@Mattu
gonefishing hat geschrieben:Naja, ein paar Kratzer hat wohl fast jeder Fisch. Und evtl. sind die Netzspuren bei meinen Fischen weniger da ich ein feinmaschiges gummiertes Netz verwende, und nicht die verbreiteten Nylon-Felchenfeumer...
...aber nicht solche "Kratzer", das sind Netzspuren, ganz bestimmt. Von einem Feumer und insbesondere gerade von einem feinmaschigen, gibts kaum Spuren. Die Schnur ist zu dick, dass sie einschneiden könnte, im Vergleich dazu sind die Netze der Berufsfischer aus sehr feinem Nylon (etwa 0.10mm). Du kannst ja mal verschieden dicke Schnüre um deinen Finger spannen und anziehen, dann wirst du sehen, dass die dünnere Schnur schon bei viel geringerem Druck schneller einschneidet. Aber wenn du es mit den Netzspuren partout nicht wahrhaben willst, kann ich nichts machen, kann dirs ja nicht "eintrichtern"...
Zum Nährstoffmangel: Mein von dir zitiertes Posting trifft schon zu, nur ist die Veränderung der Nährstoffsdichte in der Grösse des Thunersees ein langandauernder Prozess, welcher sehr träge ist und Jahre, wenn nicht Jahrzehnte braucht, um auf die Körpergrösse der Fischpopulationen Einfluss zu nehmen. Der Rückgang der grossen Saiblinge war im Gegensatz ein sehr rascher, apprupter Prozess, d.h. innerhalb von 1 -2 Jahren sind diese fast gänzlich verschwunden. Somit ist diese These nicht für das damalige "Verschwinden" der grossen Saiblinge anwendbar.
Glaube nicht dass die Saiblinge durch die Felchen punkto Nahrungsangebot eingeschränkt werden, eher umgekehrt. Im Gegensatz zu den Felchen können sich die Saiblinge an ganz unterschiedliche Nahrungsnischen gewöhnen, welche von feinstem Plankton über Insektenlarven, Ende Mai sogar "Maimuggen" an der Oberfläche (ein eindrückliches Schauspiel!), Glaseglis (sind manchmal so eng im prall gefüllten Magen, wie die Sardellen in der Blechbüchse) bis zu beachtlich grossen Fischen (habe schon oft Saiblinge als Beifang an Seefoschleppködern gefangen), deshalb ist die Population auch intakt. Saiblinge sind sehr anpassungsfähig, was das Nahrungsangebot betrifft.
Bei den Felchen im Brienzersee ist der enorme Konditionseinbruch u.a. aufgrund der fehlenden Daphnien (Hauptfutfer im Winter), welche wiederum dem Nährstoffmangel zu Opfer vielen, zurückzuführen. Der Konditionsindex der Thunerseefelchen sieht da (noch) deutlich anders aus. Besser (punkto Verhältnis Körperlänge zu Gewicht) kann man übrigens nicht sagen, das gilt nur für den Menschen, nicht aber unbedingt für die Fischart un deren Überlebensstrategie. Die Eglis, wie richtig genannt, scheinen ebenfalls bei guter Kondition zu sein, auch hier kann die geringer werdende Nährstoffdichte bisher noch nicht erkannt werden.
Ich beharre auf meiner These, wonach der erhöhte Befischungsdruck seitens der Netzfischerei für den drastisch schnellen Rückgang der grossen Saiblinge mit- oder gar hauptverantwortlich ist. Stehe übrigens mit meiner Hypothese nicht alleine auf weitem Flur, viele andere erfahrene Thunerseefischer aus dem genannten Gebiet, teilen diese Meinung. Kann aber verstehen, dass es für einen Fischer, welcher die ganze Geschichte nicht "live" miterlebt hat, Netzspuren nicht erkennt, nicht ständig den etlichen Grundnetzen ausweichen muss und die ganze Sache vom Büro aus vor dem PC beurteilen darf, nicht plausibel erscheint. Immerhin habe ich mich an die schwere und heikle Aufgabe gewagt, dies möglichst sachlich und verständlich darzustellen.
Die Geschichte ist sowieso passé, daran kann niemand mehr etwas ändern und mit den heutigen Gegebenheiten lässt sichs durchaus auch Leben als Angelfischer auf dem Thunersee. Schauen wir doch besser in die Zukunft, z.B. auf die Nährstoffproblematik und die zunehmende Trübung des Thunersees, da könnten wir vielleicht sogar noch etwas beeinflussen...
Gruss helix