Es sind fast ausschliesslich immer fliegenfischer. Schon seltsam!
Ich finde das eher Schade.
Meiner Meinung nach brauch man sich nicht zu wundern, warum dem einzelnem Angler durch den Gesetzgeber so gut wie keine Eigenverantwortung in der Ausübung seiner fischereilichen Praxis sowie auch in der Hege der Gewässer übertragen wird, wenn man solches Gedankengut liest, was in keinster Weise kompatibel mit dem wichtigsten Grundsatz der Bewirtschaftung von Gewässern ist, der Nachhaltigkeit.
Gruß Matthias
Ich habe selber viele jahre mit der fliege gefischt aber es aufgegeben da man einfach sehr viele untermassige fängt.
Ist eigentlich egal, ich bin dafür dass refos, zander, schwarzbarsche in so viele gewässer wie möglich eingesetzt werden. Ich bin da sicher nicht der einzige.
aber ich denke darüber gross zu diskutieren bringt nicht viel da die meinungen extrem gespalten sind... leider...
aber ich unterstütze auch die these, dass die meisten einheimishe arten den umständen nicht mehr gewachsen sind... und da wo dies zutrifft würde ich andere fishe einsetzen...
T-rig hat geschrieben:Ist eigentlich egal, ich bin dafür dass refos, zander, schwarzbarsche in so viele gewässer wie möglich eingesetzt werden. Ich bin da sicher nicht der einzige.
Der Schuppenkarpfen wird als einheimisch betrachtet, obwohl er es eigentlich nicht wäre. Im Gegensatz zu den anderen hier erwähnten Fischarten datiert die Geschichte des Karpfens viel weiter zurück. Ursprünglich aus Asien stammend, wurde er bereits von den alten Römern gezüchtet. Der grosse Karpfenboom erfolgte dann im 8 Jhd. In England wurde er Anfangs des 16. Jahrhunderts eingeführt.
Die anderen Karpfenarten wurden in der Neuzeit eingeführt und gelten nicht als einheimisch.
Noch was zum Wels: Dass die Wassertemperatur durch die Klimaerwärmung steigt ist allerseits bekannt. Bei uns in der oberaargauer Aare sieht man das anhand der sich ständig verändernden Fischfauna. Die Populationen von einigen Arten gehen zurück, während andere richtig aufblühen. Der Alet z.B. hat sich in den letzten 10 Jahren massiv vermehrt. Parallel dazu hat sich auch eine grosse Population von Welsen entwickelt. Seit wenigen Jahren werden sehr viele kleine Welse gefangen, welche vor über 10 Jahren noch nicht da waren. Hie und da hört man bereits von Ü-60-Welsfängen. Diese Verbreitung ist sehr interessant, weil es sich um einen natürlichen Prozess handelt. Durch den Kraftwerksbau wurden die Flüsse verändert und es sind neue Techno-Ökosysteme entstanden, welche schnell von einheimischen Fischarten besiedelt werden. Durch einen aktiven Besatz mit Neozoen würde dieser Prozess vermutlich nicht stattfinden.
Aber eben, einigen Fischern ist es ja egal, was mit fischereitechnisch (in der CH) nicht überaus interessanten Arten wie der Barbe, Brachsme, Schleie, Rotauge, Rotfedern, Strömern, Schneidern usw... geschieht. Diesen Fischarten wird fast keine Beachtung geschenkt und es geht vergessen, dass sie die Nahrungsgrundlage für alle Räuber bilden. Auch der Aal ist in der CH vielerorts verschrien... und in anderen Ländern würde dieser Fisch als Delikatesse zählen, wenn sie ihn noch hätten.
Ich wiederhole mich nochmals, damit ich nicht etwa ins falsche Licht gerate. Dort wo die "Neozoen" bereits drin sind und sich von selbst vermehren, sollen sie auch mit Freude und Stolz befischt und präsentiert werden. Diese Fischarten können ja weiss Gott nichts dafür, dass sie einmal ausgesetzt wurden. Und falls sie in einem Gewässersystem auf natürliche Weise an Überhand gewinnen, dann "tant pis"... das kann man nicht mehr Rückgangig machen. Für Propaganda durch aktiven Besatz von Neozoen finde ich hingegen kein Gehör, denn dadurch könnten noch unerforschte ökologische Kreisläufe verloren gehen.
Gruss
Richu
Zuletzt geändert von salvenius am Mi 12. Sep 2007, 22:32, insgesamt 2-mal geändert.
@streamstalker: das ist wirklich traurig, was man vor allem in der der Soca angestellt hat.
Übrigens war die Form der Marmorata-Forelle auch im Tessin heimisch. Als dann die Tessiner die Bäche und Flüsse mit Forellen der nördlichen Form "Fario" bewirtschaftet haben, ging der besondere Genpool der Marmorata-Forellen für immer und ewig verloren.
@Matthias, vielen dank für die info! Im tessin wird auch versucht die marmorata wieder anzusiedeln aber leider ohne erfolg. Viele der bäche und flüsse haben fast keine forellen mehr da jeder fisch abgeschlachtet wird, sogar untermassige. Nicht nur in den flüssen aber auch in den seen wird fast jeder gefangene fisch behändigt ausser vielleicht alet. Ich habe leute beobachtet die plastiksäcke voller untermassige egli und schwarzbarsche nach hause schleppten. Auch die zander werden in jeder grösse von diesen sogenannten fischer abgeschlachtet! Zum glück fischen 90% dieser leute mit köfi und sind noch nicht auf den kunstköder geschmack gekommen, sonst würde es trüb aussehen. Die leute im tiefen süden haben eine ganze andere mentalität. Hier geht man fischen um zu (fr)essen, punkt.
Vielen Dank für die bisher sehr interessanten und konstruktiven Postings, welche uns allen zu denken geben müssen.
Die ganze Problematik ist äusserst interessant und auch sehr vielschichtig. Erlaubt mir, einige Gedankengänge dazu los zu werden:
1. Was erwarten wir von einer schönen Fischerei? Dazu mal drei Aussagen:
a) Das Fangergebnis (Anzahl und Grösse) meiner Wunschfische ist massgebend.
b) Die Gesundheit und das Aussehen der Fische ist wichtig.
c) Der Fischfang ist von untergeordneter Priorität, das Naturerlebnis und ein schöner Tag in der Natur ist wichtig.
Diese drei Aussagen könnte man wie folgt kommentieren:
a) Diesem Fischer spielt es keine Rolle, wie seine Fische aussehen, wo sie herkommen und was für Zusammenhänge in Verbindung mit dieser Denkweise bestehen. Hauptsache ist, die Regenbogenforelle ist grösser als 50 cm und mind. 1,5 Kilo schwer. Ob diese nun in einem natürlichen Gewässer oder in der Badewanne gefangen wurde, spielt keine Rolle, ebenfalls nicht, dass deren Schwanzflossen gar nicht mehr bestehen und der Kopf der Forelle eher einem Mops ähnelt.
b) Hier steht v.a. der Fisch und dessen Aussehen im Vordergrund. Man erfreut sich auch an einem kleinen „Pfitzer“, welcher jedoch gut gedeiht und gesund ist.
c) Bei dieser Sichtweise steht die Fischerei im Hintergund und der Aufenthalt in der Natur hat Priorität.
2. Wie werden wir als Fischer in der Oeffentlichkeit wahr genommen?
Erlaubt mir dazu eine Episode zum Besten zu geben, welche sich genau so an einem in meiner Nähe liegenden Bergsee, welcher sehr stark von Fischern frequentiert wird, zugetragen hat:
Es war vor einigen Jahren, als wir mit der Familie einen Spaziergang um den erwähnten See machten. Die warme Herbstsonne hatte viele Wanderer in die Berge gelockt und auch die Fischer rund um den See waren sehr zahlreich vorhanden. Der Weg um den See verläuft etwas oberhalb der Uferkante und so kann man sehr gut von oben den Fischern zusehen. Wir waren unterwegs mit unseren Kindern, welche damals im Kindergartenalter waren. Selbstverständlich musste ich viele Fragen meiner Söhne bezüglich der unterschiedlichen Fischereimethoden, welche wir beobachten konnten, beantworten. Wie wir wieder zu einer Gruppe von Anglern kommen, welche über ca. 50 m verteilt waren, hatte einer ziemlich weit draussen einen Biss an seinem Buldo-Schwimmer. Die Rute bog sich ganz schön und auch die übrigen Fischer wurden auf den Erfolg ihres Kollegen aufmerksam. Da brüllte einer der Fischer zum Fänger „schrys ne use dä Souhung Fridu“. (zu Deutsch: Reiss ihn raus diesen Sauhund)
Es waren dutzende von Wanderern auf dem Wanderweg und blieben, wie wir auch, fassungslos stehen! Ich erlaubte mir dann, zum „Brüller“ hinunter zu steigen und diesen ganz naiv zu fragen, was sie denn hier fangen könnten. „Eh dänk Rägebögeler“ war die logische Antwort. Meine Frage war jedoch rein rethorisch, denn ich antwortete ihm, ich sei extra runter gestiegen, um einen Sauhund zu sehen!
Während unserer Wanderung diskutierten um uns herum die Wanderer über die Fischer. Ich habe mich dabei bedeckt gehalten, denn ich wollte in diesem Moment nicht als Fischer erkannt werden!
Wir Fischer sind auf Unterstützung in der Politik angewiesen, damit auch unsere Interessen wahrgenommen werden können. Wenn wir mit allzu extremen Denkweisen uns outen, werden wir nicht viel Verständnis in der breiten Oeffentlichkeit erwarten können. Wenn es uns gelingt, die Natur als Ganzes zu sehen und nicht nur die Optimierung unserer Fangerfolge die oberste Prämisse ist, finden wir auch genügend Unterstützung in der Politik. Andernfalls rufen wir immer mehr Natur- und Tierschützer auf den Plan, welche verständlicherweise die reine „Fangerfolgoptimierungsdenkweise“ nicht nachvollziehen können. Gelingt es uns aber, mit dem Tierschutz und dem Naturschutz zusammen zu spannen, so werden wir auch politisch wahr genommen werden!
3. Fischerethik
Vorab möchte ich festhalten, dass der Mensch dem Lebewesen Fisch in jeder Beziehung überlegen ist. Dank unserer technischen Errungenschaften gelingt es uns, jedem Fisch habhaft zu werden, den wir wollen, sofern wir bereit sind, Kolateralschäden in Kauf zu nehmen. Jeder von uns verurteilt den gewerbsmässigen Raubbau an den Meeresfischbeständen. Wie siehts aber bei uns selbst aus? Es gibt Fischfangmethoden, welche durch den Gesetzgeber verboten sind, jedoch gibt es immer noch genügend Spielraum, welcher auf der Eigenverantwortung basiert. Was für den einen noch tolerierbar ist, ist für den anderen absolut undenkbar. Es gibt Aussagen wie „wer fängt hat recht – alles (im gesetzlichen Rahmen) ist erlaubt“, bis zu „wer nicht weiss wie man einen Fisch richtig fängt, sollte ihm nicht die Schmach bereiten, dass er ihn fängt“. Anders ausgedrückt: Ist Bergbachfischen mit Naturköder noch gut oder ist das Fischen mit Widerhaken noch gut oder ist ein Drilling am Kunstköder noch gut usw.usw.
Meine Meinung dazu ist, dass ich sowenig Kolateralschäden mit meiner Fischerei anrichten möchte wie möglich, denn sonst bin ich im kleinen nicht besser als die Fischfabrik auf hoher See!
4. Symptome bekämpfen oder deren Ursachen?
Wenn ich aus Fischerkreisen höre: „Da sött me halt Rägebögeler drii tue, angers chunnt sowieso nümm“ (zu Deutsch: Es sollten Regenbogenforellen besetzt werden, andere Fischarten haben eh keine Chance), dann Frage ich mich, was denn nach den „Rägebögeler“ kommt, wenn das Gewässer weiterhin den Bach runter geht und sich auch diese Fischart nicht mehr halten kann. Sollte man nicht mehr Beachtung den Lebensräumen unserer einheimischen Fischarten schenken, als kurzfristig auf (in meinen Augen) perversen Fangerfolg aus sein?
5. Der Wert eines Fisches
Wie viel ist Fisch wert? Ich habe mühe damit, dass die Fischerei immer noch der Urproduktion (Nahrungsmittelproduktion) zugerechnet wird. Dabei wird beim Wert eines Fisches nicht unterschieden, ob es sich um eine Forelle aus der Zucht oder um einen reinen „Naturburschen“ handelt. Bei der Festlegung des Wertes wird einfach der Fleischpreis genommen. Es gibt Studien zu diesem Thema in Bezug auf Wertschöpfung. Dabei wurde erkannt, dass z.B. ein Lachs, welcher mit Netzen als reines Nahrungsmittel gefangen wurde, einen Wert von 60 $ habe. Der gleiche Lachs von einem Sportfischer gefangen jedoch einer Wertschöpfung von 6000 $ entspreche! Solche Zahlen sollten uns zu denken geben, denn die Schweiz und gerade die Bergregionen haben ein ungeahntes Potential bezüglich wirtschaftlicher Wertschöpfung. Nach meiner Meinung liegt hier auch die grösste Chance für uns Fischer, politisch mehr Gehör zu bekommen, indem die Fischerei plötzlich zu einem touristischen Wertschöpfungsfaktor wird und demzufolge an Bedeutung gewinnt.
Nun denn, ich bin leider etwas länger geworden als geplant......
Dass an den Bergseen (und anderswo) manchmal wüste und unmoralische Szenen ablaufen ist schon traurig. Allerdings bin ich überzeugt, dass die Mehrheit der Fischer eine waidgerechte und faire Fischerei betreibt. Über die "schwarzen Schafe" (bitte nicht falsch verstehen ) wird halt leider mehr gesprochen...
Besten Dank für Deine Stellungnahme! Ich denke auch, dass über die schwarzen Schafe mehr geredet wird - wie überall.
@all: Ich wollte die Diskussion mit meinem Beitrag eigentlich in Gang halten und nicht abwürgen. Gibts denn keine Kommentare zu meinen Gedankengängen? Oder Interessiert solches niemanden - Hauptsache man fängt Fisch?