Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
ursus

Beitrag von ursus » Di 23. Sep 2008, 09:01

Hallo SA

Vielen Dank für Deine Ausführungen. Schliesse ich richtig daraus, dass wir nach Deiner Ansicht so rasch keine Änderung der Gewässersituationen herbeiführen können ? Es braucht imense Investitionen, um wieder ertragsreiche und sich selbst produzierende Gewässer zu haben, mit einer möglichen Wirkung in 20-30 Jahren ?

Somit stellt sich für mich die Frage, nein, eigentlich ist es gar keine Frage sondern ein Fazit aus dieser Diskussion, dass wir heutigen Fischer nun einfach Pech haben. Es trifft genau uns und das einzige was wir ändern können ist, dass unsere Nachfolge-Generationen ein schönes Fischerleben haben.

Das ist düster, aber wohl nicht zu ändern.

Dann habe ich noch folgende Anschlussfrage:
Wenn ich meinem Vater zuhöre (Jg. 1928) und er mir mit glänzenden Augen von der Aare, der Saane, der Sense, usw. in seinen Kindertagen erzählt bis hin in die 70er Jahre, dann kommen mir die Tränen. Es ist ja wohl allen bekannt, was der Chemie Unfall/Unfälle für Folgen hatten, aber unverständlich ist für mich, dass es vor 40 Jahren solch ein Fischbestand in der Aare und auch in der Saane hatte (Nasen wurden bei Laichaufstiegen zu hunderten von Hand gefangen). Damals hat's noch nicht viele interessiert was alles die Gewässer runtergespühlt wird, wie unüberbrückbar Kraftwerke waren, wie viele Fische entnommen werden, ob ein C&R Fische indirekt tötet und ob durch ein Foto des Fisches dieser dann Persönlichkeitsstörungen hat. Damals hatte es einfach genügend Fische, genügend Fischer und genügend Lobby für die Fischer. Warum ? Ist der Grund, dass es den Leuten nicht so gut ging wie heute und heimischer Fisch ein fester Bestandteil der Tafel war und sich die Leute davon ernährten ?

Lg Urs

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Di 23. Sep 2008, 09:59

ja urs, sieht leider so aus dass kurzfristig nicht viel ändert. ich hoffe auch dass wir die fischerei für unsere nachfahren noch einigermassen aufrecht erhalten können, möglichst sogar zu verbessern.

es ist unbestritten dass es früher mehr fische hatte, aber zugleich muss man wissen, dass die fischer auch mehr zeit für die fischerei investiert haben. es gab nicht den beruflichen druck von heute, wo viele nur noch wenige stunden am wasser verbringen und in der kürzeren zeit gleich viel fangen wollen wie anno dazumal. mein vater erzählte auch von den zahlreichen nasen die die are in die zulg hoch sind und man sie mit dem netz gefischt hat. oder von den zahlreichen bachforellen unterhalb der metzgerei an der ilfis in langnau. und es hatte früher mehr fischer die ein patent lösten, desshalb auch ein anderes gewicht in der politik.

was in den 70 gekommen ist ist, die nährstoffbelastung durch extensive landwirtschaft (mehr produzieren, noch mehr güllen, mehr düngen), sopwie die phospateinträge durch weaschmittel (heute sind phospate in waschmitteln verboten). ich erinnere mich noch an ein fischsterben im bielersee anfang der 70`er jahre in einem sommer, schuld waren u.a. auch die phospateinträge, auch solche die mit der aare zugeschwemmt wurden, der see hatte zuwenig sauerstoff.

sicher spielt alles was du erwähnst auch eine rolle, man hat fische weniger als sportobjekt angesehen, sondern den verzehr halt auch geschätzt. aber man hat schon damals recht viel besetzt, findest du in entsprechenden archiven, z.b. in solchen der vereine. der lachs ist schon zu zeiten meines vaters ausgestorben, er konnte nicht mehr vom rhein durch die zahlreichen aarekraftwerke bis in die berner aare (sogar in die kander wanderte er bis frutigen).

fischwanderung war schon damals nicht mehr möglich, ab ca. 1920 wurden die bäche und flüsse von den kraftwerken verbaut.
aber auch dank intensivem besatz - schon damals - hatte es mehr fische als heute. auch die forellen sind damals schon nicht mehr so recht die saane etc. hochgekommen, aber der besatz "übertünschte" es. und liess es als "genügend" erscheinen.
gengenpüber "früher war es besser" bion ich ein bisschen skeptisch geworden, denn in alter fischerliteratur lese ich auch von1870 dieselbe aussage von "mehr fischen". die industreialisierung begann gerade damals in vollem mass, auch hatten die bäche immer weniger platz zu überflutungen, sorich es folgten immer mehr kanalisierungen - folge, fischrückgang, und dann der kpnstilche besatz, der nämlich vorher kaum nötig war. es gab die kommerzielle karpfenzucht, niemand ist aber auf die idee/notwendigkeit gekommen, besatzfische wie bachforellen oder äschen zu züchten, weil sie sich selbst vermehrten und gehalten haben.

hormone und andere, nicht chemisch zu klärende einträge für die fische sind besonders in der zwischen 1960 und 80 erfolgt und waren eine zusätzliche keule, zu jener zeit erfolgte auch der zuerst schleichende, dann verheerende fischniedergang, und in kurzer frist (innert 15 jahren). auch der massive besatz aus der "vorzeit", wurde immer weniger nachhaltig, weil mehr besetzen nicht mehr viele fische brachte, im gegenteil. auch unfruchtbarer boden kannst du nur bis zu einem grad düngen, dann kippt auch er.

die vernetztheit der natur, also dass intakte fischbestände nicht nur aus bachforellen und äschen bestehen (die nase ist bereits am aussterben, und nur mit äschen und forellen besetzen ist "monokultur"), hat man erst in den letzten jahren erkannt (erkennen wollen). das gilt auch für uns fischer. leider kämpfen zuviele von uns noch in der alten taktik, "allein gegen alle". der zusammenschluss mit anderen verbänden, auch wenn da der fisch nicht an erster stelle steht, sondern halt auch mal ein vogel, ist umso wichtiger um mehrheiten bei der durchsetzung von anliegen zu gewinnen - erst recht in der politik. nur geballter einsatz für die natur, und somit auch für die fische, bringt mehr erfolg.

es hatte heute keinen sinn - zumindest aus meiner sicht - alten zeiten nachzutrauern und erhoffen, dass wir wieder fischbestände wie damals erhalten werden. zumindest für uns ist die zeit (und der wille auch noch) zu knapp bemessen. aber wenigstens einen teil davon sollten wir erhalten oder besser fördern, also den acker vorbereiten, dass die nachfahren dann, hoffentlich gscheiter als wir, eine bessere saat säen können und auch davon ernten dürfen. wir können aber auch weiter nichts tun als "jammern", dann wird nichts passieren. auch für release braucht es zuerst mal fische, die sich fortpflanzen und erhalten können.

gruss, ist eine bittere pille, aber kein grund aufzugeben.

Schweizer Angler

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zuma
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Beitrag von zuma » Di 23. Sep 2008, 10:25

Danke Stefan! Du hast mit dem Gesagten auf jeden Fall recht. Was wir aber nicht unterschätzen sollten, sind wir selber (die Fischer)! Wenn ich an die 70er zurück denke, stelle ich fest, dass wir heute wesentlich mobiler sind. In den 70ern hiess es nicht am Nachmittag um vier "ich gehe noch schnell an den Susten fischen", und dies 2-mal pro Woche. Wenn mein Vater und ich in den 70ern an den Susten fischen gingen, war dies eine halbe Weltreise (Meiringen-Innertkirchen-Bahn, dann Postauto und Fussmarsch). So machte man damals 2 bis 3 Tagesauflüge pro Saison an den Sustenpass. Heute fährt man schnell, schnell eben überhall hin.
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)

ursus

Beitrag von ursus » Di 23. Sep 2008, 10:57

warum nicht den alten Zeiten nachtrauern ? Das ist jedenfalls für mich der Beweis, dass es auch anders sein könnte, als den Mist den wir heute haben.

Ich würde Dir zu allem 100 % Recht geben, wenn wir heute eine bessere Situation in unseren Gewässern hätten als früher. Doch leider ist es genau umgekehrt.

Und das bringt mich zurück zum eigentlichen Diskussionsthema: Fischbesatz.

Ich lese, dass keine Besserung zu erwarten ist, dass wir Unsummen von Geld investieren müssen, dass wir am besten gar nicht mehr Fischen, dass wir unsere Freude an der Fischerei mässigen müssen, das alles um Erlösung zu erhalten. Das riecht mir alles ein bisschen sehr nach Mittelalter und der Kirche, die den Menschen allen Mist auftischen konnte, hauptsache sie gaben klein bei, hielten die Schnauze und fanden es auch noch gut und die Profitgier konnte ungezügelt ausgelebt werden.

Hey, wir Fischer sind auch auf Zinsen und Profit aus, vorallem aber unsere Freude am Fischen und Hobby fröhnen zu können. Warum sollen wir uns schon wieder hinten anstellen und das Leid ertragen ?

Edle Gedanken zum Verzicht auf Fischbesatz sind somit in unseren Gewässern völlig fehl am Platz. Ausser wir beschliessen, das Fischen aufzugeben.

Und dann bitte gleich mit Massfischen ! Weil Kinderstuben will ich nicht befischen und heranwachsen zu massigen Fischen tun sie ja von selber auch nicht. Denn alles andere ist ja bekanntlich rausgeworfenes Geld und vergebliche Liebesmühe. Also warum sollte man es noch tun ?

Und wenn nun jemand mir unterstellt, ich befürworte Forellenpuff's, dann würde es bedeuten, dass die Birs, die Areuse, die kl. Saane solche wären. Sind sie es wirklich ? Nein ! Diese Flüsse werden einfach gut besetzt, es macht Freude an ihnen zu angeln und die lokalen Behörden und Fischergeschäft, Hotels, usw verdienen gut Geld damit. Die Fischer, die Kraftwerkbetreiber und die anderen Nutzer dieser Gewässer haben alle ihre Zinsen und sind zufrieden ! Es geht eben doch !

Lieder sind diese Gewässer Ausnahmen - es könnte ja auch umgekehrt sein und ich würd glatt eine extra-Gebühr hinlegen um an diesen Gewässern in der Nähe fischen zu können - der Weg an die Birs kostet mich auch eine Tankfüllung.

Aber leider finden aus meiner Sicht ein paar Winkeladvokaten und Theoretiker, dass wir in fischleeren Gewässern fischen sollen, viel Geld bezahlen und dafür Freude an Sömmerlingen haben sollen, die den Herbst nicht erleben.

Ich find das nicht in Ordung und an der Realität vorbei die Gewässer bewirtschaftet.

Lg Urs

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Di 23. Sep 2008, 10:58

@zuma
Heute fährt man schnell, schnell eben überhall hin.
klar, in 5 minuten an en susten und wenn man nicht in 10 minuten eine 50`er gefangen hat fährt man halt an den brienzersee, nach 10 minuten an die lütschinen - und sagt dann es habe halt keine fische mehr, weil sie nicht wie auf dmax innert 3 minuten sendezeit 4 x an den haken gehen :roll:

gruss

sa

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Di 23. Sep 2008, 12:09

sali ursus

ich glaube mich nicht zu erinnern dass jemand hier im forum geschrieben oder geraten hat, oder der meinung ist, man soll mit fischen aufhören - nur vielleicht manchmal noch gleichzeitig nachdenken was und wie man es tut.

auch bezeichne ich dich nicht als "forellenpuff-fischer" oder halte dich für einen solchen.
das mit den massfischen ist keine lösung, und wenn massfische, dann sind es immer nur kurfristige überganslösungen, die zudem noch sehr heuikel sind.

massfische kommen aus der zucht. regenbogenfo. sind billig, eine solche von rund 32 cm länge kostet mich bei "meinem fischzüchter" ca. 3-4 stutz.
aber sie ist an nichts anderes gewähnt als an futter ds "von oben kommt", nämlich pellets (kunstfutter). und sie ist sich nicht an strömungen und hochwasser wie es in unseren gewässern fast wöchentlich vorkommt gewohnt.
sie wir oft abgeschwemmt, geht je nach zuchtstamm von selbst (abwandern genannt), oder sie verreckt auch hie und da weil die mit den wintern nicht gut klarkommt, besonders mit langen und mit eisgang.
und immer mehr ist sie krankheitsträger (pkd, ipn etc.) und diese seuchen übertragen sich auch manchmal auf äschen und bachforellen.

regenbogenforellenbesatz als ersatz-massnahme für anderen besatz ist also mit vorsicht zu geniessen. dann gäöbe es die bachforelle als massfisch-besatz. nur sind die hiesigen zuchten meist auf rbf spezialisiert, denn die lässt sich leicht züchten. bachforellen brauchen viel "pflege" und wachsen langsam. aber wenn sie in der zucht massfisch werden, dann seind auch sie an teiche und kunstfutter gewohnt. überlebensrate in der wildnis gegenüber wild geborenen oder als klein besetzten bachforellen ca. 20%, wenns gut geht.... und sie ist in der fischzucht als massfisch wesentlich teuerer zu züchten als eine rbf, wer bezahlt das? der f-verein der eh nie geld hat? der subventionierende steuerzahler und dem soll man noch erklären dass es eigentlich ja nichts bringt ausser dem fischer.....greift er dann zum portemonnaie?

in österreich, das bei vielen fliegenfischern "gelobte land", und auch in enigen flüssen sloweniens (selbstverständlich nicht allen gewässern in diesen beiden ländern), werden massforellen aus der zucht für die fischenden touristen angekarrt und eingesetzt. die steigen dann fröhlilch (sind ja getunt auf alles was von oben kommt) und geben einem das geühl von s"uper-natur und super-besatz". das bringt zahlende touristen, und wenn dann noch catch & release die devise ist oder pro entnommener fisch 30 euro, dann ist das ein gutes geschäft. wird der fisch moindestens 3 mal releast zu 3 tageskarten a 40 euro, hat er super-rentiert. aber auch er verreckt nach einer gewissen zeit, er hat es nicht besser als eine mast-gans irgendwo in frankreich oder ein poulet in der käfighaltung.

hotels an solchen wassern profitieren also, und bringen natürlich geld in den tourismus und die volkswirtschaft. die meisten der schweizer fischer lehnen für ihr land solches ab, zugeben schwärmen aber nicht wenige wie schön das fischen in austria oder anderswo war :oops:

persönlich weiss ich dass ich eher kleinere fische fange und halt auch untermassige. ich war mehrmals in einem anderen benachbarten land an solchen "trophy-wassern" fischen und habe einige "schöne " regenbogenforellen gefangen. im vergleich zu einer wilden steinforelle aus dem berner oder unrner oberland, sind sie aber "nasse säcke" im drill, eine 24`er steinforelle kämpft besser und klüger, und steigt nicht immer auf "alles was da vonoben kommt". für mich ist die herausforderung also grösser, und auch wenn ich dann mal einen solchen fisch entnehme, schmeckt er sochon besser als ein pellet-forelle.

duie aruese und die birs sind durch massenbesatz (nicht nur sömnmmerlinge) für mich nicht die idealen vorbild-gewässer, die kleine saane hat schönere und vorallem grössere fische, weil sie eben mit der naturverlaichung und selbstverständlich niedereren entnahezahlen auskommt.

ich glaube wir sollten also nicht auf die "bürokraten" da "oben" schiessen, sondern manchmal auch nach "unten" auf jene in den traditionell behafteten vereinen. sie sind es nämlich auch oft, die die da "oben" zu gewissen massnahmen drücken.
nur wenn unsere vereine auch voll bei renautierungen mitmachenund den fischen zeit zum ablaichenund wachsen lassen, fangen wir grössere, und auch biologisch bessere fische. je mehr naturverlaichung je besser die qualität der fische, was uns ja eigentlich nur recht sein sollte. nur haben wir inder schnellebigen zeit wo man üpberall eie tablette gegen (fast) alles kaufen kann, keine lust dafür und keine gedult.

gäbe es es eine tablette die wenn man sie ins wasser wirft gleich 100 massforellen ergäbe, wette ich dass der fachhandel innert 5 minuten ausverkauft und unsere bäche von tablettenwerfern nur so bombardiert würden - wetten?


gruss

sa

ursus

Beitrag von ursus » Di 23. Sep 2008, 13:15

Mit solchen Aussagen und Meinungen mag ja der Naturphilosophe glücklich werden, ich als einfacher Fliegenfischer werd's aber leider nicht. Dafür bin ich zu einfach gestrickt. Ich geh fischen, um Fische zu fangen ! Das ist meine Passion, und dazu braucht es Fische im Wasser. Es befriedigt mich überhaupt nicht, wenn ich zwar weiss, was alles anders sein sollte und wie man es besser machen könnte und trotzdem keine Fische fange.

Und solange solche Meinungen hier im Berner Mittelland den Besatz beeinflussen, solange werde ich wohl an die Birs fahren müssen um meine Befriedigung zu erlangen - schade, wirklich schade, bei solch schönen Gewässer die wir hier haben. Schaut man sich die Auto-Nummern der Fischer an der Birs an, dann staun ich jeweils nicht schlecht - scheint als wär ich nicht der einzige der so denkt.

Und ich geb's auch ehrlich zu: ich fahr ab und an auch nach DE/AUT/SLO - warum ? Ganz einfach, um einfach eine schöne, spannende Fliegenfischerei erleben zu können ! Und wie Du sicher selber weisst, sind die Regenbogenforellen nicht einfach Pellet-Bomber, ansonsten empfehl ich Dir einmal an der Gail, der Pram oder der Socca fischen zu gehen. Du wirst schnell merken, dass die Rainbows sehr selektiv sind, nebst den Bafos und den Äschen. Pellet-Bomber gibts in Dänemark und England in den Put&Take Seen. Übrigens; versuch mal mit natürlichen Mustern so ein Fisch zu fangen - kann auch eine Herausforderung werden.

Und wenn ich wirklich ursprüngliche Fischerei erleben will, dann flieg ich sogar nach Alaska - dort bin ich mir sicher, dass die Äschen und Regenbogenforellen ursprünglich, nicht eingesetzt und auch nicht schon zweimal gefangen sind.

Ich seh schon, irgendwie möchtest Du alaskanische Zustände auch hier in der Schweiz. Aber das ist leider ein Traum und in einer solch überzivilisierten Gesellschaft nicht möglich.

Das alles ist, böse gesagt, eine Phantasterei, die auf dem Rücken der Fischer ausgetragen wird. Und darüber ärger ich mich schrecklich.

Lg Urs

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Di 23. Sep 2008, 15:13

@ursus

in der ava bohnica oder wie der fluss heisst fähr in dernacht der tankwagen mit rbf an.
aus eigener erfahrung mit einem eigenen put&take gewässer weiss ich dass rbf, sofern sie mindestens 6 wochen intensiv befischt werden, selektiver werden. sie fallen dann wirklich nicht mehr auf jedes muster rein, aber auf auf die gewässeroberläche klatschende fliegen (pellets landen nicht sanft ;-), und auf die brotfliege.

apropos hat der rbf-besatz und der besatz nicht heimische bachforellen in jugoslavien und slovenien vielerorts die marmorata-bachforelle verdrängt. diese versuchtman nun verzweifelt wieder anzusiedeln, aber sie ist halt eine undankbare anglerforelle, sie steigt nicht so intentsiv wie eine rbf.

Und wenn ich wirklich ursprüngliche Fischerei erleben will, dann flieg ich sogar nach Alaska - dort bin ich mir sicher, dass die Äschen und Regenbogenforellen ursprünglich, nicht eingesetzt und auch nicht schon zweimal gefangen sind.

das stimmt voll und ganz, aber alska ist ja nicht so dicht besidelt und die gewässer (noch) nicht so belastet wie hier. ausser bush und seine nachfolger lässt weitere naturschutzgebiete zu gunsten der ölproduktion schliessen.

Ich seh schon, irgendwie möchtest Du alaskanische Zustände auch hier in der Schweiz. Aber das ist leider ein Traum und in einer solch überzivilisierten Gesellschaft nicht möglich


auch dies stimmt voll und ganz, ich war in british columbia auf steelhead und riesenfelchen fischen (alles mit der fliege), und auch da wars ein traum. aber auch da, wenig besiedelt, alle 150-200 km ein haus oder eine siedlung. hier ist schon alle 10 km eine siedlung.

ich versuche einfach sachlich und halt so zuweilen auch zwangsläufig ohne rosarote brille langweilig zu sein. ich traueree auch "meinen alten" zeiten nach, zugleich weiss ich aber dass die vermutlichnie mehr kommen, ausser alle machen eine umkehr - wer ist da schon bereit dazu? also heisst es das beste aus der situtation machen und soviel zu verändern wie noch möglich.

wenn du in einem verein mit "alaska" verhältnissen kommst sagen erst mal alle ja, geil, toll, aber wenn du sagst so jetzt schonmass herauf, entnahmezahlen zurück, dann will niemand mehr so recht mitmachen. auf vögel "schiessen" (verbal) ist halt einfacher..... :roll:

und an den "vielen postings" in diesem thread siehst du, wie wenig sich fischer für besatz interessieren - solange es noch fische hat.....

gruss

sa

ursus

Beitrag von ursus » Di 23. Sep 2008, 16:21

Glücklicherweise bin ich nicht in einem Verein.

Aber wenn ich bei meinen Kollegen sage:

"VOLLBESATZ FÜR DIE GÜRBE MIT 50+ ÄSCHEN" dann haben die komischerweise immer eine riesen Freude !!!

:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

PS: und wenn ich sage "renaturierte Gürbe !" - dann darf ich höchstens noch die Biergläser abwaschen und das Licht in der Beiz löschen.

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Di 23. Sep 2008, 17:19

:) kenn ich nur zu gut

in meinem "alten" verein hatte ich mal mit dem "präsi" eine recht gute diskussion übser solche dinge.
als ich ihm sagte "nun, bringen wir das an der nächsten sitzung aufs tapet?" entgegnete er plötzlich ganz erschrocken;

"nein, ich kann mich nicht exponieren, weisst du, dann bin ich meinen job bald los"

das nenn ich dann "mutlosen sesselkleber" 8)

gruss

sa

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Beitrag von Alet » Do 25. Sep 2008, 19:40

Forelle, Forelle, Forelle, jederzeit, überall und möglichst massiv, wofür bezahl man schliesslich Patent- oder Pachtgebühren.... :evi:

Viele Gewässer im Mitteland sind für Forellen nicht mehr geeignet, entbuscht, kanalisiert, PKD verseucht, zu wenig Wasser, usw... Aber Jahr für Jahr werden zigtausende Forellen in den Tod geschickt. Vielleicht wäre Hechtbesatz in Flüssen eine Idee.

Aber in artgerechten Gewässern bin ich für Fischbesatz, vor allem in stark beangelten öffentlichen Gewässern: Seien das nun Hecht, Forelle, Felchen und Äschen. In wenig befischten Pachten mit guter Verlaichung könnte auf Besatz verzichtet werden. Allerdings bin ich für Massfischbesatz nur in Forellenpuffseen, indem ein Grossteil auch gefangen wird.

Frenzen

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Frenzen » Fr 27. Feb 2009, 00:54

Hallo zusammen

ein bisschen spät meine Reaktion hierauf. Aber als ich in den 90er Jahren sehr viel in der Birs gefischt habe, hab ich mir auch mal die Besatzzahlen angeschaut. Und es ist keineswegs so, dass da Massfische besetzt werden, aber von allen Fischereivereinen ( zB Court etc ) Unmengen an Brut und Sömmerlingen und ich glaube auch nicht, dass sich das geändert hat. Ausserdem sieht man es den Forellen dort ja an, dass sie nicht massig bestzt wurden.

Soviel zu dem

Gruss Franz

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Olle » Fr 27. Feb 2009, 23:10

Einen Aspekt des Besatzes möchte ich als Wirtschafter noch einbringen. :book:

Sowohl bei Fischen als auch bei anderen nachwachsenden "Gütern" oder "Früchten" der Natur (wie z.B. Wald, Wild oder Schnee für Skipisten) hat sich folgendes gezeigt: Wenn man die Gebiete sich selbst überlässt, dann etablieren sich die natürlichen Bedingungen. Damit das auch so bleibt, muss absolute Ruhe herrschen, also muss man die Menschen aus diesen Gebieten aussperren. Die Menschen verlieren das Interesse an gesperrten Gebieten und damit auch an der dortigen Natur und Vorgängen.

Es ist wie immer eine Frage der richtigen Menge zwischen Schützen und Nutzen/Bewirtschaften.
Forellenpuffs erfüllen eine wichtige Aufgabe: Sie halten die Fischer von den anderen, empfindlicheren Gewässern fern und trotzdem sind alle zufrieden und konnten fischen. Alle konnten "Natur" und den Urtrieb "Jagd" konsumieren, sie haben positive und erfolgreiche Erfahrungen mit der Natur gemacht und wollen sie in der Folge auch schützen.

Wenn sich mit etwas Geld verdienen lässt oder wenn sein Besitz Geld kostet, dann wird es eher geschützt und anständig behandelt - eben gehegt und gepflegt. Und mit der Bewirtschaftung kommt das Geld rein, um das alles zu bezahlen. So wird sichergestellt, dass in unseren Gewässern auch in 100 Jahren noch was (natürliches) los ist.
Gruss, Olle

Phoxinus

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Phoxinus » So 1. Mär 2009, 13:16

Hallo zusammen

Die Bachforellenbesätze in den allermeisten Fliessgewässern der Schweiz sind enorm und schiessen weit über das Ziel hinaus. Mit Ökologie haben diese Mengen von Jungfischbesatz schon lange nichts mehr zu tun.

Mehr Besatz gleich mehr fangfähige Fische: Das gehört schon lange ins Reich der Märchen.
Es ist an der Zeit, dass dieser Unsinn endlich gestoppt wird und die Besatzzahlen für Bachforellen um mindesten 50% gesenkt werden. Die frei werden Kapazitäten müssen sodann auf Kleinfische wie zB. Elritzen, Gründlinge, Strömer usw. verlagert werden, inklusive der einheimischen Krebsarten.

Fast alle Aussagen welche zum Thema “Wie sinnvoll ist Fischbeatzt“ gemacht wurden, tragen eine kleine oder grössere Wahrheit in sich. Sie zeigen aber auch deutlich, woran es bei uns Fischern krankt. Es ist die Unfähigkeit, uns auf einer ökologisch vertretbaren Linie zu finden. Solange wir alle in eine andere Richtung galoppieren, helfen wir nur den übertriebenen Tierschützern, welche sich darüber ins Fäustchen lachen.

Ich mache immer gerne folgenden Vergleich:
Wenn wir in der Fischerei immerzu versuchen, alle Ansichten vom Fliegen- über den Wurm- bis hin zum Jungfischer (und viele mehr) zu vereinigen, so sind wir gezwungen, einen enormen Spagat zu machen, um alle zu erreichen. Aber genau dieser Spagat führt dann letztlich dazu, dass wir uns nicht mehr bewegen können (bildlich gesehen).
Es ist für mich somit klar, dass der grösste Feind des Fischers zum Schluss er selber ist!

Es muss uns als Fischer gelingen, ein Minimum an Konsens zu finden. Daraus müssen wir dann eine einheitliche Strategie entwickeln. Dazu gehört aber auch, dass möglichst viele ausgebildete Fischer den Zugang an die Gewässer bekommen, denn wir brauchen auch zahlenmässig eine starke Lobby.

Gruss Phoxinus

ghiozzo

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von ghiozzo » Fr 4. Jun 2010, 07:36

Es gibt leider noch eine ganz andere Dimension des ganzen: neuerdings vermutet man, dass Besatzfische nicht nur weniger Überlebensfähig sind, sondern einen verringerten Fortpflanzungserfolg aufweisen und diesen auch an ihre Nachkommen VERERBEN. Studien von Hitoshi Araki (neuerdings an der EAWAG), zeigen dies bei amerikanischen Steelheads. Bei der untersuchten Population wurde angeblich die Fortpflanzungsfähigkeit der GESAMT-Population innert 3 Jahren um 8% gedrückt, wegen diesem Effekt (Nachkommen aus Zuchtfischen erreichen nur ca. 37% der Fortpflanzungsfähigkeit von Wildfischen, Nachkommen aus Zucht x Wild erreichen 87%).

Mögliche Ursache für diesen Effekt: Besatzfische sind aufgrund der "Erlebnisse" in der Fischzucht gezähmt und können diese Zähmung weitervererben. Das ist aber Spekulation.

Habs versucht knapp und bündig zusammenzufassen. Wer es gerne selber nachlesen möchte: Jahresbericht EAWAG 2009 unter http://www.eawag.ch/medien/bulletin/index. Hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.

Gruss, G.

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