Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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pegasus72
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von pegasus72 » Di 19. Nov 2013, 10:08

habakuk hat geschrieben:Gutmenschen-Gewässermanagments?

Ich sehe es als Folge der offensichtlichen Dummheit der Menschheit an sich...

Forellen sind Wanderfische. Noch Fragen? :evil:
Oh, da hast Du natürlich absolut Recht und alle Fragen sind geklärt, wie konnt ich das nur übersehen ! Die Forellen wandern nun einfach nicht mehr in den Gewässerabschnitt - alles klar...

Sie haben nun ein kühleres Sommerquartier gefunden, wo das Wasser eine bessere Weitsicht auf die Berge erlaubt, weil da diese Thuner-Plastik-Micropartikel die Sicht nicht verschleiern. Evtl. sind sogar die Einreisebestimmungen seit 9/11 derart verschärft worden, dass die Forellen ihre Sommerzelte anderswo aufschlagen. Man weiss es nicht und muss deshalb sofort eine Studie mit gewissen Experten in Auftrag geben.

Zurück zur Realität:
Ich staune immer wieder, wie sich die Allgemeinheit von sogenannten wisschenschaftlichen Artikeln verblenden lässt. In den 90er Jahren wurde die Aare mit Forellen besetzt. Nun macht man das nicht mehr. Und jetzt, wo es zu einem "gewollten" Fischrückgang gekommen ist, werden die Gründe in den vorher aufgeführten Punkten gesucht. Natürlich stimmen diese Gründe, die gab es aber bereits vor 20 Jahren auch. Also viel neues hat diese Studie eigentlich nicht gezeigt, nur dass wiederum ein paar Fränkli versenkt wurden, die einerseits das zeigt, was man schon weiss und dabei noch populistisch ins Horn bläst, was gerade in Mode ist (Micropartikel). Find ich schade.

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astacus
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von astacus » Di 19. Nov 2013, 10:23

pegasus72, ganz so einfach wie du sie darlegst, ist die Realität aber auch nicht. Natürlich wurde früher deutlich mehr besetzt als heute. Allerdings zeigte sich in vielen Gewässern, dass trotz hohem bzw. sogar verstärktem Besatz deutliche Fangrückgänge zu verzeichnen waren. Nicht zuletzt deshalb wurde der Besatz vielerorts zurückgefahren. Es konnte längst in x verscheidenen Fallstudien einwandfrei gezeigt werden, dass Fischbesatz den Fischrückgang oft nicht stoppen, sondern mitunter sogar auslösen und verstärken kann.

Die typische Haltung des einfachen Fischers zum Besatz ist wieder mal eine klassische Verwechslung von Ursache und Wirkung (hatte ich zuvor nicht schon mal was ähnliches geschrieben... :roll: ).
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von habakuk » Di 19. Nov 2013, 11:01

Nicht alle Fragen, aber die wohl wichtigste.
Forellen machen wenig Sinn in der Aare wie sie heute ist, da sie sich nicht fortpflanzen können. (Laichwanderung)
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von gonefishing » Di 19. Nov 2013, 14:26

pegasus72 hat geschrieben:Könnte der Rückgang nicht auch einfach damit zusammenhängen, dass die Aare in diesem Abschnitt nicht mehr im gleichen Masse besetzt wird, wie es vor ein paar Jahren noch der Fall war ?
Köfi24 hat geschrieben:Es liegt sicherlich auch daran das es immer wie mehr Fische wie die Barbe oder der Alet in dieser Stecke gibt
Ich finde diese Überlegungen gar nicht so daneben. Ich wohne zwar noch nicht so lange hier als dass ich es wirklich beurteilen kann, aber soviel ich weiss wurde 1971 sozusagen der gesamte Forellenbestand und fast der gesamte Fischbestand in der Aare Thun-Bern vergiftet. Damit verschwand wohl auch der bestens an die Aare angepasste endemische Forellenstamm ('Aaretiger').
Danach wurden wahrscheinlich vor allem Forellen besetzt.

Es könnte doch sehr gut sein dass sich dieser Besatz anfangs aufgrund der geringen Konkurrenz sehr gut hielt. Mit der natürlichen Erholung und dem Anwachsen der Bestände von Barben, Weissfischen und Kleinfischen könnte es der Forellenbesatz immer schwerer gehabt haben und zurück gedrängt worden sein. Die natürliche Reproduktion bei den Forellen könnte dabei 1990 genauso schlecht wie heute gewesen sein, nur wurde mehr Besatz gross und tauchte in den Fangstatistiken auf. Auf der anderen Seite wären die Fischbestände anderer Arten aus natürlicher Reproduktion heute deutlich grösser, nur tauchen diese kaum in den Fangstatistiken auf

Das würde dann eigentlich nur heissen dass sich das Gewässersystem weiter erholt hat und die Fischbestände aus natürlicher Reproduktion angewachsen sind. Leider wurde der Forellenstamm der in der Aare zurecht kam durch den Menschen vernichtet, und das Besatzmaterial pflanzt sich nicht oder kaum fort.

Die 'Studie' bezieht sich ja scheinbar nur auf die Fangstatistiken. Der Rückgang um bis zu 80% bei den Bachforellen sagt ja nichts über die natürliche Reproduktion aus, und dass insgesamt weniger Fische in den Statistiken auftauchen sagt auch nichts über den effektiven Fischbestand aus, sondern eher nur über den kulinarisch interessanten Teil.

Sicher gibt es auch noch verschiedenste andere Einflüsse, aber in meinen Augen muss man diese Punkte auch im Auge haben. Wir reden hier ja nicht von einem 1990 noch intakten Ökosystem dem es immer schlechter geht, sondern von einem kanalisierten und vergifteten Fluss dem es aus rein gewässermorphologischer und -ökologischer Sicht heute sicher nicht schlechter geht als 1990...
Gruss, Mattu

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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von astacus » Di 19. Nov 2013, 14:59

Interessante These, Mattu. Und gewisse Aspekte davon sind sicher nicht von der Hand zu weisen, namentlich das verschwinden der ursprünglichen Forellen- und Äschenstämme. Wenn solche über Jahrtausende an das Gewässer angepassten Fische verschwinden, lässt sich das durch ein paar Jahre Besatz nicht wettmachen.

Etwas kritisch bin ich aber betreffend dem Auslöserereignis (Vergiftung von 1971). Ob ein solches wirklich stattgefunden hat, ist mir zwar nicht mal bekannt, das kann insofern schon stimmen. Allerdings ist das, was in der Berner Aare geschieht (vereinfacht gesagt: Rückzug der Salmoniden zugunsten der Cypriniden), praktisch in allen Mittellandflüssen in ähnlicher Art und Weise zu beobachten, auch ohne ein solches Vergiftungsereignis. Es wäre daher gewagt, diese Vergiftung als Ursache zu betrachten, höchtens hat das noch reingespielt.

Zudem müsste man auch die Geschichte des Besatzes genauer anschauen. Ich kenne zwar die Daten der Berner Aare nicht, aber viele andere aus den Mittellandflüssen (Emme, untere Aare, etc.) und die zeigen eigentlich alle, dass auch schon viel früher massenhaft Forellen besetzt wurden. Das dürfte in der Berner Aare auch der Fall gewesen sein.
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von gonefishing » Di 19. Nov 2013, 15:06

astacus hat geschrieben: Etwas kritisch bin ich aber betreffend dem Auslöserereignis (Vergiftung von 1971). Ob ein solches wirklich stattgefunden hat, ist mir zwar nicht mal bekannt, das kann insofern schon stimmen.
Am 24.Juli 1971 sind ca. 15'000 Liter Beizsäure aus den Selve-Werken in Thun in die Aare gelangt. Ich habe etwas von 8to Fischkadavern gelesen, u.a. eine Forelle mit 114cm...

Das mit den 'Aaretigern' habe ich nur aus Erzählungen, da ich eben noch nicht so lange hier wohne. Es hat danach in der Aare mal einen grosswüchsigen Forellenstamm mit Querstreifen, ähnlich den Doubs-Forellen, gegeben. Inwieweit diese wirklich noch in der Aare gelaicht haben und durch die Vergiftung ausgelöscht wurden weiss ich nicht. In unseren Augen geeignete Laichgründe sind ja bereits im 19. Jahrhundert mit der Aarekorrektion verschwunden, und mit der Verbauung und Belastung geeigneter Laichgründe in Nebenflüssen im 20. Jahrhundert muss das Verschwinden nichts mit der Vergiftung zu tun haben.
Zuletzt geändert von gonefishing am Di 19. Nov 2013, 15:23, insgesamt 1-mal geändert.
Gruss, Mattu

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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von habakuk » Di 19. Nov 2013, 15:12

Ich komme nicht umhin, mal wieder über die Qualität des Besatzes zu wettern. Auf meiner Strecke wurden 2500 Massforellen besetzt, klingt wie Weihnachten - war eher Halloween. Keine der Forellen die ich gefangen habe, hatte Brustflossen. Die letzten die wir gefangen haben im Sommer, konnte man vor lauter Blutegel kaum als Forellen identifieren - sogar die Mäuler waren schwarz vor lauter Blutsauger. Das ist Tierquälerei und hat mit Nachhaltigkeit einfach gar nichts zu tun! Aber die Vereine können halt tun und lassen was sie wollen.... :roll:
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von Loup » Di 19. Nov 2013, 19:40

Ich weiss nicht, ob Vereine einfach nach Lust und Laune Forellen in die Aare einsetzen dürfen, oder ob sie auch den Segen des Fischereiinspektorats einholen müssen. Wenn es so ist, hätte wohl das FI diesen qualitativ minderwertigen Bachforelleneinsatz, welcher ja im 2013 nicht das erste Mal stattfand, nicht bewilligen sollen.
Wenn es den Vereinen und dem FI aber nur ums rein/raus geht, könnte man auch mit Regenbogenforellen besetzen, die würden sich dann wenigstens nicht mit den Bachforellen der Aare vermischen.
Gruss vom Murtensee
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von habakuk » Di 19. Nov 2013, 19:55

Beim FI wusdte man nichts von dem Besatz als ich dort angerufen hatte...
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von talis71 » Di 19. Nov 2013, 21:25

das es in der Aare mittlerweile viele alet und noch einiges mehr an Barben gibt, ist mir auch schon seit längerem aufgefallen.
aber ob das mit dem Forellenrückgang etwas zu tun hat glaube ich nicht.
Früher wurden in der Aare viele und schöne Forellen gefangen und damals hatte es auch schon sehr viele Barben, Alet und sogar noch viele Nasen in der Aare.
Auf jeden Fall wenn es so weiter geht, haben wir bald mit den Forellen das selbe Problem wie mit den Nasen. Nämlich? gar nichts mehr. Nada,ничего , எதுவும் niente! :(
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von Arts » Di 19. Nov 2013, 23:07

Liebe Kollegen,

Wie würde es denn aussehen wenn wir nur noch Barben und Alet fangen würden und die Forellen links liegen lassen?
Wie wären die Bestände dann?

Über Cypriniden Rückgang beklagt sich komischerweise nie jemand.
Und komischerweise fressen die Vögel nur Forellen.....

Bei den Äschen war es ja das selbe, nach 5 Jahren Moratorium hat sich der Bestand erholt, nun nach 2 Jahren als wir Fischer wieder drauf los gelassen wurden, sieht es wieder aus wie vorher, aber alles andere ist schuld!

Tom

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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von Köfi24 » Mi 20. Nov 2013, 05:47

Meiner Meinung nach währen in der Aare von Thun bis Bern folgende Lösungen ein schritt in die richtige Richtung:

Bachforellen auf 2 pro Tag beschränken

Jahrespatentinhaber max 10 Bafos pro jahr

Keine Tages und Wochen patente für diese Strecke!

Mehr Kontrollen im ganzen Kt.Bern durch Freiwillig ausgebildete die eine Prüfung absolvieren müssen aber dann auch Bussen geben können, oder eine Firma gründen die spezialisiert ist auf diese Tätigkeit die durch den Bund (Steuern) bezahlt wird oder anhand von spenden dann Kontrollen durchführt werden wenn genug Geld zum Zahlen der Kontrolleure vorhanden ist.
Wie z.B Greenpeace.

Naturierung der Stecke und Verbreiterung!

Schutzzonen wie Seitenarme die am Einlauf und Auslauf mit Aare verbunden sind, die als Naturschutz und Schongebiet dienen, die dazu da sind den Fischen das ganze Jahr durch Schutz zu bieten. Verboten für Fischer, Badende, Böötler, Hündeler usw.

Das wäre ein Schritt in die Zukunft mit Fortschritt! Aber leider wird lieber wieder überall gespart und verbaut usw. Aber darüber mag ich jetzt nicht wieder schreiben.
„Ist mir doch egal, wer dein Vater ist! Solange ich hier angle, läuft keiner übers Wasser!“

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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von Flümi » Mi 20. Nov 2013, 08:36

Arts hat geschrieben: Über Cypriniden Rückgang beklagt sich komischerweise nie jemand.
Und komischerweise fressen die Vögel nur Forellen.....
Die verschiedenen Fischarten haben auch verschiedene Fluchtverhaltensweisen. Forellen gehen bei Gefahr irgendwo rein und Äschen lediglich in die Flussmitte und werden von den tauchfähigen Vögeln schneller zusammengesammelt.
Gruss, Stefan
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von JJwizard » Mi 20. Nov 2013, 10:53

Die ganze Sache scheint komplex und ist es wohl auch. Jedenfalls denke ich dass,

- der (Teil-)Verlust des ursprünglich heimischen und genetisch angepassten Forellenstamms für ein Gewässer sicher nicht förderlich ist.

- wie schon erwähnt wurde und was ich auch immer wieder feststelle, ist die lausige Qualität der Besatzfische, vorallem die der Massfische, sowas bringt
absolut gar nichts ausser vielleicht das Ruhigstellen einiger oberflächlichen Fischer die nichts ausser Beute nach hause bringen wollen, egal ob diese noch
vor 1 Woche in einer Zucht im Kreis geschwommen ist.

- die Totalverschlammung ganzer Flussabschnitte in denen Kieslaicher früher noch Laichplätze fanden, ist ebenfalls einem gesunden Fischbestand abträglich.

- Kormorane/Gänsesäger/Welse, diese Räuber die es vor 50 Jahren an Aare/Rhein kaum gab, erhöhen den Druck ebenfalls auf die Forellen/Aeschenbestände.

- die Umwelteinflüsse wie die Erwärmung der Gewässer und die seit Jahren ansteigende Anreicherung der Gewässer mit dem Medikamenten-Koktail bei
dem die Zutaten wie Hormone, Cocain und Rückstände der Cholesterin-Tabletten noch die bekanntesten sind darf keinesfalls unterschätzen werden, denn
wir haben absolut keine Ahnung und Kontrolle über die langzeitlichen Auswirkungen dieses unkontrollierten Mix aller Medikamente.

Eigentlich sollten wir uns verwundert die Augen reiben, dass es überhaupt noch Forellen gibt die solche Lebensumstände überleben können.

Tight-lines
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Zuletzt geändert von JJwizard am Mi 20. Nov 2013, 14:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Dramatischer Fisch-Rückgang in der Aare

Beitrag von gonefishing » Mi 20. Nov 2013, 11:24

JJwizard hat geschrieben: Eigentlich sollten wir uns verwundert die Augen reiben, dass es überhaupt noch Forellen gibt die solche Lebensumstände überleben können.
Das ist so. Wenn man sich vor Augen führt wie die Aare mal aussah und wie sie heute aussieht dann ist es doch erstaunlich wie anpassungsfähig die Natur ist.

Bild

P.S.: Wenn die Fischer nur halb so anpassungsfähig wären, dann wäre die Aare berühmt als eines der besten Barbengewässer...
Gruss, Mattu

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