Die Schleie (Tinca tinca)

Interessantes und wissenswertes zum Thema Fisch.
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Andal

Die Schleie (Tinca tinca)

Beitrag von Andal » So 11. Nov 2007, 15:38

Die Schleie


Tinca tinca


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Die Schleie ist ein von vielen Sagen umgebener Fisch. In früheren Zeiten wurden ihr heilsame Kräfte nachgesagt. So sollten sich verletzte Fische absichtlich an ihr reiben, um wieder zu genesen. Selbst in der Volksheilkunde fand Schleienschleim Verwendung.

Angler gibt sie aber auch heute noch so manches Rätsel auf. Um ihr Geschlecht macht die Schleie jedoch kein Geheimnis. Beim Milchner sind die Bauchflossen wesentlich kräftiger, als beim Rogner. Sie ist damit einer der wenigen heimischen Süßwasserfische, die ein äußerlich sichtbares Geschlechtsmerkmal aufweisen.

Als Mitglied der Familie der Karpfenfische ist sie ausgesprochen robust und kann auch extreme Lebensbedingungen schadlos überstehen. Sowohl im Winter, als auch im Sommer kann sie in eine Art Starre verfallen und somit ihren Stoffwechsel reduzieren. Kälte und nahrungsarmes Wasser verschläft sie genauso, wie hochsommerliche Sauerstoffzehrung.


Vorkommen

Schleien sind typische Liebhaber kleinerer, warmer und vegetationsreicher Gewässer. Obwohl sie auch gelegentlich in Flüssen vorkommen, dort aber auch nur in den ganz ruhigen Bereichen, sind sie als reine Fische stehender Gewässer zu bezeichnen.

Dank ihres rustikalen Naturells finden sie sich auch in kleinsten Tümpeln und Weihern zurecht. Allerdings neigen sie dann zu Verbuttung und Zwergwuchs. Für ein gutes Abwachsen benötigen Schleien einen guten Bestand an Hechten in ihrem Lebensraum. Ein Schleiensee, also einer in dem sie der Leitfisch ist, der ist fast so selten wie der berühmte Sechser im Lotto. Durch hohen Befischungsdruck und fehlerhafte Bewirtschaftung werden solche Seen immer weniger. Kennzeichnend für einen, im Sinne von Schleien, produktiven See sind ausgedehnte Flache Buchten mit weichem Grund und einer ausufernden Vegetation. Das macht das Fischen zwar nicht leichter, aber Schleien lieben diesen Unterwasser-Dschungel. Schleien sind in kleinen Trupps unterwegs und zwar immer auf denselben Routen, auch Schleienstraßen genannt. Aus eigenem Antrieb weichen sie davon auch nicht ab. Zu unserem Glück sind Schleien nicht nur extrem scheue Fische, sie sind ebenso neugierig. Durch gezielte Futterkampagnen, oder sehr zurückhaltendes Präparieren einer bestimmten Stelle kann man sich das zu Nutze machen.

Man sagt der Schleie nach, sie sei ein absoluter Dämmerungs- und Nachtfisch. Das stimmt nur zum Teil. In schwach bewachsenen Baggerseen kommen auch Schleien vor und die sind eigenartigerweise gerne in der prallen Mittagssonne unterwegs.

Schleien machen es dem Angler recht angenehm, liebt sie doch die Wärme. Wenn sie uns auch manchmal an den Rand des Wahnsinns treibt, so hat sie doch ein Erbarmen und lässt uns wenigstens nicht frieren. Meine besten Schleienfänge hatte ich an schwülwarmen Sommerabenden mit bedecktem Himmel, oder gar leichtem, warmen Regen.


Köder und Futter

Als den besten aller Schleienköder nenne ich ohne zu zögern den Mistwurm. Würmer allgemein sind der Schleienköder schlechthin, aber der Beste ist und bleibt der Mistwurm! Die Schleie hat im übrigen einen sehr weit gefächerten Geschmack. Teige, Brot, Mais, auch gefärbter, Schnecken und Muschelfleisch sind fängige Köder. Maden benutze ich nicht gerne bei der Schleienpirsch, da sie mir zu viele unerwünschte Kleinfische an den Haken bringen. In letzter Zeit haben sich auch Boilies als sehr effektiver Köder erwiesen. Natürlich nicht in den üblichen Formaten, wie sie beim Karpfenfischen benutzt werden. Die Kugeln sollten nicht größer als 12 mm sein, besser sind 8 – 10 mm. Gut gefangen habe ich bis jetzt immer mit Nuss- und Muschelaroma. Boilies wirken allerdings nicht instant. Man muss die Fische über einen gewissen Zeitraum an diesen Köder gewöhnen. Eine tägliche Gabe von jeweils zwei Handvoll über etwa vier Tage genügt. Die Fütterung sollte stets zur gleichen Zeit erfolgen. Der Zeit zur der man dann im Anschluss auch zu fischen gedenkt. Diese Praktik sollte man sich für jede Form der Vorfütterung angewöhnen. Am Angeltag selbst gibt man nur noch eine kleine Handvoll, um die Fische zu einer verstärkten Nahrungssuche zu bewegen.

Grundsätzlich kann und sollte bei der Fischerei auf Schleien gefüttert werden. Es gibt aber einige sehr wichtige Unterschiede zu anderen Arten, die zu beachten sind. Schleienfutter sollte immer eine herbe, aromatische Note haben und nach Möglichkeit reichlich zerschnittene Würmer enthalten. Eine Mischung aus dunklem Brotmehl, abgelagerter Komposterde und Wurmstückchen ist einfach herzustellen und wirkt ausgezeichnet. Fertige Mischungen aus dem Handel sind ebenfalls oft erfolgreich. Ganz wichtig ist der Farbton der Mischung. Trotz aller Neugier sind Schleien sehr vorsichtig. Futter, das in einem farblichen Kontrast zum Gewässerboden steht, wird in aller Regel mehr schrecken als locken.

Schleien an einen neuen Futterplatz locken ist ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Man muss nach ihren Straßen suchen und dazu geben uns die Fische eine Reihe von Zeichen. Fressende Schleien verraten sich gelegentlich durch geräuschvolles Rollen an der Oberfläche. Beim Durchwühlen des Sediments setzen Schleien kleine Gasblasen frei, die ähnlich den Kohlensäureperlen in einem Sektglas aufsteigen. Zeigen sich keine Anzeichen fressender Schleien, so versucht man ihre Spuren am Gewässergrund zu finden. Tinca steht zum Fressen quasi auf dem Kopf, während sie den Mulm nach nahrhaftem durchsucht. Dabei entstehen kleine trichterartige Vertiefungen im Sediment. Hat man die Routen ausgemacht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Schleien wieder auftauchen. Dann sollte man zur Stelle sein und den Köder im Wasser haben.

Eine weitere Möglichkeit ist das harken des Angelplatzes. Wenn überhaupt erlaubt, dann darf es nur mit äußerster Zurückhaltung ausgeübt werden. Durch das aufwühlen des Bodens werden viele Nährtierchen freigesetzt, die von den neugierigen Schleien mit Appetit verzehrt werden. Mit Harken ist nicht das Entfernen des Bewuchses gemeint, sondern lediglich das vorsichtige aufstochern des Gewässerbodens.


Mit der Grundangel

Grundangeln kann man getrost als die zweitbeste Art der Schleienangelei nennen. Die Methoden des Fischens mit dem Festblei ausgenommen.

Manchmal ist man durch äußere Umstände gezwungen mit der Grundrute auf Schleien zu fischen. Große Angelentfernung, Wind und Wellengang machen den Einsatz einer Posen- montage teilweise unmöglich. In solchen Fällen sollte man immer so sensibel fischen, wie es geht. Und was ist sensibler als die Schwingspitze? Sie zeigt fast so deutliche wie eine Pose, was gerade am Haken vor sich geht. Selbstverständlich kommen nur ganz empfindliche Durchlaufmontagen zum Einsatz, die der Schleie so wenig Widerstand, wie möglich entgegensetzen. Seitenbleie, Tiroler Hölzl und Stehaufbleie sind unabdingbar! Wegen der vielen Hindernisse und des Krautes wegen sollten die Schnüre niemals zu dünn gewählt werden 0,22 mm sind das Minimum.

Beifänge beim Karpfenangeln haben gezeigt, dass ein gezieltes Befischen mit Boilies und Boltrigs durchaus Sinn macht und sehr erfolgreich sein kann. Gerät der 1 ½ bis 2 lbs. Klasse ist optimal. Die Blei können mit 1 ½ oz., auch leichter ausfallen. Haken der Größe 6 und 8 passen zu den Miniboilies. Die Vorfächer aus weichem HPPE Material sollten mit ca. 35 cm etwas länger sein, als bei Karpfen üblich. Das Haar immer so kurz es geht montieren.

Schleien sind Meister im Spielen mit dem Köder. Darum stets bei den Ruten bleiben und beim ersten Piepen des Bissanzeigers in den beginnenden Run hinein anschlagen. Ein regelrechter Selbsthakeffekt wird sich bei Schleien selten einstellen. Dazu fehlt ihr das Ungestüm des Karpfens.


Mit der Posenangel

Das Fischen mit der Pose auf Schleien ist das Spannendste, was einem Angler widerfahren kann. Man sitzt in aller Stille in der Dämmerung am See. Die Pose ist in einer Krautlücke platziert und eine sanft Blasenspur nähert sich ihr im Zeitlupentempo. Winzige Zupfer am Schwimmer signalisieren, dass sich eine Schleie mit der Prüfung des Wurmes beschäftigt. So eine Prüfung kann dauern. Erst wenn die Pose wie ein Spargel aus dem Wasser wächst, kann man sicher sein, dass sie den Happen genommen hat. Wem jetzt nicht das Herz bis zum Halse schlägt, der hat entweder keine Nerven, oder er ist schon tot.

Die Liftmontage ist wie fürs Schleienfischen gemacht. Schleien machen, wie gesagt, beim Fressen Kopfstände. Sie nimmt den Köder, vereinfacht ausgedrückt, in folgender Weise. Sie schwimmt knapp über Grund. Zur Nahrungssuche stellt sie sich beinahe auf den Kopf, fasst den Happen nach eingehender Untersuchung und kehrt wieder in ihre normale Schwimmlage zurück. Das geschieht in aller Seelenruhe; Hast ist der Schleie fremd.

Zum Posenangeln auf Schleien benutzt man im Grunde genommen Matchgerät, allerdings eine bis zwei Nummern stärker. 12 ft. lange Ruten mit einer Testkurve von 1 ¼ bis 1 ¾ lbs. sind ideal. Die Aktion ist besser zu weich, als zu hart. Schwere Matchruten mit Spitzenaktion sind als Schleienruten nicht das Gelbe vom Ei! Die Schnüre sollten nicht zu dünn sein und etwas abkönnen, schließlich angeln wir direkt am Kraut, oder gar mitten darin. Kapitale Schleien können bis zu 10 Pfund erreichen und ein Karpfen als „Beifang“ ist auch keine Seltenheit. Eine gute 25er Schnur darf es da schon mindestens sein. Als Hakengrößen kommen 4er bis 10er in Frage, je nach Köder. Filigranes Stippergeschirr hat beim Schleienfang nichts zu suchen!


Verwertung

Schleien haben ein festes und sehr wohlschmeckendes Fleisch. In Anbetracht der seltenen Großschleien sollte man sich aber überlegen, gelegentlich zum Gesetzesbrecher zu werden und Catch & Release zu praktizieren. Für einen angehenden, oder erfahrenen Specimen Hunter ist das sowieso keine Frage.

Bachfischer

Beitrag von Bachfischer » So 11. Nov 2007, 15:45

Danke für den super Bericht :!:

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Beitrag von Rolf » So 11. Nov 2007, 15:49

Bachfischer hat geschrieben:Danke für den super Bericht :!:


dieser Aussage möchte ich mich vollumfänglich Anschliessen, sind sie doch eine grosse Bereicherung für unser Forum :!:



vielen Dank Andal :up:
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!

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Beitrag von Lutra » So 11. Nov 2007, 15:55

Hallo Andal



Ich komme kaum mehr nach mit Lesen vor lauter super Berichten die Du hier postest. Habe auch schon einmal einen Abstecher in Dein Forum gemacht und mich ein wenig eingelesen. Da findet man dann auch den einen oder anderen Forumsteilnemer von hier :wink: coole Sache :!:

An dieser Stelle möchte ich mich einmal pauschal für alle diese guten Berichte, welche Du in so kurzer Zeit dem Forum hast zukommen lassen, bedanken.



Gruss und Dank



Flavio
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Beitrag von Stratos » Mi 14. Nov 2007, 10:34

Auch ich schliesse mich an, ich bin stolz darauf im selben Forum wie du unterwegs zu sein.....hammer bericht, wird mir nächstes Jahr sicher helfen! Das mit den Schleienstrassen stimmt, bei uns am Zürichsee hab ich bis jetzt 2 Stellen ausgemacht, wo regelmässig "geweidet" wird. Zuerst kommt eine kleine Gruppe mit riieesigen Fischen, am nächsten od. übernächsten Tag die kleineren (immer noch 25 bis 40cm!) und grast den Rest ab. Die 2.Gruppe besteht aber aus knapp 20 Fischen!



Denkst du, nächstes Jahr werden die Routen sie selben sein?

Andal

Beitrag von Andal » Mi 14. Nov 2007, 11:47

Schleien sind die absoluten Gewohnheitstiere unter den Fischen. Wenn sie mal ihre Routen haben, dann ändern die sich nur, wenn sich wirklich grob was tut.

bebbi

Beitrag von bebbi » Mi 14. Nov 2007, 13:32

Interessanter Bericht, als Zapfenfischer bin ich davon sowieso begeistert und wenn mal etwas nichts mir Kunstködern zu tun hat bin ich auch nicht böse. Ich warte immer noch auf meine 1. Schleie, allerdings nicht aktiv.



Andal, du solltest etwas näher an die Schweizer Grenze ziehen. :wink:

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