Die Frage nach dem Warum

Hier kommen die Fragen und Antworten zum Aeschenfischen rein.
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miKe
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Die Frage nach dem Warum

Beitrag von miKe » Do 4. Okt 2007, 21:06

Hallo Forum



Die Aeschensaison steckt in den Startlöchern und erste, schöne Erfolge konnten bereits von mehreren Usern verzeichnet werden.



Ich habe mich am vergangenen Montagabend auf die Aeschenpirsch gemacht und dabei einen anderen, mir nicht bekannten "Aeschler" angetroffen. Freundlich wie wir beide sind ( :wink: ) kamen wir sofort ins Gespräch und haben unsere Erfahrungen etwas ausgetauscht. Da wurden Nymphen gezeigt, gefachsimpelt und einander die gefangenen Fische (er hatte bereits eine schöne Fahnenträgerin erbeutet) gegönnt. Nach einem interessanten und freundschaftlich geführten Gespräch stellte ich die Frage nach dem "Hölzeln". Mannoooo - hat sich der Kerl doch gleich wie ein Handschuh um 180° gekehrt und weg war die ganze, frisch aufgebaute Freundschaflichkeit. Warum? Was habe ich falsch gemacht? Was ist falsch am "Hölzeln"? Warum an vielen Orten sogar verboten? (vor einigen Jahren auch bei uns...) Warum ist das "Hölzeln" so verschrien?



Ich werde mich jedenfalls hüten jemals wieder einen Kollegen am Wasser auf diese Thematik anzusprechen... :? Dennoch hoffe ich hier auf viele, viele Antworten auf meine Fragen.



Petri Heil!
Gruss miKe :wohow:



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jerkfreak

Beitrag von jerkfreak » Do 4. Okt 2007, 21:10

ich nehme am weil damit die aschen stark dezimiert worden sind!

fishcatcha85

Beitrag von fishcatcha85 » Do 4. Okt 2007, 21:31

bei uns im rhein ist es verboten ... leider



ein fachhändler der irgendwie auch im verein präsi oder so ist, hat mir gesagt ich könne gleich mit dem netz angeln gehen



so kämmt man wirklich alles ab und fängt alles...



wollte eis eigentlich probieren aber ich lasse es lieber sein :lol:



habe eben noch nie auf äshen gefisht und ich muss dieses jahr unbedingt noch was anständiges fangen... mal sehen ob ich am zapfen mit einer crevette was fange

Reverend

Beitrag von Reverend » Do 4. Okt 2007, 21:45

Hier in Bayern ist es per Gesetz verboten.

So ein "Nymphenzug" mit Tiroler Hölzl ist eine absolute Killermontage auf Äsche, Saibling und Forelle.



Da dieses mehrzügelige Nymphenpaternoster am Tiroler Hölzl aber de facto dasselbe ist wie eine Hegene, gilt analog



§ 13 AVFiG Bayern:



Angelfischerei


(1) 1Die Handangel darf höchstens drei Angelhaken (Anbißstellen) haben, die beim Fang mit natürlichen oder künstlichen Ködern versehen sein müssen. 2Abweichend von Satz 1 darf die Hegene bis zu fünf Angelhaken (Anbißstellen) haben; die Hegene ist eine Handangel, bei der von einem beschwerten Vorfach kurze Seitenarme (Springer, Mundschnüre) mit jeweils einer Anbißstelle abzweigen.

(2) 1Die Handangel muß ständig beaufsichtigt werden. 2Das Werfen in Verbindung mit dem sofortigen Einziehen der Hegene ist untersagt. (Reißangel)




Beim "Hölzln" wird die mit einem Tiroler Hölzl beschwerte "Hegene" ausgeworfen und sogleich wieder eingeholt.

Chrigel

Beitrag von Chrigel » Do 4. Okt 2007, 22:23

Mh das Hölzli ist wenn man es beherrscht ein absoluter Äeschenkiller, man kommt an fast jede Stelle etc... bin auch nicht grad freund von, aber man kann ja auch mit vernunft damit fischen. Aber es gibt Leute die das Potenzial dieser Technick wirklich brutal ausnutzen und so die Äeschen wirklich "ausfischen". Aber jedem das seine :wink:

Jänu

Beitrag von Jänu » Do 4. Okt 2007, 22:29

Fische erst seit dieser Saison mit dem Hölzl.

Muss als Äschen-Newbie sagen, dass ich nicht gedacht hätte, dass das wirklich so fängig ist. Aber wie schon gesagt wurde, ist der moderate Umgang damit ausschlaggebend. Beim ersten Äschen-Trip hab ich eine schöne verlohren und etliche Untermassige abgehakt. Das letzte mal mit habakuk in Bern hab ich auch 2 Stk. verlohren, also nur mit dem Haken der Äschen ist es - bei mir jedenfalls - noch nicht gemacht. Mir würde es wohl auch kaum in den Sinn kommen, jedesmal wenn überhaupt ein Mal die Vollpackung der Fahnenträgerin zu entnehmen. Soll jeder davon halten was er will, schlussendlich ist wichtig wie damit umgegangen wird.

Wünsche trotz allem eine schöne Pirsch am Fischwasser, und vielleicht können wir ja die "Hölzl-Feinde" davon überzeugen, dass wir Fischer mit dem Hölzln nicht das Ziel haben, unsere Äschenstrecken im Nu leer zu fischen.

Gruss Jänu

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Salmotti
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Beitrag von Salmotti » Do 4. Okt 2007, 23:02

Aber jedem das seine
Leider ist "jeder" schlecht definierbar... Alle Hölzle-Fischer, denen ich begegne, fischen nicht einfach zum Spass damit, nicht wirklich um Äschen zu drillen und wieder frei zu lassen. Nein, die fischen damit, weil sie viel Fisch damit fangen und auch entnehmen. Und das kotz mich an! Ich kenne ein Fall, der hat bereits mehr als 100 Äschen in diesem Jahr in die Statistik eingetragen... Eigentlich alles in Ordnung und legal, nichts spricht dagegen. Aus Sicht der Vorschriften. Aber mit der Aussage von Rolf im Thread "Tirolerhölzl - die Technik", dass beim Fischen mit dieser Methode mit Vernunft und fischgerechtem Verhalten geangelt werden soll, retten wir den Äschenbestand nicht. Wirklich, nur wenige, die diese Methode dauernd betreiben sind Vernunftfischer...

Siehst du, Mike, auch ich beginne (ein wenig) zu kochen bei diesem Thema. Aber nur aus dem Grund, weil mir der Äschenbestand zu denken gibt. Und um den zu retten, sollte man ganz andere Massnahmen ergreifen, als das Tirolerhölzl zu verbieten -> Fangzahl auf 2 Stk (statt 6 Stk) begrenzen, Mindestmass auf 36 cm (statt 32 cm) setzen. Aber subito.

Erst in zweiter Linie kann man über das Verbieten von Techniken diskutieren.

War dies vielleicht der Grund, wieso der von dir angesprochene Fischer plötzlich "verrückt" wurde? War er vielleicht ein Vernunftfischer, der auch nicht gerade alles behändigt, was er fängt?

Ihr versteht mich sicher, hab absolut kein Problem wenn einer ab und zu mal ein Nymphenseil badet. Und auch absolut kein Problem, wenn er was abtransportiert.. Aber zuviel ist für mich zuviel des Guten. Und dann werde ich böse..



P.S.: Da wir beim Äschenlaichfischfang im Berner Oberland dabei sind, kennen wir auch Zahlen.. Trist... Siehe:

http://thc-fischer.ch/db/rapports/files ... _Teil2.pdf
Mit fischigen Händen

Salmotti
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Mario
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Beitrag von Mario » Do 4. Okt 2007, 23:11

Es gibt Tage und Stellen,an denen das Angeln mit dem Schwimmer weit erfolgreicher als das Hölzl sind!



Ich verstehe die Empörung diversen Angler nicht. Schliesslich ist das Hölzl in unseren Gewässer erlaubt. Das es beim Zapfenfischer viele Fehlbisse gibt und der unvorsichtige Angler dabei öfters leer ausgeht ist bekannt.



Jedoch braucht es beim Tiroler-Fischen auch eine gewisse Erfahrung bezüglich Gewicht vom Holz, abstand der Nymphe etc.



Am Tiroler hängen die Fische meistens von alleine. Aber bis zur Landung ist es ein weiter Weg. So mancher Fisch verabschiedet sich ins Tiefe zurück .



Ich praktiziere beide Varianten. Jedes der Varianten hat seinen Reiz.

Nicht die Menge zählt,sondern die verschiedene Möglichkeiten einen Fisch zu überlisten .
Saluti

Mario

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Beitrag von miKe » Do 4. Okt 2007, 23:30

Ich danke allen herzlich für die Meinungen! So kann man sich doch irgendwie ein Bild "basteln".



Ich wusste nicht, dass die Meinungen bei diesem Thema dermassen auseinander gehen und bin sehr erstaunt.


Otti hat geschrieben:War dies vielleicht der Grund, wieso der von dir angesprochene Fischer plötzlich "verrückt" wurde? War er vielleicht ein Vernunftfischer, der auch nicht gerade alles behändigt, was er fängt?


Ich denke, dass dies der Grund gewesen ist... Allerdings durfte ich mit dem Zapfen vor seinen Augen eine schöne und massige Aesche ihrem Lebensraum zurückgeben. Fischte ich doch mit meiner neuen "Shimano irgendwas" und habe es mir zur Angewohnheit gemacht, dass der erste gefangene "Zielfisch" am neuen Material (in diesem Fall eine Aesche) wieder schonen zurückgesetzt wird.



Dies hat offenbar auch den anderen Angler überzeugt worauf wir weiter palaverten und einen guten Abend verbrachten. Ich liess es aber sein, ihn nochmals aufs "Hölzle" anzusprechen.



Danke allen für die vielen aufschlussreichen Komentare! Weitere Äusserungen dazu sind aber nach wie vor gern gelesen und von grossem Interesse! :wink:
Gruss miKe :wohow:



Fan und Befürworter von Müllfeen

Stefan

Beitrag von Stefan » Do 4. Okt 2007, 23:44

Hallo zusammen



Es wurde bereits erwähnt, diese Methode ist sehr effektiv, das ist aber noch lange kein Grund, jeden als Fleischfischer oder dergleichen abzustempeln, der damit fischt.



Was ich dazu sagen kann: In der Aarestrecke (Kraftwerk Flumenthal bis Wangen a.A.), wo ich auf Äschen fische, gibt es Leute, die machen die ganze Saison lang fast nichts anderes als die Aare hinauf fahren, Hölzli raus, runter treiben, Aare hinauf fahren, Hölzli raus, runter treiben....... Stunden lang!

Ich mache die Auswertung der Fangstatistik und sehe was dabei gefangen wird, zwei Drittel aller Äschen und das sind einige werden von Mitte Mai bis Juli entnommen, Vollpackungen sind durchaus möglich. Zu dieser Jahreszeit können Äschen praktisch nur beim Hölzeln gefangen werden.



Dass ein solches Verhalten anderen Fischern sauer aufstösst, erstaunt nicht. Ich möchte mich hier nicht als Gegner dieser Methode bezeichnen, aber eine gesunde Eigenverantwortung ist sicher angebracht. Schade, dass wegen einigen, die nie genug sehen, solche Situationen entstehen, wie von miKe geschildert.

Chrigel

Beitrag von Chrigel » Fr 5. Okt 2007, 00:26

Ich gebe Salmotti zu 100% Recht :!:

Eine Methode zu verbieten ist nicht das wichtigste,

auch Zapfenfischer können ihre 6 Äeschen fangen.

Aber wie du sagst 2Äeschen am Tag und ein höheres Schonmass und vielleicht wäre es auch nicht so schlecht eine längere Schonzeit einzurichten, wären viel Wirkungvoller. Gerade nach dem Laichgeschäft sind Äeschen an gewissen Stellen sehr leicht aufs trockenen zu legen und sowieso die Naturverhältnisse werden für die Äeschen auch nicht besser.

Genauso Leute die vor der eigentlichen Äeschensaison bereits 100 Äeschen oder mehr behändigt haben sind traurig und ich weiss es gibt ein paar in meiner Region die den Fisch NUR als Lebensmittel/Provit sehen und diesen evtl. noch verkaufen gehen :cry: :evil: .

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Beitrag von gonefishing » Fr 5. Okt 2007, 07:53

Ich fische zwar nicht auf Äschen, bin aber der gleichen Meinung wie Otti. Das Verbot einer Methode bringt wenig, denn die 'Fleischfischer' finden bestimmt einen anderen Weg, und dann folgt Verbot auf Verbot. Als nächstes werden dann Naturköder verboten, und zum Schluss ist nur noch Fliegenfischen erlaubt.

Stattdessen sollte die Zahl der täglich erlaubten Äschen und Forellen auf 2-3 reduziert werden, für diese Fischarten ein Jahreslimit (z.B. 20St.) eingeführt werden, und das Schonmass erhöht werden.

Das würde die Bestände effektiver schützen, und jeder von uns könnte weiterhin mit seinen favorisierten Methoden fischen.



Gruss, Mattu

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zuma
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Beitrag von zuma » Fr 5. Okt 2007, 08:47

Hallo

Dies ist eine sehr gute Diskussion. Manchmal frage ich mich, ob sich andere Fischer auch Gedanken zu den Fischfangmethoden, den Entnahmemengen und den Fischbeständen machen. Die vorliegende Diskussion zeigt, dass dem so ist, was mich sehr freut und auch gut ist! Solche kritischen Diskussionen sind wichtig in einem Forum und deshalb ist es sehr gut, wenn diese auch nicht abgewürgt werden!

Bei der Neozoendiskussion habe ich mir erlaubt, ein paar Gedanken los zu werden:

Neozoendiskussion:

Erlaubt mir, einige Gedankengänge dazu los zu werden:

1. Was erwarten wir von einer schönen Fischerei? Dazu mal drei Aussagen:

a) Das Fangergebnis (Anzahl und Grösse) meiner Wunschfische ist massgebend.

b) Die Gesundheit und das Aussehen der Fische ist wichtig.

c) Der Fischfang ist von untergeordneter Priorität, das Naturerlebnis und ein schöner Tag in der Natur ist wichtig.



Diese drei Aussagen könnte man wie folgt kommentieren:

a) Diesem Fischer spielt es keine Rolle, wie seine Fische aussehen, wo sie herkommen und was für Zusammenhänge in Verbindung mit dieser Denkweise bestehen. Hauptsache ist, die Regenbogenforelle ist grösser als 50 cm und mind. 1,5 Kilo schwer. Ob diese nun in einem natürlichen Gewässer oder in der Badewanne gefangen wurde, spielt keine Rolle, ebenfalls nicht, dass deren Schwanzflossen gar nicht mehr bestehen und der Kopf der Forelle eher einem Mops ähnelt.

b) Hier steht v.a. der Fisch und dessen Aussehen im Vordergrund. Man erfreut sich auch an einem kleinen „Pfitzer“, welcher jedoch gut gedeiht und gesund ist.

c) Bei dieser Sichtweise steht die Fischerei im Hintergund und der Aufenthalt in der Natur hat Priorität.



2. Wie werden wir als Fischer in der Oeffentlichkeit wahr genommen?

Erlaubt mir dazu eine Episode zum Besten zu geben, welche sich genau so an einem in meiner Nähe liegenden Bergsee, welcher sehr stark von Fischern frequentiert wird, zugetragen hat:

Es war vor einigen Jahren, als wir mit der Familie einen Spaziergang um den erwähnten See machten. Die warme Herbstsonne hatte viele Wanderer in die Berge gelockt und auch die Fischer rund um den See waren sehr zahlreich vorhanden. Der Weg um den See verläuft etwas oberhalb der Uferkante und so kann man sehr gut von oben den Fischern zusehen. Wir waren unterwegs mit unseren Kindern, welche damals im Kindergartenalter waren. Selbstverständlich musste ich viele Fragen meiner Söhne bezüglich der unterschiedlichen Fischereimethoden, welche wir beobachten konnten, beantworten. Wie wir wieder zu einer Gruppe von Anglern kommen, welche über ca. 50 m verteilt waren, hatte einer ziemlich weit draussen einen Biss an seinem Buldo-Schwimmer. Die Rute bog sich ganz schön und auch die übrigen Fischer wurden auf den Erfolg ihres Kollegen aufmerksam. Da brüllte einer der Fischer zum Fänger „schrys ne use dä Souhung Fridu“. (zu Deutsch: Reiss ihn raus diesen Sauhund)

Es waren dutzende von Wanderern auf dem Wanderweg und blieben, wie wir auch, fassungslos stehen! Ich erlaubte mir dann, zum „Brüller“ hinunter zu steigen und diesen ganz naiv zu fragen, was sie denn hier fangen könnten. „Eh dänk Rägebögeler“ war die logische Antwort. Meine Frage war jedoch rein rethorisch, denn ich antwortete ihm, ich sei extra runter gestiegen, um einen Sauhund zu sehen!

Während unserer Wanderung diskutierten um uns herum die Wanderer über die Fischer. Ich habe mich dabei bedeckt gehalten, denn ich wollte in diesem Moment nicht als Fischer erkannt werden!

Wir Fischer sind auf Unterstützung in der Politik angewiesen, damit auch unsere Interessen wahrgenommen werden können. Wenn wir mit allzu extremen Denkweisen uns outen, werden wir nicht viel Verständnis in der breiten Oeffentlichkeit erwarten können. Wenn es uns gelingt, die Natur als Ganzes zu sehen und nicht nur die Optimierung unserer Fangerfolge die oberste Prämisse ist, finden wir auch genügend Unterstützung in der Politik. Andernfalls rufen wir immer mehr Natur- und Tierschützer auf den Plan, welche verständlicherweise die reine „Fangerfolgoptimierungsdenkweise“ nicht nachvollziehen können. Gelingt es uns aber, mit dem Tierschutz und dem Naturschutz zusammen zu spannen, so werden wir auch politisch wahr genommen werden!



3. Fischerethik

Vorab möchte ich festhalten, dass der Mensch dem Lebewesen Fisch in jeder Beziehung überlegen ist. Dank unserer technischen Errungenschaften gelingt es uns, jedem Fisch habhaft zu werden, den wir wollen, sofern wir bereit sind, Kolateralschäden in Kauf zu nehmen. Jeder von uns verurteilt den gewerbsmässigen Raubbau an den Meeresfischbeständen. Wie siehts aber bei uns selbst aus? Es gibt Fischfangmethoden, welche durch den Gesetzgeber verboten sind, jedoch gibt es immer noch genügend Spielraum, welcher auf der Eigenverantwortung basiert. Was für den einen noch tolerierbar ist, ist für den anderen absolut undenkbar. Es gibt Aussagen wie „wer fängt hat recht – alles (im gesetzlichen Rahmen) ist erlaubt“, bis zu „wer nicht weiss wie man einen Fisch richtig fängt, sollte ihm nicht die Schmach bereiten, dass er ihn fängt“. Anders ausgedrückt: Ist Bergbachfischen mit Naturköder noch gut oder ist das Fischen mit Widerhaken noch gut oder ist ein Drilling am Kunstköder noch gut usw.usw.

Meine Meinung dazu ist, dass ich sowenig Kolateralschäden mit meiner Fischerei anrichten möchte wie möglich, denn sonst bin ich im kleinen nicht besser als die Fischfabrik auf hoher See!



4. Symptome bekämpfen oder deren Ursachen?

Wenn ich aus Fischerkreisen höre: „Da sött me halt Rägebögeler drii tue, angers chunnt sowieso nümm“ (zu Deutsch: Es sollten Regenbogenforellen besetzt werden, andere Fischarten haben eh keine Chance), dann Frage ich mich, was denn nach den „Rägebögeler“ kommt, wenn das Gewässer weiterhin den Bach runter geht und sich auch diese Fischart nicht mehr halten kann. Sollte man nicht mehr Beachtung den Lebensräumen unserer einheimischen Fischarten schenken, als kurzfristig auf (in meinen Augen) perversen Fangerfolg aus sein?



5. Der Wert eines Fisches

Wie viel ist Fisch wert? Ich habe mühe damit, dass die Fischerei immer noch der Urproduktion (Nahrungsmittelproduktion) zugerechnet wird. Dabei wird beim Wert eines Fisches nicht unterschieden, ob es sich um eine Forelle aus der Zucht oder um einen reinen „Naturburschen“ handelt. Bei der Festlegung des Wertes wird einfach der Fleischpreis genommen. Es gibt Studien zu diesem Thema in Bezug auf Wertschöpfung. Dabei wurde erkannt, dass z.B. ein Lachs, welcher mit Netzen als reines Nahrungsmittel gefangen wurde, einen Wert von 60 $ habe. Der gleiche Lachs von einem Sportfischer gefangen jedoch einer Wertschöpfung von 6000 $ entspreche! Solche Zahlen sollten uns zu denken geben, denn die Schweiz und gerade die Bergregionen haben ein ungeahntes Potential bezüglich wirtschaftlicher Wertschöpfung. Nach meiner Meinung liegt hier auch die grösste Chance für uns Fischer, politisch mehr Gehör zu bekommen, indem die Fischerei plötzlich zu einem touristischen Wertschöpfungsfaktor wird und demzufolge an Bedeutung gewinnt.



Nun denn, ich bin leider etwas länger geworden als geplant......

Wie seht ihr meine Gedankengänge?




Dabei möchte ich v.a. auf Punkt 3 verweisen und frage mich, ob die Eigenverantwortung ausreicht, damit unsere Fischbestände uns ertragen.

Auch mir sind einige "Fälle" bekannt, welche bereits heute um die 100 Aeschen in ihrem Fischfangbüchlein eingetragen haben (Ausnahmslos Hölzl-Fischer). Trotz des zu erwartenden Erfolgs, werde ich niemals umsteigen, ich fische ausnahmslos mit der Trockenfliege (das ganze Jahr). Es gibt Tage und Jahreszeiten, wo ich schon vor dem Fischgang weiss, dass ich nichts fangen werde und trotzdem gehe ich ans Wasser, geniesse die Natur und mache ein Wurftraining. So kann ich meine eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln, was sehr viel Spass macht.

Wenn die Fischfangmethode (Praktik) auf äusserste ausgereizt wird, kommt der Verdacht des reinen Fleischfischers natürlich sehr schnell auf und solche Leute, wären nach meiner bescheidenen Meinung in einer entsprechenden Anlage besser aufgehoben, als in der freien Natur.

Einen Fisch zu fangen, betrachte ich als keine Kunst, für mich ist es vielmehr die Frage nach dem "wie", frei nach dem Zitat:

"Wer nicht weiss, wie man eine Forelle (Aesche) richtig fängt, sollte ihr nicht die Schmach bereiten, dass er sie fängt" (Norman Mclean "Aus der Mitte entspringt ein Fluss")



Ich wünsche allen viele schöne Stunden in der Aeschenzeit.
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)

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habakuk
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Beitrag von habakuk » Fr 5. Okt 2007, 12:59

ich kann aus langer persönlicher erfahrung sagen, dass es durchaus möglich ist mit dem hölzl nichts zu fangen - nicht den kleinsten schniepel - kein rupf kein nichts rein gar überhaupt nix. 8)



es tönt wie ne wunderwaffe mit der jeder doofling äschenbaggern kann -

dem ist nicht so. ich war sicher 15-20mal am wasser bis ich meine ersten äsche fangen konnte. sollte sich daran etwas ändern werdet ihrs alls erste erfahren. ich denke aber nicht das meine täglichen vollpackungen in absehbarer zeit anlass zu diskussionen geben werden. :D
Darf ein Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben?

HABAKUKS TAGEBUCH

fariofreak

Beitrag von fariofreak » Fr 5. Okt 2007, 14:32

Und wenn man die Nymphen wie am DS befestigt, ist es dann auch verboten?

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