
Das Fischen im Kanal ist nicht ganz einfach, vielfach ist es schlicht nicht möglich. Unser Fischereireglement besagt, dass eine Fischerei im Kanal erst dann erlaubt ist, wenn es der Wasserstand ermöglicht auf den betonierten Fundamentsabsätzen zu stehen und gehen. Bei hohem Wasserstand ist die Fischerei aus Vorsichtsgründen untersagt. Dies muss ich voll unterstützen, denn die Strömungsgeschwindigkeit in einem kanalisierten Gewässer darf man nie unterschätzen und die Rettungsmöglichkeiten, selbst die der eigenen Person, werden durch die meist spärlich bewachsenen Uferzonen auch nicht gerade unterstützt!

Der Wasserstand war am sinken und Mauro hatte vorsondiert, so beschlossen wir Heute unser Glück auf die Grossen zu versuchen. Es sollte auch gar nicht lange dauern und Mauro hatte seinen ersten Biss. „Und!“ fragte ich? „Nichts Grosses!“ die Antwort. Was war es doch schon wieder, was wir uns für Heute auf die Fahne geschrieben hatten? Nun, wenigstens der Biss kam schnell und wo die kleineren stehen, stehen ja bekanntlich auch die grösseren. Mir hatte es so was wie von einer 45erin geträumt, zumindest aber hat der Mauro schon davon gesprochen!?

Um anhand der aussagekräftigen Bilder die Spannung noch ein klein wenig aufrecht zu erhalten, möchte ich berichten, was Heute abging. Nach der ersten Untermasigen von Mauro, ich war gerade mal mit meiner Montage fertig (weil ich immer fotografieren muss), kam schon der nächste Ruf von meinem Freund: „Biss! Diesmal ist sie Recht“. Mit geübter Sorgfalt drillte Mauro die Aesche sauber aus und es gelang mir sie beim ersten Versuch zu feumern. Sie hatte gute 35 cm, die erste Fahnenträgerin aus dem Kanal. Petri Mauro!
Nun endlich war es soweit und auch meine Montage am Tirolerhölzel flog Richtung Wasseroberfläche, um sofort auf Tiefgang zu gehen und die Nymphen dicht über dem Grund den Fischen entgegen treiben zu lassen. Wie immer beim „Hölzeln“ gilt äusserste Konzentration, um die Bisse von den anderen „Rumplern“ am Gewässergrund zu unterscheiden und auch um bei einem eventuellen Hänger, möglichst schnell reagieren zu können. Eine schnelle Reaktion hat mir schon manchen Hänger vermieden!
Nach ein paar Würfen, meldete sich auch bei mir der erste Kontakt, doch die Gegenwehr liess keinen Zweifel aufkommen, auch ich musste mich mit einer Untermasigen abfinden. Wie beschlossen den „Kleinen“ ihre Ruhe zu lassen und weiter Kanalabwärts die „Grossen“ zu suchen. Es war keine Frage, dass wir auf dem Weg dahin an den verdächtigen Stellen jeweils ein paar Würfe machten, „Mann“ weiss ja nie!
„Biss, eine Grosse!“ tönte es hinter mir. Wer das wohl war? Nun den, wenn es so sein muss, muss es so sein! Wieder folgte ein spannender Drill den Mauro perfekt kontrollierte, selbst als die Aesche in der Endphase des Drills ihre letzten Kräfte mobilisierte und mit dem ganzen Körper aus dem Wasser sprang. Das ist jeweils ein heikler Moment, doch als alter Hase, der Mauro nun mal bald ist, folgte er mit einer raschen Bewegung dem Fisch und so gelang es ihm die Schnur gestrafft zu halten. Einen kurzen Augenblick später lag sie uns zu Füssen. Eine herrliche Aesche von 41 cm, schön gezeichnet und wohl genährt.

Nur ich, hatte noch immer keine „Grosse“ gefangen und langsam kamen mir für Heute schon die ersten Zweifel. Es lief im Grossen und Ganzen ja gar nicht schlecht, wir hatten zwei schöne Fische und ich so eben eine weitere Untermasige. So ginge es auch weiter, wo wir es auch Versuchten, fingen wir nur kleine Aeschen, was einerseits Freude an dem Nachwuchs aufkommen liess, doch wie geschrieben, die „Grosse“ interessiert!
Nach einer Pause, ihr wisst schon, bei Mauro ist das Pflichtprogramm, wollte ich es noch einmal Wissen und begann einige Meter weiter, das „Hölzli“ erneut auszuwerfen. Wau, was für ein Hammerbiss! Der Fisch hatte meine Nymphe voll genommen und kämpfte in der Strömung das die Bremse kreischte (und meine Bremsen sind hart eingestellt), wenn das keine Barbe war, dann muss sie es sein, die „Grosse“ aus meinem Traum oder Mauros Prophezeiung!
Und sie war es auch, sie mass stolze 46 cm, hatte eine herrliche Fahne und bescherte mir für den Moment, die Erfüllung meines Traums. Danke Mauro fürs „Einflüstern“! Zur Feier des Tages und des anstehenden Fototermin bei mir im Garten genehmigten wir uns ein Glas und liessen den schönen Tag gemeinsam Revue passieren. Wieder einmal hat uns die Lektion gelehrt, dass der Erfolg auch über die Geduld geht!


