natur einmal anders erleben
heute fischen wir vorwiegend fliegen (und andere-) ruten aus kohlefaser, ein paar von uns auch solche aus glasfaser oder gespliesstem bambus.
wer sich ein bisschen mit der fischerei-historie befasst, weiss dass früher auch hölzer wie greenheart, lancewood, ja und sogar federstahl im einsatz war.
alle ruten aus allen erwähnten materialen haben ihre fische gefangen.
wer mich persönlich kennt weiss dass ich gerne neues ausprobiere, so auch im rutenbau. mit gespliessten mehr als vertraut, pröble ich schon lange mit
äquivalenten alternativen aus demselben oder auch anderen naturmaterial.bambus ist übrigens biologisch gesehen kein holz, sondern ein gras, aber dies nur nebenbei
http://de.wikipedia.org/wiki/Bambus.
seit einigen jahren habe ich mich aufgrund eines japanischen angelfreundes weiter an bambus versucht, und nun auch nach dem studium japanischer rutenbaumeister
nun schon mehrere fliegenruten aus vollbambus gebaut. was heisst vollbambus?
während eine gespliesste aus einem vorher zerlegten bambusrohr verleimt wird, ist vollbambus eben aus einem vollen rohr gefertigt, ohne dieses zu zerlegen und wieder zu verleimen. dies ist eigentlich nicht neu, in meiner sammlung antiker geräte finden sich auch spinnruten aus der zeit vor und nach dem weltkrieg 2, welche aus bambus- und pfefferrohr sind. darunter befindet sich jedoch keine solche fliegenrute. in ganz alten quellen habe ich herausgefunden, dass vor dem ww2 die französische marke pezon et michel eine fliegenrute aus vollbambus hergestellt und vertrieben hat. baupläne oder anleitungen dazu gibt es aber in diesen quellen nicht.
einfach ein paar bambusrohre zusammenstecken geht nicht, etwas von rutenbau, der materie angelrute selbst mit terminologien wie "modulus" etc. muss man schon kennen, um überhaupt eine rute selbst fertigen zu können, heisst nicht "nur" einen rutenkörper der zuvor gekauft fertig wurde aufzubauen (obwohl dies natürlich auch geschick braucht).
während bei gespliessten in der regel spezieller bambus aus china importiert werden muss, ist das bei meiiner fliegenrute nicht der fall. das material wächst hier in der schweiz!
nein, nicht in jedem garten und es ist auch nicht jeder bambus dazu geeignet, denn bambusarten gibt es unzählige, wie baumarten auch. und wie jedes holz einer baumes, hat
jeder bambus andere eigenschaften, geeignete und weniger gewünschte auch.
dass ich bambus gefunden habe der in der ch wächst feut mich vorallem "umwelt-politisch", eine rute aus solchem material hat wohl eine ziemlich bessere ökobilanz als ruten aus kohlefaser und importiertem bambus.es braucht keine co2 schleudern wie schiffe oder lastwagen fü den import, bei der herstellung auch nur sehr wenig nicht erneuerbare energien wie öl (maschinen, herstellung von leimen und gfk-matten).
ich weiss dass einige hochkomerzielle rutenhersteller slogans wie "biocraft" etc. gebrauchen, wenn etwas -dies aus meiner sicht- effektiv bio ist, dann sicher eine rute die
aus weitgehend biologischem material ist. anders als z.b. eine gefällte eiche oder ein baum von tropenholz (leider bei vielen fliegenruten-rollenhaltern verwendet), wächst bambus immer wieder nach (in ca. 3-5 jahren) je nach art bis zu 3.5 metern höhe oder mehr, also eine- bei richtiger ernte - nicht beschränkte ressource.
nun, (wie-)fischt sich so ein "ding" überhaupt?
ja klar! einige meiner vollbambus-fliegenruten (aftma 3,4/5, 6, und in 6, 7, 8 fuss) haben unterdessen alet und bafos von 40-55 cm problemlos gefangen und gedrillt, an der trockenen wie nassen.
ein angelfreund von mir, der gerne (wie ich ja auch) herumlästert, hob als er meine erste taugliche rute sah die augsbrauen, als er aber meine "bio-fly`s" dann noch warf, ist nur noch estaunen und lob gekommen. seine erfahrungen entsprachen jenen weiterer kollegen.
grundsätzlich ist/sind die rute/n genau wie eine "herkömmliche" kunstfaser-fliegenrute auch ausgestattet. sie kommt/kommen mit schlangenringen in seide gebunden, mit rollenhaltern und griffen aus kork. und im gewicht sind sie nicht mal viel schwerer als vergleichbare gespliesste, und wenn doch, dann verwendet man einfach eine schwerere rolle und schon fühlt es sich an wie eine rute aus kunstfaser. wenns um wurfweite geht (leider meinen heutige fliegenfischer ja oft sie müssten im minimum 30 meter weit werfen und näher wären keine fische), konnte ich auch keine nachteile bemerken.
mehr über das wie, wo und wann des baus einer solchen rute verrate ich hier nicht, es würden den rahmen sprengen und zugegeben halte ich nicht viel von kopisten,
nur soviel, es sind keine "kinderruten". zudem wer sich selber an solchen dingen versucht, erlent dabei massiv mehr als mit "nur" nachmachen.
solche ruten aus japan (es gibt sie dort sogar im fischereifachhandel), gehen in der regel für den preis einer hochpreisigen sage-fliegenrute heisst ab 600 usd)
über den tisch, die meisten kosten sogar um einen tausender.
dies weil sie vorwiegend von hand gebaut werden (bei einer sage übrigns nicht der fall), das material lässt sich nicht "einfach so" verwenden, man muss den bambus von hand und mit handwerkzegen vor- und nachbehandeln, kann ansprechende verzierungen wie eine inkrustation einer eintagsfliege auf dem rollenhalter anbringen etc.
in japan gibt es entsprechend spezialisierte rutenbauer die dort auch als "meister" gelten und verehrt (wie auch bezahlt-) werden. man könnte es auch mit einem mdf-tisch aus dem discount möbelhaus und mit einem mit einer mass-kirschplatte vom möbelschreiner vergleichen. an beiden kann man abeiten/essen, der eine bereitet einfach mehr freude und gefällt vielleicht besser. für reine "tackle-junkies", die wohl eher auf hochtechnisiertes schwören (ich mag hightech zuweilen durchaus selbst), wird eine bambusrute wohl eher nichts sein - muss es aber auch nicht.
fängt nun eine solche rute "besser" und "mehr" als andere? nein und nochmals nein (eine "sage" fängt auch nicht mehr), zwar fühlt sich der drill aufgrund des anderen materials anders (eher intensiver) an als mit kohle-oder glasfaser, es geht -zumindest mir- wohl gar nicht darum mehr zu fangen, ich habe einfach nur freude damit allgemein fische zu fangen, wie andere mit einer selbstgebundenen fliege, hegene oder selbstgemachten löffel. und für mich trotzdem auch ein "beweis", dass fische fangen nicht nur mit high-tech geht.
wer ein bisschen rumsurft findet noch viel mehr, das sich erfolgreich aus bambus fertigen lässt. z.b. stabile und morderne velorahmen;
http://www.ecojoes.com/bamboo-bike/
http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... 294275.php
fotos der "bio-fly`s";
rute 8 ft aftma6 inkl. fang:

dieselbe rute nochmals;
rute 6 ft aftma3:
spinnrute mit modernem split-griff:
die fotos sind nicht in superqualität, aber eben halt was mein handy maximal hergibt.
gruss
sa
ps - die bio-felchenrute ist in vorbereitung