Energiewende gefährdet Schweizer Fische

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Rolf
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Energiewende gefährdet Schweizer Fische

Beitrag von Rolf » Mo 16. Dez 2013, 14:55

Energiewende gefährdet Schweizer Fische

von Simon Hehli - Gehen die AKWs vom Netz, soll Wasserkraft einen Teil der Lücke füllen. Diese Energie gilt als ökologisch – doch bedroht sie unsere Fischarten, wie Pro Natura warnt.

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas – dementsprechend spielt die Wasserkraft auch bei den Plänen des Bundesrates für die Energiewende eine grosse Rolle. Um einen Teil der irgendwann fehlenden Atomenergie zu kompensieren, will die Regierung die Jahresproduktion an Wasserkraft bis ins Jahr 2050 um rund 8 Prozent von heute 35,8 auf 38,6 Terawattstunden steigern. Das sieht auf dem Papier nach wenig aus – könnte aber für die Umwelt verheerende Folgen haben, warnt Pro Natura.

Die Naturschutzorganisation stellt die Energiewende nicht in Frage – im Gegenteil. Doch soll sie mit Verbesserungen bei der Energieeffizienz und dem Ausbau von erneuerbaren Energien wie Solarkraft gelingen, statt auf Kosten der Lebensräume in den Schweizer Bächen zu gehen. «Damit der weitere Ausbau der Wasserkraft noch ökologisch verträglich ist, darf er höchstens 4 Prozent betragen», fordert Michael Casanova, der bei Pro Natura für den Gewässerschutz zuständig ist.

Wenn die Fische auf dem Trockenen sitzen

Das Problem ist, dass die Kraftwerke an schweizweit 1400 Stellen Wasser aus den Flüssen und Bächen abzweigen. «Ohne genügend Restwasser verschärft sich die Situation für unsere einheimischen Fischarten», erklärt Casanova. Von 66 Arten sind laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) bereits neun ausgestorben, fast die Hälfte der übrigen sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Je mehr Bachbette stellenweise oder ganz ausgetrocknet sind, umso schwieriger wird das Überleben für die Fische. Casanova nennt als Beispiel die Seeforelle: Sie brauche 40 cm Wassertiefe, um sich fortzubewegen. «Sinkt der Pegel unter diese Schwelle, kann sie nur noch erschwert oder gar nicht mehr wandern.»

Das Restwasser-Problem erkannte der Bund schon vor langem: Das seit 1992 bestehende Gewässerschutzgesetz sollte garantieren, dass in allen Bächen genug Wasser vorhanden ist. Die Kraftwerkbetreiber bekamen eine Frist von 20 Jahren, um die älteren Anlagen zu sanieren. Doch wie Zahlen des BAFU vom Juni zeigen, sind einige Kantone im Rückstand – bei mehreren hundert Anlagen fehlt die Sanierung noch. Hauptsünder sind Bündner, Walliser und Zürcher.

Ist Ökologie wichtiger – oder die Stromversorgung?

Pro Natura wittert hinter den Verzögerungen ökonomische Interessen, weil die Kantone häufig an den Kraftwerkbetreibern beteiligt sind und auch Wasserzinsen kassieren. Jeder Liter Restwasser bedeute aus einer profitorientierten Sicht einen Verlust, so Casanova. «Wenn die Energiewende dazu führt, dass die Nutzung unserer Gewässer noch lukrativer wird, geraten die letzten verbleibenden Gewässerlebensräume massiv unter Druck.»

David Schmid vom Bündner Amt für Natur und Umwelt kann die Bedenken von Pro Natura nachvollziehen. Es gebe in diesem Fall eine Interessensabwägung zwischen dem Lebensraumschutz auf der einen Seite und der Energieversorgung auf der anderen. «Wenn die Rentabilität einer Anlage schlecht ist, könnte man versucht sein, das mit tieferen Restwassermengen zu kompensieren», sagt Schmid.

«Viel weiter als vor 30 Jahren»

Keinen Grund für Alarmismus sieht hingegen Roger Pfammatter, Geschäftsführer des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes. «Wir sind beim Gewässerschutz viel weiter als noch vor 30 Jahren.» Wer ein neues Kraftwerk baue, müsse sehr strenge Umweltvorgaben erfüllen und auch die Mindestmengen beim Wasser garantieren. «Es ist heute undenkbar, dass ein Bach plötzlich ohne Wasser bleibt.»

Sollte es zu einem Ausbau der Wasserkraftanlagen kommen, könnte der Druck auf Flora und Fauna in den Bächen steigen, räumt Pfammatter zwar ein. Aber andererseits sei die erneuerbare Wasserkraft die effizienteste und eine der umweltschonendsten Stromquellen. «Wenn die AKWs vom Netz gehen, fehlen uns gegen 50 Prozent unseres Strombedarfs – da ist es doch besser, wenn wir einen Teil der Lücke mit eigener Wasserkraft füllen können als mit Strom aus ausländischen Kohle- und Gaskraftwerken.»


Quellenangabe: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/ ... e-25182433
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!

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Olle
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Re: Energiewende gefährdet Schweizer Fische

Beitrag von Olle » Mo 16. Dez 2013, 21:40

20min hat geschrieben:Wer ein neues Kraftwerk baue, müsse sehr strenge Umweltvorgaben erfüllen und auch die Mindestmengen beim Wasser garantieren.
...(auf dem Papier) garantieren und erfüllen oder auch wirklich jederzeit einhalten? Antwort siehe ein paar Sätze weiter oben. Die Umweltverbände haben nicht nur Bedenken, dass die Gesetze nicht eingehalten werden, sie haben Beweise.

Aus den gleichen Gründen sollte man wohl analog zum Atomkraftwerk-Moratorium wohl ein allgemeines Kraftwerkmoratorium anstreben: Zur Klärung von Rest(wasser)risiken :twisted:
Gruss, Olle

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Re: Energiewende gefährdet Schweizer Fische

Beitrag von rocknroll666 » Di 21. Jan 2014, 15:16

Liebe Fischerfreunde und Naturliebhaber!

Das Märchen vom „Grünen Strom“ …
… und wiederum wird ein „Mythos der Wasserkraft“ entzaubert:

Eine jüngst publizierte Studie beweist, dass die Stauräume der Wasserkraftwerke viel mehr Methan (25mal größerer Klimakiller als
CO2) abgeben als bisher vermutet.

Näheres auf http://www.oekf.at/oekf-aktuell/oekf-aktuell/
Tierfreunde: Erst Lämmchen streicheln, dann Lammbraten; erst den Angler anpöbeln, dann Forelle blau. Jäger mögen sie nicht: - Wildbret!

(Karlheinz Deschner, 1924)

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