börni, deine ausführungen sind sicherlich nicht grundsätzlich falsch, aber leider unvollständig.
nicht erwähnt hast du beispielsweise die solarenergie, die in der schweiz gerade in berggebieten ein extrem hohes potential hat und auch im flachland ohne jeglichen landschafts- oder lebensraumverschleiss angewendet werden kann (wenn auch mit geringerem wirkungsgrad als in den hochlagen). schraubt auf jedes dach ein solarkollektor, und wir werden uns vor lauter strom kaum mehr retten können. der nachteil der solarenergie ist natürlich die unregelmässige verfügbarkeit. hier bietet sich allerdings eine kombimantion mit der windenergie an, denn wenn die sonne nicht scheint, windet es häufig.
ebenfalls völlig ausgeklammert hast du die geothermie, welche meiner meinung nach zusammen mit der solarenergie das mit abstand grösste potential hat, um energie (nicht nur strom, auch wärmeenergie zum heizen) zu produzieren. geothermie lässt sich mit unterschiedlichen emthoden fast überall anwenden und löst auch nicht zwingend erdbeben aus wie beim versuchsprojekt in basel. zudem ist geothermie in menschlichen zeithorizonten tatsächlich unendlich, die erde wird noch ein paar milliarden jahre einen warmen kern haben. ebenso beträgt übrigens die voraussichtliche lebensdauer der sonne noch weitere 5 milliarden jahre
dagegen sind öl, gas und uran endlich und gerade letzteres wird schneller knapp werden, als den meisten lieb ist (ja, auch das uran ist endlich, auch wenn uns das die atomlobby nicht gerne sagt

).
ein weiterer zusammenhang, den atomfreundliche fischer wohl nicht gerne hören, ist, dass AKWs ohne stauseen im prinzip undenkbar sind. atomenergie produziert unflexiblen bandstrom, der tagsüber meistens gebraucht wird, jedoch nachts viel zu viel ist. dieser strom wird dann gebraucht, um die stauseen zu füllen, was restwasserstrecken verursacht. speicherkraftwerke und kernkraftwerke bedingen sich also im heutigen energiemarkt gegenseitig, entweder hat man beide oder keine. ich plädiere natürlich für letzteres, wobei ich mir natürlich vollkommen bewusst bin, dass dies in absehbarer zeit reines wunschdenken bleiben wird
das grösste problem an den alternativen energien (abgesehen von der geothermie oder auch biogas, welches aber sowieso nur ein kleines potential hat) ist, dass sie unregelmässig verfügbar sind. diese energien können sich nur durchsetzen, wenn es gelingt, speichermethoden zu finden. eine speichermethode bei uns wäre im prinzip die gleiche wie bei den AKWs, nämlich wasser in die stausee hochzupumpen. aber eben...
auf der anderen seite gibt es jedoch in der praxis bewährte methoden, um die negativen einwirkungen (schwall-sunk-problematik) von stauseen auf die darunter liegenden fliessgewässer abzufedern, nämlich ausgleichsbecken. bei schwall würde ein grossteil des wassers in diese becken geleitet anstatt in den bach, bei sunk hingegen würde aus diesen becken wasser in den bach gleitet, um so mickrige restwassermengen zu verhindern. so könnten also in bei dieser form der wasserkraft die ökologischen folgen abgefedert werden und für uns fischer würden durch die ausgleichsbecken erst noch zusätzliche stillgewässer zum fischen entstehen

(wobei ich aber nicht weiss, wie gross das potentiall von ausgleichsbecken für fische ist... wahrscheinlich ist es eher gering).
das problem ist halt einfach, dass die arme stromlobby kein geld hat, um wirklich solche ausgleichsbecken zu bezahlen. schliesslich müssen ja millionen-boni bezahlt werden und dieses geld muss ja auch irgendwo her kommen
ein paar worte möchte ich noch zur angesprochenen windenergie verlieren (als solothurner ist für uns das thema ja sehr aktuell, gell börni

):
grundsätzlich befürworte ich natürlich die nutzung der windenergie. dass diese jedoch ökologisch nicht immer unbedenklich ist, gerade auch für die vogelwelt, ist trotzdem auch klar. die beispiele aus dänemark und auch schweden und finnland sind mir bekannt, die vogelwelt leidet dort nicht übermässig. jedoch muss immer auch zwischen den standorten unterschieden werden. der jura ist etwa ein wichtiges brutgebiet für die heidelerche, ein vogel, der auf vollständig offene landschaftschaften (wie etwa die kahlen jurahöhen) angewiesen ist. zweifellos würde die heidelerche durch windenergieanlagen verdrängt. jedoch kommen die heidelerche und andere bedrohte vögel nicht überall im jura vor. etwa ist die erste jurakette so stark von erholungssuchenden menschen bedrängt, dass diese gebiete nur noch ein geringes ökologisches potential aufweisen. dagegen sind gebiete im inneren jura (etwa der brunnersberg oder der matzendörfer stierenberg, wenn wir im solothurner jura bleiben) ökologisch sehr wertvoll für diverse bedrohte vögel, aber auch für andere tier- und pflanzenarten, die auf trockenwiesen angewiesen sind (etwa diverse tagfalterarten). nicht umsonst sind viele gebiete des inneren juras im TWW inventar festgehalten (TWW inventar = besonders wertvolle trockenwiesen und -weiden).
meine haltung zur windenergie im jura ist also generell ja, aber nicht in jedem fall.
auf der anderen seite werden wir durch die klimaerwärmung in ein paar jahren wohl mehr trockenwiesen haben als uns im moment lieb ist
