Waggler - und Liftmontage

Interessantes und wissenswertes zum Thema Montagen.
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Reverend

Waggler - und Liftmontage

Beitrag von Reverend » Sa 6. Jan 2007, 13:35

Waggler - und Liftmontage


An dieser Stelle will ich euch zwei hochsensible Zapfenmontagen zum feinen Friedfischfang mit der Matchrute vorstellen: Die Waggler - und die Liftmontage.


Im Grunde funktionieren beide Montagen nach dem gleichen Prinzip:

Die in beiden Fällen sehr langen Zapfen / Posen (manche bis zu 40cm) werden zu ihrer vollen Tragkraft ausgebleit und dann mit einem Ankerschrot überbleit, das auf dem Grund aufliegt. So ragt von der langen Antenne nur das oberste Teil über die Wasseroberfläche. Ein genaues Ausloten der Angeltiefe vor dem Angeln ist darum unerlässlich.

Auch sollte der Fischer in der Lage sein, die ausgelotete Angelstelle genauestens wieder anzuwerfen - was aber dadurch erleichtert wird, dass selten in größeren Entfernungen als max. 10m vom Ufer gefischt wird .

Hebt ein anbeißender Fisch mit dem Köder auch das Ankerschrot auf, so steigt der Zapfen aus dem Wasser und signalisiert so frühzeitig den Biss.

Gerade bei den Zielfischen, für die diese Montagen gedacht sind - die vorsichtige Schleie vor allem, aber auch Brachse, Rotauge und Rotfeder - ermöglicht dies einen schnellen Anhieb, noch bevor der Fisch richtig Schnur abzieht und den Zapfen zum Sinken bringt.

Auf jeden Fall sind beide Montagen etwas für wahre Filigrantechniker - nicht nur, weil mit Mono - Schnüren in Stärken von 0,14 bis allerhöchstens 0,20mm gefischt wird.

Warum ist von zwei verschiedenen Montagen die Rede?

Nun, während die Wagglermontage "very British" ist, wurde die Liftmontage auf dem Kontinent entwickelt. Die Unterschiede liegen, wie wir noch sehen werden, im Detail.

Die Zapfen / Posen:

Auf nachsehendem Foto seht ihr eine kleine Auswahl von Wagglern und Liftposen:

Bild

Die linken fünf Zapfen sind Waggler, die rechten drei Liftposen.

In der Mitte zwei sogenannte "unloaded" Waggler, also Waggler ohne jede Vorbebleiung unterhalb des Posenkörpers.

Links drei sogenannte "preloaded Waggler" der Crystal-Serie aus dem renommierten englischen Hause Drennan.

Gute preloaded Waggler gibt es auch von anderen Herstellern, z.B. den italienischen Firmen Millo, Tubertini und Trabucco. Was die Drennan preloaded Crysrtal Waggler allerdings unschlagbar macht, ist, dass die Vorbebleiung jeweils ganz präzise so gewählt wurde, dass alle Waggler dieser Serie mit exakt derselben Restbleimenge auf Hauptschnur und Vorfach auskommen. So können zwei Waggler mit unterschiedlicher Tragkraft im Handumdrehen gegeneinander ausgewechselt werden, ohne dass der Angler neu bebleien muss.

Vor allem, wenn für die Montage des Wagglers ein spezieller, von Peter Drennan entwickelter, "Waggler-Adapter" verwendet wird, der aus einem gebogenen Stück Leichtmetalldraht und zwei dünnen Gummischlauchstücken besteht (an dem mittleren der Drennan-Waggler auf dem oberen Bild ist noch ein solcher befestigt):

Bild

Sowohl Waggler als auch Liftpose werden fast immer als Feststellposen gefischt. Es ist allerdings durchaus möglich, Angeltiefen, die größer sind als die Rutenlänge, mit einer Laufmontage zu befischen.

Wagglermontage

Bild

Unloaded Waggler (rechte Abbildung) werden bei Festmontagen mit zwei Bleischroten, die 2/3 der Posentragkraft ausmachen, auf der Hauptschnur fixiert. Um zum Variieren der Angeltiefe ein Verschieben des Wagglers zu erleichtern, können zwei dünne Stücke Gummischlauch in die Kerbe der Bleischrote geklemmt werden, durch die dann die Schnur gezogen wird. Werden nun die Schrote zusammengeklemmt, bleiben sie weiterhin auf der Schnur verschiebbar. Bei Laufmontagen werden die Schrote dicht unterhalb des Waggleröhrs angeklemmt.

Wesentlich leichter tut man sich mit den preloaded Wagglern. Weil sie zu mindestens 2/3 der Tragkraft bereits an ihrem Fuß ausgebleit sind, können sie relativ einfach mit einem Waggler-Adapter montiert und auf der Schnur beliebig verschoben werden. Und die Drennan-Predloaded Crystal Waggler machen - wie schon erwähnt, auch noch das Auswechseln very easy.

Der Rest der Bleimenge bis zur Posentragkraft kommt nach der Shirt-button-Methode (mehrere, nach unten hin immer leichtere, Bleischrote in kleinen Abständen untereinander) auf die Hauptschnur und den oberen Teil des Vorfachs.

Das Vorfach wird mit einer loop to loop - Verbindung eingeschlauft. Ein Wirbel würde durch sein Eigengewicht die feine Ausbleiung unmöglich machen.

Das unterste Schrot - das für die sensible Bissanzeige verantwortliche Ankerschrot, mit dem die Montage leicht überbleit wird - wird 5-10cm oberhalb des Hakens auf das Vorfach geklemmt. Da es immer auf dem Grund aufliegt, wird die Pose nicht zum Abtauchen gebracht, sondern nur so weit unter die Wasseroberfläche gezogen, dass ihre oberste Spitze noch herausragt.

Ganz genauso funktioniert auch die Anfertigung und die Arbeitsweise der

Liftmontage

Bild

Bei den Liftposen sind an der langen Antenne mehrere, farblich hervorgehobene Verdickungen angebracht, die ihr Absinken bei 2/3 der Tragkraft, bei voller Ausbleiung und bei Überbleiung, sowie ihr Steigen bei einem Biss markieren.

Bild

Nun endlich zu den Unterschieden zwischen beiden Montagen

Die Tragkräfte von Wagglern - auch von solchen, die von namhaften Herstellern auf dem Kontinent angeboten werden - folgen immer dem englischen Bleigewichtscode, das die Posentragkräfte nicht in Gramm oder Unzen, sondern nach einem traditionellen Buchstaben- und Zahlencode angibt.

Letzterer rührt daher, dass früher in Ermangelung anderer Bleischrote auf dem Markt, die Bleikügelchen der Schrotladungen von Flintenpatronen mit dem Messer aufgespalten und dann auf die Angelschnur geklemmt wurden. An manchen Codes merkt man das: Der Code "SSG" bedeutet

"Swan Shot Grain" - also zu deutsch "Schwanenschrot".

Hier die Umrechnungszahlen der englischen Codes in Gramm:

LG 3g

SSG 1,6g

SG 1,2g

AAA 0,8g

AB 0,6g

BB 0,4g

A 0,3g

N° 4 0,2g

N° 6 0,1g

N° 8 0,06g

N° 10 0,04g

Da die Schrote ihrerseits nach Unzen gewogen wurden und der gewogene Wert dann in Gramm umgerechnet wurde, sind diese Angaben stark gerundet. Man sollte also einen Waggler mit englischen Traggewichtsangaben gar nicht erst mit kontinentalen, in Gramm gemessenen Breischroten ausbleien wollen. Das Ergebnis wäre immer ungenau.

Lieber sollte man hochwertige englische Schrote verwenden. Die Schrotbleie von Dinsmore etwa stimmen ganz präzise und sind die ideale Ergänzung zu hochwertigen Wagglern - nicht nur von Drennan. Dabei sind sie noch nicht mal teurer als andere Bleischrotsortimente.


Im Team unschlagbar: Waggler von Drennan und Bleie von Dinsmore:

Bild

Ist zum Beispiel auf einem vorbebleiten Waggler die Angabe zu lesen:

"LG+2BB", dann heißt das: der Waggler ist mit ca. 3g vorbebleit und hat eine Gesamttragkraft von 3g + 0,4g + 0,4g, also insgesamt 3,8g.

Man kann sich die Umrechnerei ganz sparen, wenn man einfach 2 BB-Schrote (oder vier Schrote N° 4) zusätzlich bebleit. Hinzu kommt dann noch ein Ankerschrot - N°4 oder N°6

Bei der Liftmontage bebleit man mit Schroten in Gramm.

Es hat allerdings seinen Grund, dass die britischen Wagglermontagen gegenüber den kontinentalen Liftmontagen bei Friedfischanglern immer beliebter werden. Kein Bleischrot, dessen Gewicht, und keine Pose, deren Tragkraft in Gramm angegeben ist, stimmen so präzise zueinander wie das englische Gerät.

Ob das wohl der Grund dafür ist, dass inzwischen renomierte Matchausstatter wie Millo, Tubertini und Trabucco lieber Waggler produzieren als Liftposen?

Und wenn ein Fisch beißt?

Jedem Matchangler stockt jedesmal aufs Neue der Atem, wenn die Spitze seines Wagglers oder seiner Liftpose wie ein Spargel aus dem Wasser wächst. Nun wird er einen schnellen, aber sehr sachten, am besten zur Seite hin ausgführten Anhieb setzen (das beugt sowohl einem Ausschlitzen des Fisches, als auch einem Bruch der feinen Schnur vor) - und kann sich auf einen spannenden Drill am feinen Gerät freuen.


Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht euer angelnder Pfarrer!
Zuletzt geändert von Reverend am Sa 3. Feb 2007, 22:08, insgesamt 1-mal geändert.

Börni

Beitrag von Börni » Sa 6. Jan 2007, 13:56

:shock: :shock: Booahh...



super anleitung!!! danke vielmals!



das werd ich diesen sommer wohl eimal ausprobieren!

Reverend

Beitrag von Reverend » Sa 6. Jan 2007, 20:52

Viel Spaß damit, Börni!



Diese Montagen sind allerdings nur dann empfehlenswert, wenn es kaum Wind hat und die Wasseroberfläche glatt ist wie ein Spiegel.

Bei rauherem Wasser empfiehlt sich eher eine sehr feine Grundmontage an der Winklepicker-Rute.

wobbler

Beitrag von wobbler » So 7. Jan 2007, 02:47

lieber reverend.



auch hier zeigt sich wieder einmal, mit welcher sorgfalt und leichten vertändlichkeit, jedem fischer, plausibel die wirkungsweise der unterschiedlichen posen, aufgezeigt werden kann.



besten dank........ auch ich habe wieder mein anglerisches wissen......

...mhhh :roll: ............ verfeinert. bb :idea:

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Uwe
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Beitrag von Uwe » So 7. Jan 2007, 11:20

Gerhard

Das nenn ich eine Anleitung. Suuuuuper :!: :!:



Und Deine Grafiken dazu, wirklich Klasse :!: :!:



Merci :wink:
Gruss Uwe
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Beitrag von walterone » So 7. Jan 2007, 18:32

verständliche informative anleitung . thx @Reverend.

am broyekanal sind ab und zu match angler aus milano anwesend. als ich mir mal deren ausrüstung anschauen durfte, staunte ich erst mal eine runde. echt der wahn. sicher hunderte von fertig montierten montagen .
ein petri vom neuenburgersee

Reverend

Beitrag von Reverend » Fr 2. Feb 2007, 21:48

Hilfreich ist bei den englischen Codes noch, sich zu merken, welcher Code jeweils die Verdoppelung bzw. das Vielfache eines anderen darstellt:



LG 3g

SSG 1,6g = 2 AAA = 4 BB = 8 N° 4

SG 1,2g = 2 AB = 4 A = 6 N° 4 = 12 N° 6

AAA 0,8g = 2 BB = 4 N° 4 = 8 N° 6

AB 0,6g = 2 A

BB 0,4g = 2 N° 4 = 4 N° 1

A 0,3g

N° 4 0,2g = 2 N° 6

N° 6 0,1g

N° 8 0,06g

N° 10 0,04g

Arts

Re: Waggler - und Liftmontage

Beitrag von Arts » Mo 23. Aug 2010, 22:54

Hallo,

Ich will das morgen mal ausprobieren. Ich habe dies nun in der Theorie gelesen und habe noch zwei Fragen.

Wie lotet ihr die Tiefe aus? Ein Antasten bis die Pose nicht mehr vollkomen ausgebleit, eben unterbleit ist, also aus dem Wasser ragt?

Das Ankerschrot liegt auf dem Grund, inwiefern soll dieses zur Überbleiung dienen, es verusacht ja keinen Zug da es eben auf Grund liegt. Die Pose wird so nicht anheben beim Biss, Aufnehmen des Köders.... Wie ich das verstehe müsste die Pose bereits ohne Ankerblei überbleit sein. Aber dann würde sie ja auch nicht anheben, dazu müsste die überbleiung knapp über Grund liegen so das wenn der Fisch den Köder nimmt, dieser nach dem anheben des Kopfes die Überbleiung anhebt, und die Monatge unterbleit.

Oder wie ist das?

Gruss
Thomas

Reverend

Re: Waggler - und Liftmontage

Beitrag von Reverend » Di 24. Aug 2010, 11:44

Überbleiung ist weniger eine Funktionsbeschreibung als vielmehr eine Umschreibung der Tatsache, dass die Gesamtbleimenge höher ist als die Tragkraft der Pose / des Zapfens.

Das Ankerschrot, das auf dem Grund aufliegt, ist für die sensible Bissanzeige wichtig, weil bei der Köderaufnahme eben erst der Zug für die volle Posentragkraft hergestellt wird und so der Zapfen ein Stück aus dem Wasser steigt. Du erkennst den Biss also schon deutlich bevor der Fisch abzieht.

Beim Ausloten der Angeltiefe gibt es mehrere Möglichkeiten:

1. Befestige am Vorfachkarabiner einer Grundlaufbleimontage einen Zapfen mit geringerer Tragkraft als das Grundblei Gewicht hat.
Wirf aus und lass die Schnur locker, bis der Zapfen an die Oberfläche kommt. Spanne die Schnur, bis der Zapfen steht. Nun befestige vor der Rutenspitze auf der Hauptschnur einen einfachen Stopperknoten. Hole die Schnur danach wieder ein, bis der Zapfen wieder am Grundblei ansteht. Befestige einen zweiten Sopperknoten vor der Rutenspitze und lass den Zapfen anschließend wieder aufsteigen. Nun miss die Schnurstrecke zwischen den beiden Stopperknoten. Sie entspricht deiner Angeltiefe. Stelle diese Tiefe danach an deinen Posenruten ein, mit denen du angelst. Lass bis zum Auswurf deiner Posen-/Wagglermontage die Lotmontage als Marker ausgebracht. Danach kannst du die Lotpose einholen und für deine zweite Wagglermontage die Angelstelle ausloten.

2. Weniger genauer, dafür weniger aufwändig ist das versuchsweise Loten mit der fertigen Montage - wie von dir beschrieben.

3. EIne High-Tech-Variante wäre noch das Ausloten mit einem Smartcast-Hummingbird wireless Fishfinder an einer Spinnrute.

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Re: Waggler - und Liftmontage

Beitrag von champas » So 24. Aug 2014, 13:05

Sorry, dass ich den Beitrag wieder ausgrabe :D
Aaaaber: Hab Gestern und Heute etwas mit dem Waggler rumprobiert... Das Ankerblei, welches auf Grund liegt, hat ja überhaupt keinen Einfluss darauf ob die Waggler-Spitze nun wie eine Spargel aus dem Wasser wächst oder nicht! Es sei denn wir Loten genauestens aus, sodass das Ankerblei genau auf Grund liegt (oder ein paar cm darüber schwebt und der Köder dann auf Grund) und die Schnur bei einer Laufbleimontage gespannt ist. Dann entlastet der Fisch beim Anbeissen die Pose (durch das Anheben des letzten Bleischrots) und sie steigt aus dem Wasser.
Aber wenn das Ankerblei auf Grund liegt und dann die Schnur zwischen Ankerblei und den "normalen" Bleischroten nicht gespannt ist, hat ja das Anheben keinen Einfluss, denn Entlastet wird nicht und zur Überbleiung trägt das Ankerblei auch nichts bei.
Habe ich also irgendwo etwas nicht verstanden oder ist es einfach wichtig auf das korrekte Ausloten zu achten, damit das Ankerblei nur knapp über Grund aber nicht direkt drauf liegt?? (Also eigentlich die selbe Frage, wie sie Arts gestellt hat. Irgendwie hat sich durch die Antwort aber der Knopf bei mir nicht gelöst :P)
Ach, und übrigens ein suuuper Bericht - ein grosses Danke an dieser Stelle!!

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