"Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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helix
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"Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von helix » Mo 3. Sep 2012, 14:09

Moin zäme

In letzter Zeit hat man hier im Forum regelmässig von "wilden" Namaycushs, Saiblingen etc. gehört. Ich störe mich bei solchen Fischen ehrlich gesagt etwas an der Bezeichnung "wild".

Als "wild" werden hier jeweils solche Fische bezeichnet, welche im Gegensatz zu den frisch besetzten Fischen intakte Flossen aufweisen. Allerdings sind die Flossen jeweils bereits nach einigen Wochen oder Monaten wieder zusammengewachsen, auch wenn sie dann niemehr die exakte Form eines in Natur aufgewachsenen Fisches aufweisen. Ebenfalls wird wohl bei der Bezeichnung "wild" angenommen, dass der Fisch im jeweiligen Bergsee geschlüpft und aufgewachsen ist, was man nicht so einfach mir nichts dir nichts behaupten kann. Als "wild" gilt gemäss den verschiedenen Schreibern auch, wenn das Fleisch rötlich ist.

Genau über dieses Thema "wann ist ein Fisch wirklich als wild zu bezeichnen" diskutierte ich ausführlich in meinen Kanadaferien mit zwei einheimischen Kanadiern. Beide waren Natives (Indianer). Dabei ging es nebst dem dort heimischen Salvelinus namaycush (Kanadische Seeforelle = Lake trout)) auch um die Rebofos und Stealheads in den Flüssen und Bächen. Letztere nannte ich auch als "wild", was die beiden aber vehement dementierten.

Sogar wenn ein Fisch in einem Bergsee in der Schweiz durch Naturverlaichung dort aufwuchs (was in vielen Bergseen gar nicht möglich ist), ist er meines Erachtens kein "Wildfisch", denn ursprünglich und vor erdgeschichtlich extrem kurzer Zeit wurde er in allen Fällen vom Menschen dort angesiedelt und stammt von genau solchen Zuchttieren ab. Deshalb kann man meiner Meinung nach keinen Salmoniden in Schweizer Bergseen als "wild" bezeichnen.

Mich interessiert eure Meinung dazu! Kann man in Schweizer Bergseen eine Forelle oder einen Saibling als "wild" bezeichnen?


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Hier noch eine richtig "wilde" Lake Trout, die ich diesen Sommer in Kanada fing.
Bild
Gruess helix

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JJwizard
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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von JJwizard » Mo 3. Sep 2012, 14:15

Heikles Thema! Grundsätzlich bin ich Deiner Meinung, jedoch würde ich nicht so weit gehen, einen naturverlaichten Fisch nicht als Wildfisch zu bezeichnen, nur weil seine Vorfahren vor 100 Jahren in das Gewässer eingesetzt wurde!

Uebrigens, ein ganz tolles Foto von der wirklich phantastisch schönen kanadischen Lake Trout!

Tight-lines
JJ
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fly

Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von fly » Mo 3. Sep 2012, 14:18

Definitiv nicht, es fehlen ja auch die überwindbaren Zuflüsse, wo die Fische in den See gelangt sein könnten....

Da könnte man ja auch ein "Regenbüntu" welcher in der CH geboren ist, als wild bezeichnen, jedoch haben die Büntle schon eine ganz andere Form, als diese In Kanada haben, also kann man diese nicht als wild bezeichnen!

Jedoch stellt sich die Frage was wild ist, ist halt eine definitionssache.... Ist in der Schweiz überhaupt noch irgendwas wild??

Vielleicht gelten ja auch secondo Forellen als CH-Forellen, ist doch alles auslegungssache...

Aber Helix, wieso eröffnest du ein Thema, welches wie für unseren lieben Arts gemacht ist? Spätestens heute Abend wenn er vom Philo-einführungstag in Freiburg zurück ist, wirst genau DU wegen seinen Ansichten an der Decke kleben :lol:

Bin gespannt was da rauskommt. (ich jedenfalls gehe am Freitag nach Kanada wilde Fische suchen :) )

Arts

Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Arts » Mo 3. Sep 2012, 14:34

Es ist natürlich schön wenn man einen Fisch fangen kann der Nautrverlaicht und "wild" aufgewachsen ist... Es ist auch schön wenn dies geschieht.

Insofern erachte ich "Wild" als eben das gesagte.

Ein Zander der hier Laicht und heranwächst ist ja auch Wild, obwohl dieser auch Neozoen ist

Irgenwie kommt es mir aber besonders bei der Bergseefischerei so rüber als wolle man sich abheben von der Masse und sagen "Ich war am Bergsee, habe aber keinen Pufffisch gefangen"

Auch wenn ein Wildfisch sicher durch die Gegebenheiten kräftiger ist und einen besseren Drill abgibt, bezweifle ich das jemand beim Biss nun sofort weis "ahh das ist ne Wilde Namaycush" ;)

Also wollen wir Wildfische nur des Drilles, des Ego willens?

Betrachten wir noch die andere Seite, die Biohersteller behaupten ja sogar das ein Wildfisch nicht BIO ist, ein Zuchtfisch kann man gezielt füttern und man so zu einer Gastronomiefähigen konstanten Qualität züchten...

Und wenn wir im Restaurant eine BIO Forelle verzehren sagen wir "mhhh fein", aber die Zucht Namaycush sind wiederum "Nid guet"

So was in denn nun besser, der Wildfisch oder der Zuchtfisch?
Dann können wir noch weiter gehen und sogar sagen, ist denn der Wildfisch nachhaltiger als der Zuchtfisch, da ja der Zuchtfisch kontrolliert die wilden Bestände schützt und stüzt...

Wie fly auch schon erwähnte, gibt es in der Schweiz überhaupt noch Wildfische ;)

Wie gesagt wurde, heikles Thema

@Fly kann dank Smartphone auch aus Freiburg posten ;) Und du hast recht ist genau mein Thema ;)

Und wenn wir schon am Philosophieren sind können wir noch die Ästethik mit rein beziehen, wozu muss ein Fisch wie im gezeigten Bild von Helix so schön sein? Landet nur der schöne Fisch in der Pfanne? Panniert sieht doch jeder gleich aus :mrgreen:

Ist es aus ästhetischen Gründen dass die Einzigen wirklichen wilden Fische wie z.B das Rotauge, Rotfeder, Barbe, Wels usw so wenig gefangen werden..

Tom
Zuletzt geändert von Arts am Mo 3. Sep 2012, 15:02, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Köfi24 » Mo 3. Sep 2012, 14:55

Für mein Empfinden sind alle Saiblinge Kanadier und Regenbogenforellen die hier in den Alpen gefangen werden als nicht wild zu bezeichnen!

Wild Fisch ist für mein empfinden ein Fisch der wirklich noch in einer Wilden Natur gefangen wird, der villeicht noch nie eine Angel gesehen hat oder wenigstens noch nie eine Fischerhand an den Schuppen gespürt hat.
Z.B in Schweden habe ich ein 92cm Hecht gefangen der war für mich Wild weil das Gebiet so gross war und es dort halt auch kein besatz braucht und halt auch noch ncht so viele Fischer auf einem fleck Fischen!

Ein Wilder Fisch der wie beschrieben am Haken hängt ist auch viel kräftiger und schöner gefärbt und die sind auch im Drill eben Wilde Kerle!

Von daher bezeichne ich Wild Fische nur jene die wirklich das Wort Wild verdient haben!

Auch ein Hecht in der Schweiz zu fangen bedeutet für mich nicht Wild auch wenn er noch nie gefangen wurde. Da muss meines erachtens auch die Flora und Fauna und die Einsamkeit übereinstimmen!

Ps: Also noch zum Gefangener Lake Trout! Die scheint in meinen Augen ein Wild fang zu sein! grösse, farbe, volumen, und weit und breit warscheindlich kein anderer Fischer zu sehen! Petri!
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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von forellenfreak » Mo 3. Sep 2012, 15:14

Die richtig wilden Fische sind für mich zb. im Yukon.

Klar die Bergseen wurden durch Menschen besetzt. Doch trotzdem ist für mich ein Namaycush in einem Bergsee wo man weiss das die Natuverleichung funktioniert, und er von klein an dort aufgewachsen ist trotzdem ein Wilder.......So weit mit dieser Theorie gehe ich hier nicht..... :)

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Flümi » Mo 3. Sep 2012, 15:18

ich bin hier geboren und aufgewachsen, habe den Schweizer Pass ... bin ich jetzt ein ganzer, ein halber oder gar kein Eidgenosse? :lol:

nein, Spass beiseite. wo die Menschen die Finger im Spiel haben, hatten sie seit Generationen Einfluss auf Gewässer und dadurch die Fortpflanzung ihrer Bewohner. sind denn also nur die Fische "wild", die 500 Generationen zurück einen lupenreinen Stammbaum haben und schon vor der Besiedlung durch den Menschen in der gleichen Ecke gelaicht haben? in der Schweiz sind wohl alle Fische irgendwie "Eingebürgerte/Secondos", die nicht grad aus einem Zugerglas entstammen?

zumindest für mich persönlich ist eine naturverlaichter Fisch "wild genug", da er immerhin durch die natürliche Selektion nicht "gefressen" wurde und ohne menschliche Hilfe dem Gewässer angepasst überlebensfähig ist (keine Inzucht, keine Deformation, keine ...).

dass man in jeder Kultur und in jedem Land andere Ansichten hat, leuchtet wohl ein.
Gruss, Stefan
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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Arts » Mo 3. Sep 2012, 15:32

Die Posts regen mich zu Fragen an...

Warum ist für uns der Wildfisch so wichtig? Weil wir nen geilen Drill haben wollen?
Wenns uns um den Fisch geht dann frag ich mich warum wir diese den überhaupt fangen, denn durch unsere Gesellschaft haben wir ja die Situation das der wirklich Wilde Fisch quasi nicht mehr exisitiert, ausser die die wir nicht fangen wollen weil sie "gruusig" sind...

Und wer will schon mit nem wilden Winger prahlen :lol:

Schon der Titel zeigt es ja, er beschränkt ich auf die Salmoniden.... Auf die Fischart die faktisch am wenigsten wild vorkommmt... Besonders der Namaycush...

Meine Meinung: Wildfisch zur Prophilierung und reine Egomanie.

Wenn uns wirklich was daran liegt dann sind wir wieder bei der "Einschränkung".. das heisst für das Ego, das Hobby, Hintenastellen...

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von SbiroBass » Mo 3. Sep 2012, 15:53

Flümi hat geschrieben:ich bin hier geboren und aufgewachsen, habe den Schweizer Pass ... bin ich jetzt ein ganzer, ein halber oder gar kein Eidgenosse? :lol:
Da hilft nur Flaschendrehen :lol:
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Arts

Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Arts » Mo 3. Sep 2012, 16:00

Ich Prahl jetzt auch mal,

Ne ECHTE wilde Schleie

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Tom

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Flümi » Mo 3. Sep 2012, 16:05

also die Egli, die SbiroBass und ich fangen ... die sind glaub ich wild :mrgreen:
habe zumindest noch nie von bestandstützenden Massnahmen am Jurasüdfuss gehört ...

zu den wilden Salmoniden: sind Seesaiblinge in unseren Bergseen und Bachsaiblinge in deren Zuflüssen nicht (mal) heimisch (gewesen)? ich nehme mal an, dass das Aarewasser früher mal mehr oder weniger bis ins Grimselgebiet passierbar war?
Gruss, Stefan
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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von Arts » Mo 3. Sep 2012, 16:11

Soweit ich weis sind Saiblinge auch Neozoene....

Aber allgemein ist es doch eine scheinhelige Diskussion, in besetzten Bergseen von Wildfischen sprechen zu wollen, dazu noch von einem genetisch ursprünglichem Zucht Stamm ;)

Da wären Generationen nötig damit man von einer wilden schweizer Namaycush sprechen könnte..

Noch zur Fleischqualität
Der Amerikanische Seesaibling ist einer der begehrtesten Speisefische der Neuen Welt. Er hat ein - je nach Nahrung - weißes bis leicht gelbliches über blassrosa bis intensiv lachsfarbenes, trockenes und festes Fleisch und ist geschmacklich von einem Lachs kaum zu unterscheiden. Diese Qualitäten dezimierten ihr Vorkommen beträchtlich, so dass die kommerzielle Fischerei auf den Amerikanischen Seesaibling u.a. an den Großen Seen aufgegeben werden musste.
Tja und da behaupten eingie das der Zucht Namay nicht schmeckt, welche Referenz haben wir denn? Der Zuchtlachs ? :mrgreen:

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von gonefishing » Mo 3. Sep 2012, 16:35

Nun, vielleicht kommt ihr der Lösung des Problems näher wenn ihr mal überlegt oder definiert was das Gegenteil von 'wild' ist... ;-)
Gruss, Mattu

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von habakuk » Mo 3. Sep 2012, 16:39

achtung, mattu besucht jetzt wohl auch einen philosophiekurs :mrgreen:
Darf ein Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben?

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Re: "Wilde" Salmoniden in Schweizer Bergseen?

Beitrag von SbiroBass » Mo 3. Sep 2012, 16:48

Flümi hat geschrieben:also die Egli, die SbiroBass und ich fangen ... die sind glaub ich wild :mrgreen:
habe zumindest noch nie von bestandstützenden Massnahmen am Jurasüdfuss gehört ...
Das glaube ich auch :v:

Vor allem an der UL Rute merkt man sofort das es wilde Egli sind, das ist dann eindeutig definiert, denn nur wilde Fische geben einen guten Drill ab, das gemeine Zuchtegli nicht.

So kommts mir bei gewissen Erläuterungen auf jeden Fall vor :roll:

Die Lösung des Problems:

Sich nicht daran aufregen wenn jemand von wilden Fischen am Bergsee schreibt.

Ohne Besatz läuft in einem Put&Take Bergsee nämlich nicht viel. Ich glaube auch nicht das immer gemeint ist das die Fische wild sein müssen, eher das man in der Wildnis der Berge war und ein ''wildes'' Stück davon mitgenommen hat.
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