Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

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gringostar

Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von gringostar »

Hallo zusammen

Vor einiger Zeit waren ein Kollege und ich am Lungernsee. Er hatte eine Rebo erwischt, bei welcher er nach dem Landen den korrekten Kiemenschnitt gesetzt hatte. Da die Wetterkonditionen nicht Ideal waren, ist er auf dem schlammigen Boden ausgerutscht und die Forelle fiel zurück ins Wasser. Der Fisch war ruhig im Wasser mit dem Kopf gegen einen Stein. Als mein Freund sie packen wollte, drehte sie sich und verschwand wie der Blitz in der Tiefe. Was nun passierte würde ich keinem Glauben wenn ich es nicht selbst gesehen hätte. :roll: Wir fanden es sehr Schade das der Fisch weg war und hatten noch die Wasseroberfläche beobachtet, aber nichts tat sich und wir dachten die Forelle sei in der Tiefe verendet. Cirka 15 Minuten NACH dem Kiemenschnitt konnte ich es kaum fassen. Die "tote" Forelle kam an den genau selben Punkt ans Ufer zurück wo sie vorher reingefallen war. Wir konnten sie per Hand dann aus dem Wasser nehmen und konnten es kaum fassen dass sie noch gezappelt hat.

Hat jemand von Euch mal eine ähnliche Erfahrung gemacht? Wie kann es sein das ein Fisch nach dem Kiemenschnitt 15 Minuten lang weiterlebt und zurückschwimmt?

p.s. das ist kein Fischerlatein, es ist wirklich so passiert. Danke im Voraus für Eure Inputs. Gruss
gonefishing

Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von gonefishing »

Grundsätzlich muss man den Fisch vor dem Kiemenschnitt betäuben. Ein korrekt betäubter Fisch schwimmt mit oder ohne Kiemenschnitt nicht weg...
Wenn der Kiemenschnitt richtig ausgeführt wurde und die Aterie zwischen Herz und Kiemen durchtrennt wurde lebt kein Fisch 15 Minuten weiter. Der Fisch blutet aus, das Blut wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und der Kreislauf funktioniert nicht mehr.

Ich musste mal bei kleineren Thunfischen den Kiemenschnitt ohne Betäubung anwenden, da ein Schlag auf den Kopf nur dazu führte dass die ganze Muskulatur so extrem vibrierte dass man den Fisch nicht mehr festhalten konnte. Nach dem Kiemenschnitt war in weniger als einer Minute absolut kein Lebenszeichen mehr erkennbar.
gringostar

Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von gringostar »

Hallo Gonefishing,

Er hat dem Fisch eine Betäubung verpasst. Eventuell war sie nicht ganz so stark, jedenfalls hatte der Fisch nach dem Schnitt auch bereits richtig viel Blut verloren. Wäre die ganze Geschichte eine Minute gegangen okey... aber nach 15 MInuten an den Ausgangspunkt zurückschwimmen..das kann ich mir nicht erklären. Aber wie bei allen Individuen gibt es stärkere und schwächere ..und das war wohl ein sehr starker Fisch.
astacus

Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von astacus »

Wenn der Fisch 15 Minuten nach dem Kiemenschnitt noch rumschwimmt, gibt es dafür nur eine einzige Erklärung: Der Kiemenschnitt wurde nicht korrekt durchgeführt, d.h. die Herz-Kiemen-Arterie wurde beim Schnitt nicht durchtrennt.

Wenn ich daran denke, wie viele verschiedene Formen des "Kiemenschnittes" ich schon gesehen habe und bei wie vielen von diesen die Herz-Kiemen-Arterie weder durchtrennt, noch angestochen wurden, sind solche Fälle nicht wirklich überraschend...
gringostar

Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von gringostar »

Danke für Eure inputs. Ich habe ihm erhlich gesagt nicht über die Schulter geschaut, wo und wie er genau zum Schnitt angesetzt hatte. Jedenfalls habe ich viel Blut gesehen und wir waren über diesen Kraftakt schon erstaunt. Auch das er an die genau gleiche Stelle zurück geschwommen ist.
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Flümi
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Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von Flümi »

Also was den Betäubungsschlag betrifft, ist es für mich simple Physik. Ich will einen Knüppel mit genug, aber nicht zuviel Gewicht auf eine bestimmte Geschwindigkeit beschleunigen können. Dafür habe ich je nach Zielfisch(e) verschiedene Betäuber dabei.

-Für kleine Fische (Felchen, kleinere Forellen, Egli unter 30) verwende ich vorzugsweise einen "Bänggu" aus Holz und Durchmesser 25-35mm. Falls nur 25mm, ist er unter Umständen zu leicht und kann mit wenig Metall aufgepimpt werden.
-Für grössere Forellen (40-55cm) und Hechte bis 50cm habe ich einen abgesägtes Endstück von einem ausgemusterten Gartenwerkzeug (Heugabel?), das gegen hinten dicker wurde und aus Holz ist. Länge um 45cm.
-Für grössere Fische habe ich einen Fish Bonker von Mustad gekauft. Ein 45.8cm langer Baseballschläger aus Alu.

Schlechte Erfahrungen habe ich gemacht mit einem Priest für Forellen. Er ist zu kurz und zu schwer. Betäuben fällt schwer, da zuwenig Geschwindigkeit zustandekommt und wegen dem hohen Gewicht (Vollmaterial Messing) haut er eher den Forellen die Augen raus, als dass sie betäubt werden.

Ebenfalls schlechte Erfahrungen machte ich mit einem Knüppel in Baseballschlägerform, 40cm kurz, aus Holz (Vollmaterial). Der ist ebenso zu schwer und zu kurz. Gab auch Probleme bei Hechten. Den wurde durch den Fish Bonker ersetzt. Der ausgemusterte Holzknüppel steht seither in der Nähe der Türe für ungebetene Gäste :lol:
Gruss, Stefan
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Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von Köfi24 »

30cm langer abgesägter Besenstiehl ist mein Werkzeug seit ich angefangen habe zu Fischen und habe immer noch den selben, der hat schon so einige Fischköpfe getroffen.

3x harter Schlag auf den Kopf
1x scharfes Messer nehmen und Kiemenschnitt. Voll durchtrennen der Kiemenarterie!
Fisch mit Kopf nach unten ausbluten lassen ca 1min.
Wenn es dir noch nicht sicher genug ist gleich Ausnehmen.

Das ist meine Vorgehensweise die ich immer Praktiziere.

Ein Fisch kann nach Kiemenschnitt immer noch zappeln und von daher nimm dier genug Zeit damit er nicht wie beschrieben wieder ins Wasser flutscht oder zappelt.
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Flümi
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Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von Flümi »

Wichtig ist meiner Meinung nach beim Betäuber ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Durchmesser, Länge und Gewicht, damit man den Betäuber gut beschleunigen und mit einem gezielten Schlag den Fisch ins Land der Träume schicken kann. Wenns nicht ganz geklappt hat, noch 2x drauf zur Sicherheit. Mit etwas Routine klappts (zumindest bei mir) in 70% der Fälle mit nur einem Schlag. Wenn z.B. eine Forelle nach dem 1. Schlag nur noch ganz schnell und unkontrolliert zittert für kurze Zeit, dann ist es gut gegangen (nehme ich an). Wenn aber ein Fisch sich so bewegen kann, dass er davonschwimmt, also koordinierte Muskelbewegungen macht, dann hat die Betäubung offensichtlich nicht geklappt.

Manche Fischer verwenden auch gerne das Fischmass zum betäuben. Bei Felchen klappt das ja gut, aber bei robusteren Forellen habe ich langsam Zweifel, dass es gut funktioniert.

Hab mal nen neuen Thread gemacht zu den Knüppeln:
viewtopic.php?f=86&t=18400
Gruss, Stefan
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Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von FAX »

Für den Kiemenschnitt, anstelle Messer, eine Schere.
joda

Re: Forelle war nach Kiemenschnitt noch quicklebendig

Beitrag von joda »

guten tag

das aufkommen dieses "halbtoten fisches" Syntom hatten wir an dem Vereinsfest bei Jungfischern öfters zu beobachten...

Wir gingen dazu über die Fische erst "richtig" zu Betäuben 3-4 harte Schläge mit anschliessend
beidseitigem Kiemenschnitt, von oben bis unten komplet durch, sowie Herzschnitt.

Privat mache ich zusätzlich ein Schnitt durchs Genick, hat auch den Vorteil das die Leichenstarre fast nicht auftritt. :chef:
Bei Sushi Thunfischen treibt man eine Stange vom Kopf durch die Wirbelsäule des Fisches damit die Botenstoffe nicht die Leichenstarre vermelden können im Körper. :doc:

petri
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