14 Millionen gegen Hochwasser

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tom66
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von tom66 »

@Rolandus

Ich gebe Dir vollkommen recht, meinte aber mit meinem Post eigentlich folgendes: die genannte Strecke wies für heutige Verhältnisse eine "überdurchschnittliche" Bestandesdichte an Forellen auf und durch diese geplante Bauerei gegen das Hochwasser, wird meiner Meinung nach ein ganzes Habitat auf Jahre hinaus zerstört, die zum Teil seit Jahrzenten vorhandenen, natürlichen Unterschlüpfe namentlich unterspülte Ufer, werden so zunichte gemacht.


Gruss

Tom66
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Alet
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Alet »

Unterspülte Ufer, der Horror für den Hochwassserschutz.... Danach wird es defintiv weniger Fische haben.
Chris86

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Chris86 »

Alet: Du scheinst ziemliche Vorurteile gegenüber der ganzen Geschichte zu haben. Klar wird es nicht mehr so sein wie jetzt, aber deshalb gleich so schwarz malen muss man auch nicht. Informiere dich doch mal etwas genauer, was eine Renaturierung od. Revitalisierung mit sich bringt. Du wirst sehen, dass auch da unterspühlte Ufer zu den möglichkeiten gehören.
astacus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von astacus »

Chris, ich denke, Alet kennt aufgrund seines Hintergrundes die Situation ganz gut...

Wie dargelegt, gehöre ich nicht zu den Schwarzmalern und mir sind wie erwähnt einige positive Beispiele bekannt. Aber es für mich dennoch eine Tatsache, dass es immer wieder auch Revitalisierungsprojekte gibt, die nicht fischfreundlich sind.
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Alet
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Alet »

Unterspülte Ufer sind der Horror für jeden Wasserbauer, denn das ist ein Angriffspunkt bei einem Hochwasser und stellt eine reale Gefahr bei Hochwasser dar. Das kann kein Ingenieur zulassen in einem Hochwasserschutzprojekt. Ich habe das Projekt ein bisschen gegoogelt. Wenn wie im bereits umgebauten Bereich vorgegangen wird. Dann wir gegen über dem jetzigen Fischbestand kaum eine fischerreiliche Verbesserung möglich sein. Die Verbreiterung wurde wegen dem Hochwasserschutz gemacht und dient in erster Linie der Abfluss-Kapazitätserhöhung.
Die Strukturelemente sind eng begrenzt:
- Blockrampen oder aufgelöste Rampen zum Ersatz bestehender Abstürze ( Die Gürbe würde sich sonst eingraben). Wenn gut gebaut mit Kolk am Schluss.
- Buhnen zur Strukturierung (Schafft neue Strukturen)
- Blockwurf als Unterschlupf für Fische und Stabilisierung Böschungsfuss.
- Lebendverbau als Unterschlupf für Fische und Stabilisierung Böschungsfuss.
- Eine Niederwasserrinne wird angelegt werden.
Man beachte jedoch, dass keine Struktur den Hochwasserabfluss stören darf. Bei einem bereist jetzt fischreilich interessanten Fischbestand kann technisch gesehen, kaum eine Verbesserung erreicht werden. Für die Natur selber kann natürlich viel erreicht werden. Abstürze werden entfernt, botanisch wird aufgewertet, Insekten in Land und Wasser werden profitieren und neue Laichgebiete für aus der Aare aufsteigende Alet und Barben. Zumindest bei ausbleibendem Hochwasser werden das gute Jungfischhabitate. Die Anfgangskritik dieses Beitrags war die Vernichtung des guten Forellenbestandes. Ich vermute die Kritik ist berechtigt, da technisch gesehen selbst im Optimalfall keine Verbesserung möglich ist. Das wäre nur bei einer wirklichen Revitalisierung möglich, was dieses Projekt klar nicht ist.
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tom66
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von tom66 »

@Alet

Deinen Ausführungen gibt es nichts entgegenzusetzen, ich sehe das genau so.

Gruss

Tom66
Rolandus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Rolandus »

Hoi zäme
Wir waren kürzlich in der Gegend bei Kehrsatz und also auf einem kurzen Spaziergang auf der neu sanierten Stelle beim Selhofen Zopfen.
http://aarewasser.ch/hochwasserschutz_selhofen

Einerseits macht das vergrösserte Bachbett der Gürbe einen guten Eindruck und hätte Potenzial, auch als Aufstieg für aus der Aare hochsteigende Fische, aber weshalb die ganze Vegetation beim bzw. unterhalb des Flughafens "wegrasiert" wurde, kann ich wenig verstehen.
Bild

Ist das nicht eine Einladung für Reiher & Co? Wo sind Verstecke und Unterschlupf für Fische?
Kann mir jemand erklären, mit welchem Ziel diese ganzen Uferböschungen abgemäht werden?
Danke
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tom66
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von tom66 »

Hoi Rolandus

Ich fische seit Jahrzehnten an der Gürbe und kann das genauso wenig verstehen wie Du. Kein Schattenwurf für ein Gewässer welches im Hochsommer problemlos 20-24 Grad Wassertemperatur erreicht :censored: So bringt die ganze Renaturierung nichts, wenn keine Uferpflanzen oder Bäume vorhanden sind. Das Resultat sieht man schon jetzt, auf dieser Strecke ohne Bäume und Pflanzen hat es sehr viele Barben und Alet aber kaum Forellen, warum wohl?
Soturi

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Soturi »

Bei Gelterfingen aufwärts das gleiche Bild: Bäume und Büsche gerodet.....
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SbiroBass
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von SbiroBass »

Auch in der Dünnern habe ich letztes Jahr eine lange Strecke gesehen wo sehr viel gerodet wurde.

Im unteren Teil hat es auch so eine Revitalisierung. Natürlich mit flachem Wasser und kaum Schatten. Vielleicht in 5 Jahren wenn die Sträucher gewachsen sind.

Die Motorsäge ist der beste Freund der Renaturietung :?

In der oberen Aufbrechung der Ufer wo es auch tiefe und unterspülte Stellen gibt, sammt Waldstrecke sieht es für mich dafür besser aus. Etwas im Stil von: die Natur hat sich etwas zurückgeholt was nicht instandgehalten wurde.
Rolandus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Rolandus »

Habe vom zuständigen "Wasserbauverband Untere Gürbe und Müsche (WGM)" folgende Antwort erhalten:

  • Der Anlass für die Neugestaltung im Belpmoos von 2007/2008 war primär der Hochwasserschutz. Die damit einhergehende naturnahe Gestaltung des Gerinnes war ein sehr willkommener weiterer Effekt. Der WGM hat den Auftrag, den Hochwasserschutz zugunsten von Siedlungen, Gewerbe und Flughafen entlang der Gürbe im Einklang mit dem geltenden Recht aufrecht zu erhalten.
  • Auf den Böschungen der Gürbe im Belpmoos haben sich seit der Neugestaltung im Verlauf der letzten acht Jahre erhebliche Auflandungen (Feinmaterial, das während Hochwasser abgelagert wird) angesammelt. 2014 und 2015 gab es an der Gürbe etliche Hochwasser, die die Grenze der Abflusskapazität der Gürbe erreichten. Deshalb wurden im Einvernehmen mit den kantonalen Fachstellen im Spätherbst 2015 ein grosser Teil der Auflandungen entfernt. Je nach Hochwasser-Häufigkeit muss diese Entnahme alle paar Jahre wiederholt werden.
  • Zurzeit mag das Gerinne je nach Sichtweise nicht sehr toll aussehen, dies wird sich aber mit Beginn der Vegetationsperiode rasch ändern. Gerne mache ich Sie zudem darauf aufmerksam, dass im Belpmoos mit den Holzbuhnen und hölzernen Prallwänden sehr wohl etliche künstliche Fisch-Unterstände bestehen, die von der Feinmaterial-Entnahme nicht beeinträchtigt wurden.
  • Aus meiner laienhaften Sicht werden die Fische in der Gürbe im Belpmoos zudem weniger von Reihern und Raubvögeln als vor allem von dort ansässigen Gänsesäger-Familien bedroht, gegen die die von den von Ihnen vermissten Verstecke kaum schützen. Die Gänsesäger werden durch die zurzeit nackten Böschungen wahrscheinlich eher abgeschreckt, was den Fischen auch wieder nützen könnte.
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