Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
Schweizer Angler

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Schweizer Angler » Fr 4. Jun 2010, 10:02

auf die spitze getrieben gesagt; mit dem jahrelangen besatz (kein vorwurf, man wusste es ja nicht besser) hat man mehr versaut als gefördert- evtl. am fischrückgang tatkräftig mitgeholfen.

leider wirft man immer noch millionen von fischen in die bäche - nutzt nur nichts was auch mit der eawag-studie nur bestätigt wird. ähnliche erfahrungen haben die amis und kanadier mit den bachsaiblingen (dort ein einheimischer fisch).
die wilden hat man in zuchten zu zuchtfischen überzüchtet und die kinderchen wieder in die flüsse zurück geworfen - der bestand bricht seit jahren zusammen, immer mehr krankheiten verbreiten sich. jetzt versucht man den bachsaibling möglichst wieder in der urform zu finden und daraus wieder die urform (und nicht die "fressform" zu züchten.

auf dem balkan inder soca hat man jahrelang zu gunsten von uns fischern bachforellen reingeschmissen und so mitgeholfen dass die urform, die marmorata verschindet, welche man jetzt wieder anzusiedeln versucht.

in nationalpark hohe tauern in österreich hat man die urbestände der bachforelle durch zuchtviecher ausgerottet - auch jetzt versucht man mühsam die urforelle wieder anzusiedeln;
http://www.hohetauern.at/forschung/proj ... elleq.html

bei uns im doubs hat man durch bachfoelleneinsätze den doubser verdrängt, jetzt versucht man den wieder zu fördern.

:roll:

gruss

sa

ghiozzo

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von ghiozzo » Fr 4. Jun 2010, 11:19

Im selben Jahresbericht hats noch einen Bericht über die Forschung zur Genetik unserer Schweizer Bachforellen; ist vage, aber es scheinen tatsächlich innerhalb einzelner Gewässer oder Einzugsgebiete genetisch unterschiedliche Gruppen vorhanden zu sein (angepasst an unterschiedliche Umweltbedingungen) und auch die genetische Vielfalt zwischen den Einzugsgebien scheint teilweise noch vorhanden zu sein. Negative Einflüsse durch Besatz konnten ebenfalls nachgewiesen werden, aber ich glaube, im allgemeinen war man ob der genetischen Vielfalt erfreut. Es gibt also auch noch gute Nachrichten :)

Brown Trout

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Brown Trout » Fr 4. Jun 2010, 11:29

So, auch ich möchte unter diesem Thema noch etwas zum Besten geben...

Ich möchte hier einen Vergleich starten: Zuma hat in einem der ersten Einträge einen Vergleich mit der Jagd gemacht. Diesen möchte ich etwas vertiefen.
Wenn ich ein Jagdrevier (zur Verdeutlichung ist dieses eingezäunt) habe, in welchem der Lebensraum (Platz, Nahrung, Deckung) für 10 Rehe geeignet ist, so kann ich jedes Jahr den natürlichen Zuwachs abschöpfen. Wenn ich weniger abschöpfe, so habe ich in der Folge mehr Rehe. Diese fressen und bewegen sich nun in einem für mehr als 10 Rehe nicht geeigneten Lebensraum. Das "Beste" wäre, wenn die schwächsten nun einfach nichts mehr fressen würden und eingingen. Doch so ist das nicht. Da nun alle Rehe zu wenig Nahrung haben und sich in einem zu engen Lebensraum befinden, schwächen sie ab. Ideale Ausgangslage für Krankheiten. Da die Rehe zu nahe bei einander sind, verbreitet sich die Krankheit rasant. Sie zerstör den Bestand,kann ihn sogar ausrotten.

Würde ich das Gegenteil machen, und jedes Jahr zu viele Rehe erlegen, so würde auch auf diese Art und weise eine Ausrottung zu stande kommen.

Es zeigt sich also, dass das richtige "Bewirtschaften" eines Gewässers eine regelrechte "Kunst" ist. Wir müssen unser Denken ändern. Es kann nicht sein, dass wir nur Fischen wollen, um schöne Fische zu fangen. Unser Ziel muss es sein, einen dem Lebensraum angepassten, gesunden Fischbestand zu erreichen und diesen dann zu erhalten. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn ich mein Revier und den Lebensraum, sowie den Fischbestand nicht kenne. Nicht dass ich dagegen wäre, einmal einen Tag an einem anderen Ort zu fischen, wo ich eigentlich keine Ahnung habe. Aber genau dort ist es wichtig, dass man durch gute und sinnvolle Vorschriften eine Überfischung verhindert. Denn sind wir ehrlich, viele Fischer, die keinen persönlichen bezug zu dem Gewässer haben, an dem sie fischen, denen gehts darum Fische zu fangen, egal ob der nächste auch noch was fängt, und ob es nächstes Jahr noch was hat.

Ein besserer Lebensraum bedeutet demzufolge auch mehr Fische. Das Problem das wir jedoch haben, ist die Verbesserung dieser Lebensräume. Mit unserer Frohnarbeit kann man zwar ein wenig helfen, aber eine wirkliche Veränderung können (DÜRFEN :!: ) wir nicht selbst durchführen. Ein kleines Beispiel: Ich habe eine private Pacht an einem Bach. Durch die Hochwasser werden immer wieder Schwellen in denen es gute Bestände hatte, zugeschüttet. Immer mehr gleicht der Bach einer Autobahn. Die Nahrung (Bodentiere, Groppen etc.) wären vorhanden, dies zeigt auch der Bestand an jungen Bafos. Jedoch fehlt automatisch der Lebensraum (Platz) für grössere Fische. Vergebens versuche ich beim Kanton zu erreichen, dass ich (auf meine Kosten und nur aus eigenem Einsatz) solche Schwellen ersetzten dürfte. "Der Geschiebehaushalt würde sich verändern" heisst es. Und ich darf keine Veränderungen vornehmen.

Bezüglich dem Besatz sehe ich es also so, dass er ohne geeigneten Lebensraum gar nichts bringt. Und den Aussatz von Fangreifen Fischen, die dann möglichst schnell gefangen werden müssen, da sie sonst eingehen oder abwandern, das finde ich unter keinen Umständen befriedigen!

Somit können wir nur auf Verbesserung der Lebenräume durch die Öffentlichkeit hoffen. So lange dies jedoch nicht der Fall ist, müssen wir uns fügen und anpassen.

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von zuma » Fr 4. Jun 2010, 11:52

Sehr guter Beitrag von Brown Trout, welcher die Problematik meiner Ansicht nach auf den Punkt bringt! Vielen Dank!
Das grosse Problem ist die Umsetzung einer praktikablen Lösung. Mit starren Fangvorschriften werden wir dem Problem nicht Herr und wie wir aus der EAWAG-Studie entnehmen können, führt der Landwirtschaftsgedanke (viel säen = viel ernten) auch in die Irre.
Grundsätzlich müssten, wie bei der Jagd, "Abschusskontingente" frei gegeben werden, und zwar nicht nur pro Bach, sondern sogar pro Teilbereich des Baches, pro ausgewählte Alterskategorie des Fischbestandes und Geschlecht der Fische. Sowas um zu setzen sehe ich nur in privat bewirtschafteten Gewässern als möglich - leider!

Beste Grüsse
Kurt
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von astacus » Fr 4. Jun 2010, 21:30

brown trout, du sprichst einige wichtige punkte an. bei zwei punkten davon muss ich meinen senf auch noch dazu geben.

ich gehöre auch zu denen, die den vergleich jagd-fischerei dezidiert befürworten. für mich befinden sich beide tätigkeiten auf der gleichen ethisch-moralischen ebene und ich denke es ist klar, dass durchaus viele mechanismen ähnlich gelagert sind. allerdings hinkt der vergleich etwas mit den eingezäunten rehen und fischen. der eine punkt ist der, dass in aller regel weder fische noch rehe wirklich eingezäunt sind (kraftwerke und autobahnen sorgen zwar für einen unterbruch im lebensraum-kontinuum, wirklich isolierte ökosysteme sind aber meist nur abgeschlossene seen oder isolierte waldflächen). das heisst aber, dass man auch in der fischerei oft nicht von isolierten populationen sprechen kann (ausgenommen z.b. bergseen) und dementsprechend auch nicht zu einer daraus rührenden konkurrenzierung kommt.
der andere punkt sind die prädatoren. während unser wild - allen voran die rehe - in der schweiz leider allzu oft ohne prädatoren leben müssen, sind die prädatorenbestäde, die die fische beeinflussen, weitgehend intakt. einerseits gibt es diverse fischarten, die andere fische jagen (im gegensatz zu den huftieren, die sich nicht gegenseitig jagen), andererseits sind da natürlich die vögel, wovon zumindest der graureiher praktisch flächendeckend vorkommt. während du in deinem beispiel mit dem isolierten wald die prädatoren weglässt, werden unsere fische praktisch immer gejagt - entweder von "fischgenossen" oder aber von vögeln.

prädation ist in der natur von absolut zentral wichtigkeit, weshalb ich hier auch oft als prädatorenverteidiger auftrete. einer der vorteile von prädatoren am wasser (neben dem, dass wir uns keine sorgen machen müssen um das überhandnehmen von krankheiten und dem fehlen einer gesunden selektion) ist, dass wir uns sicher keine sorge um überbestände machen müssen - wobei ausnahmen natürlich wie immer die regel bestätigen.


der andere punkt betrifft dein beispiel mit dem bach, dessen schwellen offenbar immer wieder eingekiest werden. grundsätzlich ist ja bekannt, dass morphologisch gesehen eine möglichst grosse breiten- und tiefenvariabilität des gewässers nötig ist, um für alle entwicklungsstadien der forelle entsprechende lebensräume zu bieten. wo in einem kanalisierten bach kolke fehlen, fehlen deshalb auch die lebensräume für grosse, adulte forellen. wenn man ein gewässer lassen würde und auch eine geschiebedynamik zulässt, bilden sich solche strukturen aber in der regel von alleine aus. der einbau von schwellen ist zwar für grosse forellen unbestritten ein vorteil (zumindest im kanalisierten bach), ist aber eben tatsächlich auch eine weitere störung im geschiebesystem. und ein intaktes geschiebesystem ist natürlich gerade für kieslaichende fischarten extrem wichtig. deshalb habe ich ein gewisses verständnis dafür, dass die behörden es verweigern, schwellen anzulegen.
wobei dein fall wohl noch speziell gelagert ist, da schwellen in der regel dazu dienen, tiefenerosion zu verhindern. da sie bei der aber eingekiest werden, droht wohl keine erosion, sondern eher eine starker geschiebeablagerung, die (aus wasserbaulicher sicht) ohnehin keine schwellen notwendig macht. wohl ein weiterer grund, weshalb keine wiederherstellung der schwellen genehmigt wurde. dass schwellen darüber hinaus gerade für kleinfische durchaus auch wanderhindernisse darstellen können, muss ich glaub nicht erwähnen.

auf jeden fall sehe auch ich in schwellen mehr ein problem als eine lösung.
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Schweizer Angler

Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Schweizer Angler » Mi 2. Feb 2011, 18:23

Zürichsee-Zeitung vom 01. februar 2011;

kanton zh schränkt 2012 den fischbesatz von bachforellen in grösseren zürcher flüssen ein (besatzstopp) - ziel ist zu untersuchen, was besatz effektiv bringt - fischer sind geteilter meinung - die einen begrüssen dass endlich untersucht wird ob besatz was bringt, andere fischer fürchten um ihre fänge.
artikel ist meines wissens bisher nicht online verfügbar.

gruss

sa

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von astacus » Mi 2. Feb 2011, 19:32

das ist bei uns schon seit diesem jahr so. im ganzen oberen kantonsteil (region grenchen - solothurn) werden seit diesem jahr in der aare keine salmoniden mehr besetzt, d.h. viele vereine hatten im herbst zum letzten mal fische ausgesetzt. die in der emme ausgesetzten fische werden in zukunft zur erfolgskontrolle markiert. wenn kein erfolg nachweisbar ist, wird auch dieser besatz gestoppt.

manche vereine toben zwar seither, aber der zug ist ohnehin abgefahren. nun stehen in den nächsten wochen die generalversammlungen all dieser vereine an, wo auch noch die basis informiert wird. ich glaube aber kaum, dass dies so hohe wellen werfen wird.
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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Caras » Mi 2. Feb 2011, 22:09

Ich bin schon lange der Meinung, dass der Salmonidenbesatz (Larven und Jährlinge) in den grösseren Flüssen eingeschränkt werden sollte und vor allem die kleinen und kleinsten Seitengewässer, welche die natürlichen Brutstätten der Forellen sind, besser zugäglich gemacht und dort eingesetzt werden sollte. Ich bin überzeugt, dass die Überlebenschancen für die kleinen um ein Vielfaches höher sind.

Immer wenn ich die ruhigen, langweiligen Bachabschnitte in der Emme und Ilfis sehe, denke ich, dass, wenn im Gewässer viel mehr grosse Felsblöcke variantenreich (z.B. alle 20-50 m eine Gruppe von 3-5 Stk, einmal links, dann in der Mitte und dann wieder rechts) eingebracht würden, wäre der Fischbestand viel effektiver geschützt, als mit dem Einsetzen von Fischbrut.
Die Fische hätten viel mehr Unterschlüpfe, es bilden sich viel mehr Gumpen und Läufe und verschiedene Sand/Kiesmischungen für das Laichgeschäft.
Klar, das ist ein Wunschdenken, es bräuchte erst einmal sehr viele Spenden aber sonst wäre es bestimmt eine einfache und sehr effektive Massnahme.
Tschou, Simu
----------------
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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von izzygoing » Mo 17. Jun 2019, 22:11

Was ist hier der Wissensstand im Jahr 2019? :mrgreen:
Habe gerade zu diesem Thema auf Facebook eine Umfrage gestartet. :wink:

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von astacus » Di 18. Jun 2019, 00:03

Die Faktenlage gegen den Besatz ist noch viel erdrückender geworden als sie damals schon war. Er bringt - von einigen Ausnahmen abgesehen (u.a. Initialbesatz ausgestorbener Arten, Massfischbesatz in geschlossenen Gewässern) - praktisch nie etwas.
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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Bad Ass Fisherman » Di 18. Jun 2019, 11:59

Besatz macht nur Sinn wenn die Genetik der Fische aufgeschlüsselt ist... Sonnst kreuzt man Genetik die nicht zusammen passen...

Und genau das passierte die letzten Jahrzehnten fast jedes Jahr... Und überall... In Wangen wurde, bis man es bemerkte, die Genetik des ganzen Kant. Zürich über den Haufen geworfen.. Wie auch in Stäfa...
Das hat zur Folge das sich div Arten bis heute nicht mehr richtig in ihre eigentlichen Stammgewässer zurecht finden. Oder wider etablieren können..

Mittlerweile hat sich da aber viel getan... Nur, was will man mit eine verunreinigten Genetik noch züchten...
Am Besten würde man die Natur mal 10-20Jahre machen lassen um zu schauen ob sich etwas durchsetzten mag und dann auf den neuen Stämmen aufbauen...

Jetzt verkreuzen wir einfach schon verkreutztes Material was es nicht weniger schlimm macht... Bei Schlangen und anderen Reptilien könnte man wenigsten sehen was dabei heraus kommt... Bei den Fischen geht das leider nichts einfach und man muss ins Labor...
Also ist es verbunden mit Kosten die heute eh niemand mer tragen will... Ob wohl das in meinen Augen eigentlich von Fischern gefördert werden Muss...

Unsere Zunft hat es nämlich auch verbockt vor Jahren..
Aber mal für etwas gerade stehen....
Mfg

P. S. Ich spreche ganz klar die Genetik der Forellen und Felchen an!!
:lol: Laut einer Studie sind Menschen mit weniger Freunden glücklicher und zufriedener..

Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!!

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von pegasus72 » Di 25. Jun 2019, 13:33

Da bin ich nicht einverstanden und empfinde die Aussagen der "Durchkreuzung" als eine weitere Ausrede, warum wir keine guten Fischbestände in den Flüssen mehr haben. Diese Ausreden zur eigenen Resignation habe ich persönlich satt. Denn genau diese Ausreden entschuldigen unser eigenes Nichtstun! "da kann man ja gar nix dagegen machen, denn das ist von anderswo gesteuert, wollte man was ändern, müsste der und die oder irgendwer und eigentlich machts ja gar keinen Sinn mehr, weil ist ja eh schon alles kaputt und wegen der EU und dem Tierschutzgesetz, und wir sind so arme Fischer, alle sind so gemein zu uns..., mi mi mi"

Es gibt heute ein paar Umstände, wo wir uns einfach damit abfinden und mit ihnen leben müssen. Das sind deine zerkreuzten Bestände, auch erhöhte Temperatur der Gewässer, höhere Belastung der Gewässer (Badende, Naturliebhaber) aufgrund höherer Bevölkerungsdichte, intensivere Nutzung der Agrarflächen aufgrund Kostendruck bei den Bauern, usw.

Gegen diese Belastungen können wir unsere Gewässer kaum schützen. Man müsste bspw. den Badenden an den Flüssen die Sonnencreme verbieten oder die Trinkwasser-Initiative unterstützen und gleichzeitig bereit sein, für die in der CH hergestellten und produzierten Agrarprodukte mehr zu bezahlen, und das obwohl der Apfel aus Frankreich doppelt so gross ist und zweifach so schön glänzt als der Schweizer Apfel.

Sind wir ehrlich, das ist alles irgendwie nicht umsetzbar, weil der Mensch ein viel ein zu grosser Egoist ist, um hier irgendwelche Konzessionen einzugehen. Das gilt auch für den zerkreuzten Besatz - ist ein Umstand mit dem wir leben müssen - da ändert auch alles Jammern nicht und verändert genau nichts!

Wir Fischer können uns aber selber an der Nase nehmen und uns einig werden. Da reden wir nicht von der ganzen Schweizer Bevölkerung, die geeint werden muss (was unmöglich erscheint), sondern einfach nur wir Fischer. Wir sollten mal gemeinsam zum Schluss kommen, dass einige Flüsse vielleicht etwas mehr Schutz brauchen als andere und nicht jeder Angler für sein Insta-Post in die Berge raufkraxelt und dort mit Doppel-Dreiangel Wobbler aus nem Loch raus eine 28er Forelle (die letzte seiner Art in diesem Gumpen, denn die anderen wurden bereits in den Malen zuvor schon tödlich verletzt) rausholen muss.

Wenn jemand Fischfilets haben will oder was Grosses fürs kleine Ego, resp. Insta, braucht, soll er ins Forellenpuff. Wenn jemand in schöner Natur angeln will, dann soll er es auch mit Respekt ggü. der Natur tun und etwas schonender für den Bestand und für das Tier fischen - das Tier ist auch ein Stück von der Natur. Wir regen uns über Müll am Gewässerrand auf, aber über verletzte untermassige Forellen, die man mit den Mini-Wobblern traktiert, bis sie verpilzen, darüber regt sich niemand auf. Geht für mich irgendwie nicht auf.

Ich bin der Meinung, wenn wir unsere Einstellung ggü. dem Fischbestand, dem Mitangler, den Jungfischern und uns grundsätzlich in unserer Auffassung gegenüber dem Umgang mit dem Tier "Fisch" ändern, dann können wir sehr viel selber bewirken. Wir Fischer sollten langsam etwas an Intelligenz zulegen!

Als Gedankenanstoss: jeder von uns kennt das kleine Bächlein irgendwo in der Umgebung, wo noch Forellen rumschwimmen und man auch viele kleine Forellen flüchten sieht. Warum ist das so?
Sowas dürfte es ja eigentlich gar nicht mehr geben! Denn da hat's ja zerkreuzte Bestände, Mikroplastik, böse Bauern mit Glyphosat, Gülle und Wasserklau, die Wassertemperatur ist erhöht und von den Gänsesägern und Kormoranen wollen wir erst gar nicht anfangen!
Und trotzdem: fährt man mit dem Fahrrad dem Bach entlang und hält einen Moment inne, sieht man bald schon die ersten Forellen, wie sie nach Eintagsfliegen steigen oder treibende Nymphen fressen. Und das heute im 2019 und nicht aus Überlieferung der Alten (hach, früher war alles schön...)

Könnte der Grund für den guten Fischbestand vielleicht der sein, dass der kleine Bach in privater Pacht ist und der Pächter nur selten fischen geht und wenn, dann entnimmt er einfach einen Fisch, denn auch er ist zum Schluss gekommen, dass die menschliche Gier so vieles zerstört und er lieber pro Jahr nur 20 Forellen entnimmt statt 200 und die dann noch verschenkt?

Es gibt sicher noch viele andere Gründe, warum wir im kleinen Bach in der Umgebung noch Fische sehen. Aber ich bin überzeugt davon, dass die Angelmethoden und die Fischentnahme ein entscheidender Faktor für den Zustand eines Gewässer ist.

Das Grossartige daran ist, dass wir Fischer, wir Interessengemeinschaft, das ganz alleine beeinflussen können, ohne Staat, ohne EU, ohne Gesetzte. Einfach mit etwas Moral, Selbstreflexion und Intelligenz.

Petri!

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Freezy » Di 25. Jun 2019, 14:03

Verstehe ja deine Meinung und bin in vielen Punkten mit dir einig. Aber hier geht es spezifisch um Fischbesatz, und dein Post geht da schon ein wenig am Thema vorbei. Das "Durchkreuzen", wie du es so schön nennst, ist durchaus ein nicht zu verachtendes und bekanntes Problem. Es hat auch nie jemand behauptet, dass das "Durchkreuzen" alleine für unsere schlechten Bestände verantwortlich ist.

Gruss
Freezy

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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Tinca » Di 25. Jun 2019, 14:30

@Pegasus72
Wenn ich an das kleine Bächlein aus der Nachbarschaft denke:
Vor 20 Jahren wimmelte es von Bachflohkrebsen und Forellchen. Nachdem es die nahen Bauern nicht lassen konnten mehrfach ihren Mist und die Gülle in den Bach zu kippen lebt da nicht mehr viel. Mit viel suchen findet man noch Eintagsfliegenlarven und ein paar Bachflohkrebse. Nach Forellchen muss man nicht mehr suchen.
Der nächste grössere Fluss, die Töss, hatte früher einen unglaublichen Fischbestand. Heute nicht mehr. Der Grund ist hierbei schnell gefunden: wo keine Nahrung, da keine Fische. Früher wimmelte es von Larven aller Art und Grundeln gabs Massenweise. Heute muss man beides lange suchen. Die seit ein paar Jahrzehnten in grossen Mengen eingesetzten Pestizide zeigen ihre Wirkung.

Ein Besatz mit Forellen würde nicht viel bringen: dafür bräuchte es zuerst einmal die Nahrungsgrundlage.

edit:
nur im es klarzustellen: in kleinen Gewässern kann ein Befischungsdruck alleweil die Bestände zerstören. Wenn die Grundlagen allerdings stimmen (Wasserqualität, Nahrung etc) kann allerdings auch ein mittelgrosses Gewässer extrem produktiv sein und starkem Befischungsdruck standhalten. Bei grossen Gewässern wie den grossen Flüssen und den grösseren Seen hingegen ist Fischbesatz sinnlos. Da würde es nur helfen wenn die Gewässergrundlagen in Ordnung gebracht werden.

edit 2:
wenn jemand die Bestände in kleinen Gewässern unbedingt schonen will, dann empfehle ich eine einfache Lösung: Hör auf zu fischen und verleg dich auf das Beobachten. Warum die Fische unnötig quälen? Das fischen aus reinen Erholungsgründen ist zurecht verpönt vom Gesetzgeber.

Bad Ass Fisherman
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Re: Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Bad Ass Fisherman » Di 25. Jun 2019, 15:07

pegasus72 hat geschrieben:
Di 25. Jun 2019, 13:33
Da bin ich nicht einverstanden und empfinde die Aussagen der "Durchkreuzung" als eine weitere Ausrede, warum wir keine guten Fischbestände in den Flüssen mehr haben. Diese Ausreden zur eigenen Resignation habe ich persönlich satt. Denn genau diese Ausreden entschuldigen unser eigenes Nichtstun! "da kann man ja gar nix dagegen machen, denn das ist von anderswo gesteuert, wollte man was ändern, müsste der und die oder irgendwer und eigentlich machts ja gar keinen Sinn mehr, weil ist ja eh schon alles kaputt und wegen der EU und dem Tierschutzgesetz, und wir sind so arme Fischer, alle sind so gemein zu uns..., mi mi mi"
Dir ist schon bewusst das wir Fischer einen sehr großer Teil mitschuld sind durch unser Unwissen das lange vorhanden war???
Und wie ich schon geschrieben habe...die Genetik vieler Arten ist durchkreuzt...
Das lässt sich sogar beweisen!!
Es sind nicht ohne Grund schon div Felchen-arten ausgestorben.
Und genau da liegt der Hund begraben..

Früher, bis vor ca. 30 Jahren ,wusste man noch nicht das es so viele verschiedene Felchen gab.
Heute geht man, korrigiert mich wenn ich falsch liege, von ca. 37 Felchenarten aus..Früher vermutete man ca.45 Arten... Und das nur für die Schweiz!!
Die meisten lassen sich nur per Genanalyse auseinander halten...

Bei den Bachforellen ist man erst gerade darauf gestoßen das es dort auch so ist...
Das Glatttal hat ihre eigene Genetik, wie auch das Limmattal und das Töstal....
Und die wurden über Jahrzehnten verkreuzt...

Versteh mich nicht falsch, ich würde alles daran setzten wider Reine!! und Genetisch saubere!! Bachforellen zu haben, schon nur für Mein eigenes Revier.... Nur ist das Unmöglich!!
Was helfen würde wäre wenn man nur noch reine Arten kreuzt.... das Braucht aber sehr viel Zeit bis die Natur das gerichtet hat...
Da können wir nix machen außer aufhören zu Kreutzen und besetzten bis sich wider was daraus kristallisiert....

Der Mensch würde es von Jahr zu Jahr schlimmer machen, was die letzten 30 Jahre eindrucksvoll bewiesen haben...
Pestizide und Uferverbaungen wie Bachbegradigungen sorgen für den Rest!! An der Wasserqualität kann es nicht liegen denn die wirt seit 60 Jahren immer besser.... An gewissen Seen sogar schon zu gut...

Aber jetzt wider in Richtung der Bauern zu schießen finde ich nicht ok...

Ich liebe mein Hobby mit allen Fassetten die es hat, Hege und Pflege steht bei mir an oberster Stelle.
Wie auch bei den meisten Fischern die ich kennen...
Doch einen Ausweg sehe ich bis jetzt auch noch nicht... Jedenfalls so lange man so weiter fährt wie man es bis heute tut oder an vielen Orten getan hat.
MFG
:lol: Laut einer Studie sind Menschen mit weniger Freunden glücklicher und zufriedener..

Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!!

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