Von Heilpflanzen, Kräutern und mehr

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Rainbowwarrier
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Von Heilpflanzen, Kräutern und mehr

Beitrag von Rainbowwarrier » Sa 27. Jun 2020, 19:06

Salü Leute.

Heute Morgen sind wir nun in die Berge aufgebrochen. Die Grenzen sind wieder offen und so stellt sich endlich wieder etwas Normalität in dieser verrückten Welt ein.
Unser Ziel waren heute die Maiwipfel, Tannenharz für eine Pechsalbe sammeln, aber auch ein Lokalaugenschein wegen den Pilzen und einige Pflanzen dokumentieren und zu Hause abklären, wie sie heißen und ob sie eine Heilwirkung haben.

Die Weidenrinde hatte ich schon vor einiger Zeit beim Fischen nebenbei gesammelt, da ich einen vorhandenen Weg immer frei halten muss, fallen hier immer junge Zweige der Silberweide an und ich muss die Vegetation nicht zusätzlich schädigen.
Viel besser als ich das könnte, wird es auf dieser Seite erklärt: https://xn--fruleingrn-r5a90a.at/2020/0 ... der-natur/

So zogen wir los und wollten es gemütlich angehen, da es unser erster Ausflug heuer ist und wir uns langsam an die anstrengenden Bergtouren herantasten wollen.
Pilze gab es wenige zu sehen, ein paar kleine gelbe Punkte zeichnen sich bei den bekannten Pfifferlings-Plätzen ab und einen kleinen Flocki haben wir stehen lassen, das war´s auch schon.
Es gibt auf den Bergen noch eine unglaubliche Artenvielfalt an Pflanzen, vor über 40 Jahren gab es die auch noch im Tal, damals wurde aber noch nicht mit Gülle gedüngt und so oft das Heu geschnitten.
Auf einmal wähnten wir uns im Garten Gottes, die ganze Ebene eines Feuchtgebietes war voller Alpenrosen...
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Dann entdeckte meine Frau einen Baum und fragte, ist das braune da am Stamm Harz?
Ich sagte schauen wir mal und tatsächlich dürfte letztes Jahr ein Blitz in einen etwa 8 Meter hohen Baum eingeschlagen haben.
Jedenfalls war fast auf dem ganzen Stamm die Rinde aufgeplatzt.
Wir konnten die ersten kleinen Brocken Baumharz einsammeln, leider war das meiste Harz für uns unerreichbar in über 3 Meter Höhe.
Zwischen Stamm und Rinde hätte es Kiloweise gelbes Harz gegeben.

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Nach einer kleinen Stärkung zogen auf einmal Nebelschwaden auf und in der Ferne Donnerte es.
So ernteten wir noch eine kleine Portion Tannen/Fichtenwipfel und machten uns wieder auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen wollten wir gleich das Harz vom Schmutz reinigen.
Dazu braucht man einen großen Topf, bei dem es keine Rolle spielt, wenn er voller Harz ist.
Da ich auch seit Jahren selber meine Kräuter-Seifen mache, ist das bei mir kein Problem.
Dann braucht man noch einen alten Kochlöffel aus Holz oder Kunststoff, eine Plastikschüssel mit kaltem Wasser, ein Schneidebrett mit Backpapier darauf und alte Nylonstrümpfe oder Strumpfhosen der Frau.
In die Strumpfhose gibt man nun einen Stein zur Beschwerung und füllt dann das Harz ein und macht einen Knoten, dreht den Strumpf um, macht wieder einen Knoten und so weiter bis der Strumpf 3-4-fach das Harz einschliesst.
Jetzt den Topf zu 2/3 mit Wasser füllen und zum kochen bringen.
Dann den Strumpf mit dem Harz in den Topf mit dem kochenden Wasser geben und die Hitze reduzieren.
Nun löst sich Tropfen für Tropfen das reine Harz und steigt an die Oberfläche.

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Hier kann man es mit dem Kochlöffel abheben und in die Schüssel mit dem kalten Wasser tauchen.
Dann kann man daraus kleine Kügelchen machen und auf das Backpapier legen.
Wenn nichts mehr aus dem Strumpf kommt, kann man den Prozess beenden.
Ich habe heute so ein Glas voll reinem Baumharz gewonnen, welches in nächster Zeit zu einer Pechsalbe verarbeitet wird, welche Entzündungshemmend ist und auch ganz gut gegen Schmerzen eingesetzt werden kann.

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Rezepte findet man viele im Netz, so auch hier: https://xn--fruleingrn-r5a90a.at/2016/0 ... es-waldes/

Ich habe vorher schon Lärchenpechsalbe und Weihrauchsalbe benutzt, welche auch gut geholfen haben und dazu auch noch wunderbar duften.
Während dem Kochvorgang verbreitet sich ein betörender harziger Duft nach Wald in der Küche...probiert es doch auch mal aus, das Gold des Waldes.
"Jeder Tag ist Angeltag, aber nicht jeder Angeltag ist Fangtag" in Memoriam Auwa Thiemann

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