Hallo zusammen,
Gerne möchte ich auch euch an meinen herrlichen Nord-Norwegenferien teilhaben lassen, indem ich einen kleinen Reisebericht verfasse um allen Interessierten das Angeln auf Dorsch und Steinbeisser etwas näher zu bringen.
Wir starteten unsere Ferien, die wir bei Dintur.de gebucht hatten, ab Flughafen München und flogen mit Norwegian ( 50 Kg Gepäck pro Person inkl.! ) nach Oslo und danach mit einem Anschlussflug weiter nach Tromsö.

Nachdem wir unseren Mietwagen erhalten hatten, fuhren wir voller Sehnsucht Richtung Nordre Hestnes Gard am Balsfjord. Dort wartete unsere Unterkunft für eine Woche auf uns. Und was für ein tolles Daheim uns erwartete, seht ihr auf den nächsten Bildern.

Auch unser Mietboot war erste Sahne. Sehr gepflegt, mit kräftigem 50PS-Motor, pflegeleichtem Alurumpf, Echolot mit GPS. An Bord waren auch zwei Gaff und Kunststoffboxen um die gefangenen Fische zu lagern. Dieses Boot darf man in Norwegen übrigens ohne Prüfung fahren
Unsere gesamten Fischereiutensilien konnten wir ohne Probleme und ohne irgendwelche Sicherungsmassnahmen auf dem Boot belassen. Langfinger sind in diesen Breitengraden noch ein Fremdwort. Ein beruhigendes Gefühl.

Kurz nach dem ersten Ablegen ab unserem Bootssteg, auf dem sich übrigens auch der Filetiertisch mit Süsswasseranschluss befand, konnten wir auf dem Echolot schon grosse Fischschwärme in geringer Tiefe ausmachen.

Also nichts wie los. Schnell waren die Köder montiert. Diese bestanden aus naturfarbenen Wobblern, grossen Twistern in knallgrünen und roten Farbtönen, sowie grossen Gummifischen bis 25cm Länge und Bleiköpfen bis 350 Gramm Gewicht. Da wir gar nicht so tief wie erwartet angeln mussten, hätten Gewichte bis 200 Gramm ausgereicht.
Da aber keine Vorkenntnisse im Meeresfischen vorhanden waren und unser Wissen aus Foren und Büchern bestand, hatten wir viel zu viel Material und natürlich Gewicht mit geschleppt.
Wir benötigten z.B. während den ganzen Ferien keinen einzigen Pilker, weil Gummi der absolute Knaller war. Das bedeutete ca 4Kg Eisen für die Katz mitgenommen. Natürlich sähe das beim Fischen in grösseren Tiefen wieder etwas anders aus.
Kaum waren die Köder im Wasser, ging auch schon die Post ab. Mein erster Dorsch von 60cm Länge landete im Boot, um kurz darauf in der Pfanne zu enden.

So ging es dann die ganze Woche weiter, und mit jedem Tag wurden die Köder und die Dorsche grösser. Unglaublich was für gierige Räuber die Leoparden der Meere sind. Auch ein Grössenwahnsinniger war dabei. Dieser blieb jedoch die Ausnahme.
Im Allgemeinen lässt sich aber sagen: Zu grosse Köder gibt es in Nord-Norwegen nicht

Nach einem gewaltigen Biss begann ein schöner Drill und nach kurzem, heftigen Kampf konnte ich einen 98cm langen Dorsch mit ca 8Kg Gewicht an Bord ziehen. Petri-Heil !!

Natürlich genossen wir auch sonst die atemberaubende Natur von Nord-Norwegen.

Unser Hausvermieter Bart gab uns dann, als er bemerkt hatte, dass wir bis jetzt nur Dorsche fingen, einen wertvollen Hinweis darauf, wo wir es auf Steinbeisser versuchen könnten. Gleich auf der gegenüberliegenden Fjordseite gebe es eine grosse Muschelbank. Diese sei das beliebte Jagdziel der Steinbeisser in der Region. Am einfachsten liessen sich die Seewölfe mit Fischfetzen als Köder überlisten. Bevor wir davon brausten, warnte er uns noch vor dem kräftigen Gebiss der Fische, das Muscheln und Schnecken wie nichts zermalmen konnte.
Schnell war die verheissungsvolle Stelle ausgemacht und die Dorschfilets angeködert und ausgeworfen. Und die Herrschaften liessen sich nicht lange bitten. Mit kräftigem Ruck an der Rute meldete sich der erste Kandidat. Anschlag ! Und schon verabschiedeten sich etliche Meter Schnur mit einem Kreischen in der Tiefe des Meeres. Mit langsamen Pumpbewegungen konnte ich schliesslich den ersten Steinbeisser an die Oberfläche holen. 95cm und 8,5Kg Gewicht.

Kurze Zeit später stiegen dann noch ein 84er und ein 103cm langer mit 9Kg Gewicht ein. Alles wirklich prächtige Burschen mit enormer Kampfkraft und dicken, saftigen Filets.

Man beachte die netten Beisserchen. Diesen sollten weder Füsse noch Hände zu nahe kommen. Ansonsten wird das eine sehr, sehr schmerzhafte Erfahrung. Bekannterweise lassen Seewölfe, haben sie einmal zugebissen, nicht wieder los. Also aufgepasst!!

Interessanter Mageninhalt eines Steinbeissers. Zwar keine Steine, aber viele scharfkantige Muschelschalen. Das dürfte wohl zu einem etwas angestrengten Gesichtsausdruck beim Stuhlgang führen

Noch eine interessante Tatsache will ich auch nicht unerwähnt lassen. Um diese Jahreszeit bleibt es auf diesen Breitengraden 24 Stunde hell. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Aber im Schlafzimmer gab es zum Glück dicke Vorhänge. So konnte man doch einigermassen normal Schlafen. Folgende Aufnahmen entstanden morgens um 2.00 Uhr.

Wir assen in den Ferien nur einmal Fleisch. Aber als wir beim Einkaufen auf Rentiergeschnetzeltes stiessen war der Fall klar. Schliesslich bekommt man dies bei uns nicht gleich um die Ecke. Ansonsten gabs immer frischen Fisch auf verschiedene Arten. Einfach herrlich. Frisch aus dem Meer, direkt auf den Teller.
Nach Hause nahmen wir nur ca. 8Kg Filets pro Person mit. Das war im übrigen ein weiterer, grosser Vorteil dieses Fischereireviers. Dank der geringen Fangtiefe bis ca 40 Meter konnten wir viele Fische wieder schadlos in die Freiheit entlassen, was bei grösserer Tiefe im offenen Meer kaum möglich sein dürfte.

Mit letzten Impressionen möchte ich meinen Bericht beenden. Vielleicht hat der eine oder andere auch Lust auf das Angeln im Meer bekommen. Es ist eine wunderbare Erfahrung die sich jeder einmal gönnen sollte
Freundliche Grüsse und viel Petri-Heil
Rolf


