Wir möblieren die Wohnung der Fische

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Rolf
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Wir möblieren die Wohnung der Fische

Beitrag von Rolf »

Wir möblieren die Wohnung der Fische

Weil die gross angelegten Renaturierungen lange dauern, setzt der Kanton auf kleine, aber effektive Projekte. Fischereiverwalter Lukas Bammatter zeigt an der Töss, wies geht.

Der Szene könnte für ein romantisches Ölgemälde herhalten: Eine Gruppe Kinder watet bei Dättlikon durch das klare Wasser der Töss, das sanft zwischen Kiesbänken, Steinblöcken und Wurzelstöcken hindurchmäandriert. Enten schwimmen vorbei, über der Wasseroberfläche schwirren Libellen.

Doch diese Naturidylle ist von Menschenhand geschaffen. Die Inseln im Flusslauf sind erst seit 2024 da, einige auch erst seit diesem Jahr, eingesetzt durch den Gewässerunterhalt des Kantons.

Es sind zwar künstliche Eingriffe, aber sie haben positive Auswirkungen auf die Abläufe in der Natur. Der Fluss habe so wieder Dynamik erhalten, erklärt Lukas Bammatter, Co-Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung Zürich, bei einer Begehung.

Abwechslung ist wichtig für die Fische

Das Wasser fliesst in tiefen, breiten Abschnitten langsam und wirbelt schnell durch die engeren Stellen. Diese unterschiedlichen Fliessgeschwindigkeiten entsprechen den Bedürfnissen der Fische. Auch das Geschiebe findet so neue Ablagerungsflächen. «Vor der Renaturierungsmassnahme gab es hier keine Kiesbänke», sagt Bammatter.

Wie trostlos das Ganze ohne diese Inseln ist, zeigt sich wenige Meter weiter flussaufwärts: Die Töss gleitet in einem schnurgeraden Kanal über ein ebenmässiges Flussbett. «Das ist für die Fische in etwa so wie eine leere Wohnung», sagt Bammatter. «Mit unseren Massnahmen möblieren wir diese Wohnungen sozusagen, schaffen Ruheräume, Esstische und geschützte Kinderzimmer für die Tiere.»

ie zügig überströmten Kiesflächen bieten gute Laichplätze, im Schatten des Totholzes finden die Fische Schutz vor der Sonne und ihren Fressfeinden. Das Ganze hat sogar einen positiven Nebeneffekt: Von den Aufwertungen profitieren auch Vögel, Amphibien, Krebsarten, Insekten und Pflanzen.

Aufwertungen sind dringend nötig für den Gewässerschutz

Die neuen Lebensräume sind dringend nötig: Von den 75 in der Schweiz heimischen Fisch- und Krebsarten sind 70 Prozent gefährdet oder bereits ausgestorben. Insbesondere in den Fliessgewässern haben die Fischbestände seit den 1990er-Jahren rapide abgenommen.

Zu schaffen machen den Tieren neben dem Klimawandel auch Wasserkraftwerke, die vielerorts die Fischwanderung behindern. Der Bund hat die Betreiber solcher Anlagen dazu verpflichtet, bis 2030 Massnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Fische umzusetzen. «Bis heute sind aber erst wenige sanierungspflichtige Anlagen mit zeitgemässen Fischwanderhilfen ausgestattet worden», sagt Bammatter.

Auch benötigen grosse Revitalisierungen von Flüssen und Bächen wie beispielsweise das Projekt «Lebendige Limmat» in Schlieren viel Zeit von der Planung bis zur Umsetzung. Deshalb setzt der Kanton seit 2020 drei bis vier kleinere lokale Strukturaufwertungen um wie jene an der Töss. 20 solcher Projekte sind bisher realisiert worden, meist innerhalb eines Dreivierteljahres.

Dabei wurde beobachtet, dass in einem aufgewerteten Gebiet die Fischdichte bis zu vier Mal höher ist als in einem vergleichbaren, monotonen Abschnitt. «Wir wissen allerdings nicht, ob sich eine Population wegen der Strukturaufwertungen vergrössert hat oder ob die Tiere von einem anderen Flussabschnitt hergekommen sind», sagt Bammatter.

Quelle: https://www.tagesanzeiger.ch/fische-und ... AJGYABktpw
Gruss Rolf

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MichiP
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Re: Wir möblieren die Wohnung der Fische

Beitrag von MichiP »

Hallo Rolf

Herzlichen Dank für den tollen Beitrag! Ich lese gerne etwas positives, was man ja heutzutage fast suchen muss :)
Seit kurzem bin ich im Verein zuständig für die Kommunikation mit dem Bezirk (Gewässerhoheit) und dem Thema Renaturierungen.
Wir haben zum Glück ganz tolle, junge Leute im Bezirk, welche für die Projekte zuständig sind. Es ist echt toll, mit welchem Elan sie das gestalten. Als Verein haben wir eine Teilstrecke ebenfalls renaturiert und sogar wir konnten es kaum glaub, dass ü70er Seeforellen nach rund 3 Wochen beim Laichen zu sehen waren. Als Hündeler konnte ich auch das letzte Projekt fast täglich anschauen und war begeistert. Mit wie wenig man so viel machen kann und wie es dann beginnt zu leben und sich selber zu verändern.

Es sollte viel mehr solche Berichte geben, Danke nochmals! :)
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Rolf
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Re: Wir möblieren die Wohnung der Fische

Beitrag von Rolf »

MichiP hat geschrieben: Fr 12. Sep 2025, 11:12 Seit kurzem bin ich im Verein zuständig für die Kommunikation mit dem Bezirk (Gewässerhoheit) und dem Thema Renaturierungen.
Hallo MichiP

Schön zu lesen, dann dürfen wir uns in Zukunft auf den einen oder anderen Bericht von eurem Verein zum Thema freuen - mit bestem Dank zum voraus!
Gruss Rolf

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