Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Interessantes und wissenswertes zum Thema Montagen.
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Reverend

Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von Reverend » Sa 4. Nov 2006, 22:02

Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer


Klar, beim Schleppen denkt man zunächst an einfache Spinnmontagen und bewährte Kunstköder wie Wobbler,
Heintz-Blinker und Gummiköder am Bleikopf -Jig.


Bild

Damit wird dann auf die Stachelritter in ähnlicher Weise wie auf Hecht geschleppt. Die Schlepptiefe wird durch den Kunstköder festgelegt: Gummiköder am Bleikopfjig laufen grundnah, Wobbler je nach ihren Eigenschaften (Flachläufer, Tiefläufer, sinkende, schwebende oder auftreibende Wobbler) und Blinker oberflächennah.

Ich möchte einmal ein kleines Plädoyer für den geschleppten Naturköder abhalten. Nicht allein, dass er neben optischen (Form und Farbe) und mechanischen (Druckwellen) eben auch geschmackliche Reize (Geruch) aussendet, macht ihn den Kunstködern mehr als ebenbürtig. Auch der Preis kann ins Feld geführt werden. Köderfische gibt's in jedem Gewässer umsonst. Die einzige Investition erfordert das entsprechende Schleppsystem, das den toten Köderfisch so lebendig laufen lässt wie einen natürlichen Beutefisch.

Natürlich kann man auch in Schleppsysteme (Stockersystem) sehr viel Geld investieren. Es gibt aber auch preisgünstigere Systeme, die, an der entsprechenden Montage gefischt, ebenso fängig sein können. Der natürliche Köderfisch macht ja schon die halbe Miete beim Erfolg aus.

Ich beschränke mich hier auf das grundnahe Schleppen auf Zander mit dem toten Köderfisch. Natürlich sind dabei auch immer Hechtbeifänge drin (deshalb unbedingt Stahlvorfach verwenden).

Zwei Montagen möchte ich euch vorstellen - beide werden mit einem einfachen Auftriebssystem aus Balsaholz montiert.

1. Schleppmontage mit dem Walkerblei

Bild

Das Walkerblei ist nichts weiter als ein Grundblei in einer speziellen Form, die es ermöglicht, die Hängergefahr zu minimieren. Über die meisten Hindernisse gleitet es einfach drüber.

Montiert wird das Walkerblei am Seitenarm eines Anti-Tangle-Booms.

Der Vorfachkarabinerknoten sollte unbedingt mit einer puffernden Gummiperle geschützt werden. Das Vorfach sollte etwas länger ausfallen als beim gewöhnlichen Spinnfischen (70cm sind Minimum, 100-120cm sind besser), da ja bei jedem Ruderschlag (ich fische diese Montagen eher im gemütlichen Tempo vom Ruderboot aus) Zug auf die Montage kommt, der das Walkerblei vom Grund abhebt und den Köderfisch nach unten zieht. Durch das Hüpfen des Walkerbleis wird das Grundsediment aufgewirbelt, was die Zander zusätzlich neugierig werden lässt.

Der Köderfisch kann so grundnah geführt werden, ohne selbst den Grund zu berühren - was die Hängergefahr an den Drillingsfluken weiter verringert.

2. Die Bottom-bouncer - Montage

Bild

Ein noch lebendigeres Spiel erhält der am Auftriebssystem geführte Köderfisch durch den Bodentaster oder "bottom bouncer".

Dabei handelt es sich um ein spezielles Stehaufblei zum Schleppangeln.

Der Bleikörper mit dem darüber liegenden Auftriebsteil ist an einem winkelig gebogenen und mit Einhängeösen versehenen steifen Klavierdraht befestigt.

Auch der Bottom-bouncer wird durch Zug (Ruderschlag) vom Boden abgehoben und wirbelt beim Zurücksinken Sediment auf. Aber durch den im rechten Winkel abstehenden Drahtschenkel, der an der vorübergehend lockereren Schnur seitlich ausschlägt und diese Bewegungen auf den Köder überträgt, verleiht er dem Köderfisch noch lebendigere Bewegungen.

Bottom -bouncer kann man sich sehr leicht aus stabilem Klavierdraht, Kork, 20-40g schweren Bleioliven und Karabinerwirbeln mit einem Lötkolben, einer Rundzange und einer Kombizange als Werkzeug selbst herstellen.

Mit beiden Montagen lassen sich weite Gewässerstrecken systematisch nach Zandern absuchen, indem man sie an Scharkanten in mäßigem Rudertempo entlangschleppt. Man lässt sie einfach hinter dem Boot zu Boden sinken und rudert zunächst mit geöffnetem Rollenbügel 40-50m davon. Dann wird der Rollenbügel geschlossen und weiter gerudert - und es wird spannend!

Helmut

Beitrag von Helmut » Sa 4. Nov 2006, 22:12

Toller Bericht Gerhard und super Grafiken :!:

Meinen Respekt :up:

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Rolf
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Beitrag von Rolf » So 5. Nov 2006, 08:30

Hallo Gerhard,

vielen Dank für den spitzen Bericht :!: 8)
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!

Udo

Beitrag von Udo » Mo 6. Nov 2006, 08:24

Aber Hallo :coolp:

:thanks: für diesen genialen Bericht. 8)

Überlege mir gerade ob ich mit diesem System am Kanal schleppen mit der Spinnrute imitieren könnte. :?: :)

Reverend

Beitrag von Reverend » Mo 6. Nov 2006, 09:12

Mit der Walkerblei-Variante sollten auch Würfe gut möglich sein.

Beim Bottom-Bouncer fürchte ich allerdings Tüddel.

Aber probier's mal aus, Udo.

Wünsche dir dicke Zander dabei!

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Beitrag von Bassmaster » Mo 6. Nov 2006, 09:41

Hallo Gerhard,

erst mal respekt für den tollen Bericht und die Grafiken einfach Spitze.

mir gefällt die "bottom bouncer" methode, kan man sowas auch kaufen oder muss man es selber machen wie du es beschrieben hast?
Gruss Pädu

Merke: Der schlechteste Angeltag ist immer noch besser als der beste Arbeitstag!

Reverend

Beitrag von Reverend » Mo 6. Nov 2006, 14:45

Bottom - bouncer kann man auch kaufen.

Nur frag mich jetzt nicht nach der Bezugsquelle.

Irgendein online-shop hat die aber sicher im Sortiment.

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Marc 85
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Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von Marc 85 » Mi 1. Jul 2009, 18:18

Super Bericht Gerhard.
Schon lustig.Gestern hab ich dass System auf Youtube gesehen.Allerdings mit einemWalley drift rig.Hab natürlich gleich eine Großbestellung getätigt und werde dieses System demnächst ausprobieren.

Hat inzwischen schon jemand Erfahrungen damit gemacht?

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Re:

Beitrag von mikesch » Fr 3. Jul 2009, 11:17

Reverend hat geschrieben:Mit der Walkerblei-Variante sollten auch Würfe gut möglich sein.
...
Dem ist so, konnte damit schon viele Barsche erbeuten.
Allerdings in einer sehr feinen Variante mit Walkerblei zwischen 3 u- 7 Gramm.
Fishing isn't a sport, it's a passion.

Gruß Michael

Reverend

Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von Reverend » Sa 11. Jul 2009, 14:26

@marc85:
hast du einen Link zu dem youtube-Video? Würde mich interessieren.

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Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von Marc 85 » Sa 11. Jul 2009, 18:51

Hier der Link:


und hier hab ich sie bestellt:
http://www.americantackleshop.com/epages/61219517.sf

Unter der Kategorie Zander findest du die Rigs.

Basil

Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von Basil » Di 27. Mär 2012, 15:32

Hier noch ein paar kleine Tipps für die kalte Jahreszeit und Wassertemperaturen unter 5C.

Wenn sich die Egli und Zander ab November (bedingt durch die immer kälter werdene Wassertemperatur) zum Grund zurückziehen und ihre Aktivität vom aktiven auf das passive rauben umgestellt haben,
lohnt es sich den Motor eures Bootes abzustellen und, euch einfach ganz langsam mit dem Wind über vielversprechende Stellen treiben zu lassen. Bei diesem driftfischen verwende ich ebenfalls ein Walkerblei oder
eine 20-30Gramm Blei-Olive am Anti-Tangle Boom. Das Vorfach ist 80cm lang und aus 0,25 Fluro Carbon. Am Ende ein Einzelhaken Grösse 2 mit Öhr. Den Haken knüpfe ich mit einem Schlaufenknoten an, damit er mehr Spiel hat
und der Köder verführerisch zum Grund taumeln kann. Einen Auftriebskörper für den Köder braucht ihr nicht! Ausser ihr habt steinigen Grund! Als Köder preferiere ich den Gummifisch "SWING IMPACT" in Grösse 3 von der Firma KITEC. Alternativ gehen auch weiche Twister oder Köderfische. Die Farbe spielt nicht so eine grosse Rolle.
Gefischt wird wie folgt:
1. Über eine erfolgreiche Stelle fahren und Motor abstellen.
2. Montage gegen den Wind werfen und zum Grund absinken lassen ( keine Angst, da gehen schon mal 50-70 Meter geflechtschnur ab!)
3. Wenn Köder am Grund, Schnur straffen bis ihr Köderkontakt habt.
4. Keine Schnur mehr einholen! einfach mit dem leichten Wind abdriften lassen und den Köder GAAAAAANZ LANGSAM (ZEITLUPENTEMPO) wieder zum Boot ziehen. (Nicht ruckartig zupfen)
5. Danach den Köder auf dem Grund für 5-10 Sekunden stehen lassen und dann wieder Langsam zum Boot ziehen. immer in den stehenlass- Phasen treibt euer Boot etwa 10-20 cm weiter.
Die Bisse sind unglaublich fein, aber sehr zehlreich. Oft erfolgen sie in der stehenlass Phase. Damit ihr die Bisse gut spührt, empfehle ich eine 210cm Spinnrute mit WG 10-30 Gr und eine geflochtene HS in 0,10 - 0,15mm
Probiert das aus! Funktioniert wunderbar :) Normalerweise habt Ihr innerhalb der ersten 10 Minuten den ersten Fisch.
Viel Spass am Wasser

Gruss Basil

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Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von schusterbua » Di 27. Mär 2012, 21:22

Super Bericht,danke auch für die tollen Grafiken!!! Werde es demnächst ausprobieren.
Gruß
Roland

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pikefighter
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Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von pikefighter » Mi 28. Mär 2012, 08:51

.
Zuletzt geändert von pikefighter am Mi 5. Dez 2018, 12:18, insgesamt 1-mal geändert.

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Sascha
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Re: Zanderschleppen mit Walkerblei oder Bottom-bouncer

Beitrag von Sascha » Mi 28. Mär 2012, 09:02

@Basil
Das wäre mir persönlich viel zu umständlich. Zudem ist man stets abhängig vom Wind. Und das der immer aus der gleichen Richtung mit konstanter Geschwindigkeit bläst ist wohl eher selten.
Lösung: Vertikalfischen

;)

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