Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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Schweizer Angler

Wie sinnvoll ist Fischbesatz?

Beitrag von Schweizer Angler » Fr 19. Sep 2008, 09:58

Wie sinnvoll findet ihr, dass wir jährlich für tausende von Franken hunderte von Tonnen Fische besetzen, um nicht mal ca. 2% davon zu ernten?

Als Grundlage für meine Frage diente auch folgendes Papier;

http://www.maipiere.de/mp_pdf/Besatzmet ... rellen.pdf


Ich möchte eine allgemeine Diskussion über Sinn und Unsinn unserer Besatzpolitik anregen;

- besetzen wir richtig, auch im Sinn der Natur und dass es auch morgen noch Fische hat?

- denken wir richtig, heisst viel Fischbesatz wirklich viele Fänge?

- sollten wir nicht mehr "zurück zur Natur" und mehr auf Habitatsverbesserungen und weniger entnehmen Wert legen, statt auf viel Fischbesatz setzen.



Gruss

Sa

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Alet
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Beitrag von Alet » Fr 19. Sep 2008, 10:28


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zuma
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Beitrag von zuma » Fr 19. Sep 2008, 10:53

Hallo Stefan
Du schneidest hier ein sehr interessantes Thema an, welches zur Bewusstseinsförderung von uns Fischern sehr wichtig ist.
Ich persönlich bin „gespalten“ in der Meinungsbildung zu solchen Besatzmassnahmen.
Einerseits finde ich, ist der Besatz mit Massfischen pervers, andererseits ergibt sich daraus die Möglichkeit, unsere Naturbestände ev. zu schonen. Seit 1.9. haben wir die neue Tierschutzverordnung, wo C+R verboten wird und andererseits gestatten wir den Besatz von Massfischen, welche aus der Zucht stammen, für den Verzehr bestimmt sind und bevor sie geschlachtet werden, noch mit einem Angelhaken „geplagt“ werden. (Für mich irgendwie schizophren...)
Zum Glück redest Du in deinem Eingangsposting nicht von Bewirtschaftung. Denn mit bewirtschaften hat ein Besatz mit Massfischen überhaupt nichts zu tun. Unter Bewirtschaftung versteht man etwas gänzlich anderes, indem sich in einem gesunden Bach ein Fischbestand befindet, von welchem man nur den jährlichen Zuwachs „abschöpft“. Wird mehr entnommen, vermindert sich das „Kapital“ im Bach und dies führt zu einem „Vermögensverzehr“. Bewirtschaftung lässt sich also mit einem Geldfonds vergleichen, wo das Kapital nicht angerührt wird, sondern nur die Zinsen abgeschöpft werden.
Leider ist der Mensch (Fischer) masslos und kann sich selbst schlecht beschränken, sodass nicht nur die „Zinsen“ (sprich natürlicher Zuwachs pro Jahr) entnommen werden, sondern wenns schon „günstig“ ist auch das Kapital. Dies führt dazu, dass die Bäche überfischt werden und manche den Ausweg nur noch in einem massiven Besatz sehen.
Du bist einer, der gerne den Vergleich von der Fischerei zur Jagd macht (C+R). Ich erlaube mir auch hier den Vergleich zur Jagd, um zu verdeutlichen, wie pervers dieser Besatz ist, denn es käme wohl niemandem in den Sinn, Rehe zu „besetzen“, damit man sie am nächsten Tag abschiessen kann.

Da unsere Gewässer in Europa nicht so produktiv sind, dass sie die gewünschten Mengen an Fisch pro Jahr produzieren können, gibt es wohl nur wenige Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Besatz mit Massfischen ist meiner Meinung nach der schlechteste Lösungsansatz. Du hast es bereits selbst angesprochen, Habitatsverbesserungen, weniger Entnahmen und eben „zurück zur Naturbewirtschaftung“, dürften mittel und längerfristig die richtigen Wege sein. Hinzu kommt, dass man unbedingt mit Fangfenstern arbeiten sollte, um wertvolle Laichtiere erhalten zu können. Da die Nachfrage an Pfannenfischen jedoch grösser ist, als die Natur in der Lage zu produzieren, kommen wir wohl nicht um sog. „Forellenpuffs“ herum. Diese bieten dem Fleischfischer, aber auch dem Anfänger die Möglichkeit, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber das Bewusstsein, dass wenn man sich dann in die freie Natur begibt, nicht die Denkweise aus dem „Forellenpuff“ mit sich nimmt. Unsere Fischbestände würden es uns danken, wie auch ich Dir für deinen Beitrag!
:up:
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Fr 19. Sep 2008, 10:57

@zuma

Rehe zu „besetzen“, damit man sie am nächsten Tag abschiessen kann.

das haben die regierenden herren in der ddr und rumänien seinerzeit gemacht :roll:

gruss

sa

ursus

Beitrag von ursus » Fr 19. Sep 2008, 14:57

Das ist wirklich ein sehr heikles Thema und ich bin mit der Gewässerbewirtschaftung an den Gewässern die ich befische höchst unzufrieden.

Ich wäre jemandem dankbar, wenn er mir folgendes erklären könnte:
Wie ist es möglich, dass am Doubs noch soviele Forellen von blossem Auge zu sehen sind, obwohl der Befischungsdruck um einiges höher ist als an einer Gürbe oder Sense ?

Ich bin jedes Mal völlig über den Fischbestand an einem Doubs, Loue, kl. Saane, usw. überrascht. Im Kanton Bern ist mir zum Beispiel kein solches Gewässer bekannt, ausser es ist ein privates Gewässer.

Es kann ja nicht sein, dass die Berner Fischer alles Fleischfischer sind und alle anderen nicht - das geht ja per 1.9.08 sowieso nicht mehr, nun sind wir ja eh alles Fleischfischer, sofern wir fischen gehen (aber das ist ein anderes Thema und möchte ich hier nicht nochmal aufwärmen - sorry :-)

für Aufklärung wäre ich dankbar.

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Beitrag von goggy » Fr 19. Sep 2008, 15:20

ich glaube nicht das du die flüsse so direkt vergleichen kannst. es liegt nicht nur an den besatzmassnahmen.

die gürbe ist kanalisiert. der doubs hat hervorragenden natürlichen nahrungsvorkommen. das sind nur 2 gründe wieso die gewässer für mich so nicht vergleichbar sind.
Gruss Oli

FISCHE, und der Tag ist gerettet!

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Beitrag von alpfish » Fr 19. Sep 2008, 23:23

Für mich ist die Antwort klar, dass diesese Geld viel besser in die Renaturierung einzusetzten ist. Leider aber wird das oft nicht unterstützt, weil man Angst hat das der Verkauf von Patenten rückläufig wird. Geschickt eingesetzte Massfische bringen schon einen wesentlichen grösseren Wiederfang als in dem verlinkten Beispiel aufgeführt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es doch für einen Kraftwerksbetreiber viel billiger mit einer Finanzierung von Besatzfischen (oft Massfische!) zu entschädigen, als die viel aufwendigere Verbesserung geschädigter Gewässer anzugehen. Ich kenne zuviele Gewässer die mit diesen Mitteln unnötigerweise mit Massfischen besetzt werden. Auch mit kleinem Nachwuchs wird oft massiv überbesetzt.
mit Gruss alpfish

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gonefishing
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Beitrag von gonefishing » Fr 19. Sep 2008, 23:53

Besatz erfolgt ja im Rahmen einer Bewirtschftung eines Gewässers. Bewirtschaftung heisst ja dass ein Ertrag heraus kommen soll. Stimmen die Bedingungen im Habitat so können Besatzmassnahmen 'wirtschaftlich' durchaus sinnvoll sein und auch der Dezimierung des Bestandes durch die Fischerei entgegen wirken (z.B. Felchenbesatz im Bielersee).
Stimmen die Lebensbedingungen im Habitat allerdings nicht, so fällt ein Grossteil des Besatzes aus. Andere Massnahmen wie Renaturierungen wären hier angebrachter.
Können auch durch solche Massnahmen die Lebensbedingungen für die ursprünglich heimischen Fische nicht wieder hergestellt werden oder wäre der Aufwand zu gross wäre evtl. ein auf die veränderten Habitatsbedingungen angepasster Besatz angbracht.
Der Besatz mit Bachforellen in ungeeigneten Lebensräumen ist natürlich das 'beste' Negativbeispiel.
Ich denke Besatz an sich ist nicht schlecht (wobei ich dabei nicht an Massfische denke). Allerdings muss gewässerspezifisch mehr darüber nachgedacht werden welcher Besatz mit welchen Fischarten sinnvoll ist, und ob es nicht mehr bringt Geld in Habitatsverbesserungen zu investieren.
Gruss, Mattu

Anstatt zu jammern dass wir nicht all das haben was wir wollen sollten wir dankbar sein dass wir nicht all das bekommen was wir verdient hätten. (Dieter Hildebrand)

fishersam

Beitrag von fishersam » Sa 20. Sep 2008, 09:31

Ein weiteres Problem ist, dass vielerorts den Vereinen etc. vorgeschrieben wird, dass einen Teil der Einnahmen in Fischbesatz zu investieren - obwohl wahrscheinlich andere Massnahmen wirkungsvoller wären.
Manchmal wirkt Besatz und die Fronarbeit um die Besatzfische zu produzieren für mich auch wie Ablasshandel im Mittelalter um sein schlechtes Gewissen zu entlasten. Oder es wird einfach so besetzt, weil man es seit Jahrzehnten so macht.

Vielerorts müsste die ganze Besatzpolitik grundsätzlich durchdacht werden, den es gibt auch positive Beispiele von Besatz!

ursus

Beitrag von ursus » Mo 22. Sep 2008, 11:50

Also meine Erfahrung (die mag ja falsch sein) hat gezeigt, dass wir in der Schweizer Mittelland ohne Besatz von Gewässern eh keine Fische (Forelle & Äsche) mehr hätten.

Kollegen, die Antworten auf meine Frage sind für mein Geschmack viel zu technisch und es scheint wohl niemand den wahren Grund für solche Unterschiede zwischen den Gewässern zu kennen oder nennen zu wollen.

Die Sense ist nicht kanalisiert, das Schwarzwasser auch nicht, die Emme auch nicht. Und trotzdem fehlt's an Fischen ! Diese drei Gewässer bieten genügend Lebensraum, sind von menschlichem Einfluss zu grossen Teilen unbelastet.

Und zuviele Fischer hat's weiss Gott nicht, denn viele meiner Kollegen befischen diese Gewässer gar nicht mehr, da diese nur sehr wenige Fische produzieren.

Der Besatz wird vom lokalen Fischereiverein in Zusammenarbeit mit dem Kanton gemacht (richtig ?). Somit hängt es also davon ab, wie das Fischereiinspektorat das ganze beurteilt (richtig ?). Was wiederum bedeuten würde, dass ein Kanton Jura, ein Kanton Freiburg, ein Kanton Neuenburg einfach ein paar fischerfreundlichere Amtsträger hat, als der Kanton Bern (richtig ?).

Oder liegt das ganze an den Fischereivereinen ? Denn das würde erklären, warum im Birs-Teil des Kantons Bern eine ähnlich gute Fischerei anzutreffen ist, wie im Kanton Jura. Dann würden ja die Fischereivereine von einer Gürbe, Sense, Emme, usw. einfach nicht ein für den Fischer entgegenkommendes Verhalten an den Tag legen. Vertreten diese Vereine nicht uns Fischer und sollten sie nicht in unseren Interessen handeln ? Ich hoffe es.

Oder liegts daran, dass wir im Kt. Bern immer noch 6 Edelfische pro Tag entnehmen dürfen ? Oder liegst absurderweise daran, dass immer mehr Fischer gemässigtes C&R betreiben, in der Meinung ein Schonung der Fischbestände zu erwirken ?

Ich versteh's einfach nicht und eine einfache Antwort will hier wohl niemand geben...

Schade !
Lg Urs

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rasch
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Beitrag von rasch » Mo 22. Sep 2008, 12:57

ich bin für den Besatz mit Aufzucht aus dem entsprechenden Gewässer. So konnte zum Beispiel die Bodenseeforelle gerettet werden oder nach dem Katastrophensommer 2003 der Äschenbestand im Rhein wieder stabilisiert werden.
Was mir nicht gefällt, ist der Besatz mit Massfischen.
Wenn keine andere Möglichkeit besteht sollte besser in das Gewässer investiert werden oder aber man sollte so ehrlich sein und zugeben, dass wieder ein See oder Flussabschnitt zerstört wurde und nun tot ist.
Der Besatz mit Massfischen dient doch ausschliesslich dem Fischertrag und hat nichts mit einer funktionierenden Ökologie zu tun. (Forellenpuff's sind schliesslich auch keine Naturschutzgebiete)
Ein Gewässer welches nicht mehr mit Sömmerlingen besetzt werden kann oder in dem nach einem Besatz mit Sömmerlingen kein Ertrag mehr zu erzielen ist, gilt für mich bereits als ein totes Gewässer.
Gruss & Petri
wäre Fischen einfach ... es würde Fussball heissen
rasch

fly

Beitrag von fly » Mo 22. Sep 2008, 13:16

@ursus

Klar sieht man am Doubs viele Fische, aber seit 2Jahren schwankt auch dort das Wasser! Ich gebe den Doubs noch 3Jahre und dan ist dies mit den vielen Fischen auch vorbei! Sie haben es in der Berner Saane geschafft und werden es auch am Doubs schaffen, diese hervorragenden Bestände zu zerstören......

Ich denke das Besatzungsmassnahmen sicher nicht schlecht sind, wobei unsere Gewässer nich durch besatzung, sondern nur noch durch die vernunft der Fischer zu retten sind......

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momo
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Beitrag von momo » Mo 22. Sep 2008, 13:45

und eine einfache Antwort will hier wohl niemand geben...
Ich versuche es, auch wenn ich mich damit in ein Wespennest setzen sollte:
Natur = gewisse (nicht unendliche) Menge an Kapital und gewisse (nicht unendliche) Menge an Zinsen (guter Vergleich, danke Kurt).
Wir Angler haben ALLE das Recht von diesem Kapital & Zinsen zu nutzen. Leider ist die Summe des von uns Anglern geforderten Zinses grösser als das, was unsere Wasser an Zinsen hergeben. Die logische Konsequenz liegt auf der Hand. Und wie überall im Leben gibt es Leute, welche mit weniger Zins zufrieden sind als andere.

Mein Vorschlag, der sich mit dem deckt, was schon Kurt gesagt hat: Der Zins (und nur der Zins) wird gerecht auf ALLE Angler aufgeteilt. Das heisst z.B.:
- Vernünftige Fangbeschränkung nicht pro Tag, sondern pro Saison.
- Neudefinition: was gilt als Zins, was als Kapital (Schonmass heraufsetzten).
Beide Massnahmen bedeuten nichts anderes, als dass ein jeder von uns weniger Fisch mitnehmen darf. Ob alle Angler das gutheissen würden wage ich zu bezweifeln. Denn, wie so vieles, ist das Charaktersache.

Weiterer Vorschlag, hat auch schon der Kurt gesagt:
- Verbesserung des Lebensraumes für unsere geliebte Beute, damit mehr Zins "rausschaut". Das ist zeit- und geldintensiv, sicher aber ein guter Ansatz.

Zusätzlich gibt es noch folgende unfaire Massnahme, welche ich NIE befürworten könnte: Limitierung der Angler z.B. über horrend hohe Patentpreise. Das steht nämlich im Widerspruch zu oben gemachter Aussage, dass wir ALLE ein Anrecht auf Kapital & Zinsen haben, und nicht nur die Gutbetuchten.

Ganz bewusst habe ich den Besatz mit pfannenreifen Fischen ausser Acht gelassen. Wenn ein Angler nämlich unbedingt Fisch fangen will, aus welchen Gründen auch immer, kann er das in einer Zucht tun. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Und ebenfalls ausser Acht lasse ich die Tatsache, dass neben uns Anglern auch noch andere Lebewesen, z.B. die Prädatoren, Kapital und Zins fordern und auch kriegen.

Ihr seht, die Chose ist sehr komplex und in ihrer Ganzheit wohl kaum erfassbar, jedenfalls nicht von mir. Deshalb habe ich mich beschränkt (m)eine EINFACHE Antwort zu geben.

Liebi Grüess us Züri

Moreno
may the fish be with you

ursus

Beitrag von ursus » Mo 22. Sep 2008, 16:25

@fly - mein herzliches Beileid zum Doubs. Ich werde wohl somit noch weniger an den Doubs kommen, als bisher - ja, ein Fischer nimmt auch 2 1/2 Stunden Fahrt auf sich, nur um einmal an einem Gewässer fischen zu können, wo es noch Fische hat ! Und dies nicht um die Taschen zu füllen, sondern einfach eine schöne Trockenfischerei mit der Fliege erleben zu können. Zum Glück hab ich keinen Kampfhund und keinen Offroader - ich könnte glatt solche Fischertage nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren :-) Auch meine Übernachtungen im Jura werden somit ausbleiben und die ganze Region wird wohl leiden. Dafür haben die Einheimischen dann "sauberen" Doubs-Strom - ich begreiff's nicht - doch irgendwie schon, denn es geht ja um die Zinsen. Leider hab ich meine Aktien beim Fischen und nicht beim Stromern...

@Momo
Wunderschön gesagt ! Vielen Dank für Deine Worte !


Lg Urs

Schweizer Angler

Beitrag von Schweizer Angler » Di 23. Sep 2008, 06:26

@ursus

ich versuche es mal nicht technisch, sondern möglichst einfach;

birs im berner jura - ist einer der meistbesetzen bäche in be (teils auch mit massfischen), demnach der fang. allerdings ist die berner birs stark in der foge unter leberveränderungen. würde nicht so viele besetzt, würde die fangrate massiv sinken, schonmass hin oder her. eine ausweichmöglichkeit sind die zahlreichen seitenbäche die in die birs einfliessen, zur reinigeung des wassers reichen sie aber nicht.


emme;

das emmental leidet unter fortschreitender versauerung und austrockung der böden (grundwasserspegel sinkt), sowie den zahlreichen wanderhindernissen in der emme. man ist jetzt daran die schwellen durch blockrampen zu ersetzen, so dass die fische in die laichgebiete können (trub bei trubschachen, gohl bei bärau, grünen bei sumiswald etc.) auch diese seitenbäche leiden unter der versauerung und trockenheit, in heissen & langen sommern - was wir ja immer mehr haben - findet kaum mehr eine fischwanderung zwischen emme und den bächen statt. im herbst wo sogar normal niedrigwasser ist, finden dann einige fische gar keine seitenbäche mehr zum ablaichen die für sie zugänglich wären.

auch die emme ist in stark durch menschen besiedelten gebieten durch abwasser belastet, was die fische immer mehr zusätzlich dezimiert.

als problemabwasser gelten nitrate aus der landwirtschaft die durch stark gedüngten böden eingesprült werden, aber auch die hormone im urin, die ungeklärt in die emme (und zahlreiche andere mittellandgewässer) gelangen. bis heute sind unsere kläranlagen nicht in der lage solche stoffe herauszufiltern, und solche stoffe nehmen durch den immer mehr erfolgenden einsatz von hormonen (medikamente etc.) zu.

sie saane hat ein wanderproblem (fische glangen nicht von der aare bis in den schiffenensee), und ein massives wasserkraftwerk-problem. die dauernden, künstlichen hochwasser waschen die gewässersohle aus (von kleinlebewesen z.b.) und viele jungifsche halten sich schlecht. dazu komt die bereits erwähnte problematik der ungeklärten abwasser.

schwarzwasser/sense; auch hier haben wir probleme mit der wasserqualität (im unteren, dicht besiedelten teil), aber auch viele natürlliche hochwasser. enige strekcnen fallen im sommer und herbst trocken, und sind nur zu spitzenzeiten (viel regen und schneeschmelze) mit genug wasser.

auch der doubs wird massiv besetzt, ebenso die areuse in neuchatel. allerdings fliesst der doubs durch weitgehend von der industrialisierung und deren abwässer verschonten gebieten, teils kilometerlang ohne eine fabrik, noch ein haus. übrigens verteilen sich so auch die fischer besser, je weiter vom parkplatz und einem dorf entfernt, je besser die fischgründe. der doub lässt sich schon so nur stellenweise mit den von dir genannten berner gewässern vergleichen.

richtigerweise hast du aber erkannt, dass die schonmasse und entnahmemöglichkeiten rund um den kanton bern strenger geregelt sind als im kanton be, nun auch in solothurn. bern ist jetzt eine richtige insel gegenüber anderen kantonen.
wir haben - durch die lobby zahlreicher fischereivereine mit eher konservativem denken und dies übeträgt sich bis in die höchsten stufen des inspektorats (druck von unten nach oben), mit gegenüber der natur allgemein zu hohe entnahmezahlen und zu tiefe schonmassen, vorallem bei der äsche.

in bern kann man das problem nur duch entnahmebeschränkungen, hohe schonmasse und vorallem renatuierungen der "kanalstrecken" lösen, dann kommen mehr fische und einmal auch grössere fische, selbstverständlich muss auch das problem mit den kläranlagen gelöst werden. all dies kommt aber nicht heute, nicht morgen, sondern erst übermorgen und koste sehr sehr viel geld.

fragt sich aber ob unsere jetzige art die gewässer zu besetzen, wenn nur 2-3 von 100 forellen überhaupt das schonmass erreichen, sinnvoll ist. und langristig nicht zu teuer. eine bachforelle kostet bis sie ca. 30 cm gross wird rund einen fünfliber, die fischer bezahlen dafür irgendwo um die chf 1.40 durch patente und allfällige vereinsbeiträge, der rest wird von steuergeld gesponsert. fragt sich, ob dieses wenig effizient investierte steuergeld nicht besser in weniger besatz, dafür mehr renautierungen umgeleitet würde.
wir sollten also nicht immer nur raunen wenn wir hören wie viel geld die bauern an subventionen erhalten, sondern auch über uns nachdenken....

noch zur kleinen saane. diese ist weitgehend natürlich und an einigen stellen auch renatuiert. die selbstverlaichung funktioniert immer besser, also setzt der kanton fr immer weniger forellen aus. die fischfänge gehen aber - natürlich auch unter höheren schonmassen und kleineren entnahmezahlen - nicht zurück, sondern die fischer fangen durchschnittlich auch grössere forellen als zur zeit des dauerbesatzes.
die fischer sind aber trotzdem nicht so recht zufrieden, weil sie jetzt nämlich vom kanton keine subventionen mehr erhalten. wer fische besetzt, abfischt etc. bekommt vom kanton ausgleichszahlungen, z.b. die vereine, und diese beiträge gehen, weil es ja keinen besatz oder enorm weniger davon braucht nun zurück. du siehst, allen kann man es nie recht machen.

im berner oberland haben wir noch bäche die einigermassen gut funktionieren, heisst es hat mehr fische als im mitteland (=alle dicht besiedelten gebiete zwischen der höhe von thun und biel). durch die klimaerwärmung und folgen wie andere spitzenzeiten in der schneeschmelze, z.b. hochwasser im november und dezember wo die fische just abgelaicht haben, aber auch durch die bestrebungen der wasserkraftwerke auch dort wieder mehr bäche zu verbauen, steigen die probleme auch dort langsam aber sicher.
wenn wir fischer, und mit uns die gesamte bevölkerung (inkl. industrie/wirtschaft) nicht gegenpber der natur mehr umdenkt und anders handelt), laufen wir immer mehr in das chaos.
zudem besetzen wir fischer oft nur fische die uns gerade passen, eben bachforellen. aber auch nasen, schneider, groppen, trüschen etc. brauchen die hilfe der fischer, denn sie sind teil eines gesamten und fürdern auch das hochkommen anderer fischarten.

gruss

sa

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