Fishfinder

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Rolf
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Fishfinder

Beitrag von Rolf » Mi 30. Aug 2006, 12:53

Fishfinder


Zum Umgang mit Fishfinder (Echolot), der Versuch einer Erklärung.

Damit das ganze Unterfangen „Fishfinder“ nicht in einem heillosen Chaos aus zusammenhangslosen Fakten endet, versuche ich gleich von Anfang an eine gewisse, hoffentlich nachvollziehbare Logik darzustellen.

Genau genommen gibt es zu Fishfinder-Geräten nur zwei Hauptfragen, die immer wieder auftauchen:

1. Frage: Wo sind denn die Unterschiede bei den vielen, verschiedenen Modellen, worauf kommt es an und wie finde ich in das richtige Gerät für mich?

2. Frage: Was genau zeigt mir das Gerät überhaupt, was sehe ich auf dem Bildschirm und wie deute ich die Anzeigen meines Fishfinders richtig?

Beide Fragen sind eng miteinander verknüpft. Wenn man die richtigen Antworten auf Frage 1 kennt, dann hilft das viel bei der Beantwortung von Frage 2. Obwohl im Grunde genommen alle Fishfinder das gleiche tun, nämlich uns die Unterwasserwelt zu zeigen, wird die Darstellung selbst durch die unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen Modelle stark beeinflusst.

Im Grossen und Ganzen unterscheiden sich die Modelle aller Hersteller, von ganz klein bis ganz gross jedoch nur durch wenige, aber entscheidende Merkmale:

- weniger oder mehr Sendeleistung (wichtig für das Erzeugen der Echos)

- grösseren oder kleineren Abstrahlbereich unter Wasser (der so genannte Sendewinkel, Kegel)

- schlechtere oder bessere Auswertung der Echos durch die Elektronik

- der Bildschirm (Größe, Auflösung, schwarzweiß oder farbig)

Dies sind die Faktoren, die letztendlich für die Anzeige von Fischen, Boden, Pflanzen, Sprungschichten, Treibgut, kurz allem Geschehen unter Wasser verantwortlich sind. Daneben haben die Hersteller natürlich noch Unmengen an Zusatzfunktionen eingebaut. Schliesslich sollen die Modelle für die verschiedensten Situationen passend sein, auch wenn man im Einzelfall nur einen Bruchteil der Möglichkeiten nutzt. Während z. B. ein Flachwasseralarm für ein Segelschiff mit tiefem Kiel und grossem Tiefgang überlebenswichtig sein kann, benötigen wir ihn zum Fischen in der Regel nicht.

Bevor wir uns den oben erwähnten Hauptfragen und deren Bedeutung für das Fishfinder Bild im Einzelnen zuwenden, schauen wir uns zunächst einmal kurz an, wie ein Fishfinder generell arbeitet. Die meisten werden es bereits wissen, aber für alle Fälle:

Das englische Wort "Sonar" ist eine Abkürzung für "SOund, NAvigation and Ranging" (Schall, Navigation und Reichweite). Ein Sonar/Fishfinder besteht im Prinzip aus dem Geber im Wasser und dem Bildschirmteil mit eingebautem Sender/Empfänger.

Einfach ausgedrückt wird ein elektrischer Sendeimpuls durch den Geber in eine Schallwelle umgewandelt, die ins Wasser geleitet wird. Trifft sie dort ein Objekt, wird sie daran reflektiert. Dieses Echo gelangt zum Schwinger, wird dort in einen elektrischen Impuls zurück verwandelt und vom Empfänger an die Anzeigeeinheit (heutzutage meist ein LCD-Bildschirm) weitergeleitet.

Da die Schallgeschwindigkeit im Wasser nahezu konstant ist (etwa 1440 m pro Sekunde), kann die Zeitspanne zwischen gesendetem Signal und empfangenem Echo gemessen und zur Entfernungsmessung genutzt werden. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals pro Sekunde.

Die meisten aktuellen Fishfinder verwenden hauptsächlich eine Frequenz von 200 kHz, einige Geräte senden jedoch zusätzlich mit den im kommerziellen Fischfang häufig genutzten 50 kHz. Dieses Frequenzspektrum ist nicht nur für Menschen, sondern auch für Fische unhörbar. Mit einem Fishfinder werden die Fische also nicht verscheucht

Wie oben erwähnt, sendet der Fishfinder Signale und "schreibt" die empfangenen Echos auf den Bildschirm. Während sich das Schiff über das Wasser bewegt, geschieht dies mehrere Male pro Sekunde, ähnlich einem Blitzlichtgewitter.

Diese Zeichnung beginnt immer als neue Spalte am rechten Bildrand. Jedes Mal, wenn eine neue Bildspalte gezeichnet wird, müssen logischerweise alle bereits bestehenden Bildspalten nach links weiterrücken. Daher läuft das Bild ständig von rechts nach links. So entsteht eine durchgezogene waagerechte Linie unten auf dem Bildschirm, die das Bodenecho darstellt. Auch wenn das Schiff steht, läuft das Bild weiter, denn das Echolot arbeitet weiter. Nur nimmt es immer wieder die gleiche Situation auf.

Zusätzlich werden Echos angezeigt, die durch Objekte zwischen Wasseroberfläche und Boden entstehen. Weil Schallgeschwindigkeit und Zeitspanne zwischen Senden und Empfangen der Echos bekannt sind, kann das Echolot die Tiefe des Wassers und der einzelnen Fische errechnen und anzeigen.

Daraus folgt, dass sich mein Schiff quasi ganz rechts und ganz oben auf dem Bildschirm befindet. Was gerade aktuell als neue Bildspalte ganz rechts erscheint, befindet sich im Erfassungsbereicht (Sendewinkel) des Echolots, während alle anderen Bildspalten "alte" Aufnahmen zeigen. Je weiter links sie auf dem Bildschirm sind, desto zeitlich älter sind sie und bei fahrendem Schiff auch weiter hinter dem Schiff zurück liegen.

Wie schon oben erwähnt ist die Sendeleistung eines Fishfinders einer der Hauptfaktoren bezüglich der Fischerkennung. Wenn bei einem Echolot gemeinhin von 3000 Watt Sendeleistung gesprochen wird, dann ist meistens die Impuls-Spitzen-Sendeleistung gemeint.

Würde man den Fishfinder an ein Messgerät anschliesen, dann erhielten wir eine Anzeige ähnlich einem EKG beim Arzt. Jedes Mal, wenn der Fishfinder einen Impuls sendet, dann würde auf dem Bildschirm ein steiler Zacken erscheinen. Je weiter dieser Zacken ausschlägt, desto höher ist die Impuls-Sendeleistung. Und wenn ein Fishfinder maximal 3000 Watt Sendeleistung produziert, dann ist dies eben die Impuls-Spitzen-Sendeleistung. Soviel zur Theorie. Wozu benötige ich in der Praxis auf dem Wasser mehr oder weniger Sendeleistung, ist mehr Leistung generell besser?

Im Prinzip ja, aber ......

Generell wirkt mehr Sendeleistung wie eine hellere Lampe und bietet auch alle Vorteile, die eine hellere Lampe gegenüber einer schwächeren hat. Natürlich reicht das hellere Licht weiter. Beim Fishfinder schafft also ein Gerät mit höherer Sendeleistung eine größere Tiefe. In den Prospekten der Echolote geht folgerichtig auch mit einer höheren Leistung fast immer eine grössere erreichbare Maximaltiefe einher. Schaut man so durch die Prospekte, so schaffen in der Regel selbst die kleinsten Geräte schon weit über 100 Meter Wassertiefe.

Bringt mir ein "Grosses" Gerät mit hoher Sendeleistung auch in kleineren Tiefen Vorteile, also in Tiefen, die ich mit einem leistungsschwächeren Gerät auch erreichen könnte? Die Antwort ist eindeutig JA! Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass ein leistungsstarkes Gerät nur für grosse Tiefen taugt und in den kleineren Tiefen keine Vorteile bringt. Wirklich "einleuchtend" wirkt auch hier wieder der Vergleich Fishfinder - Lampe. Stellt Euch vor, Ihr hättet in einer Lampe an der Wohnzimmerdecke nur eine 10 Watt Birne. Objektiv betrachtet reicht das Licht ohne Probleme die 2,5 Meter von der Decke bis zum Teppich. Das Licht würde bestimmt sogar noch einige Meter weiter reichen. Trotzdem käme wohl niemand auf die Idee zu behaupten, er könne mit den 10 Watt alles sehen. Spätestens, wenn er nicht nur den Teppich selbst erkennen will, sondern den Krümel auf dem Teppich sucht, ist klar, dass die maximale Reichweite nicht der alleinige Massstab für die Leistung der Lampe sein kann. Genauso ist es beim Fishfinder. Eine höhere Leistung macht sich in (fast) jeder Wassertiefe positiv bemerkbar, was die Detailerkennung angeht. Genauso wie das hellere Licht einer stärkeren Lampe Details besser erkennbar macht, werden auch durch einen leistungsstarken Fishfinder mehr Details sichtbar.

Die schwierigste Situation für Fishfinder ist, Fische in Bodennähe oder direkt am Grund zu erkennen. Und hier haben wir dann eine Situation, die mit der „Krümel – auf – dem – Teppich – Suche“ vergleichbar ist. Generell werden mit höherer Sendeleistung alle Echos wesentlich deutlicher gezeichnet, oder überhaupt erst sichtbar. Natürlich hat das alles seine Grenzen. In ein / zwei / drei Metern Tiefe spielt die Sendeleistung in der Regel noch keine Rolle. In diesen minimalen Tiefen müssen alle Fishfinder die Leistung herunterfahren, um nicht zu übersteuern. Auch spielt nicht nur die Tiefe eine Rolle, bei der leistungsstarke Fishfinder im Vorteil sind.

Hinderlich ist zum Beispiel ein hoher Schwebeteilchengehalt im Wasser. Schwebeteilchen wirken auf ein Echo wie Nebel auf eine Lampe. Auch der Salzgehalt spielt eine Rolle. Salzwasser hat eine höhere Dichte als Süsswasser, was "bremsend" auf die Ausbreitung des Ultraschallignals wirkt und somit sowohl Tiefe als auch Genauigkeit kostet. Ebenso bremsend können Sprungschichten sein. Hier ändert sich mit der Wassertemperatur auch die Dichte des Wassers um einen, für das Echo wahrnehmbares Mass. Weil jedes Mal, wenn sich die Dichte ändert, das Ultraschallsignal ganz oder teilweise reflektiert wird, können Sprungschichten nicht nur angezeigt werden, wenn sie intensiv genug sind (so ab ca. 3 Grad Wassertemperaturunterschied), sondern bremsen das Ultraschallsignal auch beim Weg in die Tiefe und zurück ebenfalls aus. Ein Extrembeispiel für die Wirkung von Sprungschichten ist das Mittelmeer. Es besteht übertrieben gesagt geradezu aus Sprungschichten. In der Praxis ist es denn auch so, dass die Fishfinder im Mittelmeer allerhöchstens die Hälfte ihrer angegebenen Maximaltiefe erreichen, wenn überhaupt. Eine Rolle spielt hierbei natürlich auch der hohe Salzgehalt des Mittelmeers. Ähnlich wie Sprungschichten wirken auch starke Unterwasserströmungen mit Strudeln und Wirbeln, wie sie z.B. geraden bei Gezeitenströmen auftreten.

Am wichtigsten ist jedoch die Bodenhärte. Während ein harter Felsboden das Ultraschallsignal optimal reflektiert (wie Echo in den Bergen) und somit auch ein durch grosse Wassertiefen und alle oben genannte Faktoren geschwächtes Ultraschallsignal noch wieder auf den Weg zur Wasseroberfläche bringt, schluckt ein weicher Boden Leistung. Er dämpft sozusagen wie ein dicker Teppich.

Noch ein Wort zu den Herstellerangaben. Weil natürlich jeder Hersteller seine Modelle gut dastehen lassen will, sind die Maximaltiefen oft rein theoretisch ermittelte Werte unter optimalen Bedingungen, also Süsswasser ohne Sprungschichten und Schwebteilchen und harter Grund. Zumindest haben diese Werte den Vorteil, dass man die einzelnen Modelle vergleichen kann. Werte für die Praxis anzugeben, dürfte für die Hersteller zugegebenermassen auch unmöglich sein, denn die Gewässer dieses Planeten sind nun mal alle verschieden, was Temperatur, Salzgehalt, Trübung, Untergrund, u.s.w. angeht und somit würde ein Modell überall unterschiedliche Maximaltiefen erreichen. Selbst wenn jemand den Fishfinder nur als reinen Tiefenmesser nutzen will und ihn keine Details wie Fische, Bodenhärte/bewuchs, u.s.w. interessieren, dann wäre er sich bei der Modellwahl schlecht beraten sich nur an der Herstellerseitig angegebenen Maximaltiefe des Geräts zu orientieren.

Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil leistungsstarker Geräte. Wie bei einem Scheinwerfer bildet sich um den eigentlichen Lichtstrahl herum eine Zone von Streulicht. Je stärker der Scheinwerfer(Fishfinder) ist, desto grösser ist auch der Streulichtbereich rundherum. Weil das Streulicht von vorn herein deutlich schwächer ist als der "Hauptstrahl", ist es bei schwachen Fishfindern nur minimal ausgeprägt und fast wirkungslos. Bei starken Geräten jedoch ist das Streulicht stark genug, um im Nahbereich einige Meter (meiner Meinung nach die entscheidenden Meter) um den Echolotgeber herum auch schon vernünftige Ortungen, sprich Fischechos u.s.w. liefern zu können.

Somit habe ich gerade im Bereich unter dem Schiff bei leistungsstarken Geräten einen grösseren Sichtbereich unter Wasser, als bei schwachen Geräten, obwohl diese, wenn man nur nach den Prospektangaben ginge, in kleineren Tiefen völlig ausreichen würden. Damit verbessere ich gerade in kleinen Wassertiefen die dort so problematische "Fischdarstellung". Es gibt keine festen Werte, wo man sagen könnte, ab dieser Tiefe bringt diese Sendeleistung mehr als jene Sendeleistung.

Erfahrungswerte zeigen, dass 3000-Watt Modelle ab ca. 25 m Tiefe anfangen ein "fülligeres" Bild zu liefern, als 1500-Watt Modelle. Gegenüber den weit verbreiteten 600 Watt Modellen liegt diese Grenze bei ca. 10 m. Es ist jetzt nicht so, dass diese kleineren Modelle "nichts" anzeigen würden und somit rausgeschmissenes Geld wären. Aber im direkten Vergleich und ganz wichtig, mit entsprechender Erfahrung fangen bereits bei kleinen Tiefen minimale Unterschiede an. Je grösser die Tiefe, desto grösser der Unterschied. Bitte dies jetzt nicht überbewerten. Es ist in diesen Tiefen wirklich nur im direkten Vergleich und mit geschultem Auge erkennbar. In diesen Tiefen spielt immer noch die Bildschirmauflösung eine wesentlich größere Rolle als die Sendeleistung.

Auf dem Neuenburgersee zum Beispiel verloren 275 Watt Modelle schon bei 40 Metern Tiefe den Bodenkontakt, wenn durch vorangegangenen Sturm sehr viel Sand im Wasser war, obwohl laut Herstellerangabe bis über 100m Tiefe erreicht werden können. Schon ab 10 m Tiefe waren die bodennah stehenden Fische kaum noch zu erkennen. Alles in allem bringt also mehr Leistung nicht nur mehr Tiefe, sondern auch mehr Genauigkeit. Wie wir oben festgestellt haben, gibt es jede Menge Faktoren, die Leistung und damit Tiefe und Genauigkeit kosten. Deshalb sollte man sich bei der Fishfinder Wahl nicht nur fragen "Wie tief es gehen soll?", sondern, "Wie genau will ich es wissen?".


Quellenangabe: Mit freundlichem Dank an Reinhard Mucha, www.anglerboard.de
Gruss Rolf

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