Deformationen bei Fischen

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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helix
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Deformationen bei Fischen

Beitrag von helix » Fr 8. Okt 2010, 20:10

Sehr spannender Bericht! Petri!

Die doch recht krasse Deformierung des Saiblings lässt einem etwas nachdenklich werden. So ganz die grosse Freude über diesen Fisch will bei mir irgendwie nicht aufkommen...

Scheint wohl wenig Konkurrenz gehabt zu haben, dass er trotz verkrüppelter Wirbelsäule bei derart guter Kondition ist. Ob er in einem Wildbach wohl eine Überlebenschance gehabt hätte? Vermute, er wäre wohl nicht übers Larvenstadium hinausgekommen.

Finde es aber mutig und gut von dir, dass du uns den Fisch nicht vorenthalten hast. Vielen Dank!
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berufsfischer
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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von berufsfischer » Fr 8. Okt 2010, 21:09

super bericht+guter fisch! danke! :up:
der schmeckte sicher vorzüglich :chef:

@helix (der fehlt noch bei asterix und obelix :mrgreen: )
das ist ein besatzfisch, also aus künstlicher erbrütung und vermutlich vorgestreckt besetzt worden. da kommt so was schon mal vor. wie auch in der natur, z.b. durch bestimmten virenbefall im larvenstadium ect.
aussergewöhnlich ist so was nicht.
auch menschen können "deformiert" sein, sollten die sich deiner meinung nach verbergen, weil sie ansonsten vielleicht deine freude trüben könnten...

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helix
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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von helix » Fr 8. Okt 2010, 21:51

berufsfischer hat geschrieben:@helix (der fehlt noch bei asterix und obelix )
das ist ein besatzfisch, also aus künstlicher erbrütung und vermutlich vorgestreckt besetzt worden. da kommt so was schon mal vor. wie auch in der natur, z.b. durch bestimmten virenbefall im larvenstadium ect.
aussergewöhnlich ist so was nicht.
auch menschen können "deformiert" sein, sollten die sich deiner meinung nach verbergen, weil sie ansonsten vielleicht deine freude trüben könnten...
Kannst deine Überlegung ruhig mit grossen Buchstaben schreiben... und so witzig und einfallsreich finde ich deinen Namen übrigens auch nicht :lol: ...

Meine Überlegungen sollen in keinster Weise den Fisch und vor allem auch nicht das tolle Erlebnis, welches dahinter steckt, schmälern. Da hast du wohl etwas überinterpretiert.

Habe den Bericht von Alpfisch gelesen und dabei nicht übersehen, dass es sich um einen Besatzfisch handelt. Die Deformierung ist mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Gendefekt und nicht durch Viren im Larvenstadium verursacht.

Deformierungen kommen auch in der Natur tagtäglich vor, nur überleben halt deutlich weniger Tiere die erste Lebensphase als bei Zuchtfischen. Es ist von der Natur aus nicht vorgesehen, dass solche Individuen überleben. Trotzdem gibt es immer wieder Einzeltiere, die den Naturgesetzen trotzen. Hatte selber einmal einen Hecht gefangen, welcher eine derartige Deformierung aufwies. War damals erstaunt darüber und die Freude war nicht so gross, wie bei einem "normalen" Hecht. Vielleicht ist das nicht richtig, aber es war meine erste Reaktion.

Vergleiche Fische nicht mit Menschen! Finde ich vor allem bei diesem Beispiel ziemlich dämlich!
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berufsfischer
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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von berufsfischer » Fr 8. Okt 2010, 22:46

sorry für ot!!!
@helix
berufsfischer ist ein weitreichender begriff, und auf mich trifft er durchaus zu... mit witz hat das nix zu tun :wink:

ich hab nichts überinterpretiert, fand nur dein komentar überflüssig. wo alpfisch doch ein so schöner bericht verfasst hat...
helix hat geschrieben: Deformierungen kommen auch in der Natur tagtäglich vor, nur überleben halt deutlich weniger Tiere die erste Lebensphase als bei Zuchtfischen.
du wiederholst mich.

fische und menschen auf die selbe ebene zu stellen ist nicht mein ding, ich mache lediglich einen bildhaften vergleich.
und wieso ist der vergleich mit menschen dämlich? gerade wenn es ein gendefekt wäre, ist das etwas was viele von uns auch haben, ob bewusst oder nicht. und nichts was man verbergen müsste.
den saibling hat das jedenfalls nicht gestört, er war gesund und gut genährt und sein fleisch genau so wohlschmeckend wie das seiner artgenossen.
hey, und danke fürs "dämlich" :lol: :) bin übrigens auch "deformiert" :shock: :wink:

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helix
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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von helix » Sa 9. Okt 2010, 08:58

berufsfischer hat geschrieben:ich hab nichts überinterpretiert
...dann halt nicht alles gelesen. Habe nirgends gesagt, dass man den Fisch "verbergen" sollte, im Gegenteil.
helix hat geschrieben:gut von dir, dass du uns den Fisch nicht vorenthalten hast. Vielen Dank!
berufsfischer hat geschrieben:und wieso ist der vergleich mit menschen dämlich
Weil man dies aus ethisch/moralischen Gründen nicht tut. Rein biologisch gesehen, könnte man den Vergleich schon machen. Die beiden Bereiche strikte voneinander zu trennen wäre allerdings nicht gerade einfach.
berufsfischer hat geschrieben:hey, und danke fürs "dämlich" bin übrigens auch "deformiert"
Das "dämlich" gilt dem Mensch-/Fischvergleich, bitte genau lesen! Wenn du auch "deformiert" bist, davon gehe ich aus (nehme nicht an, dass du darüber "witzelst"), kann ich gut verstehen, dass du bei diesem Thema besonders sensibel reagierst. Trotzdem bitte fair und objektiv bleiben und keine Unterstellungen bzw. Überinterpretationen.

Solche Fische stimmen mich einfach nachdenklich, was eben auch die Freude etwas trübt. Wollte sicher nicht den Fisch oder den Bericht kritisieren. Wenn das aber so rüberkommt, muss ich dir Recht geben, dann war der Kommentar tatsächlich überflüssig.
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Schweizer Angler

Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von Schweizer Angler » Sa 9. Okt 2010, 14:57

@ helix

beriufsfischer hat schon recht;

wirbelsäulenverformungen bei salmoniden gibt es in der tat auch in der natur - aber viel weniger als bei besatzfischen. bachsaiblinge und namaycush sind in keinen bergsee natürlich reingekommen sondern von menschen (und da zu 99% von anglern) besetzt. desshalb ist es naheligend, dass die deformierung dieses fisches wohl von der zucht her führt.

der grund für wirbelsäulendeformation ist meist eine bakterielle septikämie, gibts sehr oft in zuchten die nicht ganz sauber sind (wasser) und eine zu enge tierhaltung haben. befallen werden meist jungfische (aufzuchtifsche). eine fischdichte wie in zuchten gibnts in der natur nicht, desshalb ist das anteckungsrisiko bei wildfischen in der natur zwar möglich, aber sehr selten. auch ist in der zucht das umgebungswasseroft wärmer als in der natur und nicht jahreszeitlichen schwankungen unterworfen wie ein wildwasser. in sehr kaltem wasser haben die bakterien auch weniger überlebenschancen.
was das überleben der bakterien und den befall der fische fördert. viele fische gehen denn auch an der bakteriellen septikämie ein, wer das virus überlebt hat weist eben die deformierungen des skeletts auf.

jetzt könnte man über die ethik disputieren, ob man solchen fisch releast hätte damit er sin leben noch weiter geniessen kann, oder ob man ihn nun gerade richtig entnommen hat und vom leiden erlöst (wenn er denn gelitten hat, biologisch gesehen aufgrund des konditionsindex wohl weniger).
ob einem ein hecht der ähliche deformationen hat optisch geällt oder nicht, oder auch der saibling, sei dahingestellt. im magen des jägers wird er optisch noch "unansehnlicher" ;-),und wenn das ziel fische fangen und eine mahlzeit an einem wunderschönen trip & see geniessen war, dann ist ja "sch****-egal. da haben mir gestern die mit abgerissenen spinnern oder wasserkugeln im maul an der oberfläche herumschwimmenden fische in enem berner bergsee massiv mehr gestört.


gruss

sa

Arts

Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von Arts » Sa 9. Okt 2010, 15:32

Hallo,

Ich will hier jetzt auch nicht wieder eine Ethikdiskussion starten aber meine Meinung:
berufsfischer hat geschrieben:und wieso ist der vergleich mit menschen dämlich?
Weil es nicht vergleichbar ist.

Du kannst dir nur aus der Perspektive Mensch vorstellen wie es ist ein Fisch zu sein. Aber nicht aus der Perspektive Fisch.

Auch wenn du dich noch so anstrengst dich in einen Fisch zu versetzen, wird es dir nie gelinge zu erfahren wie es für einen Fisch ist ein Fisch zu sein.

Und desshalb kannst du eben auch nicht erfahren ob eine Deformation für den Fisch die gleichen Folgen/Auswirkungen/Empfindungen/Erfahrungen in seinem Leben hat wie für Menschen.

Und warum? Weil wir eben Menschen sind und nicht Fische.

Gruss
Thomas
Zuletzt geändert von Arts am Sa 9. Okt 2010, 22:07, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von helix » Sa 9. Okt 2010, 18:27

Schweizer Angler hat geschrieben:der grund für wirbelsäulendeformation ist meist eine bakterielle septikämie
Habe noch nie davon gehört, dass eine Blutvergiftung (Septikämie) eine verkrümmte Wirbelsäule als Symptom aufweist. Ausserdem wird eine Blutvergiftung entweder durch Bakterien oder aber durch Viren verursacht, aber sicher nicht von beiden. Interessierte mich schon, wie du darauf kommst.

Normalerweise wird eine verkrümmte Wirbelsäule entweder durch Gendefekt oder aber durch die sogenannte Drehkrankheit, sprich durch den Parasit "Myxobolus cerebralis" verursacht.

Es ist aber schwierig, aufgrund des Bildes zu beurteilen, welche der beiden Möglichkeiten tatsächlich die Ursache war.
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MS Tripper
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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von MS Tripper » Mo 11. Okt 2010, 20:04

helix hat geschrieben: ...wird eine Blutvergiftung entweder durch Bakterien oder aber durch Viren verursacht, aber sicher nicht von beiden.
Einmal kurz durch Wikipedia durchklicken reicht wohl noch nicht ganz, um den vollen Durchblick zu haben... :wink:
Virale und bakterielle Infekte kommen sehr wohl und sehr häufig gleichzeitig vor! Schon mal was von 1° und 2° Infektionen gehört?
Wenn immer nur die Klügeren nachgeben, wird die Welt irgendwann von den Dummen regiert ;-)

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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von helix » Mo 11. Okt 2010, 20:37

MS Tripper hat geschrieben:Virale und bakterielle Infekte kommen sehr wohl und sehr häufig gleichzeitig vor!
Ja, aber nach einer bakteriellen Septikämie hat man nicht wie SA sagte die Viren, sondern die Bakterien überlebt... Bakterien und Viren sind zwei völlig unterschiedliche Lebewesen. Dass die beiden Lebewesen genau gleichzeitig befallen, ist eher unwahrscheinlich. Wenn aber das Immunsystem durch eines der Beiden schon geschwächt ist, ist es durchaus möglich, dass das kranke Lebewesen vom anderen auch noch befallen wird. Da hast du Recht.

Meine Hauptaussage war aber, dass die Blutvergiftung wohl eher selten (habe zumindest noch nie davon gehört) für die Wirbelsäulenverkrümmung verantwortlich ist, sondern ein Parasit, welcher übrigens weder Bakterie noch Virus ist (Myxobolus cerebralis).

Das steht sicher auch im Wikipedia... Für diejenigen, welche sich zu schlau für u.a. Wikipedia vorkommen, gibt es ja zum Glück auch ausführlichere und anspruchsvollere Fachliteratur. Viel Spass!
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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von astacus » Mo 11. Okt 2010, 23:09

helix hat geschrieben:Bakterien und Viren sind zwei völlig unterschiedliche Lebewesen.
wobei viren streng genommen keine lebewesen sind :wink:
FISCHEN hat von Natur aus etwas mit ESSEN zu tun Bild

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Re: Es fehlt der Seesaibling

Beitrag von helix » Di 12. Okt 2010, 08:11

astacus hat geschrieben:wobei viren streng genommen keine lebewesen sind
Eigenartig, wie einige immer wieder darauf erpicht sind, auf irgendwelchen Nebenschauplätzen, vernab von der Kernaussage oder dem eigentlichen Thema, nach Fehlerchen anderer zu suchen. Ist so ein vermeintliches Fehlerchen gefunden, wird dieses sofort aufgezeigt und obendrauf mit einem nichts aussagenden und ewig dem gleichen Smilie versehen. Wenn man dann bloss mit dem Zeigefinger auf den Fehler deutet, diesen nicht einmal kommentiert oder seine eigene Interpretation anbringt, hat das ganze dann mit Souveränität nicht mehr viel am Hut...

Da du, leiber Astacus, aber sicherlich ein sehr souverän agierender Mensch bist, kannst du selber erklären, warum Viren eigentlich so spezielle Lebewesen (oder auch nicht) sind.
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trueschenfischen.ch

Re: Deformationen bei Fischen

Beitrag von trueschenfischen.ch » Di 12. Okt 2010, 09:03

Schade, dass fast jede Fangmeldung irgendwie zerredet werden muss! Kein Wunder stellen immer weniger Leute hier Texte und Bilder ein. Getreu dem Motto "homo homini lupus" zerfleischen wir uns hier selber... Schade!

trueschenfischen.ch

Re: Deformationen bei Fischen

Beitrag von trueschenfischen.ch » Di 12. Okt 2010, 09:06

Zum Glück wird hier nur virtuell gestritten und nicht so.... http://www.20min.ch/news/zuerich/story/ ... e-16201231

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Re: Deformationen bei Fischen

Beitrag von astacus » Di 12. Okt 2010, 10:47

der fehlende stoffwechsel, welcher per definition eine der voraussetzungen für leben ist, unterscheidet sie von lebewesen :wink:

und extra für dich brauche ich von jetzt an nur noch dieses smilie
FISCHEN hat von Natur aus etwas mit ESSEN zu tun Bild

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