Der Alet, Aitel, oder Döbel

Interessantes und wissenswertes zum Thema Fisch.
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Andal

Der Alet, Aitel, oder Döbel

Beitrag von Andal » Sa 10. Nov 2007, 09:34

DerAlet, Aitel, oder Döbel (Leuciscus cephalus)



Bild


In einigen Gegenden wird er auch Dickkopf genannt. Das beschreibt ziemlich genau sein eigenwilliges Verhalten. Ein Aitel ist um ein Vielfaches schwieriger zu fangen, als eine gleich-große Forelle. Er ist ein typischer Flussfisch, kommt aber auch sporadisch in Seen vor, die an ein entsprechendes System angeschlossen sind. Diese Exemplare gelten den meisten Anglern als unfangbar, haben sie doch alle Zeit der Welt, den Köder eingehend zu prüfen. Die Fischerei auf diesen Fisch kann zur Lebensaufgabe werden. Nicht wenige, hauptsächlich englische Angler fischen ausschließlich auf diese schlauen und gelegentlich hinterfotzigen Fische. Das hat natürlich seine Gründe. Der Döbel ist über das ganze Jahr fangbar. Er hat ein unglaublich umfangreiches Nahrungsspektrum. Es gibt so gut wie keinen Köder, mit dem er noch nicht gefangen wurde. Er ist Friedfisch und Räuber in einem.

Der bekannte englische Angler Matt Hayes geht sogar so weit, in dem er sagt: „Dürfte ich den Rest meines Lebens nur noch auf eine einzige Fischart angeln, es wäre der Döbel!“

Auch ich bekenne mich, ein uneingeschränkter Aitel – Fan zu sein!


Vorkommen

Man findet ihn in fast allen Fließgewässern, von der Quelle bis zur Mündung. Lediglich eiskalte Gebirgsbäche meidet er. Sein bevorzugter Lebensraum liegt unterhalb der Forellen- und oberhalb der Brassenregion. In reich strukturierten und möglichst naturbelassenen Wiesenflüssen fühlt er sich am wohlsten. Im Süden ist er weiter verbreitet als im Norden. Nur ganz wenige Teile Deutschlands sind tatsächlich ohne Döbelvorkommen.

Er lebt recht gesellig in kleinen Schwärmen, die ein manchmal sehr unterschiedliches Verhalten an den Tag legen. Sesshaftigkeit und Vagabundentum sind zu beobachten. Gefressen wird überall im Fluss, allerdings hat er dabei gerne eine Rückzugsmöglichkeit im Rücken. Dazu zählen alle Formen von Strukturen in Fluss. Überhängende Büsche, Treibgutansammlungen, tiefe Kolke, Wehrgumpen, unterspülte Ufer und Vertiefungen hinter Steinen und Brückenpfeilern. Also Plätze, wo es vom Bett nicht weit zum Tisch ist! Dort ernährt er sich dann á la Saison.


Köder und Futter

Einen definitiven Köder für Aiteln anzugeben ist unmöglich! Zu vielschichtig ist sein Geschmack. Würmer, Maden, Mais, Boilies, Schnecken, Hundefutter, Brot, Wurst, Frühstücksfleisch, Obst, Insekten, Fliegen, Spinner, Wobbler, gestocktes Blut, Gummibären, Köderfische, Fleisch, Leber… . Wirklich alles wird genommen. Aber nicht immer. Was heute hui war, ist morgen vielleicht schon wieder pfui. Allen Ködern muss aber eines gemein sein, sie müssen unbedingt unauffällig präsentiert werden! Kaum ein Fisch riecht den Braten schneller und schmollt dann ausgiebiger und demonstrativer, als der Döbel. Nachdem er einen Köder endgültig abgelehnt hat reagiert er nicht mit wilder Flucht. Nein er dreht in aller Ruhe ab und reagiert in Folge sämtliche weiteren Versuche. Dabei hat man bisweilen, in klarem Wasser, den Eindruck, er lacht einen aus. Das erklärt auch die Hassliebe, die ihm die Spezialisten entgegenbringen.

Man muss aber deshalb nicht verzweifeln. Es gibt Situationen und Köder, da lässt er sich dann doch ziemlich zuverlässig überlisten. Im kalten Winterwasser fängt man Döbel gut mit Hühnerleber, angeboten auf Grund in ruhigen, tiefen Flussabschnitten. Im Frühjahr und dem beginnenden Sommer nimmt er gerne die treibende Brotflocke nahe seiner Einstände. Im Sommer ist die beinahe schon legendäre Kirsche ein zuverlässiger Köder. Dazu ist auch gar nicht notwendig, dass Kirschbäume an Ufer stehen. Im Herbst lohnt es, einen kleinen Köderfisch anzubieten.

Die absolut besten Chancen hat der Angler aber im Sommer, nach kurzen und heftigen Regenfällen. Dabei steigt der Pegel kurzfristig an und es wird vor allem jede Menge an natürlicher Nahrung ins Wasser geschwemmt. Die trübe Brühe bietet uns zusätzliche Deckung. Jetzt ist eine braune Wegschnecke an der Freien Leine, oder ein fetter Tauwurm, mit dem rollenden Grundblei angeboten unschlagbar. Die Bisse kommen vehement, deutlich und ohne jede Scheu. Wer bei solchen Bedingungen nicht auf Aiteln fischt, ist selber schuld!

Für den Geldbeutel ist er ein angenehmer Fisch. Da man ihm vorzugsweise beim Wanderangeln nachstellt, sind aufwendige Futterkampagnen nicht notwendig. Sparsame Gaben des Hakenköders reichen völlig aus. Lediglich beim Ansitzangeln, besonders dann, wenn Boilies zum Einsatzkommen sollen, sollte man etwas großzügiger vor- und anfüttern. Um ihn für einen längeren Zeitraum an einen Platz zu binden und ihm zusätzlich ein wenig die Scheu zu nehmen, gibt es einen doch recht anrüchigen Trick. Dazu sucht man sich einen viel versprechenden und gut zu beangelnden Platz. Mit einem Stock, oder wie auch immer, befestigt man ein Stück Fleisch, oder Aas, so, dass es über dem Wasser hängt. Den Rest besorgen die Fliegen, die ihre Eier darauf ablegen. Schon bald wird das Teil wieder lebendig. Die Maden fallen dabei reichlich ins Wasser und erledigen die Fütterung. Logisch das wir nur mit Maden an der leichten Posenmontage fischen. Enorm wichtig ist bei dieser Fütterung, dass man immer die Windrichtung beachtet. Nichts fördert den Würfelhusten so probat, wie der Duft faulenden Fleisches!


Mit der Grundangel

Die passenden Ruten zum Grundangeln auf Döbel sind Avon, Medium Feeder und leichte Karpfenruten bis 1 ¾ lbs., sie sollten zwischen 10 und 12 ft. lang sein. Ich verwende dabei Schnüre zwischen 0,18 und 0,30 mm. Dazu Stationär- oder Kapselrollen.

Die Montagen halte ich so einfach, wie möglich. Auf ein Vorfach verzichte ich, wann immer es geht. Zum Angeln mit dem rollenden Bodenblei, Roving genannt, oder um einen Köder in einer ruhigen Rückströmung anzubieten, binde ich den Haken direkt an die Hauptschnur. Etwa einen halben Meter weiter oben binde ich aus Power Gum einen Stopperknoten. Als Beschwerung wird um ihn etwas Tungsten Putty modelliert. Einfacher geht es nicht. Durch den verschiebbaren Gummi kann ich die Vorfachlänge beliebig verändern. Will ich mit freier Leine fischen genügt ein Handgriff und das Putty ist entfernt.

Zum Fischen mit Seitenblei, oder Futterkorb bevorzuge ich das Fixed Paternoster. Durchlaufmontagen kommen Nur im Winter zum Einsatz, wenn die Aiteln sehr zaghaft beißen und den Köder beim geringsten Widerstand sofort ausspucken und verschmähen.

Für trübe, unbekannte, oder größere Flüsse ist das Upstream Fischen sehr zu empfehlen. Dazu wird eine herkömmliche Paternostermontage mit einem möglichst leichtem Blei, oder Futterkorb, stromauf geworfen. Nach dem Straffen der Schnur wird es spannend. Sobald sich die Schnur lockert, d.h. wenn sie zusammenfällt, gilt es einen schwungvollen, aber keinesfalls harten Anhieb zu setzen. Fehlbisse sind dabei sehr selten. Der Vorteil dieser Montage ist, dass man sehr leichte Gewichte benutzen kann, während man unter gleichen Bedingungen bei Würfen quer zur Strömung leicht das vierfache an Blei benötigt, damit die Montage liegen bleibt. Der Wasserdruck auf die Schnur ist eben viel geringer.

Zum Grundangeln benutze ich recht große Haken. Ein 6er Eisen ist schon klein! Döbel haben eine beeindruckende Futterluke, dementsprechend sollten auch die Köder ausfallen. Schließlich sollen nur die Großen beißen! Damit beugt man auch der Gefahr vor eine eventuelle Jungforelle zu verangeln.

Beim Boiliefischen verwende ich ganz gewöhnliche Karpfenmontagen. Die Form der Bleie wähle ich in Abhängigkeit des Untergrundes aus. Bewährt haben sich flache Bleie, die sich beim Einholen schnell vom Grund lösen. Safety Rigs sind sehr zu empfehlen, denn sie beugen bei Bleihängern Materialverlusten vor. An diesen Montagen lässt sich auch sehr gut Wurst, Frühstücksfleisch und Käsewürfel am Haar anbieten.


Mit der Posenangel

Das klassische Trotting ist mir die liebste Angelmethode auf Aiteln. Wanderangeln mit treibender Pose und leichtem Gepäck. Das Gerät ist einfach und effektiv. Eine 12 ft. Posenrute mit einer Kapselrolle und einer guten 18er Schnur. Wer hat, der sollte eine Centrepin Rolle benutzen. Leider sind diese Schmuckstücke sehr teuer. Je nach Strömung benutze ich Avon- (für geringere Strömung), oder Chubberposen mit einer Tragkraft von 3 – 6 gr.. Die Hakengrößen bewegen sich zwischen 4 und 10.

Ebenso klassisch, wie simpel ist die Montage. Die fest montierte Pose wird so eingestellt, das der Köder knapp über dem Grund schwebt. Da zu eine Kettenbebleiung und einen durchgebundenen Haken. Nur wenn ich die Fische in einer ganz bestimmten Tiefe weiß, stelle ich flacher.

Einen ausgemachten Schwarm Döbel kann man mit sparsamen Geben von Weißbrotwürfeln dazu bringen sie zu nehmen. Haben sie Vertrauen zu diesem Köder gewonnen, lassen wir die flach eingestellte Montage, beködert mit einer Brotflocke, auf sie zutreiben. Zu dieser Fischerei gehört unbedingt eine Polbrille. Man darf sich aber keine Massenfänge erwarten. Meist ist schon nach dem ersten Fisch wieder Schluss. Aitel sind Oberverdachtschöpfer!


Mit der Freien Leine

Unkomplizierter kann eine Montage gar nicht sein. Haken anbinden – fertig! Brotflocken und Schnecken, Tauwürmer, Fleischköder und Köderfische werden so am unauffälligsten angeboten. Das oben beschriebene kurzfristige Sommerhochwasser ist dafür optimal. Ich fische dann grundsätzlich die Montage mit dem Gummistopperknoten. Ganz nach bedarf verkleide ich diesen Knoten mit Tungsten Putty, oder mit knetbarer Auftriebspaste. Damit erhalte ich eine zusätzliche Bissanzeige, hilfreich auf große Entfernungen und in besonders turbulentem Wasser. Brotflocken kann man so auch vor zu tiefem Versinken bewahren.

Wer schon einmal fressende Döbel beobachtet hat, der wird festgestellt haben, dass in einem Schwarm immer nur das vorderste Tier den antreibenden Happen nimmt. Danach macht er kehrt und reiht sich hinten im Schwarm wieder ein. Das kann man sich beim Fischen auf Sicht zu Nutze machen, indem man mit dem Auswerfen des Köders solange wartet, bis der größte Aitel sich anschickt zu fressen.


Verwertung

Die Meinung, Döbel seien minderwertige Speisefische kann man getrost als falsch bezeichnen. Sicher hat dieser Weißfisch viele Gräten, aber bei richtiger Zubereitung verwandelt er sich in eine Köstlichkeit. Ordentliche Fischkochbücher geben Aufschluss über die reichlichen Rezepte für Weißfische.

Reverend

Beitrag von Reverend » Sa 10. Nov 2007, 09:38

Servus, Andal.

Ich habe deinen informativen Artikel zum Aitel (in der Schweiz: "Alet")

mal in unsere Süßwasserfische-Datenbank verschoben, für die er eine weitere große Bereicherung sein wird.

Falls du noch Bilder hast, bitte ich dich, sie gegebenenfalls noch in denen Artikel hinein zu editieren.

Vielen Dank für deine Arbeit.

Andal

Beitrag von Andal » Sa 10. Nov 2007, 09:57

Besten Dank! :)



Man sehe mir bitte nach, dass mir die schweizerische Fischbezeichnungen nicht geläufig sind; was ja noch werden kann. :wink:

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Beitrag von habakuk » Sa 10. Nov 2007, 10:00

das mit den namen wird schon noch!

sehr interessant - ich werde den nächsten alet mit einer ganz

anderen achtung behandeln als bisher!

ich fange alet nur als beifang, und es wäre mir noch nie in den sinn gekommen einen zu messen - oder zu essen! ;)



dankeschön
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Beitrag von bienne0 » Sa 10. Nov 2007, 10:12

:!: Dein Bericht ....wieder mal sehr lehrreich und tip top geschrieben :!:

Was die schweizerischen Bezeichnungen für die Fische angeht sei dir verziehen :lol: , aber du wirst sie sicher bald lernen,( sobald du uns am Bielersee besucht hast weist du wie sie heissen).

Petri

Reverend

Beitrag von Reverend » Sa 10. Nov 2007, 10:31

Am Bielersee rutscht mir wahrscheinlich als nicht geborenem Schweizer trotz allem, statt "Fäeuchä" zu sagen, das vertraute "Renken" heraus. :lol:

Andal

Beitrag von Andal » Sa 10. Nov 2007, 12:08

Gerhard, es langt doch vollkommen, wenn wir einander verstehen. Deswegen muss man ja nicht gleich zur vollkommen Assimilation übergehen, die eigenen Wurzeln aufgeben und sich in einer fremden Sprache restlos blamieren. :D :wink:

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Beitrag von habakuk » Sa 10. Nov 2007, 13:29

jupp - es ist ein ungeschriebenes gesetz in der schweiz,

dass unsere deutschen freunde NICHT versuchen sollten unseren dialekt zu sprechen! - ich habs nicht erfunden... (und ne erklärung warum, hab ich auch nicht parat)
Zuletzt geändert von habakuk am Sa 10. Nov 2007, 15:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Lutra » Sa 10. Nov 2007, 15:04

Würde mir auch nie anmassen euren Dialekt verbal zu interpretieren :roll:



Gruss aus Zürich



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bebbi

Beitrag von bebbi » Sa 10. Nov 2007, 15:18

Guter Bericht, ich angle auch sehr gerne und oft auf Alet. :v:

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Beitrag von Mario » Sa 10. Nov 2007, 15:34

Toller Bericht Andal,danke :up:



Im Winter angle ich mit Vorlieben den Alet.

Eigentlich macht es mir am meisten Spass den Dickkopf mit dem Wobbler zu überlisten. In der kalten Jahreszeit gelingt das sehr gut :D



Ansonsten greife auch ich zur Posenrute... aber statt einer Kapselrolle

angle ich mit einer Wendelaufrolle :wink:
Saluti

Mario

Salmoniformes

Beitrag von Salmoniformes » So 16. Mär 2008, 19:54

netter bericht, merci

doro89

Re: Der Alet, Aitel, oder Döbel

Beitrag von doro89 » Di 17. Sep 2013, 01:26

Im Sempachersee in Eich wimmelt es nur so von Alets. Habe mit meiner Freundin letzte Woche ca. 10 Stück mit Laufzapfen und Bienenmaden gefangen, der grösste war 37cm gross.

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