Fisch(abfälle) kompostieren?

Fragen und Antworten zum Thema: Der Fisch in seiner natürlichen Umgebung Verhalten, Habitat, Nahrung und Besatzmassnahmen/Bewirtschaftung.
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Swordfish
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Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Swordfish » Fr 22. Mai 2020, 14:52

Hallo Zäme

Ehrlich gesagt bin ich jetzt selbst als Moderator unsicher, ob dieser Thread im richtigen Forum platziert ist :lol: Zumindest habe ich noch keine Frage in eine ähnliche Richtung in diesem Forum gefunden und selbst Google spukt erstaunlich wenig sinnvolle Suchresultate raus.

Meine Frage ist, ob jemand seine Fischabfälle kompostiert? Gerade beim Filetieren von Felchen häuft sich doch immer ein rechter Berg an Fischabfall an. In der Vergangenheit habe ich die Fischresten entweder in einem Sack eingefroren oder noch frisch in den Abfall geschmissen und den Abfallsack möglichst rasch gefüllt und entsorgt. Als Gartenfan würde ich die Abfälle aber einerseits gerne sinnvoller verwerten als mit dem Kehricht zu verbrennen und andererseits wäre der Aufwand viel geringer, wenn ich die Fische kompostieren könnte.

Im Netz finde ich vorallem Studien von amerikanischen Universitäten, die Möglichkeiten einer sinnvolleren Verwertung von tausenden Tonnen von Fischabfall aus der Fischereindustrie untersucht haben. Viele davon verwenden aber Chemie oder aufwändige Verfahren zur Verflüssigung - oder machen 'nur' Fischsuppe aus Abfällen und Wasser zur Herstellung von Flüssigdünger und entsorgen die festen Teile des Gemischs schlussendlich doch wieder im Abfall. Ich suche aber keine noch aufwändiger Art der Entsorgung bei der ich die Knochen häckseln und die Sauce alle paar Tage mit Gasmaske umrühren muss, sondern ein mehr oder weniger einfache Art der Kompostierung.

Nun gibts ja verschiedenste Arten der Kompostierung. Die klassische Variante eines 'oben-offen' Komposts kann ich mir in meiner Mietwohnung mit Garten nicht leisten. Ich habe zwar einen Kompost, doch der reicht von der Grösse nicht aus, um die Fischabfälle ausreichend zudecken zu können. Viele Youtuber verbuddeln auch einfach einzelne Fische im Garten. Auch das wäre für mich keine Lösung. Seit einigen Tagen bin ich nun mit dem Bokashi-System am rumtüfteln. Gemäss den teilweise schon fanatisch anmutenden Anhängern des anaerobischen Kompostierens soll es möglich sein, Fisch und Fleischabfälle wie auch Käse mit dem Bokashi System zu kompostieren. Nur habe ich da nie ein Video oder Beitrag entdeckt, bei dem es um eine 'substanzielle' Menge an Fisch geht und nicht nur um einen kleinen Goldfisch aus dem Aquarium.

Meine Hauptbedenken wären insbesondere:
1. Geruch: Muss ich wohl nicht gross ausführen :zip: Nach dem Zerfall solls zwar recht rasch nicht mehr stinken, aber ich möchte auf meinem Gartensitzplatz auch die ersten 5 Tage noch draussen sitzen können.
2. Verwesung von Gräten/Knochen: Gemäss den Videos die ich gesehen habe, sollen sich Innereien, Blut, Haut und restliches Fleisch recht schnell zersetzen (innerhalb weniger Tage). Unsicher wäre ich beim Fischkopf und der Wirbelsäule.
3. Zeit: Ein Bokashi-Kompostiervorgang dauert so ca 2-3 Wochen. Idealerweise wäre danach die restlose Verwertung durch Mikroorganismen im 'richtigen' Kompost innerhalb von 6-8 Wochen durch. Ich möchte nicht 2-3 Jahre warten müssen, bis die Knochen verwertet sind.

Langer Text, kurze Frage: Wer kompostiert seine Fischabfälle und wie?

Danke & Gruss
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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von FBSfischer » Fr 22. Mai 2020, 16:49

Ich habe einen Malinois schäfer ser frisst gerne getrocknete fische 🤷‍♂️🤔
und bei felchen kann ich mir vorstellen das es l
ecker ist.

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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Marcimarc » Sa 23. Mai 2020, 15:23

Ich kompostiere keine Fischabfälle, möchte Mäusen und Ratten nicht auf dumme Ideen bringen :D

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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Seebueb » Di 9. Jun 2020, 20:07

Hallo Zusammen

Habe mir dazu auch bereits mehrfach Gedanken gemacht und in der Jugend auch Versuche gestartet (Wir hatten teilweise Säcke voller Schwalen gefangen).
Leider ohne jeglichen Erfolg.
Hauptgrund:
- Gräten sind (teilweise auch nach Jahren noch) hart und spitz => Grosse Verletzungsefahr für jegliche Tiere besonders im Mund; Hals; Magen...(Katzen; Hunde; Fuchs etc.)

Darum obwohl die Idee ökologisch sinnvoll wäre Fischabfälle gut verpackt in den Sack und unmittelbar vor der Müllabfuhr rausstellen (Bei uns reissen die Fuchse oft in den Morgenstunden die Säcke auf)..... :doc: :censored:

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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von til » Mi 10. Jun 2020, 08:09

Also ich würde es einfach mal probieren mit einer kleinen Menge. Ich nehme dabei an, du hast einen funktionerenden Kompost. Abfälle kleinschneiden und gut untergraben. Gräten sind eher nicht so ein Problem, wenn du die Komposterde siebst (was du sowieso tun solltest) und alles was im Sieb bleibt einfach wieder in den Kompost einarbeiten. Allfällige Probleme wie Geruch, Nager, Schmeissfliegen gehen ja relativ schnell wieder weg, wenn du nicht für konstanten Nachschub sorgst.

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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Swordfish » Mi 10. Jun 2020, 09:07

Hallo Seebueb
Danke für deinen 'Erfahrungsbericht'.
Seebueb hat geschrieben:
Di 9. Jun 2020, 20:07
- Gräten sind (teilweise auch nach Jahren noch) hart und spitz => Grosse Verletzungsefahr für jegliche Tiere besonders im Mund; Hals; Magen...(Katzen; Hunde; Fuchs etc.)
Genau das befürchte ich auch. Allerdings hätte ich eher Angst, dass ich mich selber piekse bei Gartenarbeiten.
Grundsätzlich könnte man die Knochen und Gräten auch nach einer Kompostsaison wieder entfernen aber das wäre auch wieder ein riesen Aufwand.
til hat geschrieben:
Mi 10. Jun 2020, 08:09
Also ich würde es einfach mal probieren mit einer kleinen Menge. Ich nehme dabei an, du hast einen funktionerenden Kompost. Abfälle kleinschneiden und gut untergraben.
Den Versuch habe ich bereits mal gestartet. Allerdings 'nur' mit Filetierresten ohne Knochen.
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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von astacus » Mi 10. Jun 2020, 09:58

Ich hatte vor Jahren versuchsweise Fische vergraben (einige grössere Alet), um zu sehen, was passiert. Einerseits interessierte mich, wie schnell sie weg sind, andererseits wollte ich einzelne Knochen/Gräte ohne viel Aufwand freilegen (ohne Auskochen etc.).

Erkenntnis war, dass die Fische schnell (innert einiger Wochen bis Wenige Monate) weitestgehend verwertet wurden. Auch alle feinen Gräten waren weg, wohl aufgelöst durch Säuren im Boden oder durch solche von Tieren. Nur grössere Stücke waren noch da (Wirbelsäule etc.). Dass von diesen irgend eine Gefahr ausgehen soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Marcimarc » Do 11. Jun 2020, 20:11

In Norwegen nutzt man Fischabfälle als Biogasmasse.
Geht natürlich nur sinnvoll, wenn man genug Fischabfälle hat. Hier in der Schweiz pack ich die in ne Tüte, friere sie ein, und sammle weitere Abfälle, bis die Tüte voll ist. Dann wird's mit dem Hausmüll entsorgt.

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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von astacus » Fr 12. Jun 2020, 07:40

Ich glaube, der Threadstarter wollte nicht unbedingt wissen, ob andere ihre Abfälle so wie er auch in den Müll schmeissen, sondern ob jemand mit der Kompostierung Erfahrung hat...
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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Kangooroo » Fr 12. Jun 2020, 22:08

Bei uns können wir in der Grüntonne alle Küchenabfälle entsorgen, zum Glück. Ich hatte letzthin schon nur eine Verpackung, aus welcher ich tiefgefrohrene Felchenfilets entnommen habe, im Abfall entsorgt. Nach Einem Tag begann der ganze Abfall fürchterlich zu stinken. Ich kann allerdings nur erahnen, wie dann eine Menge ausgenommener und filetierter Fische stinken kann, vor allem, wenn diese dann noch offen auf einem Kompost liegen..

Sorry, ich schweife ab. Hier aber zur Materie: meine Grosseltern hatten einen kleinen Hühnerhof mit einigen hundert Hühnern. Allerdings verkauften sie sämtliches Geflügel noch bevor ich auf die Welt kam. In den hauseigenen Kompost wurden auch tote Hühner resp. Essensreste (Knochen) entsorgt. Der Gleiche Kompost wanderte dann wieder in den Garten, wo frische Tomaten, Gurken, Bohnen, Kartoffeln usw. gedeihten. Nun gut, rund 20-30 Jahre später fanden wir immer wieder irgendwo beim Umgraben für das Pflanzen und das Ernten des Gemüses irgendwelche Hühnerknochen. Ich kann mir also gut vorstellen, dass auch dickere Fischgräten, z.B. eine Wirbelsäule eines > 40cm Fisches, irgendwo über ein paar Jahre noch im Kompost oder Garten erhalten bleibt.

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Re: Fisch(abfälle) kompostieren?

Beitrag von Swordfish » Mo 15. Jun 2020, 09:27

Hallo Kangooroo

Danke für deinen Input. Ja, das mit den Knochen befürchte ich eben auch. Die Sache mit dem Gestank kann ich allerdings nicht bestätigen. Habe nach meiner Frage hier im Forum ein kleines Experiment gestartet und Resten von ca 5 filetierten Felchen anaerob (also in einem luftdicht verschlossenen System) kompostiert. Nach gut 2 Wochen riecht der Kompost beim Öffnen wie erwartet leicht sauer (weil beim anaeroben Kompostieren der Kompost vergärt) aber überhaupt nicht stinkend. Ob das Resultat dasselbe wäre, wenn ich 95% Fisch und 5% Küchenabfälle kompostieren würde (und nicht wie jetzt umgekehrt) wage ich aber mal zu bezweifeln.

Gäbe es also nur noch das Problem mit den (grossen) Knochen/Gräten zu lösen :D
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