Freispruch für den Kormoran

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
gianandri

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von gianandri »

Was unsere zivilisation angeht, muss ich mvuvi aber teilweise recht geben. Bei der momentanen entwicklung muss es v.a. in afrika und ostasien einmal einen "klapf" geben. Zumindest müsste sich gesellschaflich vieles ändern (diese paar revolutionen, die gerade am laufen sind, führen schlussendlich eh nicht zum gewünschten erfolg). Wir schweizer haben ja gut reden und bemängeln ja jeden scheiss. Zb konnte man heute (20min) lesen, dass gewarnt wurde, dass wir zuviel fleisch essen (1kg pro pereon und woche), dass die amis fast 7 mal so viel fressen ist scheiss egal.
Überfischung der meere stellt hier hoffentlich niemand in frage, aber wenn man dann pengasius aus taiwan oder wo auch immer kauft, wird man aber auch gleich von den grünen angespuckt. Sogar wenn ich einmal 3 fische entnehme und die als znacht mit meinen freunden esse, werde ich gleich als fleischfischer beschimpft.
So zurück zu den kormoranen. Zu diesem thema fällt mir eigentlich nur noch eines ein: wenn wir unsere finger überall im spiel haben (fischautzucht, kormorane ...etc) wird sich immer irgendwo ein ungleichgewicht einstellen, ob uns das dann passt, ist eine andere feage.
Schweizer Angler

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von Schweizer Angler »

Bei der momentanen entwicklung muss es v.a. in afrika und ostasien einmal einen "klapf" geben
. der kann ebenso bei uns kommen und schneller als es einigen lieb ist.

gruss

sa
rasch

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von rasch »

vieleicht sollte man nicht immer nur in EXTREMEN Denken,

Rehe, Hirsche oder Wildsauen will niemand ausrotten aber Hege und Bestandesregulierung muss sein.

Genau so sehe ich dies auch bei fischfressenden Vögeln ......... nicht ausrotten aber den Bestand regulieren.
gianandri

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von gianandri »

@rasch

Finde ich einen guten ansatz
Mvuvi

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von Mvuvi »

rasch hat geschrieben:vieleicht sollte man nicht immer nur in EXTREMEN Denken,

Rehe, Hirsche oder Wildsauen will niemand ausrotten aber Hege und Bestandesregulierung muss sein.

Genau so sehe ich dies auch bei fischfressenden Vögeln ......... nicht ausrotten aber den Bestand regulieren.
Du sagst: "... Hege und Bestandesregulierung muss sein...". bringst aber abs. keine Argumente dazu ein, WARUM dies so sein solll!?
Ein bisschen einfach....
Benutzeravatar
gmischol
Beiträge: 409
Registriert: So 10. Jun 2007, 14:59
Meine Gewässer: Areuse, Sense, Schwarzwasser, Emme, Aare, Oeschinensee
Wohnort: Schmitten FR
Been thanked: 1 time
Kontaktdaten:

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von gmischol »

@ Mvuvi
Als "antihumanistisch" empfinde ich primär ein wachstumsorientierte Ideologie, welche die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen systematisch zerstört.
Da bin ich mit Dir voll einverstanden, aber es gibt ja auch ein Miteinander, das sollten wir anstreben. Und es gibt ja auch schon Ansätze, wie zBsp die teilweise Renaturierung von Flussstrecken.

Und Zorbas Zitat nehme ich mir sehr zu Herzen...

Gruss

Gaudenz
Jeder Mann braucht etwas Verrücktheit oder er wagt es nie, das Seil zu durchtrennen und frei zu sein. Alexis Sorbas
trueschenfischen.ch

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von trueschenfischen.ch »

rasch hat geschrieben:Rehe, Hirsche oder Wildsauen will niemand ausrotten aber Hege und Bestandesregulierung muss sein. Genau so sehe ich dies auch bei fischfressenden Vögeln ......... nicht ausrotten aber den Bestand regulieren.
Das Wild muss man gezielt bejagen, um die Population gesund zu halten. Dies, weil ihnen heute die natürlichen Feinde (Luchs, Wolf, Bär) zum grössten Teil fehlen. Beim Kormoran bin ich nicht sicher, ob es heute mehr bei uns halt als früher. Wohl stören uns diese Tiere wegen dem viel tieferen Fischbestand als früher mehr. Die zwei Themengebiete lassen sich damit nur schwer vergleichen.

Gruss, Marco
rasch

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von rasch »

HAllo Mvuvi

nun ja .......... ich dachte hald es sei klar ........

die Nahrungskette besteht nun mal aus Jäger und Gejagten und wenn dieses Gleichgewicht nicht mehr passt, weil zb. Grossgreifvögel wie See- Fisch- oder Schreiadler nicht mehr an unseren Gewässern die Gänsesäger und Kormorane auf trapp halten so wie dies auch Wolf, Bär oder Luchs mit dem Wild tun sollten, wenn die Eingriffe des Menschen die eine Spezies bevorteilen und andere schwächen, dann sollte man mit gesundem Menschenverstand versuchen das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Dies ist nicht einfach und leider gibt es immer Gewinner und Verlierer, es kann der Wolf oder das Reh sein aber eben auch die Äsche oder der Kormoran.

Alleine durch unsere Existenz greifen wir in die Natur ein und als Teil dieser Natur manchmal zu Recht und manchmal zu Unrecht aber im Grundsatz sehe ich nichts verwerfliches an der Jagdt auf den Kormoran solange das Ziel nicht seine Ausrottung ist.
Mvuvi

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von Mvuvi »

@rasch

Damit Du mich richtig verstehst: Ich habe abs. nichts gegen die Jagd resp. gegen "die Jäger" (wäre ja auch irgendwie kaum zu verstehen, als Fischer...).
Aber das Ganze Thema als "Bestandesregulierung" zu verkaufen hat für mich eher "folkloristischen" Charakter... :D

Mich stört dieses "Weltbild" ==> Vereinfachung: Der Mensch als grosser Steuermann/Kybernetiker, der sich dazu berufen fühlt, die Natur zu regulieren. Intakte Ökosysteme sind hochkomplexe Systeme und verfügen demzufolge eigentliche immer über genügend Varietät um sich selbst zu regulieren (siehe zB Dein Räuber-Beute-Modell). Wenn diese "Intaktheit" nicht mehr gegeben ist (eben u.a. durch fehlende Räuber), sollten wir meiner Meinung nach die Ursachen dafür bekämpfen. D.h. zB eben dafür sorgen, dass die Regulatoren/fehlenden Systemelemente (u.a. Räuber) bei uns wieder Fuss fassen können und ihre Funktion im System wahrnehmen. Alles andere ist doch partielle/mechanistische Symptombekämpfung?

Gruss
Mvuvi
rasch

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von rasch »

Hallo Mvuuvi

alles nett und gut .............. ich finde deine Ideen eigentlich toll nur eben etwas realitätsfremd .......... und dies aus folgendem Grund:

Wiederherstellung der komplexen und ursprünglichen Ökosysteme würde bedeuten - verzicht auf Landwirtschft, verzicht auf Stromprduktion (Wasser, Fossile Brennstoffe, Atom) verzicht auf Städtbau, Strassen- und Schienennetze.
Dies gienge einher mit dem Verlust der industriellen und gewerblichen Arbeitsplätze, abschaltung der gesamten Telekommunikation, verzicht auf medizinische Versorgung ......................... etc.
Dies würde zum zusammenbrechen unserer Gesellschaft führen und uns in die Steinzeit zurückbefördern.

Man kann dies nun als extrem bezeichnen ....... aber es wäre die logische Folge dessen was du verlangst ,
"D.h. zB eben dafür sorgen, dass die Regulatoren/fehlenden Systemelemente (u.a. Räuber) bei uns wieder Fuss fassen können und ihre Funktion im System wahrnehmen"
So böse es klingen mag aber in unserer Schweiz (denke mal nur lokal) ist eben nicht genug Freiraum für Beutegreifer dass diese ein natürliches Gleichgewicht flächendeckend :!: herstellen könnten.
Und ein "zurück zur Natur" ohne massive Einbussen des derzeitigen Lebensstandarts ist in der Schweiz eben auch nicht so einfach möglich.
Mvuvi

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von Mvuvi »

Lieber rasch

Jetzt malst Du aber kräftig in "schwarz-weiss"!
Zwischen "dem totalen Runterfahren der Infrastruktur" und der "Erhaltung des Status Quo" gibt es sicher
auch andere Lösungsvariante im Sinne von "mehr Raum für die Natur". Einige Anregungen:

- Auf fossile Brennstoffe und Atomkraft werden wir so oder so verzichten müssen (einerseits wegen dem Impact auf unsere Umwelt und
andererseits weil diese Ressourcen endlich sind)
- Die Leier mit den Arbeitsplätzen mag ich nicht mehr hören - sorry für meine diesbezügliche Emotionalität! Mit dieser Killer-Phrase kannst
du Alles und Nichts begründen...
- Der "Lebensstandard" (immer eine Frage der Kriterien!) wird so oder so sinken müssen resp. ich erhoffe mir das geradezu (Begrenzung der natürlichen Ressourcen) dafür steigt aber die Lebensqualität (weniger Umweltgifte, weniger Arbeit, mehr Zeit zum Fischen, mehr Zeit für die Familie, für den Garten :D etc.)
- Ich bin abs. davon überzeugt, dass es auch in der CH genügend Freiräume für Deine besagten Beutegreifer gibt
- Strassen- und Schienennetz: Dieser permanente Mobilitätswahn ist abs. lächerlich! Setzen wir doch mehr auf geistige denn auf physische Mobilität! Es ist gerade in der CH traurig zu beobachten, welchen "degenerierten" Freiheitsbegriff manche Menschen haben: Freiheit = Mobilität = Auto.

Gruss
Mvuvi
rasch

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von rasch »

Tja ...... kann sein dass ich ein "Schwarzseher" bin ..........

die Wahrheit wird sich diesen Herbst an der Urne zeigen, da wir nun mal in einer Demokratie leben ist die "Wahrheit" jeweils eben auch die Meining der Mehrheit.

Leider glaube ich dass wir aus den Ereignissen in Japan ebenso nichts lernen wie nach Tschernobyl ......... in wenigen Monaten ist alles vergessen und kein Thema mehr.
Und wenn Herr und Frau Schweizer verzichten sollen oder die Co2 Abgabe erhöht werden soll ................... dann wählen wir eben die anderen :-)

Traurig aber wahr .......... manchmal wäre eine Diktatur schon besser ........ :-) besonders wenn man Diktator wäre ;-)
Mvuvi

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von Mvuvi »

@rasch

Hast Du heute schon mal nach Draussen geschaut! Wir zwei Deppen würden besser Fischen gehen... :lol:
astacus

Re: Freispruch für den Kormoran

Beitrag von astacus »

es ist wirklich immer wieder interessant, kaum kommt man auf den kormoran zu sprechen, fühlt man sich gleich wie in der märchenstunde :lol:

aber warum wundert mich das überhaupt noch... :roll:

gmischol hat geschrieben:Der Kormoran ist nun einmal kein einheimischer Vogel, vor 10 oder 20 Jahren habe ich an den Gewässern beim Fischen keinen einzigen gesehen. Das Gleiche gilt für den Gänsesäger.
auch wenn man dieser fischermärchen noch so oft wiederholt, bleibt es einfach nur ein märchen, das keiner kritischen prüfung stand hält.

fakt ist, dass sowohl der kormoran wie auch der gänsesäger teil der heimischen fauna sind, und dies mindestens seit jahrhunderten (vermutlich schon viel länger, aber das können wir halt nicht zurückverfolgen) und völlig ohne menschliche hilfe.

der kormoran:
- ...ist seit dem frühen 16. jahrhundert in der schweiz als zugvogel nachgewiesen, und zwar bevor kormorane von asien nach europa importiert wurden.
- ...ist im mitteleuropäischen binnenland bereits seit jahrunderten auch als brutvogel nachgewiesen (belege gibts meines wissens zwar keine aus der schweiz, sehr wohl aber aus österreich, bayern und brandenburg, allesamt im tiefsten binnenland). der kormoran ist also kein küstenvogel, der erst neuerdings ins binnenland kommt.
- ... bzw. dessen binnenlandform in europa ist nicht identisch mit den asiatischen kormoranen (ist zwar die gleiche art, aber es gibt deutliche morphologische unterschiede), deshalb ist das oft verbreitete gerücht, unsere vögel kämen alle aus asien, eben wirklich nur ein gerücht.
- ...ist auch nach genetischen resultaten kein abkömmling der asiaten. dafür fehlt nämlich der genetische flaschenhals, der sich bei einem import zwangsläufig ergeben hätte (ausser man hätte zig tausende vögel importiert,w as aber nicht geschehen ist).
- ...wurde aber bereits seit jahrhunderten auch in der schweiz scharf verfolgt. diese verfolgung ist der einzige grund, warum wir in der ersten hälfte des 20. jahrhundert (fast) keine kormorane mehr hatten. zu behaupten, der kormoran sei deswegen nicht heimisch, ist daher nur dreist. und konsequenterweise müssten dann auch viele weitere tiere als fremd angesehen werden, denn diese sind auch mal ausgestorben (rothirsch, steinbock, bär, wolf, luchs, lachs, usw.)


der gänsesäger:
- ...am alpennordrand gehört nachgewiesenermassen zu einer population, die schon lange von der skandinavischen population (dem hauptverbreitungsgebiet) getrennt ist. dies zeigen genetische resultate, publiziert etwa 2007 oder 2008. dadruch wird klar gezeigt, dass es sich nicht um eine neue (oder gar künstliche) kolonisierung handelt. diese unsere population erstreckt sich nur von ostfrankreich über die schweiz und süddeutschland nach westösterreich und ist deshalb insgesamt klein und entsprechend verletzlich. das heisst nicht, dass sie keine abschüsse verkraften kann. aber man kann nicht den säger bei uns bekämpfen mit dme hinweis auf die skandinavische population, denn durch die genetische eigenständigkeit muss auch unsere um jeden preis erhalten werden (zur viel gelobten biodiversität gehört nicht nur die artenvielfalt, sondern auch die genetische vielfalt).


quellen für all diese angaben habe ich hier im forum übrigen sschon mehrfach offengelegt, weshalb ich auf eine ausführliche wiedergabe oder tierfergehende begründungen verzichte. nachgelesen werden können die quellen etwa in diesem und in diesem thread. weitere und ältere threads (teilweise noch aus 2008) können auch mit der suche gefunden werden.

ardillon hat geschrieben:kormorane finde ich hohl!! mein freund hat einmal einen schwarm mit 30 vögeln gesehen¨!!!
diese fressen manchmal ganze äschenschwärme und picken sogar in karpfen und hechte!!!
ich bin gegen kormorane diese gehören nicht in die schweiz im meer hat es genug fische!!!
hohl ist glaub ich wer anders... und schwärme von 30 und mehr vögeln sehe ich hier auch, das freut mich jedes mal!

woher nimmst du dir das recht heraus, zu bestimmen, welche heimische art hier leben darf und welche nicht?

- der förster sagt, rehe gibts in frankreich und deutschland (zusammen etwa 10 mio.!) genug, also brauchen wir hier keine (weil waldschädling).
- der bauer sagt, wildschweine gibts dort auch genug, brauchen wir hier auch nicht.
- der fischer sagt, kormorane gäbe es dort auch genug...

viele bevölkerungsgruppen habe ihre feinde im tierreich. zum glück setzen sich diese mit ihren forderungen nicht durch (wobei ich bisher zum glück noch keine derart radikalen aussagen wie deine gelesen habe), sonst wäre die natur schnell mal sehr langweilig.

rasch hat geschrieben:Rehe, Hirsche oder Wildsauen will niemand ausrotten aber Hege und Bestandesregulierung muss sein.

Genau so sehe ich dies auch bei fischfressenden Vögeln ......... nicht ausrotten aber den Bestand regulieren.
jein. ich bin zwar nicht der meinung, dass regulation unbedingt sein muss, das ist so menschliche wahnvorstellung, dass wir meinen, wir müssten alles kontrollieren und regeln und dass es ohne uns nicht gehe. längst nicht jeder tierbestand wird in der natur durch prädatoren reguliert, die wir ausgerottet haben und nun ersetzen müssen. intraspezifische konkurrenz und territorialsysteme sind beispiele für regulationsmechanismen, die auch in der kulturlandschaft und einer lückenhaften artenzusammensetzung perfekt funktionieren.

aber trotzdem, häufige arten soll man durchaus bejagen können, ebenso wie man häufige fischarten befischen dürfen soll.

genau dort sehe ich das problem aber "unser" nicht: der kormoran ist jagdbar, wird auch gejagt, aber wir heulen trotzdem noch rum wie die kleinen kinder, denen man ein spielzeug weggenommen hat :roll:
Antworten

Zurück zu „Fischbiologie“