14 Millionen gegen Hochwasser

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tom66
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14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von tom66 »

Hoi Zäme

Eben in der BZ aufgeschnappt.

Für 14 Millionen wollen die angrenzenden Gemeinden ab Kaufdorf bis Belp in einer vierjährigen Bauzeit ab 2017 Hochwasserschutzmassnahmen bauen. Sollte dies eintreffen, kann man die Fischerei in der Gürbe ab Kaufdorf getrost für ein paar Jahre vergessen. Dies vor allem, weil ein paar Häuschenbauer ihre Baracke am liebsten 2 Meter neben der Gürbe hätten :censored: Ich bin überzeugt, dass durch diese Massnahme ein Grossteil des Forellenbestandes in diesem Abschnitt vernichtet wird. Sollten sie gleichzeitig noch renaturieren, wird das Ergebnis das gleiche sein wie Gürbe ausgangs Belp in die Aare, nämlich praktisch ohne Forellenbestand aber dafür Massen an Alet und Barben.

Gruss

Tom66
Rolandus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Rolandus »

Würde vielleicht heissen, dass es vor Hunderten von Jahren auch viele Alet und Barben gab in den unteren Abschnitten - und dass die schönen Zeiten mit grossen Forellenbeständen in der kanalisierten Gürbe eher eine etwas künstliche Angelegenheit war, oder?

Von den 14 Millionen könnte man ja eine oder zwei in die Fischzuchten stecken, für welche der Kanton weniger Geld mehr zur Verfügung hat......
Spass beiseite. Renaturierungen sind schön, aber wir dürfen nicht davon ausgehen, dass sich ein neuer Abschnitt so schnell schnell wieder selbst ins Gelichgewicht bringt. Da muss man wohl 10-20 Jahre warten.
Shad

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Shad »

Rolandus hat geschrieben:. Renaturierungen sind schön, aber wir dürfen nicht davon ausgehen, dass sich ein neuer Abschnitt so schnell schnell wieder selbst ins Gelichgewicht bringt. Da muss man wohl 10-20 Jahre warten.
Das denke ich nicht, renaturierte Abschnitte werden sehr schnell von Kleinstlebewesen und Insekten Angenommen. Diese wiederum sind Nahrung unter anderem für die Fische. Im Zug wurde die Lorze renaturiert und schnell angenommen, beim Lintukanal soviel ich weiß ging es auch rasch.
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Flümi
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Flümi »

Als man das alte Gebäude der Drahtwerke in Biel abgerissen und für die Madretsch-Schüss ein neues Bachbett gemacht hat, sah es in diesem Abschnitt von ca. 100m nach nur einem Jahr so aus, als wenn es schon vor Lebewesen wimmeln würde.

Mir ist auch schon zu Ohren gekommen, dass man diverse Renaturierungen billiger machen lassen könnte .... "könnte" :roll:
Gruss, Stefan
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T-Noo
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von T-Noo »

Shad hat geschrieben:renaturierte Abschnitte werden sehr schnell von Kleinstlebewesen und Insekten Angenommen. Diese wiederum sind Nahrung unter anderem für die Fische.
Wenn dann Unterschlüpfe fehlen und das Wasser zu flach oder zu schnell fliesst, dann nützen die Insekten auch nichts mehr.
Die Taverna bei Flamatt ist seit der "Renaturierung" im untersten Teil tot. Wahrscheinlich inklusive der während des Abfischens entdeckten seltenen Bachneunaugenpopulation. :?
Auch da war's in erster Linie Hochwasserschutz - aber dazu ein bisschen "Renaturierung" kling einfach viel, viel besser...und geht immer.
Gruss Tinu

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gmischol
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von gmischol »

Mir kommen auch immer wieder die Tränen, wenn ich sehe, was die Renaturierung an der unteren Taverna gemacht hat. Viele schöne tiefe Züge und Gumpen sind weg, nun wurde noch wie blöd abgeholzt. Manchmal frage ich mich schon, ob die Leute, die solche "Denaturierungen" planen auch nur einen leisen Schimmer von Fischbiologie haben... :evil:
Jeder Mann braucht etwas Verrücktheit oder er wagt es nie, das Seil zu durchtrennen und frei zu sein. Alexis Sorbas
Chris86

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Chris86 »

Renaturierungen sind ein langwieriger Prozess und da gehören IMMER auch Faktoren wie Hochwasserschutz mit rein, es gibt jedoch noch dutzende andere faktoren(wie auch die Fischereibehörden), welche in ein solches Projekt miteinbezogen werden müssen. Bis ein Gewässer seine "ursprüngliche" Form wiederhat dauert es Jahrzente. Klar ist es schade, wenn es für uns nicht mehr so attraktiv ist unser Hobby auszuüben, wir sind aber auch nicht der Grund für eine solche Aktion. Wir sollten froh sein, werden Gewässer renaturiert, da wir ja schliesslich (so sehe ich es jedenfals) Vertreter der Natur sind. Einfach so wird ein einem Gewässer nicht rumgebagert, da ist grosses Fachwissen und jahrelange Planung dahinter.
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Alet
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Alet »

Ein Hochwasserschutzprojekt ist keine Revitalisierung und schon gar keine Renaturierung. Ein Hochwasserschutzprojet führt höchstens zu einer Strukturaufwertung, falls das Gewässer vorher ein Kanal war (Was oft bereits viel ist). Ein generelles Problem beim Hochwasserschutz ist, dass die kein Busch oder Baum in Wassernähe wollen. Da muss um jeden Busch gekämpft werden.
Chris86

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Chris86 »

Das war vielleicht vor 30 Jahren so. Die Zeiten von geometrisch perfekt geformten Kanälen sind vorbei. (Oder höchstens noch wos platzmässig nicht mehr anders geht) Hochwasserschutz geht sehr wohl mit Renaturierung, klar kann der Fluss nicht mäandrieren und erodieren wie er will, er ist immernoch gewissermassen in ein Korsett geklemmt, trotzdem wird ihm viel mehr spielraum zugesprochen. Hochwasserdämme sind von Laien teils gar nicht als solche zu erkennen. Pflanzen in Wassernähe werden übrigens zum Hochwasserschutz eingesetzt.
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T-Noo
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von T-Noo »

Ich bin der Meinung: Eine Renaturierung soll der Natur auch etwas bringen. Punkt. Alles andere verdient den Namen nicht.

(und ich wähle Bewusst den Begriff "Natur", und nicht "Fische")
Gruss Tinu

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astacus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von astacus »

Alet hat da schon recht, aber das widerspricht sich deiner Aussage, Chris, ohnehin nicht. Ein Hochwasserschutzprojekt ist heutzutage, neben den Dammerhöhungen, meist eine Aufweitung des Gerinnes, womit die Abflusskapazität erhöht wird. Natürlich wird dabei das Gerinne mittlerweile zum Glück strukturiert und nicht mehr streng trapezförmig gestaltet. Aber es ist und bleibt damit in erster Linie eine Hochwasserschutzmassnahme und keine Renaturierung. Und dass Gehölze (zumindest angeblich) ein Problem für den Hochwasserschutz darstellen, sieht man leider am Gewässerunterhalt im ganzen Land Tag für Tag. Der massive Holzschlag am Wasser wird fast immer auch mit dem Hochwasserschutz begründet. Für Fische ist diese Form des Unterhaltes eigentlich weitaus schlimmer als die Gewässeraufweitungen als solches.

Eigentlich gilt es ohnehin zwischen Renaturierung und Revitalisierung zu unterscheiden. Ersteres ist die Rückführung in den Naturzustand, letzteres eine ökologische Aufwertung. Renaturierungen im eigentlichen Sinne gibt es in der Schweiz kaum, es sind fast alles Revitalisierungen.
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T-Noo
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von T-Noo »

astacus hat geschrieben:Eigentlich gilt es ohnehin zwischen Renaturierung und Revitalisierung zu unterscheiden. Ersteres ist die Rückführung in den Naturzustand, letzteres eine ökologische Aufwertung.

Ist der Begriff Renaturierung denn nicht irreführend? Immer noch denken viele (wie ich bis vor kurzem auch), dass eine Renaturierung immer eine Aufwertung der Natur darstellt, also ihr zugute kommt.
In Wahrheit aber werden oft wertvolle und über viele Jahre entstandene ökologische Nischen unwiderruflich zerstört, ohne dass daraus ein neuer ökologischer Nutzen hervorgeht.
astacus hat geschrieben:Renaturierungen im eigentlichen Sinne gibt es in der Schweiz kaum, es sind fast alles Revitalisierungen.
Und doch muss der Begriff für so vieles den Kopf hinhalten - find ich echt problematisch…
Gruss Tinu

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astacus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von astacus »

Ich plädiere ja schon auch dafür, die Begriffe konsequenter im Sinne derer eigentlicher Bedeutung zu verwenden. Ganz so schlimm sind aber die Revitalisierungen dann doch nicht, dass man ihnen gleich den Namen entziehen müsste, zumindest nicht immer. Der grössere Teil der Massnahmen in meiner "home range" (SO und Teile von BE) hat meines Erachtens eine deutliche Aufwertung gebracht, auch für Fische und durchaus auch für die Hauptzielarten von uns Fischern, d.h. für Bachforellen.

Wir müssen uns bewusst sein, dass erstens wir Fischer diejenigen sind, die den aktuellen Revitalisierungsdrang angestossen haben, und dass zweitens aus den erwähnten Hochwasserschutzgründen ohnehin zahlreiche weitere Massnahmen auf uns zukommen. Sich dagegen zu wehren, erscheint mir daher falsch. Vielmehr müssen wir meines Erachtens auf zwei Dinge hinwirken: Erstens müssen Revitalisierungen in Zukunft fischfreundlicher gemacht werden und zweitens muss der Ufergehölzunterhalt auf das unerlässliche Minimum reduziert werden. Bei den Revitalisierungen und Hochwasserschutzprojekten ist konkret darauf hinzuwirken, dass neue Lebensräume eigendynamisch entstehen (d.h. nicht gebaut werden), dass zwar die Gewässerräume erweitert werden, nicht aber unbedingt die Gewässersohlenbreiten (zumindest nicht pauschal), dass nicht nur Flachufer gemacht werden, sondern auch Steilufer, dass notwendige Hartverbauungen trotzdem Strukturen aufweisen (z.B. strukturierter Blockwurf, Faschinen, Wurzelstöcke, etc.), dass bei der durchaus positiven Aufhebung von Schwellen als Wanderhindernisse alternative Kolkstrukturen geboten werden, usw.

Fischfreundliche Revitalisierungen sind durchaus machbar und vielerorts auch anzutreffen. Aber eben leider nicht überall. Man muss leider schon feststellen, dass im Wasserbau nicht überall bekannt ist, wie dem Fischbestand als Ganzes geholfen werden kann. Hier liegt eine wichtige Rolle der Fischer.
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Alet
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Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Alet »

Gut gemachte Revitalisierungen oder Aufwertungen bei Hochwasserschutzprojekten habe ich selten gesehen. Klar ist die Situation besser als vorher, aber dazu reicht ein Bagger der den Kanal zerstört. Für mich hat das ein ganze Fülle an Gründen:
- Einmal die typisch schweizerische Gründlichkeit, die keine Gewässer-Dynamik zulässt.
- Die Angst vor Hochwasser ist geradezu paranoid.
- Eine Fachkraft die etwas von Gewässer versteht halt man für überflüssig. Obwohl die Honorarsumme im Vergleich zur Bausumme vernachlässigbar ist. Die Ingenieure haben oft Standesdünkel, die wollen sich von niemandem dreinreden lassen.
- Tausend einschränkende Gründe wie, Leitungen im Boden, Grundeigentümer, Heimatschutz etc..
- Eigentlich immer zu kleine Abschnitte. Das lässt z.Bsp. den wichtigen Geschiebetrieb nicht zu!
Für eine gelungene Revitalisierung müssen ein ökologisch interessierter Ingenieur und ein guter Biologe/Umweltnaturwissenschaftler zusammenkommen. Zudem müssen auf der Bewilligungsseite Behördenvertreter sein, die dem zustimmen. Und natürlich dürfen keine einschränkenden Gründe vorhanden sein.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zu Fischgängigkeit. In diesem Zusammenhang werden Abstürze entfernt. Heisst aber auch Kolke verschwinden und damit auch gute Forellenstandplätze. Das nützt der Gesamtpopulation, aber örtlich können Standplätze für grosse Fische verschwinden. Die reine Entfernung von Hindernissen ohne Revitalisierung mit der Schaffung von neuen Unterständen als Kompensation, führt zum Verlust dieser grossen Fische. Da sind dann nicht alle Pächter glücklich.
Rolandus

Re: 14 Millionen gegen Hochwasser

Beitrag von Rolandus »

tom66 hat geschrieben:Sollten sie gleichzeitig noch renaturieren, wird das Ergebnis das gleiche sein wie Gürbe ausgangs Belp in die Aare, nämlich praktisch ohne Forellenbestand aber dafür Massen an Alet und Barben.
Wenn alle Fischer zwar Forellen entnehmen, die Alet und Barben wieder zurück setzen, dann muss es ja irgendwann mal nur noch Alet und Barbe geben.
Habe etliche Beiträge gelesen, wo Fischer zwar gerne auf Alet und Barbe fischen, diese aber alle releasen.
Unbestritten sind auch andere Gründe, wie in diesem Thread beschrieben, die Ursache für den Forellen-Rückgang. Aber eben, wir Fischer wollen scheinbar nur die Forellenfilets.....
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