sonst reden wir ja nur über die vögel, die je nach ansicht unsere fischbestände oder unseren fangerfolg gefährden. dieses thema wurde und wird in den fischerkreisen zur genüge diskutiert. je länger, je mehr stellt sich aber für uns zwangsläufig auch die frage nach dem fischotter.
eigentlich ist der fischotter in der schweiz seit 1990 ausgestorben. die mehrheit der wissenschaftler geht davon aus, dass ihm neben einigen anderen faktoren hauptsächlich die hohen PCB-konzentrationen zum verhängnis wurden. allerdings ist dies nicht einwandfrei belegt, da das aussterben des fischotters in der schweiz praktisch unbeobachtet geschah und nie untersucht werden konnte.
wie manche von euch (wohl v.a. die berner) vielleicht wissen, konnte beim august-hochwasser 2005 aus der fischotteranlage des tierparks dählhölzli ein päärchen fischotter (1 männchen und 1 weibchen) flüchten. diese liessen sich darauf hin an der aare zwischen bern und münsingen nieder und pflanzten sich mit sicherheit anfang 2006 (2-3 junge) und sehr wahrscheinlich noch ein zweites mal im sommer 2007 fort. ein junges von 2006 konnte im februar 2007 eingefangen werden, die beiden ursprünglichen tiere konnten beide im oktober 2007 ebenfalls wieder eingefangen werden.
allerdings waren danach an der aare oberhalb von bern nach wie vor mindestens zwei fischotter unterwegs. ebenfalls konnte am wohlensee ein fischotter bestätigt werden. zudem gab es auch an der aare unterhalb des bielersees diesen frühling und sommer mehrere sichtungen von einem fischotter. es konnten also seit dem einfang der ausgebrochenen tiere noch mindestens 2 verschiedene fischotter bestätigt werden, vielleicht aber eben auch ein dritter am wohlensee und ein vierter an der aare unterhalb biel (es könnte sich dabei aber auch im die tiere von bern handeln).
zu der ganzen geschichte der ausgebrochenen fischottern wurde gestern vom KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) ein zusammenfassender bericht veröffentlicht (leider "nur" auf französisch), der auf deren seite herunter geladen werden kann:
Bericht Fischotter
es stellt sich nun für die kantonale jagdverwaltung und das bundesamt für umwelt die frage, was mit diesen verbleibenden tieren geschehen soll. einerseits ist der fischotter eine geschützte art. andererseits dürfen aber illegal freigelassene oder ausgebrochene tiere, auch wenn sie einer geschützten art angehören, eingefangen oder getötet werden.
mich würde nun eure meinung zu diesem speziellen fall und zur zukunft des fischotters in der schweiz generell interessieren!
ich persönlich bin ganz klar der meinung, dass die verbleibenden tiere in der freiheit belassen werden sollen. schliesslich haben sie bewiesen, dass ihnen der lebensraum offensichtlich derart behagt, dass sie sich über jahre halten, nicht abwandern (zumindest nicht alle) und sich sogar erfolgreich fortpflanzen. dies zeigt für mich klar, dass der lebensraum für sie trotz allen widrigkeiten stimmt. und entscheiden, ob der lebensraum für fischotter geeignet ist, kann der fischotter selbst immer noch besser als wir menschen. und auch wenn es sich bei den menschen um wissenschaftler handelt
allerdings ist auch klar, dass nur die aare oberhalb von bern als lebensraum für eine eigene population viel zu klein ist. um die nötige genetische vielfalt auch langfristig zu erhalten und damit den bestand zu bewahren, sollte eine population mindestens 500 tiere umfassen. wie eine studie in den 90er jahren gezeigt hat, würde das gesamte seeland inkl. zuflüsse dafür gerade ausreichen. um den fischottern eine zukunft zu geben, müsste man also deren weitere ausbreitung zulassen.
ein weiteres problem ist, dass die jetzt anwesenden tiere alle sehr nah miteinander verwandt sind (geschwister). dadurch dürfte der inzuchtkoeffizient bei zukünftigen jungtieren sehr hoch sein, was zu vermehrten erbkrankheiten oder geringen fortpflanzungsraten führen könnte. dass sich daraus eine grosse, vitale und gesunde population entwickelt, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber zumindest unwahrscheinlich. aus diesem grund bin ich dafür, dass, wenn die tiere in freieheit bleiben, zur stützung des bestandes und zur sicherung der genetischen variabilität weitere fischotter ausgesetzt werden.

