Fischerei-Hürden - Allgemein und Interkantonal

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Eglizwicker
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Fischerei-Hürden - Allgemein und Interkantonal

Beitrag von Eglizwicker »

Kurz und knapp:
Als Fischer in der Schweiz ist man mit hohen Hürden konfrontiert. Hochkomplexe gesetzliche Vorgaben, inkonsistente Regelungen, föderale Zersplitterung und alles in Kombination mit saftigen Strafen. Das schreckt ab und limitiert die Anzahl an Fischer, was wiederum den gesellschaftlichen und politischen Einfluss der Fischer untergräbt. Eine allgemeine Einstellung, die darauf abzielt das Fischen möglichst zugänglich zu machen, würde letztendlich den Fischen und damit auch uns Fischern helfen.

Ich war schon in verschiedenen Kantonen am Fischen und in letzter Zeit habe ich mich intensiver damit auseinander gesetzt, weil ich mal an ein neues Gewässer gehen wollte. Dabei ist mir wieder einmal besonders aufgefallen, dass in der Schweiz einerseits eine sonderbare Grundhaltung bezüglich des Fischens an den Tag gelegt wird, andererseits ein unglaublicher föderaler, entschuldigung, Schwachsinn am Werk ist.

Mit der sonderbaren Grundhaltung meine ich, dass mehr oder weniger deutlich durchkommt, dass Fischen keinesfalls ein Recht ist, welches grundsätzlich jedem Zusteht (wie in manchen nordischen Ländern), sondern ein besonderes Privileg, welches erarbeitet und erkauft werden muss. Dem Fischer werden fast beliebig viele Hürden in den Weg gelegt. Das fängt damit an, wo man überhaupt Fischen darf, bzw. kann.
Das Pachtsystem wie in Zürich, wo ich lebe (und selber Pächter bin) ist eigentlich ein besonderer Blödsinn. Die meisten Gewässer sind damit für den Normalfischer praktisch verschlossen. Andere Kantone machen das besser, aber auch dort müssen erst Karten (so vorhanden) oder Gewässerlisten konsultiert werden. Ist es ein Schongebiet? Ein Privatrecht? Ist der Bach oder Teich gar nicht aufgeführt? Und was bedeutet das? Die Strafen bei einem Fehler (Fischdiebstahl) sind drakonisch!

Weiter geht es mit den Fangbestimmungen und da werden ja gerne auch an jedem Gewässer andere Regeln erlassen.
Mal muss die Forelle >24 cm sein, mal >26 cm, mal zwischen 28 - 40 cm, mal >40 cm. Bringt das denn überhaupt etwas? Verändert man das Mass verändern sich auch die Fangzahlen. Doch da in fast allen Gewässern gar kein Fangzahl-unabhängiges Monitoring durchgeführt wird, weiss man am Ende ja gar nicht, ob die Bestände dadurch wirklich besser werden. IE: Wenn Fische mangels Lebensraum nicht Laichen können, dann bringt der Schutz der Laichtiere Null und Nichts!

Haken mal mit Widerhaken, aber nur beim Schleppfischen, ganz ohne, nur Drilling ohne, mal ein Drilling pro Köder, oder keiner, oder drei, oder drei "Hakenspitzen". Haken mal in Grösse 1 - 6, aber nicht bei der Fliege dort nur <6, aber dafür "Goldhaken", die sonst verboten sind und dann doch mit Widerhaken?. Überhaupt "Fliegen"?! "Aus Federn", gar nicht definiert oder nur "mit Flugangel und Flugschnur" - die totale Rechtsunsicherheit. Zur Krönung verteilt über verschiedene Dokumente und im Zweifelsfall entscheidet der FIschereiaufseher!

Was ist denn genau der Vorteil dieses Wirr-Warrs? Den Fischen geht's praktisch in allen Kantonen gleich schlecht und wenn nicht hat das vor allem mit dem verfügbaren Lebensraum zu tun und nicht mit den verwendeten Material. Als Fischer muss man aber schon fast ein Master in Jura haben um zu verstehen wo was erlaubt ist. Bei Verstössen drohen wiederum hohe Strafen.
Dahinter steht auch kein übergreifendes Konzept. Was sollen diese Gesetze denn bewirken? Möglichst viel Arten- und Tierschutz? Möglichst viel Fisch für Alle, oder nur die, die mehr bezahlen? Möglichst die Zusammensetzung der Arten lenken? Oder eigentlich weiss man es nicht soo genau - von allem wohl ein bisschen.

Zuletzt kommen dann noch die kantonalen Hürden. Unterschie Das finden die meisten kantonalen Fischer "mega" weil ihnen dann die "fremden Fötzel" nicht die Seefo-Eröffnung vermiesen. Aber mal Hand-auf's-Herz: Dieses Steuerargument ist doch an den Haaren herbeigezogen. Erstens wird ja nicht abgefragt, ob und wieviel Steuern denn der fragliche Einheimische überhaupt bezahlt und zweitens wäre es doch famos wenn die dummen Ausserkantonalen für eine Woche Ferien im Jahr ein Jahrespatent löst, in der Hoffnung er käme noch ein weiteres Mal. Das passiert ja dann so oder so meistens nicht. Der Benefit ist letzten Endes grösser weil mehr Patente = mehr Fischer = mehr Geld und politischer Einfluss.

Und das bringt mich zum Kernanliegen: Als Fischer sind wir anderen Fischern (besonders den Ausserkantonalen, oder noch schlimmer: Den Ausländern!) gegenüber zwar oft skeptisch, aber wäre die Schweiz ein Land von Fischern (und fischenden Touristen), dann sähe unser Fischer-Alltag ganz anders aus! In der Schweiz sind die Fischer trotz SFV eine politische Nische um die man sich nur wenig kümmert. Kraftwerke, Bauern, Naturschützer - alle scheinen mehr Einfluss zu haben. Ein anderes Beispiel die Berufsfischer: In der Schweiz gibt es knapp 270 Berufsfischer welche sonderbarerweise die 150'000 Hobby-Fischer gesetzlich locker ausstechen. Obwohl man kein Ökonom sein muss um zu verstehen, dass die Hobby-Fischer ein Vielfaches an Wirtschaftsleistung erbringen. Alle die Fischerboote die gekauft und repariert werden müssen, die Übernachtungen und Reisen und natürlich das ganze Fischerzeug und sonstiges Zubehör - das Potential wäre noch viel grösser! Wie viele Hobby-Fischer geben resigniert auf, weil sie zu wenig fangen? Wie viele fangen gar nicht erst an?

Wir müssen die Hürden senken, damit möglichst viele Leute das Fischen ausüben und den Wert dieser Sportart verstehen. Ich bin sicher, nur so erreichen wir den Einfluss der nötig ist, damit wir alle in gesunden Gewässern wieder prächtige Fische fangen können.

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