Gerne berichte ich euch über die Eröffnung der Eisfischerei hier in Finnland:
Seit gut einer Woche herscht hier richtig Winter mit Schnee, Eis und allem was dazu gehört. Grund genug also für meine persönliche Eisfischerpremiere:
Am ersten Tag sollte es auf Hechte gehen. Dank einem guten finnisch Freund fällt die Einführung in diese spannende Art des Fischens leicht. Auch wenn der Fang der Köderfische (Egli und Rotaugen) an diesem Tag nicht einfach war. Doch die Stimmung an diesem Morgen entschädigt für alles! Die Stille (nur das beängstigende Knacken des Eises), die Schneewähen die vom Wind über den See getrieben werden und die Einsamkeit auf den unendlich vielen Seen - absolut eindrücklich.

Zunächst ging es darum möglichst viele Löcher ins Eis zu bohren. Mit den Finnischen UR Eisbohrern eine schnelle Sache. Beim Hechtfischen wie beim Köderfische fangen geht es darum die Fische zu finden.
Zum Hechtlen legten wir wie hier anscheinend üblich ein paar lebende Köderfische aus und fischten in der Wartezeit mit Balanceködern (spezielle Eiswobbler welcher im Eisloch - richtig geführt - ihre Kreise schwimmen).
Es ging nicht lange da ruckelte der erste improvisierte Bissanzeiger (Schilfhalm). Und nach meinem ersten Eisdrill konnte ich einen ca. 55cm Hecht in Empfang nehmen und wieder releasen. Kaum kommt der nächste bis in einem andern Eisloch. Dieser Kämpfer gibt alles. Und so dauert es etliche lange Minuten bis wir den Hecht zum ersten Mal sehen. Eine ganz neue Erfahrung einen Hecht direkt über die Schnur zu drillen (dazu sind die Eisrütchen nun wirklich nicht zu gebrauchen;-) ):

Kein schlechter Start: mit gut 85cm auch in Finnland ein sehr schöner und nicht alltäglicher Fisch! Insgesamt konnten wir in 20 min 4 Hechte fangen. Davor und dannach rührte sich gar nichts...

Nächster Tag, neues Glück. Von den ersten Erfolgen beflügelt, wage ich mich alleine an meinen "Haussee". Nur 50m von meiner Wohnung ist er mit einer Fläche von etwa 150x80m noch recht übersichtlich. Es müsste auch hier Fische geben. Der Neuschnee symbolisiert schön dieses noch jungfräuliche Wasser. Kurzer Test mit dem Eisbohrer - das Eis sollte halten...

Und sieh da, bereits nach kurzer Zeit ein schöner Egli mit gut 25cm. Für die oftmals sehr kleinwüchsigen Eglibestände ein schöner Fisch. Ein paar kleine folgen.

Beissen die Fische sehr fein, half oft der Griff zur Mormiskha am. Da werden auch die feisten Bisse angezeigt. Hier jedoch der typische Standartköder der Finnen: Pilkki garniert mit Made:

Doch plötzlich endet das Beissen abrupt. Kein Biss mehr auch an all den anderen Eislöchern. Nichts. Doch dann, nach 30min plötzlich ein zarter Biss. Das Hochpumpen geht rasant, bis ich den Pilkker aufblitzen sehe. Doch dann, geht die Post ab! An dem Spielzeuggerät gar nicht so einfach genügend schnell soviel Schnur zu geben, zumal alles noch zugefroren ist. Im wieder lange Fluchten ich spekuliere auf einen Hecht der den Pilker genommen hat - und bekomme weiche Knie, habe ich doch nach dem Pilker den 14er Haken mit Made an einem 18er Vorfach nachgeschaltet... Als dann endlich - nach endlos scheinendem Drill - ein Flanke auftaucht, greife ich ohne zu Überlegen zu. Erst als der Fisch auf dem Eis liegt, erkenne ich, dass es eine absoluter Überraschungsfang ist: ein Zander!!! Ich kann meine Freude kaum fassen, zumal ich weiss, dass in dieser Gegend der Fang eines Zanders im Winter einem 6er im Lotto gleichkommt. Und natürlich glaubt mir niemand, bis sie das Foto sahen... Als ob dies nicht bereits genug wäre, erfahre ich im Nachhinein, dass der Zander mit seinen 64cm und 2.3kg Gewicht sämtliche Rekorde meiner finischen Fischerkollegen knapp gebrochen hat. Auch bin ich der erste von ihnen der überhaupt einen Zander im Winter fängt! Dies obwohl sie bereits seit ein paar Jahren intensiv auf Zander probieren und schon einiges ausprobiert haben! Das nenne ich eine durchschlagende Eröffnung. Die Schweizer sind halt immer für eine Überraschung gut!

Der 14er Haken hat ganz spitz im Maulwinkel gehangen. Da war wohl mehr Glück als Verstand im Spiel!

Ein Prachtszander aus dem finnischen Schnee. Die Eindrücke sind gewaltig. Der Freudenschrei war wohl weit herum zu vernehmen...

Soviel zu meinem Bericht über die Eisfischerei dieses Wochenende. Eigentlich hat meine Eisfischersaison fast zu gut angefangen! Aber es gibt noch viel zu Erkunden: weitere "unfangbare Zander" mit dem Balancewobbler, grosse Egli und Hechte, Felchen und im Februar kommt die grosse Zeit der Trüschenfischerei. Finnland im Winter - ein Märchen, dass wahrwerden kann...
