Wie, du begleitest deinen Freund in die Berge zum fischen? Fischen ist doch langweilig! Und ihr bleibt dort oben in einem Zelt über Nacht? Das muss ja schrecklich kalt sein, ohne Hütte und Heizung! Vielleicht. Jedenfalls hat sie es geschafft, - keine Ahnung wie, einen kleinen Trupp der Firma zu überzeugen, selbst einmal die Nacht oben zu verbringen. Materiallisten werden erstellt. Prioritäten werden gesetzt. Warme Winterbekleidung und eine gute Flasche Wein, statt ein 5 kg Fotostativ. Das wichtigste: ein wirklich warmer Schlafsack und eine bequeme gut isolierende Schlafunterlage. Der Tag zum Aufstieg ist gekommen, die Wetterprognose ist sehr gut, auch wenn es bei der Zusammenkunft noch leicht regnet. Die Nahrungsmittel, als Zwischenproviant und Frühstück mitgebracht, werden kritisch geprüft, zwei Salamis, eine Tube Senf, eine Kafeedose, Butter und etwa ein Pfund Käse, sowie viele schöne Äpfel bleiben zurück. Die Rucksäcke sind auch so schwer genug und Hunger leiden werden wir bestimmt nicht. Es kann losgehen. Gut tausend Höhenmeter warten auf den motivierten Trupp. Erst führt die Aufstiegsroute durch einen Bergwald hin zu den Alpweiden.
Hier erwartet uns neugieriges Rindervieh mit Glockengeläut.

Eine erste Pause wird gemacht und ein jeder offeriert von seinen Leckereien, vielleicht ja auch, damit der Rucksack etwas leichter wird? Bald danach ist schon die Waldgrenze erreicht. Wir haben Glück und sehen hier die Blütenpracht der Bergwiesen bevor sich die Rinder daran erfreuen.

Der Aufstieg wird steil. Wir gehen Schritt für Schritt höher und höher. Längst sind die Gespräche verstummt. Es ist warm und wir sind froh wenn der Bergwind ein kleinwenig Abkühlung verschafft. Allmählich wird die Vegetation karger, das Auge nimmt dann auch bewusster kleine Dinge wahr.

Der Weg kreuzt seit längerer Zeit ab und zu einen kleinen Bach der uns zum See führen wird. Eine letzte Pause wird gemacht um Kräfte zu sammeln für den steilen Anstieg zum Tagesziel. Auf dem Schlussspurt geht’s dem Bach entlang hin zum See.

Hier oben am See auf über 2600 m. ü. M. ist die Landschaft karg und felsig. Der See wird je nach Schneefall und Frühlingsverlauf meist im Juli eisfrei und gefriert gegen Ende Oktober auch schon wieder zu.

Jetzt im Hochsommer gibt es aber auch hier eine Vielzahl blühender Pflanzen zu entdecken, die den kurzen Sommer nutzen.

Die Hotelsuite ist rasch erstellt.

Nach den ersten Kurzschulungen zum Fischen wird geduldig das Auswerfen mit diversen Spinnködern geübt. Ein wichtiges Ziel am Anfang gilt der Hängerquote.

Bald werden die ersten Saiblinge gefangen. Wie unterscheidet man einen See- von einem Bachsaibling? Erstere sollen stets genommen werden, weil sie in Überzahl vorkommen und zum Zwergwuchs neigen, währendem die kleineren Bachsaiblinge freigelassen werden.

Damit es einfacher geht wird auch mit Schlund an einem einfachen Haken mit etwas Blei gefischt. So haben bald alle Greenhorns ein Erfolgserlebnis!

Auch mit der Trockenfliege lassen sich die Saiblinge manchmal gut fangen.

Wir haben Glück und bald genug Fisch zum räuchern zusammen.

Tatsächlich wird beim putzen der Fische tatkräftig mitgeholfen. Die Saiblinge werden mit Salz und Zucker gut bestreut und zwei Stunden so belassen, damit wird der Fisch konserviert und entwässert.

Kurz gut abwaschen und dann die Fische etwas trocknen lassen.

Zum räuchern kommen sie nun in eine Felsspalte die zu einem kleinen Räucherofen ausgebaut ist. Wenn die Sägespäne richtig glimmen wird während der ganzen Nacht stetig kalter Rauch die Fische umströmen. Am Morgen wird dann nochmals ein neuer Rauchansatz gezündet.

Und weil es jetzt zum essen (noch) keinen Fisch geben kann, wird eine Grillade bereitet.
Zusammen mit der warmen Winterkleidung, Polenta, chambriertem Wein und heissem Kafee bleiben wir am kalten Abend lange Zeit noch auf, um schließlich mit all den neuen Erlebnissen müde in die Schlafsäcke zu kriechen.

Ein Freund sagte mir einmal er träume nie so intensiv wie in den Bergen. Und tatsächlich erzählt am nächsten Tag einer unserer Gäste, ihm seien See - und Bachsaiblinge im Traum erschienen.
Vielleicht dieser hier
Der frische Ötzi aus dem Räucherofen.

Am Morgen geht’s gemütlich zu. Mit den wärmenden Sonnenstrahlen wird aufgestanden und ein gutes Frühstück eingenommen. Bei schönem Wetter können unsere Zelte abgebrochen werden.
Kurz nach dem Mittag beginnt der Abstieg.

Der mitgenommene Räucherfisch weckt die Erinnerung an einen speziellen Ausflug ins Hochgebirge. Vielleicht ein anderes mal wieder?


