ich befürworte das fangmoratorium für äschen grundsätzlich. einige werden jetzt vielleicht sagen, dass sei leicht, wenn man nicht davon betroffen ist. ich bin aber grundsätzlich auch dafür, dass die äschenfischerei bei mir im kt. solothurn dort verboten wird, wo natürliche (d.h. naturverlaichende) bestände vorhanden sind. diese sind zu schützen. sinnlos ist ein schutz dort, wo die äsche nur noch durch besatzmassnahmen vorkommt, sich aber selbst nicht halten kann. denn dort wird mit dem schutz nichts erreicht werden. dies hat man im kt. bern meines erachtens nach ziemlich gut gelöst, indem man sich beim moratorium auf die noch halbwegs guten strecken beschränkt hat. sicher gäbe es es noch einige strecken, die man ins moratorium reinehmen könnte (aareknie unterhalb des kraftwerks wynau im oberaargau etwa) und vielleicht auch solche, die man rausnehmen könnte. aber grundsätzlich finde ich diese regelung akzeptabel.
wichtig ist aber, und ich denke, da sind wir uns einig, dass die hauptursachen für den äschenrückgang angepackt werden müssen. diese ursache ist nicht die fischerei, auch wenn sie bei den mittlerweile tiefen beständen sicherlich gefährdent wirkt.
eine wesentliche ursache für den bestandesrückgang liegt bei der verbauung und stauung der fliessgewässer. seit rund 150 jahren verändern wir die gewässerlandschaft der schweiz in grossem ausmass und dass dies nicht ohne folgen bleibt, ist jedem klar. der rückstau von flüssen lässt ehemalige laichplätze von kieslaichern verschlammen und schafft neue wanderhindernisse, welche längst nicht alle mit (funktionierenden) fischtreppen ausgestattet sind. ehemalige gewässer der forellen- oder äschenregion werden zu brachsemregionen oder sogar zu stehenden gewässern. es gilt der satz: veränderte fischfauna durch veränderte lebensräume. dies ist an der aare an verschiedenen orten der fall.
um die äsche wirklich zu fördern, gäbe es hierbei nur eines: gebt den gewässern mehr platz (der raumbedarf der gewässer sichern), lasst sie "arbeiten" (d.h. strukturen schaffen)! ein gutes äschengewässer muss dauernd neues geschiebe ablagern und abtragen. ist der gschiebehaushalt unterbrochen, ist es nur eine frage der zeit, bis auch die laichplätze verschwinden. wichtig ist die vielfalt im gewässer, wie sie nur die natur schaffen kann. jedes alterstadium der äsche und anderen fische hat andere ansprüche an das gewässer. monotone gewässer, und seien sie für erwachsene fische noch so attraktiv, sind für den gesamten bestand völlig ungeeignet.
auch dürfte bei der äsche und anderen empfindlichen arten (forellen, nasen, etc.) die chemische verunreinung eine rolle beim rückgang spielen. unbestritten ist, dass heute die gewässerqualität bei vielen stoffgruppen (z.b. düngerkomponenten) besser ist als früher. allerdings geht besonders von hormonaktiven substanzen, welche meist auf das fortpflanzungssystem einwirken, ein grosses risiko aus. zudem sind trotz allen anstrengungen die wasserwerte unterhalb der ARA's teils immer noch sehr schlecht. auch hier müsste noch einigen gemacht werden.
wenn die lebensräume für die äsche und die anderen kieslaicher intakt sind und die wasserqualität stimmt, muss man sich auch nicht vor kormoran und gänsesäger fürchten. fische in natürlichen lebensräumen kommen nämlich auch mit einer starken prädation gut zurecht. hohe reproduktionsraten und gutes nahrungsangebot sorgen dafür, dass trotz der prädation stets genug fische aufkommen.
zudem muss auch gesagt werden: prädation durch fischfressende vögel ist völlig natürlich und sogar notwendig. natürliche feinde sind ein elemntarer bestandteil der natur, der dafür verantwortlich ist, dass die tiere überhaupt so sind, wie sie sind. ohne wolf gäbe es keinen hirsch, ohne luchs kein reh, ohne bussard keine maus und ohne reiher keine forelle.
völlig klar ist, dass fischfressende vögel bei uns lokal einen negativen einfluss auf die fischbestände haben können. doch dass wir ihnen mit unseren kanalisierten gewässern, wo jegliche verstecke fehlen, die fische auf dem silbertablett servieren, ist unser fehler und nicht ihrer. dass es weniger laichplätze gibt ebenso. auch dass wir die vögel noch mit fischbesatz durchfüttern und sie so fördern, ist unsere schuld.
dass die fischfressenden vögel nun für unsere fehler der vergangenheit büssen sollen, finde ich, gelinde gesagt, daneben und zeigt unseren bedenklichen umgang mit der natur sehr gut auf.
daher:
packen wir die wirklichen probleme an, setzen uns mit aller kraft für mehr natürliche gewässer ein und hören auf, die schuldigen dort zu suchen, wo sie nicht sind (bei den fischern wie bei den vögeln...)
