Futterkorb-/ Feedermontagen

Interessantes und wissenswertes zum Thema Montagen.
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Reverend

Futterkorb-/ Feedermontagen

Beitrag von Reverend » Di 2. Jan 2007, 14:50

Futterkorb-/ Feedermontagen


Als eine Variante des Grundangelns auf Friedfische (Barben, Aitel, Brassen, Schleien und Karpfen) in Fließgewässern, die punktgenaues und sparsames Anfüttern ermöglicht und zugleich ein Verdriften der Grundmontage in der Strömung verhindert, wurde das Angeln mit dem Futterkorb (engl.: feeder) einst auf den britischen Inseln entwickelt.

Je nach Stärke der Strömung und dieser dann angepasstem Futterkorbgewicht wird mit speziellen 3,30-4,20m langen Feederruten gefischt.

Feederruten gibt es als medium feeder - (bis ca 60g WG), heavy feeder -(bis 120g WG) und extra heavy feeder - Ruten (über 120g WG).

Allen gemeinsam ist neben der Länge eine ausgeprägte Spitzenaktion durch austauschbare Zitterspitzen, die eine sehr sensible Bissanzeige ermöglichen.

Je nach Wurfgewichtsklasse der Feederrute wird in der Regel mit Monoschnüren von 0,22 bis 0,30mm Durchmesser gefischt. Neuerdings werden allerdings, v.a. zum heavy feeder- Fischen , auch gerne immer häufiger Geflechtschnüre verwendet, da sie auf weitere Distanzen, die man beim Wurf mit der Feedermontage auch mühelos erreichen kann, eine noch direktere Bissanzeige ermöglichen. Allerdings empfiehlt es sich bei der Verwendung von Geflechtschnur eine Schlagschnur von 1 1/2 - 2facher Rutenlänge aus Monofilament zu verwenden, um ein Ausschlitzen der gehakten Fische bei Anhieb und Drill zu vermeiden.

Ich persönlich verwende zum Feedern ausschließlich Monoschnüre.

Natürlich lässt sich auch ein Futterkorb montieren wie jedes beliebige Grundblei auch - also entweder am Seitenkarabiner eines Anti-Tangle-Röhrchens oder an einem auf die Hauptschnur gefädelten, frei beweglich laufenden Karabinerwirbel. Da die Futterkörbe auf Grund ihrer Größe und ihres Herumpendelns allerdings gerne für Verwicklungen mit dem Vorfach sorgen, sind die folgenden beiden, speziell für das Feederfischen entwickelten Montagen empfehlenswerter:

Bild

Diese Montage sieht kompliziert aus, ist aber dennoch relativ einfach zu binden.

Als Erstes wird ein Karabinerwirbel auf die Hauptschnur gefädelt, in den später der Futterkorb eingehängt wird.

Dann wird mittels eines Gaggeli - oder Chirurgenknotens mit zwei bis drei Windungen (Überhandknoten mit doppelt gelegter Schnur) eine etwa 1m lange Schlaufe gebunden.

Nun wird der Wirbel in Richtung Knoten geschoben und am vorderen Ende der Schlaufe mittels eines Gaggeli - oder Chirurgenknotens ein Teil der Schlaufe abgebunden. Dabei ist darauf zu achten, dass dies leicht asymmetrisch geschieht, also der untere Teil der oberen großen Schlaufe ca 20cm länger ist als der obere.

Nun wird an der vordersten Spitze abermals mittels eines Gaggeli - oder Chirurgenknotens eine kleine Einhängeschlaufe abgebunden, in die später das Vorfach mittels einer loop-to-loop - Verbindung eingeschlauft wird.

Das Vorfach sollte etwas kürzer (40cm reichen) gehalten werden, wenn diese Montage ihre ganzen Vorzüge ausspielen soll:

Beim Wurf saust der Futterkorb in der asymmetrischen Schlaufe nach vorne. So stellt sich das weitaus leichtere beklöderte Vorfach aufrecht und kann sich nicht mit dem Futterkorb verwickeln.

Ist die Montage auf den Grund gesunken und durch den Aufprall des Korbes das Futter aus ihm herausgeschleudert wurden, sodass sich (vor allem in der Strömung) ein Futterteppich bildet, sinkt der Köder am kurzen Vorfach mitten in diesen hinein.

Da der schwere Futterkorb nun sehr locker in der Schlaufe hängt, wird zwar ein Verdriften der Montage verhindert, zugleich aber einem anbeißenden Fisch keinerlei Widerstand entgegengesetzt, bis er nach der Aufnahme des Köders beginnt, Schnur abzuziehen. Nun verrät die sensible Zitterspitze unserer Feederrute den Biss, und wir setzen einen wohl dosierten Anhieb.

Die Schlaufenmontage eignet sich aber nicht nur zum Feederfischen auf Friedfische, sondern auch zum einfachen Grundangeln mit einem Grundblei auf Aal und Rutte (Trüsche).

Wird allerdings auf Aal oder Zander mit dem toten Köderfisch auf Grund geangelt, ist die traditionelle Durchlaufmontage vorzuziehen.

Meist wird mit dieser Montage in mäßiger bis mittlerer Strömung stromab oder im stehenden Gewässer gefischt.

In stärkerer Strömung indes sollte, damit diese den Futterkorb kräftig zu Boden drückt, stromauf und auf kürzere Distanz gefischt werden.

Dafür empfiehlt sich die Straight-Paternoster-Montage:

Bild
Auch sie ist relativ einfach zu fertigen:

Bild

Da mit ihr stromauf gefischt wird, treibt die Strömung das Futter (das natürlich in diesem Fall mehr Binder enthalten sollte) genau dem am Seitenarm montierten Köder entgegen.

Darum eigent sich diese Montage auch hervorragend zum Aal - und Rutten-/Trüschenfischen in schnellen Bächen. In den Futterkorb kommt dann allerdings kein Partikelfutter, sondern Erde aus dem Wurmeimer, ggf. mit Haferflocken oder anderen Bindern klebrig gemacht, mit Wurmstücken als Partikeln, oder das gute alte Rubby-Dubby (Fischbrei), das den Aalen oder Rutten/Trüschen dann eine wahrhaftige Duftfahne entgegentreiben lässt.


Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht euer angelnder Pfarrer. :wink:

Rivermaster Fredu

Beitrag von Rivermaster Fredu » Di 2. Jan 2007, 15:07

Suuuuuper :!:

Da hast du dir aber viel Mühe gegeben.

Danke für den tollen Bericht.

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Martin
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Beitrag von Martin » Di 2. Jan 2007, 15:09

Ich sage es nochmal! Gerhard hat vermutlich seinen Job als Grafiker verfehlt :-) Super gemacht! Danke! :up:
Gruss Martin

Es ist mir egal wie dein Vater heisst, solange ich hier angle geht niemand übers Wasser

Reverend

Beitrag von Reverend » Di 2. Jan 2007, 16:53

Verdient in der Schweiz ein Graphiker mehr als ein Pfarrer???



OK. Auf die Dauer würde mich das Graphikdesign wohl nicht ausfüllen.

wobbler

Beitrag von wobbler » Di 2. Jan 2007, 16:55

Reverend hat geschrieben:Verdient in der Schweiz ein Graphiker mehr als ein Pfarrer???


das weiß ich nicht........ aber der weg zur kirche wäre dann für dich auf jeden fall weiter...... 8) :shock: 8)

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