Was haltet Ihr von Fisch-Hitparaden...

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Sind die Fisch-Hitparaden in den Magazinen in Ordnung?

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35%
weiss nicht
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Insgesamt abgegebene Stimmen: 79

gonefishing

Was haltet Ihr von Fisch-Hitparaden...

Beitrag von gonefishing »

...oder Rubriken wie 'Kapitale Fänge' in Fischereimagazinen, die bezeugt werden müssen und bei denen es häufig für die kapitalsten Fänge auch noch etwas zu gewinnen gibt?

In meinen Augen führen diese Rubriken und ihr Regelwerk dazu, dass mehr Kapitale getötet werden. Zwei Zeugen oder eine anerkannte Wiegestation lassen sich mit einem lebendigen Fisch häufig nicht erreichen. Für fotografierte und zurückgesetzte Fische gibt es keine Anerkennung, wobei das in meinen Augen der richtige Weg wäre.

In anderen Ländern längst Usus (z.B. beim Hechtfischen in England) setzt es sich zum Glück bei uns trotz dieser Rubriken immer mehr durch. Kapitale Karpfen werden kaum mehr entnommen, und der 'Rekordwaller' vom letzten Jahr im 'Petri Heil' war bei weitem nicht der grösste der im Murtensee gefangen wurde. In meinen Augen sollte aber auch von Seiten der Medien mehr das Catch&Release gefördert werden. Nicht damit noch andere Fischer auch noch die Chance haben den Fisch zu fangen. Es handelt sich nicht einfach um kapitale Fische, die für die Küche nicht mehr viel hergeben, aber an der Trophäenwand wahnsinnig eindrucksvoll aussehen, sondern um die grössten und stärksten ihrer Art, wozu sie durch besondere Eigenschaften wurden, welche sie evtl. noch tausendfach weitergeben können. Ich meine damit nicht dass die Gene zum 'Kapitalen' weitergegeben können, aber evtl Gene die eine besondere Anpassungsfähigkeit an die sich immer schneller ändernde Umweltbedingungen und/oder die Resistenz gegenüber Krankheiten 'enthalten', und damit das Überleben der Art sichern könnten.

Sicher ist toll und motivierend erstklassige Fotos von kapitalen Fängen mit genauer Angabe in cm und gr in den Fischereimagazinen zu sehen, aber wäre nicht ein etwas schlechteres Foto und ungenauere Angaben, aber die Gewissheit dass der Fisch wieder in dem Gewässer schwimmt viel motivierender?
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

mit den fangfotos gebe ich dir recht, sie provozieren. catch und release (c&r, fangen mit beabsichtigtem freilassen) ist in unserer alpenländischen kultur aber nicht sehr verbreitet und dürfte zunehmends auch einen schweren stand haben. es wird sogar von experten heute immer mehr angezweifelt. auch bei c&r können fische geschädigt werden, nicht wegen dem c&r an und für sich, aber weil viele (auch fliegenfischer) c&r nicht richtig praktizieren (fisch falsch abhaken, vorher zu lange drillen, haken falsch lösen etc.). ich war einige male zeuge wie releasete fische eine stunde später mit dem rücken gegen oben die aare runtertrieben (überdrillte aeschen).

das problem ist die ethik, ein thema das uns fischer immer mehr beschäftigen wird. das thema ethik und c&r wird auch von tierschutzverbänden, und zwar nicht von den extremen, sondern vom gemässigten sts dem grössten schweizer tierschutzverband strikte abgelehnt. gegen den kommen fischer auch nie an, dem sts gehören extrem viele bürger an, viel mehr als es fischer gibt.

zu c& r gibts übrigens eine stellungnahme des sts im aktuellen schweizer-angler.



c&r finde ich persönlich sinnvoll, wenn es z.b. praktiziert wird wenn ein fisch ein schonmass hat, oder eine bestimmte art wie die nase spezifisch geschont wird, oder wenn ein fangkontingent ausgeschöpft ist. da machen wir automatisch und genug c&r. fische fangen des reinen vergnügens wegen (geiler drill du darfst jetzt wieder zurück) und prinzipiell alle wieder freilassen, macht ethisch keinen sinn, dann sollte man gar nicht fischen. die fischereigesetze sprechen von einer sinnvollen verwertung, nur fischen des fischens willenist keine verwertung.

man steht in der ch sogar mit einem bein "in der kiste" bei reinem c&r, unser tierschutzgesetz spricht sich dagegen aus (art 2). und da die leidensfähigkeiten von fischen heute sogar in fachkreisen unbestritten ist, kann c&r auch bei fischen im zusammenhang mit "unnötiges leiden" in verbimdung gebacht werden. im tessin gab es bereits eine erste strafverfolgung in die richtung (c&r).

im schweizer-angler werden wir das thema noch dieses jahr ausführlich beleuchten - pro & contra c&r. in der deutschen zeitschrift der fliegenfischer wurde das thema vor einigen monaten und schon jahre zuvor kontrovers diskutiert und auch immer mehr fliegenfischer in deutschland kehren vom reinen c&r ab.



Stefan
gonefishing

Beitrag von gonefishing »

Ich weiss dass C&R kontrovers diskutiert wird, und nur die wenigsten es richtig praktizieren. Ich bin auch keineswegs ein reiner C&R-Fischer, ich esse gerne Fisch, ich koche gerne Fisch und Portionsfische werden mitgenommen soweit ich sie verwerten kann.

Es geht um den Erhalt gefährdeter Arten, aber auch mittelfristig um die Hege der Fischarten, um diese gar nicht in die Gefährdung zu treiben.

Absolut vorrangig ist jedoch nicht eine einzelne Art sondern das ökologische Gleichgewicht eines Gewässer.

Von daher muss ich zu meinen Ausführungen Einschränkungen machen.

C&R ist nur sinnvoll wenn es professionell praktiziert wird, und wenn die Fische in dem Gewässer heimisch sind und auch ablaichen. Gerade bei Karpfen und Wallern ist es bei uns daher mehr als fraglich.

Bei besonders empfindlichen Fischen wie z.B. Felchen macht C&R keinen Sinn, auch muss der Fischer den Gesundheitszustand und etwaige Verletzungen des Fisches erkennen (und vermeiden) können.

Mir geht es bei der Umfrage auch nicht um das C&R-Fischen, sondern um die Frage ob durch Fisch-Hitparaden u.ä. das Töten kapitaler Fische gefördert wird, welche sonst vielleicht zurückgesetzt würden (da sie der Fänger aufgrund ihrer Grösse nicht verwerten kann).
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

@gonefishing



ich gebe dir hier grundsätzlich recht. kapitale fische können nicht immer verwertet werden, jedenfalls kulinarisch sind einige fragwürdig (grosse karpfen,welse, hechte und auch forellen). dass man diese tiere nicht abschlägt ist naheliegend. allerdings für das überleben eines fischbestand sind nicht nur kapitale fische wichtig, sondern ein an grössen gemischter fischbestand. nicht nur grosse fische geben "gute" gene weiter, auch junge die ein erster oder zweites mal ablaichen. bei grossen fischen geht zudem die produktion an eiern und samen mit dem alter zurück, und auch die möglichkeit nicht nur "gute" gene weiterzugeben steigt.



persönlich finde ich dass unsere besatz- und managementpolitik in der schweiz (und anderswo) eh zu überdenken ist. wir schöpfen derzeit einfach ab, was über einem mindestmass liegt. fangfenster finde ich persönlich besser, wie wir es beispielsweise in einigen bergkantonen und berggewässern zur aufstiegszeit der laichfische haben. allerdings werden auch ier die grenzen recht fix gezogen, heisst z.b. alle bachforellen zwischen 24 und 32 können entommen werden. da kann wieder eine lücke entstehen, nämlich keine fische mehr die ein mass von 24-32cm aufweisen. zumindest bei uns im kt. bern ist das möglich, sofern nicht auch die fangfenster in einem turnus wechseln. z.b. für 4 jahre gilt ein fenster von 24-32, dann die nächsten 4 jahre ein fenster von 28-32 etc (noch besser wäre ein kleinerer spielraum,.d.h z.b. nur 22-26 und nicht in so grossen schritten wie jetzt). oder ein gewässer im turnus ganz für die fischerei sperren und ein fangkontingent einführen. dies würde beispielweise heissen der bach x darf für 4 jahre nicht bfischt werden, dafür der bach y. nach vier jahren wechselts. ein fangkontingent, z.b. max. 2 fische pro tag, max. 25 pro saison oder ähnlich beugt einem übermässigen entnahmedruck etwas vor.



du hast recht dass dies natürlich nur in gewässerökologisch intakten gewässern sinn macht, dort wo die fische ablaichen. bedenke dass welse und karpfen durchaus auch bei uns ablaichen, z.b. im bielersee und auch im moossee die karpfen (privatgewässer). also müsste man pro gewässer abklärungen treffen und könnte dann lokal bestiommungen erlassen. flächendeckend gehts kaum.



dass fangfotos von kapitalen fischen das töten der fische fördern glaube ich kaum, denn die meisten der dort geziegten fische werden ja nach dem fotografieren zurückgesetzt. so steht es zumindest gerade bei karpfen oft im begleittext. und wer will eben einen solchen monsterkarpfen verspeisen, bei uns steht er sogar in kleinen grössen nicht gerade hoch im kurs (im gegensatz zu österreich, tschechien, frankreich). der wels schon eher, zumindest in restaurants um gewisse seen. fischfotos sehe ich eher als problematisch wenn eben das zurücksetzen darin erwähnt wird, und meist wird dies mit einem gewissen stolz verkündet. der otto-nomrlalleser, der solche bilder fürher oder später auch sieht und liest, versteht aber den grund nicht und folglich heisst es schnell wir fischer seien (pauschal) tierquäler. und wer genauer hinsieht, sieht dann zugeben oft wir die tiere komisch (haltung der fische in den händen) in die linse gehalten werden, nur um den richtigen auslösemoment für das foto zu finden. auch aus diesen gründen sehe ich die gefahr, die von bildlich untermauerten fanghitparaden ausgeht als grösser an, als diejenige die sich auf das zeigen von kaptialen fischen allgemein ergeben könnte. wenn jemand sein foto wie heute immer üblicher auf dem handy an kollegen herumreicht, ist dies zumindest nicht öffentlich und nur einem kleinen kreis zugänglich. in einer zeitung wird es kritisch und sollte zumindest gut überlegt werden, auch was man dazu schreibt. es ist immer noch ein grosser teil der bevölkerung, der die fischerei allgemein als tierquälerei ansieht (nach studie dr. arlinghaus aus deutschland). auch wenn deren betrachtungsweise natürlich sehr undifferenziert ist und meist pauschalisiert, sollten wir uns hüten öl durch unbedachte zur-schaustellung unseres hobbys ins feuer zu giessen.



rein meine pers. meinung



Gruss



Stefan
Udo

Beitrag von Udo »

Habe mit nein gestimmt. Mir wäre es schon alleine der Aufwand nicht wert, zu einer Wiegestelle zu fahren und evtl. noch zwei Zeugen zu suchen.

Gehe selbst nicht auf Rekordfischjagd. Freue mich über einen 80er Hecht genauso, und schmecken wird er auch besser wenn ich ihn mitnehmen sollte. Meistens bin ich aber zu schusslig den an Land zu bringen. :D

Sollte ich einen fischreichen Platz finden, werde ich einen Teufel tun das in der Zeitung publik zu machen.
gonefishing

Beitrag von gonefishing »

@ Stefan: Ich gebe Dir Recht, die Hege-, Besatz- und Schonmassnahmen sind ein komplexes Thema, das schwer in den Griff zu bekommen ist, da sich der tatsächliche Fischbestand und die Alterverteilung nur abschätzen lässt. Die Massnahmen müssen gewässerspezifisch getroffen werden, und Fangfenster wie in den Zuflüssen des Thunersees sind ein Schritt in die richtige Richtung, mit den Problemen die Du angesprochen hast.

Aber ich halte es für wichtig dass auch 'alte' Fische ablaichen, den jungen sollte es durch passende Schonmasse ohnehin ermöglicht werden. Durch sich schnell verändernde Umweltbedingungen und starke klimatische Schwankungen die sich auf die Gewässer auswirken, ist es nicht selbstverständlich dass ein Fisch alt wird. Exemplare die das tun haben evtl. besondere Eigenschaften die für das Überleben der Art wichtig sein können. Demgegenüber sind alte Fische nicht selten mit Schwermetallen belastet, oder durch Pestizide geschädigt, was nicht selten zu genetischen Mutationen führt. Von daher ist eine gleichmässige Alterpyramide das optimale.

Das nicht heimische Arten teilweise ablaichen ist mir bewusst. Ob das anzustreben ist, und ob die Fischarten deshalb geschont werden sollen, muss aber wieder im einzelnen aus gewässerökologischer Sicht beurteilt werden.

Schwer nachvollziehbar sind z.B. Reglemente wie am Murtensee, wo für Waller Schonmass und Schonzeit bestehen, für den Zander aber mit der Begründung 'nicht heimisch' nicht. Solchen Massnahmen müssten fundierte gewässerökologische Untersuchungen zu Grunde liegen, die dann z.B. nachweisen dass der Waller sich in das Ökosystem in eine unbesetzte Nische einfügt, während der Zander die Egli verdrängt.

Komplexes und heikles Thema, aber wie gesagt ging es mir eigentlich um die Fischhitparaden mit ihren Auflagen und Anreizen...

Gruss, Matthias
Helmut

Beitrag von Helmut »

Ein kapitaler Hecht / Zander kann man jederzeit in der Küche verwerten wenn er aus einem Gewässer stammt wo die Wasserqualität in Ordnung ist. Bei einer kapitalen Forelle gilt natürlich das gleiche.

Wenn es Euch um die besten Laichfische geht müsstet Ihr das C & R unbedingt bei den größten dazwischen einführen. Die besten Laichhechte und -zander bewegen sich zwischen 65 und 100cm. Es geht ja nicht nur um die Anzahl der Eier sondern auch um die Qualität des Laiches und der ist z.B. bei einem Hecht über 120cm nicht mehr unbedingt am besten.
Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler »

es gibt übrigens einen thread der teilweise zu ähnlichen themen ist wie das hier vorliegende;



http://www.fliegenfischer-forum.de/flyf ... ml#2590028



gruss



Stefan
Helmut

Beitrag von Helmut »

Catch und release wirst Du in jeder Form und wahrscheinlich auch in jedem Internetforum finden das mit Angeln zu tun hat.

Ich selbst halte mich da meist raus, da ich keinem vorschreiben will was er zu tun hat und was nicht. Genau denn selbe beanspruche ich auch für mich :wink:

Was ich nicht verstehen kann ist, das meist keiner die Meinung des anderen akzeptieren kann :!:
Butzli

Beitrag von Butzli »

Hallo zusammen



Ich persönlich habe nicht das Bedürfnis, mich in einem Hochglanz-Magazin

mit Fisch zu bestaunen.

Ob dadurch zu viele Kapitale unötig getötet werden entzieht sich leider

meiner Kenntnis.

Ich für meinen Teil handhabe es so, das wenn ich einen Fisch fange den

ich nicht mitnehmen möchte, es schnell und schonend für das Tier gehen muss.

Das heisst, Kollege muss mit Kamera bereit stehen, Fisch abhacken, Foto

machen und Fisch sofort wieder ins Wasser.

So habe ich mit gutem Gewissen eine Erinnerung für mich und kann das Bild

für einen Bericht im FF verwenden.



Nun aber noch zum Thema Grösse des Fisches.

Ich bin nun, nach dem lesen der Zeilen etwas verunsichert und habe eine

Frage :?:

Im Murtensee hat der Hecht ein Fangmindestmass von 45 cm.

Wenn ich nun einen Hecht von der Grösse 50 - 60 cm fange und abschlage,

muss ich ein schlechtes Gewissen haben, weil vielleicht noch zu jung oder

zu klein oder ..... :?:
gonefishing

Beitrag von gonefishing »

Nein, bestimmt nicht. Die Mindestmasse der Fische sind in der Regel so festgelegt dass die Fische die Geschlechtreife ein bis zwei Jahre vor dem erreichen des Mindestmasses erlangen. Beim Hecht mit 45cm ist das relativ knapp, aber mit 60cm hat er sicher schon zweimal abgelaicht.

Ein wichtiger Faktor ist der Gesamtbestand und die Altersverteilung der Fischart in dem entsprechenden Gewässer. Und ich kann Dir versichern dass der Hechtbestand im Murtensee hervorragend ist, und an Nachwuchs kein Mangel besteht. Ich denke die Dichte an halbwüchsigen Hechten von 30-60cm im Murtensee ist so hoch, dass viele früher oder später im Rachen eines älteren Kollegen landen.

Also kein schlechtes Gewissen sondern en Guete!

Frisst ihn Du nicht, dann tut's wer anderes :-D
Reverend

Beitrag von Reverend »

C&R ist nur sinnvoll wenn es professionell praktiziert wird, und wenn die Fische in dem Gewässer heimisch sind und auch ablaichen. Gerade bei Karpfen und Wallern ist es bei uns daher mehr als fraglich.

Bei besonders empfindlichen Fischen wie z.B. Felchen macht C&R keinen Sinn, auch muss der Fischer den Gesundheitszustand und etwaige Verletzungen des Fisches erkennen (und vermeiden) können.

Mir geht es bei der Umfrage auch nicht um das C&R-Fischen, sondern um die Frage ob durch Fisch-Hitparaden u.ä. das Töten kapitaler Fische gefördert wird, welche sonst vielleicht zurückgesetzt würden (da sie der Fänger aufgrund ihrer Grösse nicht verwerten kann).


Gonefishing geht es um die Frage, ob die übliche Erfassungspraxis bei Fischhitparaden das Töten kapitaler Fische begünstigt.



Dass setzt voraus:

a. Angler wollen sich in der Öffentlichkeit mit kapitalen Fängen profilieren.

b. C&R steht dem entgegen. Also wird getötet.

c. Kapitale Fische lassen sich nicht sinnvoll verwerten.



Zu a.: Natürlich würde ich ein Foto von einem kapitalen Fang hier im Board einstellen, auch wenn es hier nichts zu gewinnen gibt.

Hingegen steht mir nicht der Sinn nach einem Preis beim Blinker, Fisch & Fang oder bei Petri Heil.



Die Fischhitparaden sind auch manchen Fischereivereinen ein Dorn im Auge. Der Fischereiverein Simssee e.V. hat z.B. ein Reglement in seinen Jahreskarten abgedruckt, wonach auch Bilder kapitaler Fische nicht mit Angabe des Fanggewässers öffentlich gemacht werden dürfen. Damit ist dem Fänger von vornherein die Möglichkeit einer Fangprämierung in einer öffentlichen Fischhitparade unmöglich gemacht, egal, wie er mit dem gefangenen Fisch verfährt. So will man das Anlocken von "Fischgeiern" verhindern.



Infolgedessen würde ich - falls ich einen kapitalen Fang hier oder anderswo publiziere, auch bei anderen Gewässern keine Ortsangaben machen. Ebenso werde ich nicht Auskünfte darüber erteilen, ob der Fisch wieder released oder verwertet wurde.



b. erübrigt sich dadurch für mich. Ich würde auf keinen Fall einen kapitalen Fisch töten, nur um mich damit zu profilieren. Ich würde ihn aber auch nicht in jedem Fall releasen. Dazu unten mehr.



c. Mit Helmut bin ich der Auffassung, dass sich auch große Fische (außer vielleicht Karpfen) einer sinnvollen Verwertung zuführen lassen, und dass auch mittelgroße Fische ihnen in der Laichqualität nicht nachstehen, sie womöglich darin sogar mitunter übertreffen.



Es ist klar, dass wir alle uns ein verbindliches Reglement wünschen für eine selektive Entnahme - so dass der unendliche Streit um das C&R ein Ende nimmt.

Meine Meinung ist, dass wir uns von Schlagworten wie "C&R", "Kochtopfangler" etc. trennen sollten. Eine gewässerverträgliche selektive Entnahme sollte das Ziel sein.



Aber genau daran erhitzen sich die Gemüter, weil jeder Angler seine eigenen, von ihm befischten Gewässer im Blick hat und sein für sich persönlich gefundenes Reglement auf andere Angler und deren Gewässer überträgt.



Dazu einige Beispiele:

In der Mangfall gibt es einen Wildstamm an Bachforellen, die sich durch mehrere Eigenheiten in der Färbung von Satzfischen und den Wildstämmen anderer Gewässer unterscheiden. Solche Fische release ich, um den Erhalt dieses Wildstammes zu gewährleisten, ganz unabhängig von ihrer Größe.

In unserem Vereinsbach werden Bachforellen aus vereinseigener Zucht besetzt. Bei diesen habe ich keine Skrupel, sie zu entnehmen.

Es würde mir also nicht helfen, wenn es heißen würde: innerhalb eines Entnahmefensters von 35-45cm dürfen Bachforellen entnommen werden.



Ähnliches gilt für den Äschenbestand verschiedener Gewässer.

Wo der Kormoran diesen fast bis zur Ausrottung der Art im Gewässer dezimiert hat, werden alle Äschen released.

Andererseits kann ich es den Äschenfängern an der Aare - deren Gefährdungspotential ich nicht einschätzen kann - nicht verübeln, dass sie Äschen entnehmen. Ich gestehe es ihnen bis zum Erweis des Gegenteils zu, dass sie verantwortungsbewusst handeln.



Ein anderes Beispiel ist der Waller.

In manchen Gewässern hat er sich sprunghaft vermehrt.

Im Main ist zum Beispiel sogar das gesetzliche Schonmaß von 70cm per Bezirksverordnung aufgehoben worden - gerade weil die hohen Stückzahlen bei Wallern den Bestand anderer Fischarten gefährden.



Die Situation an Wallerflüssen wie Ebro und Po vermag ich nicht einzuschätzen. Allerdings werde ich den Verdacht nicht los, dass dort von den Bewirtschaftern der Wallercamp-Strecken C&R nicht aus ökologischen, sondern aus ökonomischen Gründen vorgeschrieben wird.

Man will schließlich noch viele Jahre lang Kunden mit der Aussicht auf kapitale Fänge ans Gewässer locken.



Nichts also gegen ein Entnahmereglement - jedoch spielen da so viele verschiedene und gewässerspezifische Faktoren eine Rolle, dass es mir mehr als fragwürdig erscheinen will, ob es ein übergreifendes Entnahmereglement überhaupt geben kann und darüberhinaus sinnvoll ist.

Das Gewissen eines jeden Anglers muss darum vorläufig die einzig sinnvolle Entscheidungsinstanz bleiben.

Und natürlich stimmt es einen traurig, dass manche Angler ein Gewissen nicht zu haben scheinen.

Gewissensbindung erreicht man aber dennoch nicht durch Gesetze, sondern durch Bewusstseinsbildung für die sehr komplexen ökologischen Zusammenhänge im jeweils befischten Gewässer.
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Zimbabwe

Beitrag von fisherking »

Ich finde Fischhitparaden keine schlechte Sache, sofern der gefangene kapitale Fisch auch verwertet wird und nicht nur die Hitparade geangelt wurde...

Wie sich C&R bei den älteren Fischmodellen auswirkt weis ich nicht, denke jedoch nicht an eine grosse Überlebenschance.

Ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich die Kapitalen Fänge im Petri-Heil nich anschauen tu...
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Butzli

Beitrag von Butzli »

Danke Mattu, dann kann ich ja beruhigt Meister Esox jagen gehen 8)
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Alet
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Beitrag von Alet »

Fisch-Hitparaden sind für mich sogar ein wichtiger Bestandteil von Magazinen... wäre zu langweilig ohne hübsche Fischbilder. Einen eigenen Fisch publizieren würde ich allerdings nie, Zeugen und Wiegestelle suchen ist mir zu aufwändig.



Zum Thema C&R: Ich bekenne mich als Kochtopfangler :!: Grundsätzlich will ich einen Fisch den ich fange auch essen. An einem reinem C&R Gewässer würde ich nie angeln. Allerdings entnehme ich nicht mehr, als ich auch verwerten kann. D.h. zum Beispiel: Ich fische ohne Echolot auf Felchen, sonst würde ich zu schnell zu viele fangen, Schleien behalte ich erst ab 40 cm, ich versuche gezielt nur grosse Forellen zu fangen, etc... So setze ich mir selbst Grenzen, um nicht zuviel zu fangen.
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