Ich bin auch der Meinung das es vielfach mühsam bis sinnlos ist gegen Geld oder grosse Massen anzukämpfen. Aber mir ist bei der Geschichte aufgefallen, dass viele Sachen einfach aus Unwissenheit nicht beachtet werden. Fischlaich, Fischbrut und Kleinfische sind etwas, das ein nichtangelnder Normalbürger nicht wahrnimmt. Aber selbst Fischer wandern ihres Hobby frönend über tote und verendende Kleinfische hinweg ohne diese wahrzunehmen (so beobachtet am 27.3.). Und auch im Fischereiinspektorat bestehen meines Erachtens Wissenslücken über den Lebensraum Fliessgewässer und die Auswirkungen von Pegelabsenkungen in Abhängigkeit von ihrer Geschwindigkeit.
Ich habe daher einen Artikel begonnen der versucht solche Wissenslücken zu schliessen. Ob Verein oder nicht sei dahin gestellt (ich bin in keinem), Information verbreiten und erhalten ist heute auf vielfältige Art möglich, es lliegt beim Einzelnen Informationen nicht aufzunehmen oder nicht weiterzugeben.
Da die Diskussion hier gerade wieder in Gang gekommen ist, möchte ich den (unvollendeten) Artikel sowie die Verteilerliste hier zur Diskussion stellen. Für Ergänzungen, Korrekturen und Kritik bin ich dankbar.
Pegelabsenkungen an Fliessgewässern durch die Energiewirtschaft
Aus aktuellen Anlass möchte ich auf eine Problematik bei Pegelabsenkungen hinweisen, die offensichtlich bisher (zu) wenig beachtet wurde.
Dieser Artikel soll nicht eine Einzelkritik eines einmaligen Ereignisses sein, den derartige Absenkungen erfolgen fast täglich an irgendeinem Gewässer in der Schweiz. Es soll vielmehr anhand eines Fallbeispieles die Problematik erläutert werden, um damit hoffentlich ein Umdenken für die Zukunft zu bewirken.

Seitenarm vor der Absenkung

Gleiche Stelle am nächsten Tag
Durch die Revision des Wasserkraftwerkes Felsenau in Bern wurde die ‚Restwasserstrecke’ Worblaufen-Zollikofen-Bremgarten den ganzen Winter von der gesamten Wassermenge durchflossen. Für diese wertvolle Gewässerstrecke (Äschen- und Nasenvorkommen von nationaler Bedeutung) eigentlich ein Glücksfall, da dadurch umfangreichere Laichmöglichkeiten zur Verfügung standen, und es fischfressende Räuber wie Kormoran oder Gänsesäger schwieriger hatten.

Krähen bei sinkenden Pegel

Vogelspuren in trockengefallenem Bereich
Am 27.3.07 wurde nun aber der Pegel auf der Restwasserstrecke durch Inbetriebnahme des Kraftwerkes innerhalb weniger Stunden um mehr als einen halben Meter abgesenkt.
Derartige Absenkungen haben katastrophale Auswirkungen auf das Ökosystem Fliessgewässer. Unmengen von Jung- und Kleinfischen, Insektenlarven und Kleinlebewesen können dem sinkenden Wasser nicht folgen, werden zwischen Steinen und in Restwasserpfützen gefangen, verenden oder werden von Vögeln gefressen.

Restwasserpfütze...

...voll mit Insektenlarven und Kleinlebewesen
Bei flachen Kiesbänken, wo sich bei ablaufenden Wasser Restwasserpfützen bilden, lässt sich das zum Teil beobachten und dadurch ist die Problematik dort auch bekannt. Diese Restwasserpfützen sind voll mit Fischen, Insektenlarven und Kleinlebewesen, und sehr schnell stellen sich Vögel ein, die sich an diesem ‚gedeckten Tisch’ bedienen (Abb.). Jedoch haben die Kiesbänke eine relativ geschlossene Oberfläche, und das oberflächlich abfliessende Wasser nimmt einen Grossteil der Fische und Kleinlebewesen mit. Je nach ‚Topographie’ der Kiesbank wird dort meist der Grossteil der Lebewesen in den Hauptfluss gespült.

Neben unzähligen Kleinlebewesen verstecken sich zwei Forellen auf diesem Bild

Die Forellenbrut ist nur wenige Zentimeter gross, und verschwindet schnell zwischen den Steinen
Weniger augefällig und bekannt ist aber das, was sich bei gröberen Geröll zwischen den Steinen abspielt, dabei verendet hier der weit grössere Teil an Gewässerbewohnern.
Der sicherste und wertvollste Lebensraum für Jung- und Kleinfische ist grobes Geröll, wo sich die Fische in Ritzen und Fugen aufhalten und vor Räubern aus Wasser und Luft geschützt sind. Solch grobes Geröll findet sich direkt an der Strömung, welche kleinere Steine, Sand und Schlamm weitertransportiert, und den Bereich zwischen den Steinen mit sauerstoffreichen Wasser und Nahrung versorgt.
Der Energieabbau zwischen den Steinen führt aber dazu dass das Substrat nach unten immer feiner wird. Man kann sich den Aufbau wie einen Filter mit nach unten enger werdenden Poren vorstellen.

Schematische Darstellung des beschriebenen Substrates

Typischer Uferbereich an der Aare nach der Absenkung. Hier fanden sich auf wenigen Metern über 20 Kleinfische zwischen den Steinen
Genau diese Bereiche werden aber bei schnell fallendem Pegel zur Todesfalle, da das Wasser hier nicht oberflächlich abfliesst, sondern zwischen den Steinen wie durch einen Filter. Die Fische ziehen sich immer tiefer in die Ritzen zurück, und kommen irgendwann nicht mehr weiter. Dies passiert im Verborgenen zwischen den Steinen, und wird dadurch leider nicht wahrgenommen.
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Plötzlich stark fallende Pegel kommen in der Natur sozusagen nicht vor. Von daher haben sich die Lebensgemeinschaften in Fliessgewässer nie an solche Ereignisse anpassen können, und die Folgen sind entsprechend katastrophal.
Solche kurzfristigen Absenkungen von Fliesgewässern sollten daher in Zukunft verhindert bzw. vermieden werden. Es müssten genauere Untersuchungen gemacht werden, welche Geschwindigkeit der Absenkung für das Gewässer noch verträglich sind, und die Absenkungen entsprechend reglementiert werden (z.B. max. 20cm/24h).

Für einen kleinen Gründling und einen Schneider wurde eine kleine Vertiefung im Geröll, bei der die Ritzen durch Laub verstopft waren zur Todesfalle
Zu begrüssen wäre natürlich eine freiwillige Selbstbeschränkung der Energiekonzerne. Denn es handelt sich nicht um eine einseitige ‚Schikane’, sondern hier geht es um Naturschutz und Nachhaltigkeit. Die Lebensgemeinschaften in den Fliessgewässern sind von unersetzbarer Bedeutung für die Selbstreinigungskraft der Gewässer.
Ein Entgegenkommen der Energiekonzerne in diesem Punkt wäre sicher auch im PR-Bereich von Nutzen, denn nur eine ganzheitlich minimierte Umweltbelastung verdient den Namen ‚Ökostrom’.
Wir alle wollen den CO2-Ausstoss verringern und möglicht viele erneuerbare Energiequellen nutzen. Die momentane Fokussierung auf den CO2-Ausstoss und den Klimawandel darf jedoch nicht dazu führen das andere Belange des Natur- und Umweltschutzes ausser Acht gelassen werden.
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Gruss, Mattu

