Fragwürdige Schonzeiten

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helix
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Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von helix »

gonefishing hat geschrieben:Da eine eindeutige Unterscheidung der verschiedenen Stämme kaum möglich ist, müsste man, um einen kompletten Schutz zu erreichen, auch noch eine zweite Felchenschonzeit im Sommer einführen...
Das ist grundsätzlich richtig, wenn es das die Ziel wäre, jedes einzelne Individuum davor zu schützen, während dem Laichakt gefangen zu werden. Da die sommerlaichenden Felchen aber nicht in den Uferzonen, sondern relativ tief im offenen See im Freiwasser ablaichen, werden diese ohnehin nie oder nur selten beim Laichen gefangen, sondern lediglich unmittelbar davor, so wie das bei dir der Fall war. Deshalb fände ich es nicht angebracht, die Felchen auch im Sommer generell zu schonen. Es wäre einfach unverhältnismässig, möglicherweise wegen ein paar einzelnen Felchen einen solchen Sperrmonat einzuführen.

So abwegig ist es aber dennoch nicht. Für die Berufsfischer im Brienzersee gilt genau zum Schutz dieser sommerlaichenden Felchen eine Schonzeit vom 10.8. bis 20.9.. Wäre man konsequent, müsste man das auch am Thunersee und auch für die Angelfischer einführen.

@albeli

Lies doch einmal richtig! Habe absolut nirgens gesagt, es sei das primäre Ziel, einzelne Individuen zu schützen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass ich am 1. Januar genau diese eine Felche fing, welche noch nicht abgelaicht hat. :roll: Weil auch am Bielersee ähnliche Beobachtungen gemacht wurden, könnte es ja evtl. eine Tendenz sein (das weiss ich nicht, deshalb schrieb ich, wenn in den nächsten Jahren auch beobachtet wird), dass ein gewichtiger Teil der Felchen immer später ablaicht. Dann wäre eine Verschiebung, 1.11.-31.1. anstatt 1.10.-31.12. allenfalls angebracht (wie auch an anderen Seen). Ausserdem habe ich noch nie von laichenden Felchen im Oktober gehört.

Ginge es bei den Schonmassnahmen für Felchen "nur" um den Erhalt der Bestände, bräuchte es meiner Meinung nach, genau wie beim Hecht, überhaupt keine Schonmassnahmen (keine Schonzeit, kein Schonmass und auch kein Fanglimit). Weil es aber heute noch andere Gründe für Schonmassnahmen gibt, sind auch hier zweckmässige Schonbestimmungen angebracht.
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Gruess helix
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helix
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Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von helix »

Kleiner Nachtrag zu den Seeforellen:

Konnte heute einem spätlaichenden Seeforellenpäärchen beim Laichgeschäft zusehen und das an einem Ort, wo ich bereits anfangs November laichende Sefos auf ihren Laichgruben sah. Diese Beobachtung stützt somit die These, wonach die Laichzeiten der Seeforellen sehr weit auseinander gehen. Allerdings stimmt das heutige Erlebnis nicht mit meiner anfänglichen Theorie (Sefo-Schonzeit nach vorne schieben) überein.

War übrigens ein eindrückliches Schauspiel heute. Direkt hinter der Laichgrube warteten die hungrigen Äschen auf frischen Sefokaviar und der Milchner war deshalb noch mitten während dem Liebesspiel damit beschäftigt, die Äschen aus seinem Revier zu verscheuchen, was ihm aber jeweils nur sehr kurzfristig gelang. Die Natur ist manchmal schon "brutal"...

Es könnte übrigens sein, dass das Äschenmoratorium der letzten drei Jahre nicht gerade förderlich für die Sefos war, zumindest für diejenigen, welche in den Flüssen ablaichten - mehr Äschen = grösserer Laichfrass und dadurch weniger Sefobrut.
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astacus

Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von astacus »

für die seefo ist es nur gut, wenn die laichzeit einer grossen zeitlichen varianz unterliegt. sie wird sich dadurch besser an allfällige umweltveränderungen (klima usw.) anpassen können.
gonefishing

Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von gonefishing »

Die letzten Wochen waren die Wasserstände durch die hohen Temperaturen ja relativ hoch (und trüb). Das dürfte das Ablaichen bei spätlaichenden SeeFos noch zusätzlich verzögert haben.
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helix
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Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von helix »

@Asti
Richtig, die Seeforelle hat damit eine hervorragende Strategie für die Erhaltung ihrer Art gefunden. Derart unterschiedliche Laichzeiten (zwischen August und Ende Januar) dürften zudem weitgehend von den Nachkommen übernommen werden und Umwelteinflüsse sind deshalb bei Sefos nicht einzig die laichzeitbestimmenden Faktoren. Es ist m.E. sogar möglich, dass sich durch evolutive Prozesse künftig zwei genetisch isolierte Seeforellenstämme entwickeln werden, was wiederum ein Vorteil wäre.
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Gruess helix
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thymallus
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Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von thymallus »

helix hat geschrieben:War übrigens ein eindrückliches Schauspiel heute. Direkt hinter der Laichgrube warteten die hungrigen Äschen auf frischen Sefokaviar und der Milchner war deshalb noch mitten während dem Liebesspiel damit beschäftigt, die Äschen aus seinem Revier zu verscheuchen, was ihm aber jeweils nur sehr kurzfristig gelang. Die Natur ist manchmal schon "brutal"...

Es könnte übrigens sein, dass das Äschenmoratorium der letzten drei Jahre nicht gerade förderlich für die Sefos war, zumindest für diejenigen, welche in den Flüssen ablaichten - mehr Äschen = grösserer Laichfrass und dadurch weniger Sefobrut.
da sehe ich überhaupt kein problem. konnte das schon oft beobachten wie äschen forelleneier fressen. kann man auch in der äschenliteratur nachlesen, dass die während der forellenlaichzeit massig forelleneier im magen haben. und kleine forellen übrigens auch! doch man bedenke: sie fressen in der regel ja nur jene eier, welche über die laichgrube hinausdriften. diese eier hätten ausserhalb der laichgrube bereits von vornherein ein schwieriges überleben und sind daher als nahrung für andere fische sinnvoll verwertet.
God made one third of the earth land and two thirds water which clearly shows that he intended man to spend one third of his time plowing an two thirds fishing!
Schweizer Angler

Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von Schweizer Angler »

im thunersee hat es bereits 2 verschiedene stämme sefos. auch wurde schon mehrfach beobachtet dass nicht alle sefos gleichzeitig laichen und sich das laichgeschäft, gerade bei sehr kalten temperaturen, verschieben kann (wie die schlupfzeit ebenso). im thunermeer hat es die kander/simme-seeforelle, sowie die hasli-seeforelle. die letztere ist einerseits durch natürliche einwanderung in den see gelangt (aare interlaken), aber auch durch besatz (dieser hat scheinbar aber sehr mässigen erfolg).

zu den äschen - da die sefos eben in den zuflüssen kander/simme, lütschinen und enigen weiteren, zu 99% äschenlosen zuflüssen ablaichen, wird die prädation durch äschen auf sefos minimal sein. abgesehen von den einzel-seforellen die im kanal interlaken und thunerseeabfluss ablaichen. die öäschen sind zwar scheinbar im unteren thunerseebecken am zunehmen und einzelexemplare wurden schon in der untersten kander beobachtet, der bestand dürfte aber (genauso wie die wenigen barben) sehr klein sein. und man bedenke dass sefos/bafos kannibalen sind, sie werden auch von der eigenen art ganz und gar nicht verschmäh - und der eigenen art begegnen sie in kander/simme/hasli-aare vorwiegend.

gruss

sa
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helix
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Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von helix »

@SA

Dass 99% der Sefos in den Bächen ablaichen, glaube ich nicht. Die Zahl ist m.E.viel zu hoch angesetzt. Einige laichen auch im See selber, z.B. bei Einläufen von kleineren Bächen. Ich glaube sowieso, dass dieser Abteil der seelaichenden Sefos weitaus grösser ist, als bisher angenommen. Vergiss die Aare Interlaken nicht, hier laichen jedes Jahr dutzende von Sefos in den u.a. auch dafür vorgesehen Schongebieten und in der unteren und oberen Aare. Diese spielen m.E. für die Erhaltung der Thunersefos eine mitentscheidende Rolle und ihr prozentualer Anteil dürfte m.E. durchaus beachtlich sein.

Der Schiffahrtskanal Interlaken ist wegen der eher geringen Strömung schlecht geeignet für die Sefofortpflanzung. Demnach kann man da auch nur relativ wenige Seeforellen beim Laichen erkennen und v.a. zuoberst, wo das Wasser vom EW in den Kanal fliesst.

Gruss
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Gruess helix
Schweizer Angler

Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von Schweizer Angler »

die 99% sind bestätigt; bestell dir die sefostudie von david bittner bei der uni bern - (die aktuellste von ca. 3 die die sefos im beo behandeln und erst noch im auftrag des snf & inspektorat gemacht) die ich im sefothread vom dez 10 erwähnt habe. da hats weiter interessantes drin (aber mal nichts über laichaktivitäten im see selbst (ein und ausläufe ja), hab auch noch nie davon gehört, ausser bei der kanadischen sefo, die aber ein saibling ist). bittner ist übrgiens selbst (sefo-)fischer, man kann ihm also (ich sag dies gleich potentiell vorbeugend) nicht den wissenschaftler vorwerfen, und auch nicht eine "kauderwelsch-studie".



gruss

sa
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helix
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Re: Fragwürdige Schonzeiten

Beitrag von helix »

@SA

Halte an meiner Aussage fest, Studie hin oder her, dass 99% viel zu hoch angesetzt ist. Da habe ich schon sehr viele Seeforellen beim Laichgeschäft im See und in Äschengewässern (Flüssen) beobachtet. Allein in der Aare zwischen Brienzer- und Thunersee kann man jährlich von Nov-Jan 20-30 Laichgruben von Seefos beobachten, dazu kommen die sich fast jährlich wiederholenden Laichszenarios im See bei den Einläufen diverser kleiner Bäche. Ein Grossteil kann man sicherlich zusätzlich in den erwähnten Regionen gar nicht sehen, demnach dürfte die Gesamtzahl der laichenden Sefos aussehalb den Bächen noch deutlich grösser sein. Wenn ich die Zahl dennoch sehr tief halte und einmal von 50 Sefolaichgruben in Flüssen und Bachmündungen ausgehe, müssten demnach 4950 (99%) Laichgruben (ca. 10 000 Laichtiere) in den paar wenigen Bächen vorkommen. Diese Zahl scheint mir deutlich zu hoch.

Dennoch werde ich mir die erwähnte Studie von D. Bittner bestellen und studieren, danke für den Tipp.
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Gruess helix
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