Wer die Wahl hat die Qual .....

Hier ist der Platz um Eure Fänge zu präsentieren.
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JJwizard
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Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von JJwizard » Di 26. Okt 2010, 00:10

Wer die Wahl hat die Qual .....


Früher war alles einfacher .... für einmal stimmt es wirklich und ist nicht nur eine sentimentale Vergangenheitsbewältigung!

Damals als ich noch nur Fliegenfischer war, galt für mich zweifelsfrei Herbstzeit ist Aeschenzeit, doch schaue ich in meine Fangbücher ist seit ein paar Jahren Ende Oktober auch immer wieder mal für einen +40iger Zürisee-Rehlig gut. Vielleicht kennt ja jemand das Gefühl, wenn man hin- und hergerissen ist von zwei Optionen und man sich nicht entscheiden kann, da besteht die Gefahr schlussendlich keines von Beidem zu tun .....daher, eigentlich viel zuspät, fasste ich den Entschluss an diesem idealen Fischertag (windstill, leicht bedeckt, nicht zu kalt, Vollmond) zum Aeschenfischen zu fahren.

Am Fluss eingetroffen war sofort klar, heute würde es abgehen. Schon beim checken des zweiten mir bekannten idealen Aeschenlauf .... Ringe, Fischlaiber, welche die Wasseroberfläche durchbrechen, echt gute Aktion, da viele Eintagsfliegen auf dem Wasser treiben ist klar Trockenfliegenfischen. Erfolgsentenbürzelfliege angeknüpft und schon tanzte die geflügelte Fratnik-Fliege mit der Strömung stromab .... doch nichts passiert. Also Fliegenwechsel ... und wieder nichts. 50m unter mir gibt ein anderer Fliegenfischer entnervt auf. Er murmelt als er an mir vorbeitgeht etwas von zu heikel da zu klares Wasser und verschwindet hinter der nächsten Flussbiegung. Mir dämmert es aber nach einer zigarettenlangen Beobachtungspause, die Aeschen nehmen gar keine Fliegen von der Oberfläche, sie nehmen Aufsteiger! Ein aufschlussreiches Indiz dafür ist, dass die Fische mit dem Rücken die Oberfläche durchbrechen und sie keine Luftblasen auf der Wasseroberfläche hinterlassen, was der Fall wäre, wenn die Fische eine Fliege von der Oberfläche nehmen und dabei unweigerlich auch Luft mit einschlürfen. Ja es ist ganz klar, die Fische nehmen Emerger! Eine passende Fliege ist schnell gefunden und mit guter Hoffnung lasse ich Sie mit der Strömung abtreiben, ein kurzes menden der Schnur und schon strafft sich die Schnur und der Tanz beginnt. Doch was ist das, nicht das erwartete typisches Klopfen einer Aesche geht durch die Rute, stattdessen wird mir Schnur rasant von der Rolle gerissen ... das kann eigentlich nur Regenbogenforelle bedeuten, denn auch die Bachforelle, die jetzt Ende Oktober nur noch äusserts selten beisst, kämpft anders... ganz anders! Und so ist es auch, der erste Fisch an diesem Nachmittag, ist eine der attraktiven Regenbogenforellen die auch heute noch regelmässig gefangen werden können, obschon diese vom Verein offiziell nicht mehr besetzt werden dürfen. Ich liebe jedenfalls die sportliche Regenbogenforelle und ich persönlich finde es echt schade, dass man versucht diesem tollen Fisch den Riegel zu schieben. Ich kann nur hoffen, dass dies nie gelingen wird und irgendwann ein Umdenken stattfindet!

Zwei Würfe später ist es aber dann so weit, das Klopfen kündigt die erste Aesche an. Jetzt zu dieser Jahreszeit kämpfen die Aeschen super und nicht selten springen sie im Drill. Kurz darauf release ich ein fette 34iger Aesche. Ich finde es gut wurde das Schonmass seit ein paar Jahren bei uns im Verein für die Aesche auf 35cm angehoben. Zwei weitere Aeschen kann ich noch überlisten, dann kehrt Ruhe ein in diesem Lauf. An der unteren Reviergrenze finde ich nochmal aktive Fische die ich aber nicht betören kann, dafür im letzen Lauf, ohne das eine Oberflächenaktivität sichtbar wäre, gehen nochmals 2 Aeschen auf den Emerger. Dann schwindet gegen 18 Uhr das Tageslicht schnell und auch das Wasser wird gespenstig ruhig, das Wasser fliesst dunkel, ruhig ohne Leben. In der Ferne klatscht ein Biber mit dem Schwanz auf die Wasseroberfläche, diese Tiere leben an unserem Fluss nachaktiv! Zufrieden mache ich mich im schwindenen Tageslicht auf den 2 Kilometer langen Heimweg .... den ich im Eifer des Gefechts der Fischerei und Gewässerbeobachtung beim Hinweg als gar nicht als solange wahrgenommen habe.

Tolle Kämpfer diese Regenbogenforellen ........

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Herbstzeit ist Aeschenzeit ....

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Die mandeläugige und betörende Einheimische ....

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JJ
Zuletzt geändert von JJwizard am Di 26. Okt 2010, 08:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von grosserböserfish » Di 26. Okt 2010, 00:15

schöner bericht!! merci :D
Chuck Norris kann Fische ertränken!

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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von Rolf » Di 26. Okt 2010, 06:16

Hallo JJ,

vielen Dank für diesen tollen Bericht :up:
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!

trueschenfischen.ch

Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von trueschenfischen.ch » Di 26. Okt 2010, 08:25

Hey JJ

Merci für den spannenden Bericht und die tollen Fotos!

jerk

Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von jerk » Di 26. Okt 2010, 10:29

Merci für den 1A Bericht :!:

MS Tripper
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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von MS Tripper » Di 26. Okt 2010, 12:59

Hab mir bei Kiwi gleich noch einpaar Emerger bestellt :lol: Bin vorige Woche ab einer Äsche fast tobsüchtig geworden, weil sie alles nahm ausser meiner Trockenen (war aber die Einzige, die anderen Fische waren da weniger wählerisch...). Das nächste mal ist sie dran :twisted:
Wenn immer nur die Klügeren nachgeben, wird die Welt irgendwann von den Dummen regiert ;-)

Mvuvi

Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von Mvuvi » Di 26. Okt 2010, 13:00

Wunderschöner Bericht - danke! Das macht mich richtig "gluschtig" es wieder einmal mit der Trockenen oder der Nymphe auf Aeschen zu versuchen. Seit meiner Jugendzeit in der 70er Jahren habe ich nicht mehr gezielt auf Aeschen geangelt. Damals in der alten Aare bei Aarberg; nur mit einer Heuschrecke am Haken; ohne Blei (0.16 - 0.18 Monofil).

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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von JJwizard » Di 26. Okt 2010, 13:56

Schön das ich Euch gluschtig gemacht habe es mal wieder mit dem Aeschenfischen zu versuchen. Also wer aktuell ein Patent an einem Aeschenfluss besitzt und die Aesche dort auch befischen darf, der sollte dieser Tage unbedingt mal losziehen, aber nicht nur wegen den Aeschen sondern vorallem wegen der aktuell schönen Herbststimmung am Wasser und dann erst wegen dem prognostizierten idealen Aeschenfangwetter. :wink:

Um eines bitte ich Euch aber, denkt dabei auch nachhaltig d.h. nicht jeder Fisch sollte zwangsläufig in der Pfanne enden, denn die Aesche hat es in dieser Zeit oft nicht leicht .... !

Petri-Heil
JJ
Zuletzt geändert von JJwizard am Di 26. Okt 2010, 17:18, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von fisherking » Di 26. Okt 2010, 14:14

Hy JJ!

Vielen Dank für deinen tollen Bericht!
Ich war in den letzten Tagen auch sehr oft am Wasser.
Aber die Äschen machten sich einen Spass draus mich
zu ärgern und gingen alle ab im Drill... Ich muss ja nicht immer
gewinnen aber so nach 15 verlorenen Fischen komme ich schon sehr
ins Grübeln was hier wohl ab geht :roll:

Hat aber auch Vorteile, ich weiss nun das alle meine
neuen Nymphen den Geschmack der Äschen treffen.
Und ich weiss jetzt wo sie stehen...
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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von helix » Di 26. Okt 2010, 19:45

Petri JJwizard! Top Bericht mit klasse Pics :up: ¨
JJwizard hat geschrieben: Ich liebe jedenfalls die sportliche Regenbogenforelle und ich persönlich finde es echt schade, dass man versucht diesem tollen Fisch den Riegel zu schieben. Ich kann nur hoffen, dass dies nie gelingen wird und irgendwann ein Umdenken stattfindet!
Kann diese Meinung absolut teilen, insbesondere wenn man so prachtvolle Refos sieht, die mit den Umweltbedingungen einiger unserer Gewässer ideal zurecht kommen. Bezüglich Umdenken wird es wohl noch eine Weile gehen, denke die Entwicklung in dieser Hinsicht geht eher in eine andere Richtung, obwohl die Begründungen hierfür meiner Meinung nach auf "wackligen" Beinen stehen.

Prächtige Fische, die du da überlisten konntest!
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Gruess helix

embri

Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von embri » Di 26. Okt 2010, 22:05

Toller Bericht, Danke. Kann so richtig mitfühlen. Ich war vor 2 Wochen ebenfalls auf Äschen unterwegs. Ein schöner Tag und gestiegen sind sie wie blöd. Nur meine Fliegen wollten sie nicht. Ich hätte denen fast meine Fliegendose zur Selbstbedienung reingeworfen. :wallb: Ich hatte dann zwar noch 2 Äschen und eine Regenbogen überlistet, dies aber wohl eher zufällig. Übermorgen werde ich mit einem Freund nochmals einen Versuch zum Jahresabschluss starten. Das Wetter soll ja passen.

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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von Uwe » Di 26. Okt 2010, 22:18

Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschliessen.....

.... :thx: für Deinen tollen Bericht :up:
Gruss Uwe
Eine Seeforelle zu fangen ist wie ein wunderschöner Sonnenuntergang. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erlebt haben. Bild

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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von astacus » Di 26. Okt 2010, 22:40

petri zu den äschen :v:

helix hat geschrieben:Kann diese Meinung absolut teilen, insbesondere wenn man so prachtvolle Refos sieht, die mit den Umweltbedingungen einiger unserer Gewässer ideal zurecht kommen. Bezüglich Umdenken wird es wohl noch eine Weile gehen, denke die Entwicklung in dieser Hinsicht geht eher in eine andere Richtung, obwohl die Begründungen hierfür meiner Meinung nach auf "wackligen" Beinen stehen.
das umdenken hat schon stattgefunden und zum glück in die richtige richtung. gerade in einem äschen-thread sollte die regenbögeler nicht zu fest gelobt werden, da sie erwiesenermassen den äschenbestand negativ beeinflusst.
FISCHEN hat von Natur aus etwas mit ESSEN zu tun Bild

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Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von helix » Mi 27. Okt 2010, 08:19

@astacus

Hehe, habe ich mir doch gedacht, dass du darauf reagieren würdest :D

Nur weil du und evtl. die Gesetzbestimmenden meinen, das sei die "richtige Richtung", ist dies noch lange nicht endgültig und ein "Umumdenken" wird vielleicht schon noch mal kommen. Logisch, jedes Raubtier, egal ob Regenbogenforelle, andere Raubfische, Mensch oder Vögel beeinflussen den Äschenbestand negativ. Nur ist es halt sehr "wackelig", darum und weil die Refo nicht einheimisch ist, deren Besatz zu verbieten.
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Gruess helix

Schweizer Angler

Re: Wer die Wahl hat die Qual .....

Beitrag von Schweizer Angler » Mi 27. Okt 2010, 09:39

@helix

astacus hat schon recht, und ich selbst glaube auch nicht an ein umdenken.
auch in usa versucht man unterdessen mit dem ehemligen mix-besatz aufzuhören (dort will man die bachforelle wieder loswerden). in uk schont man den grayling (äsche) und will die rbf will auch wieder loswerden (c&r bei äschen, take & kill bei rbf).
die erfahrungen decken sich in vielen gewässern & international, dass ein mix von verschiedenen salmoniden die ursprünglich auch nicht im gewässer geimeinsam vorkommen nichts bringt, ausser dem angler (kurzfristig) etwas freude.
heute weiss man z.b. (aus kanada & österreich) dass der bachsaibling und der regenbögler die äschen (in kanada die arktische äsche) verdrängt, weil sie die gleichen futternischen besetzen, und dass der regenbögler in einer äschenregion mehr schaden anrichtet als keinen. beim regenbögler ist es mehr dass er aus zuchten kommt, und den ursprügnliche gen-stamm schn lange weg ist, dafür die anfällikeit für seuchen.
im kanton bern hat die rbf in einem kleinen fluss nachweislich sogar einen äschenbestand dezimmiert, indem sie ihn mit seuchen angesteckt hat. leider erfolgt der rbf-besatz meist gerade mit solchen genetisch degeneierten zucht-rbf und meist noch als massfisch, wo die chancen (für die rbf)eh klein sind.

selbst mag ich die rbf aber auch sehr, denn an der flifirute bietet sie aus meiner sicht mehr spektakel als ne bf. ja und ich kenne sogar ein (ausnahme-)gewässer, wo die rbf ablaicht (aber es kommen dort nur bachsaiblinge und rbf vor, keine äschen und keine bafos). aber es ist dort auch kein besatz aus einer fischzucht, sondern aus einer besatzfischzucht, wo die rbf ganz anders aufgezogen werden und die eier direkt von einem wildstamm herkommen. das kriegst du bei uns nirgends.

ich bin für rbf-besatz so wie wir ihn ja ganz legal haben können; in bergseen oder flusssystemen, wo keine ab- und zuwanderung der rbf möglich ist und sie keine heimischen fischarten bedroht. andere länder gestatten rbf-besatz z.b. mit exemplaren die steril sind, also nicht ablaichen können, um zumindest die verbreitung der rbf zu verhindern. das gilt der rbf besatz als reiner attraktivitätsbesatz für fischer, ohne ziel eine rbf-fischpopulation zu erhalten oder gar aufzubauen.


weitere infos;

http://www.ichthyologie.de/GfI-Verhandl ... _Asche.pdf

http://e-collection.ethbib.ethz.ch/eser ... 421-01.pdf

http://e-collection.ethbib.ethz.ch/eser ... 421-01.pdf


Persönlich wundere ich mich noch immer über angler, die einerseits sich vor der öffentkluichkeit gerne als naturbewusst hinstellen, oder propagieren „ohne sie gäbe es keine fische“ (fragt sich nur welche….) etc. etc. der kormoran als chinesischer ausländer muss unbedingt weg, aber bass und regenbögler sind mehr als willkommen…..

gruss

sa

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