch hier vielduskutierten gewissen ehemaligen welsfirma im osten der ch, ist die zucht bisher legal und tierschutzkonform. und die egli kommen aus der ch, ist mir lieber als egli aus kanada (zucht und wildfang) oder dem ostblock (woher ein grosser teil im handel kommt und oft aus wildfang), unsere eglis dürften auch eine bessere umweltbilanz bringen und nicht fremde gewässer leerfegen.

valperca ist nicht die einzige zucht die sich in der ch mit egli befasst (und dies nicht neu sondern seit 2009), danebst wird auch das tropenhaus frutigen egli züchten. ob da leich aus schweizer seen verwendet würde, würde aus meiner sicht keine rolle spielen, die egli haben vielerorts nicht mals schonzeit und werden das ganze jahr befischt, vielleicht sogar mehr von uns sport- als berufsfischern. und letztere können den eglimarkt gar nicht befriedigen, somit nimmt man ihnen wohl auch kaum was weg und gescheite berufsfischer fahren als trittbrettfahrer in der vermarktung von schweizer fisch besser mit, als potentiell zu jammern.

gruss

sa
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fishfnord
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Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von fishfnord »

troutstalker

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von troutstalker »

Ich schliesse mich der Meinung von Phuehue an. Meiner Recherche nach legt ein einziges Weibchen zwischen 10000 und 300000 Eier, also ein einziger Tagesfang eines Anglers KOENNTE diese Zucht ein Jahr lang oder länger mit Eiern versorgen falls die Schlüpfrate genügend hoch ist. Und wenn dann weniger Importiert und Transportiert werden muss sehe ich auch einen positiven Effekt bezüglich Naturschutz.
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Loup
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Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Loup »

Glaubt ja nicht, dass aus jedem Ei ein Zuchtfisch wird, das ist aber für mich nicht entscheidend. Wichtiger ist die Frage nach dem Futter. Ich habe gehört, dass in den Meeren jagt auf "minderwertige" Fische gemacht wird. Diese Fischer werden verarbeitet und dienen als Mastfutter für Wofsbarsch, Dorade und Co., damit wird den natürlich aufwachsenden Raubfischen die Grundlage genommen. Also für mich ist die Frage des Futters von Interesse.
Weniger Futterfische = weniger natürliche Raubfische, in Meer und See.
Gruss vom Murtensee
Loup
berufsfischer

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von berufsfischer »

die von valperca gezüchteten eglis werden in 5-8 monaten auf ihr schlachtgewicht von ca 130gr gemästet.
die fische werden in einer eigenen anlage gezüchtet (dazu werden keine fische oder fischeier aus unseren seen gebraucht/verwendet) um sie dann mästen zu können.
die produktionskosten sind nach ch-standart hoch, weshalb auch die filets stolze preise haben. für den handel liegt der preis zwischen 35 und 50 franken/kilo, der endverbraucher bezahlt im laden 65 bis 90 franken für ein kilo zuchteglifilets.
das futter für die zuchteglis benötigt, wie bei allen raubfischen die gezüchtet werden, einen hohen anteil an fischmehl. der rohstoff dazu stammt aber zu 100% aus dem ausland und nicht aus schweizer gewässern. dass aber die weltweite zunahme der aquakultur und der damit verbundene gesteigerte befischungsdruck in den meeren zwecks fischfutterproduktion negative auswirkungen auf die betroffenen ökosysteme hat, ist unbestritten.
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Loup
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Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Loup »

@berufsfischer
Danke, mit deiner Antwort kann ich etwas anfangen.
Es bestätigt mir meine Gadanken dass die Aquakulturen auch nicht das gelbe vom Ei sind, so wie es überall propagiert wird.
Gruss vom Murtensee
Loup
Phuehue

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Phuehue »

Aber ist dann die Alternative nicht gleich: Kein Fisch essen?

Für mich ist das bissel diesselbe Thematik wie: Kein Fleisch mehr essen, da Fleischproduktion bezüglich Wasserverbrauch, Ressourcen-Verbrauch, CO2-Belastung viel zu ineffizient ist.

Mit der Argumentation bzgl. Fütterung heisst dies, dass jede Raubfisch-Zucht in Frage gestellt werden muss, auch für Besatz-Aufzucht. Mit dem Resultat, dass zu guter letzt nicht mehr gefischt werden darf.

Was nun? :shock:
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Loup
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Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Loup »

@phuehue
Selbstgefangene Fische essen. Mit Freude, Lust und Verstand.

:shock:
Gruss vom Murtensee
Loup
Phuehue

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Phuehue »

Loup hat geschrieben:@phuehue
Selbstgefangene Fische essen. Mit Freude, Lust und Verstand.

:shock:
Na toll. Wenn ein jeder, der Fisch ist, auf einmal am Gewässer steht, dann gute Nacht! Zudem: Jeder selber Hühner und Kühe halten und dann ab zum Metzger. :censored:

Ganz ehrlich, ich finde diese Diskussionen etwas heuchlerisch. Zum einen will man immer noch Fleisch / Fisch essen, zeigt aber mit dem Finger auf Produktionsstätten. Lösung natürlich: "Selbstversorgung"! Wer also nicht selbst seine Forellen züchtet und diese mit selbst angebautem Grünfutter (Bio natürlich) aufziehen kann, der sollte konsequent sein und das Fisch / Fleisch essen aufgeben. :roll:
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Loup
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Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Loup »

Ich schreibe über Aquakulturen und dass sie auch nicht nur das gelbe vom Ei sind.
Des weiteren gehöre ich zu den Fischern, die Fische fangen, töten und essen.
Wenn ich genug Fische habe, ändere ich den Zielfisch oder die Methode, oder ich fische nicht mehr und züchte Kaninchen. Damit ist für mich diese Diskusion beendet.
Gruss vom Murtensee
Loup
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helix
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Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von helix »

Sehr interessanter Beitrag und ein zukunftsweisendes Projekt, welchem ich grundsätzlich positiv gestellt bin. Bei Gelegenheit werde ich die Fischzucht "ännet" dem Lötschberg mal besuchen gehen - die haben ja auch guten Wein dort (dies nur am Rande).

Viel skeptischer bin ich hingegen, wenn ich im Denner und anderen Discountern Egliknusperli zu absolut fraglichen Billigst-Preisen entdecke, da stimmt dann definitv etwas nicht - und zwar nicht nur das viele Paniermehl und die Batterieeier drum herum -, wenn sowas in der CH als Massenprodukt angeboten wird. :|

70-80 Franken pro Kilo CH-Filets finde ich in Ordnung und durchaus angemessen, egal ob Zucht oder Wildfang.
Bild
Gruess helix
Arts

Re: Zuchtegli aus der Schweiz

Beitrag von Arts »

Hallo,

Fraglich ist bei den Aquaqulturen narürlich schon die verwendeten Futtermittel und die Zuchtabfallprodukte....

http://www.infofarm.de/datenbank/medien ... onzept.pdf

Was den Preis angeht.... Der Eglipreis ist ja extrem hoch :shock: .

Habe heute eine Reportage über die Steinbuttzucht in Frankreich gesehen.

Dort werde 4 - 8 Jährige Zuchtfische gehalten, welche immer wieder abgestreift werden. Also kein Laichfischfang, sondern ein Zuchtfischgen-Pool welcher hohe Qualität garantieren soll.

Die daraus resultierende Steinbuttbrut wird regelmässig auserlesen (Kranke oder deformierte Tiere), geimpft, gemästet, und da wird selbst gesagt, liegt das Problem.... Die Menge Fisch die pro Kilo Steinbutt benötigt wird.

Ein Steinbutt braucht ca 3 Jahre bis er die Grösse von 3Kg ereicht. Der Preis für einen 3kg Steinbutt liegt bei ca 100 Euro. In der Küche ergibt der 3kg Steinbutt ca 600g Filet...

In Falle Steinutt sieht die Billanz doch zimmlich schlecht aus. Hoher Zuchtaufwand, viel Futter (Sardinen), für einen Fisch der in der Küche wenig fleisch bringt, und somit entsprechen teuer, somit ein luxusgut ist...

Ich finde Aquaqultuern können sinn machen, aber nicht für jede Fischart...

Die Frage ist natürlich auch, soll Fisch ein Luxusgut sein oder ein Grundnahrungsmittel.... Für uns in Europa wird der Fisch zuehends zum Luxusgut, auf kosten derer Länder, bei denen er ein Grundnahrungsmittel ist....

Und auch wenn wir Aquaqulturen fördern so fördert die Futtermittelbeschaffung weiterhin die Überfischung...

Tja und das nur weil wir es uns leisten können einen teuren Steinbutt zu kaufen anstelle direkt die grillierte Sardine, oder die Sardine in Tomatensauce zu geniessen...

Nur zum Vergleich: 600g Zucht-Steinbuttfilet sättigen ca 2-4 Persone, die verwendeten Futtermittel für die Zucht -ca 5kg Sardinen für einen 3kg Steinbutt- würden hingenen minimum 20 personen sättigen ...

Ich frage mal provokativ: Verschwenden wir hier nicht wertvolle Lebensmittel-Ressourcen "nur" zur Produkteveredelung, welche "nur" uns Industriestaaten zugute kommt?

Damit Aquakulturen "nachhaltig" werden und "Sinn" machen, da bedarf es Regeln....
Ich glaube schon das dies ein Lösungsansatz sein kann, aber so wie es heute ist, ist es kapitalistisch geprägt und nicht sozialistisch :wink:

Gruss
Tom
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