Aeschenspot

Hier ist der Platz um Eure Fänge zu präsentieren.
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Rolf
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Aeschenspot

Beitrag von Rolf » Sa 29. Okt 2011, 18:08

Aeschenspot


Heute Morgen fand ich seit längerer Zeit wieder einmal den Weg ans Fischwasser. Die Aarenaesche stand auf dem Wunschzettel und die Nymphe am Zapfengeschirr sollte es richten. Wie so oft in der Natur kommt es anders als man denkt. Der dichte und zähe Nebel lag in der Früh über der Wasseroberfläche und an ein Fischen draussen in der Rinne war nicht zu denken, denn man sah schlicht und einfach nichts, weder den Zapfen in der Strömung draussen - noch kaum die eigene Hand vor Augen. Was soll man nun tun? Ein Jeder weiss doch, dort draussen im Flachen sowie entlang der uferseitigen ansteigenden Kanten (Schärkanten) stehen bekanntlich die Fische und warten auf vorbeitreibendes Futter. Das ist doch „Der“ Spot und ausgerechnet dort kann man nicht fischen!? Na ja, dann bleibt einem wohl nicht viel anderes übrig, als den Heimweg anzutreten – oder etwa nicht? Also ich für mich betrachte solche Situationen meist unter dem Aspekt einer Herausforderung, ganz nach dem Motto: „Nun aber erst Recht!“ Klar ist und wäre der oben beschriebene Spot „Der“ Spot – doch ist es wirklich der Einzige? Ich kann euch sagen Freunde, ihr würdet staunen, wo überall Fische stehen können und die auch zu fangen wären, wenn man es dort denn nur einer versuchen würde. Vielerorts ist es doch so, dass eben genau „Der“ Spot eine der meist befischten Stelle an einem Gewässer ist und genau deshalb könnte man weiter folgern, dass solche Plätze auch am ehesten „leer“ gefischt sind. Dazu kommt noch, dass sich die Fische über Kurz oder Lang vorsichtiger verhalten, ja gar auf sogenannte „Topköder“ nicht einmal mehr reagieren.

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Eine Möglichkeit in solchen Situationen ist eine Stelle (Spot) am Wasser zu suchen, von der aus ich die Strömung in Sichtweite erreiche, zumindest für eine „Gute Strecke“ halt. So kann ich meinen Zapfen mit den Augen verfolgen und den Köder auch entsprechend führen. Solche Plätze findet man zum Beispiel bei einem Bacheinlauf, bei einer Flussteilung oder Zusammenführung, aber auch bei starken Biegungen an der Innenkurve. Nun gilt es nur noch seine Montage den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen und einem spannenden Erlebnis steht nichts mehr im Wege. Fischen gehört für mich zu den Hobbys, wo man seine Fantasie ausleben darf - ja gar in manchen Fällen ausleben muss. Es ist Gut und Recht, wer sich vorab Sachkundig macht, sich nach „Guten“ Spots erkundigt und nach fängigen Ködern fragt – dagegen spricht auch nichts. Nur, wer sich strikt an das hält was vom Hörensagen gestern einen Fisch brachte, der könnte heute damit Pech haben. Doch wer den Gestrigen von draussen aus der Rinne, warum auch immer, heute im Flachwasser in Ufernähe sucht und halt dort fängt, der und nur der kommt zum Erfolg, weil er seine Fantasie eingebracht hat.

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Für mich ist die Definition eines Spots oder eines Hot Spots sehr, sehr relativ, weil für mich ist ein Spot die Stelle, wo ein Fisch gerade stehen könnte. Vieles in der Theorie ist und bleibt Theorie, sofern man vor Ort am Wasser die oft feinen Unterschiede nicht erkennen kann. Solche sind zwar in etwa immer die Gleichen, doch es herrschen auch an anderen Plätzen auch unterschiedliche Voraussetzungen. z.B. mehr oder weniger Wasser, schnellere oder langsamere Strömungen, tiefere oder flachere Gumpen, breitere oder schmalere Abschnitte, sowie natürliche Hindernisse auf dem Gewässergrund welche für zusätzliche Verwirbelungen (Strudel) sorgen und/oder als Unterstand für Fische dienen. Beim Fischen ist selten etwas Richtig oder Falsch – nur halt ist es entscheidend, dass Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Spot umzusetzen. Deshalb, auch auf die Gefahr hin dass ich mich wiederhole, tut das, was euch selber in den Sinn kommt, dass nennt man gelebte Fantasie. Merkt euch, ob dieses Handeln euch zum gewünschten Erfolg gebracht hat oder nicht. Wenn Ja, wendet dieses Wissen beim nächsten Mal wieder an und wenn es auch nicht auf Anhieb den gewünschten Biss bringt, so versucht es erneut mit einer Prise Fantasie zu Würzen und wenn ihr Glück habt, kommt ihr so zu einem weiteren Aha – Erlebniss. Mit der Zeit sammelt sich so ein immer grösserer Erfahrungsschatz zusammen und vor allem die Erkenntnis, ich kann „fast“ jede Stelle zu meinem Spot machen.

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Keiner und schon gar nicht ich wollen hier behaupten, dass dem immer so ist - es gibt unter uns keine Hellseher und schon gar keine Propheten, mal abgesehen von den „Selbsternannten“. Manchmal ist es geradezu einfach, oft und öfters braucht es Geduld und Hartnäckigkeit. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und auch ich habe mir meine Erfahrung über viel Jahre „erarbeitet“ und zusammengetragen. Doch weit gefehlt wer nun annimmt ich finge nun „immer“ Fische wann und wie es mir beliebe. Auch für mich gilt: „Neuer Tag, neues Spiel!“ und da die Karten bekanntlich davor selbstredend auch gemischt werden heisst es – alles beginnt wieder von Anfang.

Die stramme Aesche die mich heute im Körbchen nach Hause begleitet hat, fing ich an einer Stecke, wo die alte Aare und der Kraftwerkkanal zusammen fliessen. Durch die Wassermassen hat es auch im flacheren Wasser in unmittelbarer Ufernähe eine ansprechende Strömung, worin genug Sauerstoff aber auch immer wieder Futter den Flusslauf hinunter getragen wird. Eine feine und leichte Montage (2gr. Zapfen), in Übertiefe gefischt um die Nymphe möglichst immer in Grundnähe zu präsentieren, war die Voraussetzung um im 40 – 80cm tiefen Wasser überhaupt an Erfolg zu denken. Erstmals ging gar nichts. Erst als ich die eingestellte Tiefe ein zweites Mal verlängert hatte, spürte ich den ersten zaghaften Zupfer. Es schien so, dass sich die Aeschen für einmal alle Zeit der Welt nahmen und den Köder von Unten und Oben begutachteten. Somit war klar, sie brauchten mehr Zeit. Weil ich der Umstände wegen schon sehr nahe am Ufer fischte, brachte das Verzögern eher weniger, denn das Resultat dabei war, dass meine Montage so mit der Drift nach wenigen Metern schon wieder aus der Strömung war und/oder ich in Gefahr lief, diese durch einen Hänger zu verlieren. Also, die Tiefeneinstellung des Zapfen noch ein weiteres Mal verlängern und hoffen das, .......... Genau, Biss, Drill, Landung, Freude, Zufriedenheit. In diesem Sinne!
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!

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Re: Aeschenspot

Beitrag von WallerJoe » Sa 29. Okt 2011, 19:26

Toller Bericht Rolf- Danke ;-)

Es ist schon so, manchmal muss man sich einfach
auf seinen Instinkt verlassen und Geduld haben
und es klapt!
Petri zur Äsche

Gruss
Simon

jiggjunkie

Re: Aeschenspot

Beitrag von jiggjunkie » So 30. Okt 2011, 12:55

Ganz schöner Bericht!
Danke fürs teilen! :up:

wünsche noch viel schöne stunden in der äschen zeit 2011

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Re: Aeschenspot

Beitrag von Claudio11 » So 30. Okt 2011, 14:39

Genau so ist es: Flexibilität und Fantasie bringen Erfolg!
Toller Bericht!

Danke und Gruss
Claudio

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Re: Aeschenspot

Beitrag von funkogunk » So 30. Okt 2011, 17:13

Danke für den interessanten Bericht! Und natürlich Petri zur Fahnenträgerin!

Mal was anderes! Hat Spass gemacht beim Lesen! :)

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Rolandus
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Re: Aeschenspot

Beitrag von Rolandus » Mo 31. Okt 2011, 12:02

Sehr unterhaltsamer Bericht !
Vielen Dank und Petri zur Äsche
Um die Philosophie weiter zu spinnen, fällt mir grad auf, wenn ich so nach dem Lesen Deines Berichtes vom Bürofenster nach Draussen schaue, dass es ja im Beruf die selbe Sache ist.
Oft verteift man sich in Methoden und Gelerntes, anstatt kreativ zu sein, wenn die herkömmliche Weise etwas zu tun nicht grad zum Erfolg führt.
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