Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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thymallus
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Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von thymallus » Mi 15. Okt 2014, 22:26

letzten freitag veröffentlichte die bodensee-fischereikommission einen 200 seiten langen und extrem spannenden forschungsbericht über die seeforellen in verschiedenen bodenseezuflüssen:

http://www.ibkf.org/fileadmin/user_uplo ... imiert.pdf

wem das zu happig ist, kann sich auch die zusammenfassung (immerhin 24 seiten) als bettlektüre ausdrucken...

http://www.ibkf.org/fileadmin/user_uplo ... ternet.pdf

:book: :book: :book: :book:
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Marco87

Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von Marco87 » Do 16. Okt 2014, 15:22

Mega interessant :v:

hab die Kurzfassung kurz angeschaut das lohnt sich auf jedenfall zum lesen

danke fürs posten :chef:

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thymallus
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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von thymallus » Mo 20. Okt 2014, 19:31

habe mich da nun mal durchgelesen - sehr lehrreich und interessant mit vielen tollen bildern (und mega-trouts!). :book: :book: :book:
sehr gewundert habe ich mich über die tatsache, dass vor allem die nördlichen bodenseezuflüsse trotz langer aufstiegsstrecken von bis über 20 km und sonst anständigen bafo-beständen nur einen überraschend bescheidenen seefo-aufstieg aufweisen. und demgegenüber in die goldach oder steinach auf der ch-seite beispielsweise jedes jahr mehrere 100 laichtiere auf eine nur sehr kurze erreichbare aufstiegsstrecke zum laichen einsteigen :?:
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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von wassermaa » Sa 1. Nov 2014, 21:47

danke thymallus! habe mich auch durch den bericht geackert. ist wirklich sehr aufschluss- und lehrreich.

mir ist besonders aufgefallen, dass 3% der untersuchten adulten seeforellen verletzungen von der angelfischerei aufwiesen (abriss einer maxillare). im gegensatz dazu wurde keine verletzung durch fischfressende vögel nachgewiesen. (vgl. s.177 kaptiel 9.2.7 kondition, schädigung und krankheiten/sonstige schädigungen)

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von Garrick » So 2. Nov 2014, 11:28

Hallo Masserma

das sieht aber am Alpenrhein total anders aus.
Immer wieder anständige Seeforellen mit Schnabelverletzungen. 3% Verletzungen durch die Sportfischerei. :wink:
Bei mir im Flüsschen sind bis zu 30% der Bachforellen vom Graureiher und Kormoran gezeichet. Feststellbar immer wieder bei Bestandesaufnahmen.

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von wassermaa » So 2. Nov 2014, 14:30

hey gerrick
das ist nicht gegen dich gemeint, jedoch verlasse ich mich lieber auf eine seriöse studie, als eine aussage in einem fischerforum :mrgreen:

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von Rainbowwarrier » So 2. Nov 2014, 17:48

wassermaa hat geschrieben:.....jedoch verlasse ich mich lieber auf eine seriöse studie, als eine aussage in einem fischerforum :mrgreen:

"..traue keiner Studie die du nicht selber gefälscht hast!" hat schon was!!!
Woher willst du wissen, daß das eine seriöse Studie ist?
Bei Pharma-Produkten z.B. gibt es unzählige Studien, die auch ziemlich viel Geld gekostet haben, wobei allerdings die allerwenigsten wirklich seriös sind!

Ich mache mir am liebsten immer selber ein Bild! ...und ja, Erfahrungsberichte anderer kann man dazu auch heran ziehen.... :roll:
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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von Garrick » So 2. Nov 2014, 17:51

Genau das ist ja oft das Problem von Studien.
Die einen berufen sich ausschliesslich auf solche, andere nehmen auch Feststellungen der Basis zur Hand.
Das aber unter Fischern, egal ob hier oder auf Facebook, auch immer wieder merkwürdige Gegebenheiten im Umlauf sind verstehe sehe ich auch so.
Aber alle Aussagen in einen Topf zu werfen ist nicht die Art eines seriösen Fischers. Und eines objektiven Wissenschaftlers auch nicht.

Das im Alpenrhein immer wieder auch grosse Fische gefangen werden, die Spuren von Attacken von
fischfressenden Vögeln haben ist kein Geheimnis und dürfte so einigen hier bekannt sein.
Nur eben merkwürdig dass solche Beobachtungen in vielen Studien nicht vorkommen und teils totgeschwiegen werden. Warum auch immer.
Ebenfalls gibts Zahlen zu der von mir angesprochenen Bestandesaufnahe. Übrigens auch eine wissenschaftliche Studie.

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von astacus » So 2. Nov 2014, 19:51

Naja, weils kaum eine Gruppierung gibt, wo so viel gejammert, gemeckert und angegeben wird wie unter den Fischern (da schliesse ich mich mit ein :lol: ), ist m. E. jede Studie mehr Wert als die Aussage von dutzenden Fischern zusammen.
FISCHEN hat von Natur aus etwas mit ESSEN zu tun Bild

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von wassermaa » So 2. Nov 2014, 20:22

rainbowwarrier danke fürs füttern des phrasenschweins... erfahrungsberichten von fischern im internet einbeziehen, da machst du dir aber ein objektives eigenes bild :lol:

garrick ich weiss, dass du dich mit der materie beschäftigst und einer bist, der hier im forum objektive und auch auf erfahrung beruhende berichte schreibst. auch weiss ich, dass die gefiederten predatoren nicht zu deinen liebligstieren gehören. ich glaube dir deine aussage mit den verletzten seeforellen. kenne und sehe aber keine gründe warum dies bei der studie verschwiegen werden sollte. mich nervt eher, dass es totgeschwiegen wird, dass die sportfischer ebenfalls einen grossen einfluss auf den bestand haben und es nicht nur der berufsfischer, der kormoran oder das phosphor ist. meiner meinung nach wird das totgeschwiegen oder schlicht ignoriert! nur wenn alle faktoren mit einbezogen werden, kann ein sinnvoller bestandesaufbau erreicht werden. dies hat aber ev auch zur folge, dass die sportfischer in gewissen abschnitten nicht mehr fischen dürfen, wie auch ein sinnvolles predatorenmanagement.

und her mit den studien! wissen ist macht :v: nur dass ich das phrasenschwein auch noch füttere :mrgreen:

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von Garrick » So 2. Nov 2014, 22:23

- Ja Fischer spielen ein Rolle bei der Bestandesdichte der Fische! Da hast recht. Teilweise wie bei mir in den Kleingewässer sogar erheblich.
Da hilft nur angepasste Ausbildung. Auf dem guten Weg dahin sind wir ja so hoffe ich

- Nein! Prädatoren hab ich auch gerne soweit sie in angemessener Anzahl da sind. Können ja nichts dafür dass sie uns in die Quere kommen.
Hab sogar schon mal einen verletzten Graureiher vor dem sicheren Tod gerettet. Grund dafür was dass er mit gebrochenem Flügen in der Forelleschonstrecke
mehr schadet als bei natürlichem Verhalten. Was Heute passiert ist wie unser Allgemeinverhalten nicht mehr nachhaltig.
Liebe sie sogar wenn sie bedroht sind. Wie beispielsweise den Eisvogel..... Wie immer mit Beleg. Klick mal auf den Eisvogel Clip 8) http://www.fv-chur.ch/index.php?section=home

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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von rasch » Mo 3. Nov 2014, 08:58

Habe die Studie unterdessen auch einmal durchgeackert und kann als Bodenseefischer auch mit eigenen Erfahrungen hier die eine oder andere Aussage treffen.
Grundsätzlich geht die Studie überhaupt nicht auf Prädatoren ein, dies wurde auch nicht untersucht.
Alle Werte und Untersuchungen gingen in den Bereich Lebensraum, dh. durchgängigkeit der Gewässer, Geschiebehaushalt, Temperaturen, Sedimente, Schadstoffe oder Gewässernutzung (Schwall/Sunk)
Zum Thema Fischerei kam lediglich ein Hinweis, dass ein kleiner Teil der Fische verletzungen von Angelhaken aufweist, nichts wurde über die Netzfischerei geschrieben, der wohl grösste Einflussfaktor auf den Fischbestand.
Es wurde keine Aussage dazu getroffen, dass die Sömmerlinge in Bächen und Flüssen leben wo der Einfluss von Reiher, Gänsesäger und Kormoran erheblich sein kann ....
Auch die stark wachsende Hechtpopulation im See und die immer häufigeren Welse sind kein Thema, es ging nur um die Gewässerqualität.

Das Argument 3% der untersuchten adulten seeforellen verletzungen von der angelfischerei aufwiesen (abriss einer maxillare) spricht eigentlich für die Angelfischerei, den es zeigt dass ein Fisch der sich befreit oder als wertvolles Laichtier 8) zurückgesetzt wird sehr wohl eine Überlebenschance hat und seine Bestimmung zur Arterhaltung wahrnehmen kann.

In meinen Augen zeigt der Bericht aber eben auch sehr gut, dass wir unsere Gewässer wieder durchgängiger machen müssen, dass Wasserkraft keine grüne Energie ist und dass wir den Bestand leider nach wie vor durch Brut unterstützen müssen weil naturnahe Laichgebiete fehlen.

Mit Grüssen vom Bodensee
Gruss & Petri
wäre Fischen einfach ... es würde Fussball heissen
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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von thymallus » Mo 3. Nov 2014, 15:46

@ rasch: guter beitrag! :thanks:
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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von Rainbowwarrier » Mo 3. Nov 2014, 20:04

Genau das was "Rasch" angeführt hat, habe ich mit "wie seriös ist diese Studie" gemeint!
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Re: Neuer Forschungsbericht zur Bodenseeforelle

Beitrag von rasch » Mo 3. Nov 2014, 20:18

Hallo Rainbowwarrier

Diese Studie ist sehr wohl hochgradig seriös, die Untersuchungsergebnisse sind wissenschaftlich fundiert und sicher ist hier nichts gefaked oder gefälscht.
Aber die Ergebnisse zeigen eben nur dass was auch in dieser Studie untersucht wurde.
Wasserqualität, Gewässerbeschaffenheit und Hydrologie.

In diesem Sinne .... Am 10. Januar gilt es wieder ernst :D
Gruss & Petri
wäre Fischen einfach ... es würde Fussball heissen
rasch

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